Bei einem Black Lives Matter Protest in Bristol wird die Statue von Edward Colston in das Hafenbecken geworfen

1.10.2021 | Von:
Martin Bauch
Hans-Rudolf Bork
Adam Izdebski

Vergessenes Extremwetter. Umwelthistorische Wegweiser auf dem Pfad der Resilienz

Als sich unmittelbar nach der Juliflut 2021 in Westdeutschland Betroffene und politisch Verantwortliche zu Wort meldeten, standen ihre Aussagen in einer langen historischen Tradition: Niemand habe sich so etwas vorstellen können, so hoch habe das Wasser noch nie gestanden, so plötzlich sei es noch nie gekommen. Bis in den Wortlaut hinein gleichen diese Aussagen dem, was im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit Chronisten nach entsprechenden Ereignissen niederschrieben; heute fehlt freilich der Hinweis auf Gottes Zorn in der Berichterstattung, dafür wird gelegentlich von einem "Zurückschlagen der Natur" gesprochen.

Hydrologen haben inzwischen auf vergleichbare, unter Umständen sogar größere Hochwasser der Ahr in den Jahren 1804 und 1910 hingewiesen.[1] Zudem ist der Zusammenhang der Genese und zunehmenden Häufigkeit von extremen Wetterereignissen mit dem Klimawandel zu nennen, den die Attributionsforschung nach den Hochwassern ausgeleuchtet hat.[2] Die infrastrukturelle Anpassung, über die bereits im Nachgang der Katastrophe viel diskutiert wurde, wird viel später – wenn überhaupt jemals in angemessener und machbarer Weise – realisiert werden können.

Während bei wiederkehrenden Hochwasser- oder Sturmflutereignissen im Jahres- oder mehrjährigen Rhythmus die Gefahr permanent im Gedächtnis gehalten wird, fehlt im öffentlichen Bewusstsein eine lange umwelthistorische Perspektive, die gefährdete Räume auch dann kenntlich macht, wenn sie über Jahrzehnte und Jahrhunderte nicht mehr von Katastrophen heimgesucht wurden.[3] Es gibt in Deutschland keine Erinnerungskultur für meteorologische, singulär erscheinende Extremereignisse jenseits der Hamburger Sturmflut 1962. Wer kennt schon lokale oder überregionale Wetterkatastrophen, die älter sind?

Klima- und Witterungsgeschichte

Forschung zu natürlichen Extremereignissen der Vergangenheit war lange Zeit eine Nischentätigkeit in den historisch arbeitenden Wissenschaften, die der akademischen Karriere nicht zuträglich war. Noch heute basiert die Klima-, Witterungs- und Hochwassergeschichte Mitteleuropas nicht unwesentlich auf der jahrzehntelangen Fleißarbeit eines meteorologisch interessierten Laien, des Bankangestellten Curt Weikinn (1888–1966), der Zehntausende von Karteikarten mit Exzerpten aus historischen Quellen beschriftete.[4] Auf dieser und vergleichbaren Sammlungen haben die professionellen Pioniere der Klima- und Witterungsgeschichte aus Geschichtswissenschaft, Meteorologie und Geografie aufgebaut;[5] dass hingegen ein großer Energieversorger, wie der französische Stromerzeuger EDF oder der italienische Konzern ENEL, historische Forschungen finanzierte, war ein singuläres Phänomen in den romanischen Ländern im Kontext des Ausbaus der Atomenergie. Im Fall Italiens spielte die sich daraus entwickelnde historische Erdbebenforschung,[6] die zwei Jahrtausende überblickt, eine nicht unwesentliche Rolle, sich früh gegen die zivile Nutzung von Atomkraft zu entscheiden.[7]

