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Symbolbild: Ein zerknüllter Ein-Dollar-Schein liegt auf einer Rot-Weiß karierten Tischdecke und wird mit einem gelben Bügeleisen geglättet.

30.10.2020 | Von:
Anne Seibring

Editorial

Der Shitstorm ließ nicht lange auf sich warten, als drei Frauen Mitte Mai 2020 unter dem Hashtag #CoronaElternRechnenAb dazu aufriefen, die Aufwendungen für häusliche Betreuung und Beschulung während der Kita- und Schulschließungen dem Staat in Rechnung zu stellen. Die Debatte um den Wert und die Inwertsetzung von hauptsächlich durch Frauen geleistete "Care-Arbeit" ist nicht neu: "Sie nennen es Liebe. Wir nennen es unbezahlte Arbeit", beginnt Silvia Federicis Manifest "Wages Against Housework" von 1974. Über das Ziel, den weiblichen Teil der Menschheit aus dem "Hausfrauen-Ghetto" zu befreien, war man sich in der Neuen Frauenbewegung einig, über den Weg hingegen nicht.

Die Diskussionen haben sich in den vergangenen Jahren wieder intensiviert und werden in einem gesellschaftlich breiteren Kontext und unter veränderten (gleichstellungs)politischen Vorzeichen geführt. Unter Schlagworten wie "Sorge" oder "Care" werden neben unbezahlter Arbeit im eigenen Haushalt auch die Arbeitsbedingungen ausgelagerter und (unter)bezahlter Tätigkeiten im Pflegesektor, in der Kinderbetreuung oder im Reinigungsgewerbe in den Blick genommen, auch mit einer transnationalen Perspektive auf "Care Chains", das heißt die Übernahme dieser Arbeit durch Migrant:innen. Dieses "Outsourcing" zeigt, dass Care-Arbeit weder weniger wird, noch gleichberechtigt zwischen den Geschlechtern aufgeteilt wird, wenn der Erwerbsumfang von Frauen steigt.

Care-Arbeit steht weiterhin im Ruch einer privaten Jederfrau-Tätigkeit und ist immer noch wenig anerkannt. Um dies zu ändern, werden verschiedene Strategien zur Aufwertung von anfallenden Aufgaben im Haushalt, insbesondere der Betreuung oder der Pflege von Personen, diskutiert, beispielsweise Arbeitszeit- und Sozialversicherungsmodelle, die die Aufwendung für diese Arbeit durchgehend berücksichtigen. Gleichzeitig sollen auch die professionellen Kräfte in diesen Feldern durch mehr Geld und mehr Zeit pro Person bessergestellt werden. Vielleicht ließe sich auch mit der (Wieder-)Einführung von "Scheuerferien", "Haushaltstagen" oder ähnlichen bezahlten, geschlechterunabhängigen Freistellungen die Bedeutung dieses Wirtschaftens würdigen, ohne das "die Wirtschaft" nicht funktionieren würde.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Anne Seibring für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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