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14.3.2011 | Von:
Golz, Hans-Georg

Editorial

Wirtschaftsthemen sind seit dem drohenden Kollaps des globalen Finanzsystems in der öffentlichen Debatte präsent wie selten zuvor. Zugleich scheint es, dass immer mehr gesellschaftliche Teilbereiche Marktgesetzen unterworfen werden. Doch klafft eine deutliche Lücke zwischen dem Interesse an Wirtschaft und dem Wissen darüber.

Seit Jahrzehnten wird ein Mangel an ökonomischer Bildung insbesondere an den allgemeinbildenden Schulen beklagt. Der Bundesverband deutscher Banken und andere Interessengruppen fordern schon seit Längerem ein eigenständiges Schulfach "Ökonomische Bildung". Dabei herrscht auf den ersten Blick in Schulbüchern für Erdkunde, Politik, Geschichte oder Sozialkunde kein Mangel an wirtschaftlichen Fragestellungen. Allerdings taucht Soziale Marktwirtschaft meist unter dem Prisma des Sozialstaats, weniger unter dem der individuellen (Markt-)Freiheit auf.

Sicher ist eine grundlegende finanzielle Bildung vonnöten, um Jugendlichen einen kompetenten Umgang mit dem Taschengeld, den Handykosten oder dem Girokonto zu ermöglichen. Überschuldung ist in vielen Privathaushalten ein wachsendes Problem. Doch welche ökonomische Bildung soll angestrebt werden? Eine, die dem mündigen Wirtschaftsbürger ausreichende Qualifikationen an die Hand gibt, um durch rationale Entscheidungen den größtmöglichen individuellen Nutzen oder Gewinn auf dem Markt zu erstreben? Oder ist eine ökonomische Kompetenz gefragt, bei der eher das Wissen um die gegenseitigen Verflechtungen von Wirtschaft und Politik im Mittelpunkt steht? Ökonomische wie politische Bildung können zur Multiperspektivität beitragen. Erst eine Bewertung politischer Vorgänge auf der Basis einer fundierten ökonomischen Bildung erlaubt es, an der Gestaltung der demokratischen Gesellschaft zu partizipieren.