Hydrologische Extremereignisse blieben im Vergleich zu seismischen Katastrophen häufiger unbeachtet, auch im flutgefährdeten Mitteleuropa. Hier orientierte sich die Risikoabschätzung an instrumentellen Aufzeichnungen, was die Perspektive fatalerweise stark verkürzte. 2011 haben Schweizer Klimahistoriker eindrücklich gezeigt, dass vormoderne Hochwasserereignisse am Hochrhein sehr viel ausgeprägter waren,[8] ja dass sich die Sicherheitsmargen der großtechnischen Infrastruktur sogar auf die Daten einer relativen "Katastrophenlücke" (Christian Pfister) im 20. Jahrhundert stützten.[9]

Eine dringend notwendige Ausweitung der nach allen Regeln der historischen Kritik erstellten Datenbasis über das vergangene Jahrtausend bietet also eine große Chance, anwendungsorientiertes Wissen aus der Geschichte zu generieren. Nicht zuletzt ist es die solide geschichtswissenschaftliche Ausbildung in ihrer methodischen und epochalen Tiefe auch vor 1800, die Fachleute hervorbringt, die vormoderne Überlieferung in klimahistorische Daten transformieren können. Und trotz aller Pionierarbeiten ist hier noch viel zu tun; von einer Institutionalisierung an Universitäten und Forschungseinrichtungen ist die Klimageschichte weit entfernt. In der verschränkten Expertise von Geistes- und Naturwissenschaften liegt ein ungleich höheres Erkenntnispotenzial im Blick auf die Extreme der Vergangenheit und deren Bedeutung für die Zukunft als in einzeldisziplinärer Betrachtung.[10] Weil Gesellschaften und Umwelt integrierte sozioökologische Systeme sind, braucht ihre Erforschung auch geeignete institutionelle Verankerung, wie etwa das Social-Ecological Synthesis Center im US-amerikanischen Maryland, das die entsprechende Grundlagenforschung mit Stakeholdern und der Öffentlichkeit verbindet.[11]

Erinnerung an Extremwetter im öffentlichen Raum

Doch die Vormoderne und die für sie zuständige Forschung hat zum rapiden, anthropogenen Klimawandel unserer Gegenwart und Zukunft mehr beizutragen als nur Daten für Rekonstruktionen. Mittelalterliche und frühneuzeitliche Städte erinnerten durch Hochwassermarken an prominenten Orten wie Kirchen und Brücken an vergangene Wasserstände. Alle Nachgeborenen waren tagtäglich mit dem Gefahrenpotenzial der Flüsse konfrontiert, an denen sie lebten. Auch heute gibt es Hochwassermarken, doch diese sind viel weniger auffällig und meist nicht prominent platziert. Darüber hinaus verweisen sie nur selten so weit in die Vergangenheit, wie es nötig wäre. Analog ist auf die sogenannten Hungersteine zu verweisen: Niedrigwassermarken nicht nur, aber vor allem in der Elbe,[12] die eindrücklich 2018 sichtbar wurden und wie das Exemplar im nordböhmischen Děčín ihre Botschaft als Inschrift präsentierten: "Wenn Du mich siehst, dann weine".

