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18.1.2008 | Von:
Helke Rausch

Wie europäisch ist die kulturelle Amerikanisierung?

Aspekte kultureller Amerikanisierung in Westeuropa

Die amerikanische Massenkultur blieb nach 1945 - nicht anders als zuvor - ein überaus umstrittener Gegenstand öffentlicher Diskussion. Spätestens seit den 1950er Jahren wirkte sie aber zugleich prägend auf europäische Lebensstile. Was exakt den amerikanischen Konsumgütern über Alters-, Berufs- und soziale Unterschiede hinweg eine letztlich unentrinnbare Popularität eintrug, ist aber durchaus schwer zu bestimmen. Sicher begünstigten die steigende Konsumkraft in den regenerierten europäischen Volkswirtschaften und die professionellen amerikanischen Vermarktungsstrategien diesen Prozess.[8] In welchem Maße die neuen Konsumoptionen die europäischen Gesellschaften aber tatsächlich ideell amerikanisierten, ist ebenfalls kaum geklärt. Ein assoziativer Kurzschluss vom Colatrinker und Jeansträger auf seine politischen und ideologischen Werthaltungen jedenfalls wäre nicht empirisch verlässlich. Ohnedies konnten auch Haushaltsgeräte, Kleidermoden und Musikstile nicht darüber hinwegtäuschen, dass der nach neuen Stilregeln jenseits traditional-bürgerlicher "Hochkultur"-Maßstäbe agierende "consumer citizen" langfristig beiderseits des Atlantik eine massenwirksame Utopie blieb.

Fußnoten

8.
Vgl. Victoria de Grazia, Irresistible Empire: America's Advance through Twentieth-Century Europe, Cambridge, MA-London 2005.