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22.12.2009 | Von:
Mateusz Stachura

Politische Führung: Max Weber heute

Beim Umgang mit Max Weber geht es heute um die Anerkennung und Nutzbarmachung jener Qualitäten seiner Theorie, die in der handlungs-, ordnungs- und kulturtheoretischen Fundierung bestehen.

Einleitung

Was kann die Leadership-Forschung von einem Klassiker des soziologischen Denkens lernen, dessen politische Schriften im Erfahrungskontext des Ersten Weltkriegs entstanden sind? Sind seine Erkenntnisse nicht von der Forschung überholt oder, umgekehrt, zu einem wenig umstrittenen und daher auch wenig interessanten Grundwissen kanonisiert worden? Überraschenderweise sind sie es nicht, obwohl die sozialwissenschaftliche Forschungsmaschinerie ständig neue Ergebnisse mithilfe von immer neuen Modellen produziert. Gewiss liefern Max Webers Schriften weder mathematisch fundierte Modelle für die Analyse der Regierungszusammensetzung oder Koalitionsbildung noch quantitative Analysen politischer Rekrutierungsmechanismen.[1] Dafür ist bei Weber das Problem der politischen Führung jenseits kleinteiliger Fragestellungen in einen universalgeschichtlichen Kontext eingebettet und damit von der Frage geleitet, wie unter Bedingungen des modernen okzidentalen Rationalismus, der Differenzierung sozialer Teilbereiche, insbesondere aber unter den Bedingungen des modernen Kapitalismus, politische Freiheit überhaupt noch möglich sein kann.






Die Führungsfrage beschäftigt Weber im Zusammenhang mit der zuweilen technischen Debatte über die angemessene Staatsform für das Deutschland der Zeit nach dem Ersten Weltkrieg. Die Fragen der politischen Freiheit, der Verantwortungsübernahme, der Ideen und Werte politischen Handelns gehören in einen übergreifenden sozialphilosophischen Kontext. Wie konstruiert Weber den Zusammenhang zwischen der politischen Führung und der Freiheit, oder aber: zwischen der Führungsschwäche, dem politischen Opportunismus und dem Freiheitsverlust?

Fußnoten

1.
Vgl. Ludger Helms, Regierungsorganisation und politische Führung in Deutschland, Wiesbaden 2005, S. 29ff.

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