Hochwassermarken am Roten Bau des Alten Rathauses in Würzburg mit Verweisen unter anderem auf die „Magdalenenflut“ 1342 und die „Eisflut“ von 1784. Die älteren Hochwassermarken sind mit Sicherheit nicht zeitgenössisch, aber plausibel aus älteren Quellen rekonstruiert.Hochwassermarken am Roten Bau des Alten Rathauses in Würzburg mit Verweisen unter anderem auf die "Magdalenenflut" 1342 und die "Eisflut" von 1784. Die älteren Hochwassermarken sind mit Sicherheit nicht zeitgenössisch, aber plausibel aus älteren Quellen rekonstruiert. (© Martin Bauch)
Noch eindrücklicher wussten vormoderne Kommunen ihre Bürger als Erinnerungsgemeinschaft einzuschwören: durch religiöse Prozessionen, wie in Frankfurt zur Erinnerung an die "Magdalenenflut", bei denen die Einwohner alle im Jahr 1342 überschwemmten Stadtteile jährlich feierlich abgingen.[13] Dieses Flutereignis war vielleicht das folgenreichste des vergangenen Jahrtausends, das Gesellschaften und Landschaften in Mitteleuropa nachhaltig veränderte.[14] Feuchte Luftmassen drangen damals aus dem Mittelmeerraum nach Mitteleuropa, wo sie sich über Tage abregneten. Die wenigen erhaltenen Hochwassermarken weisen auf weitaus höhere Abflussmengen im Vergleich zu allen uns bekannten Extremhochwässern der vergangenen Jahrzehnte.[15] Die langfristigen Schäden waren dramatisch. Durch extrem starke Bodenerosion wurde fruchtbare Ackerkrume flächenhaft abgespült, und nicht selten gelangte zuvor in der Tiefe liegendes unfruchtbares Gestein an die Oberfläche; damit endete dort der Ackerbau, neue Wälder wuchsen auf.[16] Interdisziplinäre Forschungen belegen den Verlust von etwa 13 Milliarden Tonnen Boden im Juli 1342, ein Drittel der gesamten Bodenerosion des vergangenen Jahrtausends. Im Vergleich dazu wird die Bodenzerstörung 2021 als gering anzusetzen sein. Eine religiöse Praxis hielt das Andenken dieser Katastrophe über fast zwei Jahrhunderte lebendig.

Ähnliches gab es in Erfurt, wo man sogar bis 1923 durch einen Umgang an ein Massengrab erinnerte, das Opfer der regeninduzierten Hungersnot von 1316/17 barg.[17] Performanz, religiöser Bezugsrahmen und öffentliche Sichtbarkeit waren die Zutaten dauerhafter Katastrophenerinnerung in der Vormoderne. Dass performative Umgänge auch heute Mobilisierung bewirken, hat Fridays for Future eindrücklich demonstriert. Und Hochwassermarken könnten den prominenten Platz wieder einnehmen, den sie in der Vormoderne bereits hatten.

Extreme Wetterlagen verheerten immer wieder ganze Regionen, wie die "Thüringer Sintflut" von 1613 zeigt. Am 29. Mai 1613 bildeten sich große Gewitterzellen über Thüringen, und gänseeigroße Hagelkörner zerschlugen abends Dächer und Feldfrüchte; der Abfluss der starken Niederschläge ließ in der Nacht die Ilm, einen Nebenfluss der Saale, abrupt um sechs bis acht Meter anschwellen, was Hunderte Menschen, Tausende Stück Vieh, Brücken und Bäume fortriss und in Erfurt 125, in Weimar 44 Häuser zerstörte. Böden wurden erodiert, Wiesen in den Tälern mit Kies, Sand und Lehm überschüttet. Flugschriften, Denkmale und Hochwassermarken erinnerten an das den Julifluten 2021 vergleichbare Ereignis; Maßnahmen zum effektiven Schutz vor erneutem Hochwasser blieben aus.[18]

Solche Flutereignisse lassen sich gerade für spätere Perioden auch kulturgeschichtlich kontextualisieren: So glückte dem 13-jährigen Ludwig van Beethoven am 27. Februar 1784 die Flucht aus der elterlichen Wohnung im zweiten Stock des Hauses Rheingasse 7 in Bonn, und er erreichte mit Mutter Maria Magdalena und seinen Brüdern über eiligst errichtete Stege und Leitern einen hochwassersicheren Ort – nachdem sich die in Ehrenbreitstein bei Koblenz aufgewachsene und dort hochwassererprobte Mutter noch über Stunden in vermeintlicher Sicherheit gewähnt hatte.[19] Ein mächtiger Stau von Eisschollen an einer Biegung des Rheins hatte das Wasser flussaufwärts in Bonn außergewöhnlich zur "Eisflut" auflaufen lassen, woran noch heute eine Inschrift auf einer Treppenstufe im Kreuzgang des Bonner Münsters erinnert. Das Hochwasser zerstörte Ende Februar oder Anfang März 1784 auch in Heidelberg, Regensburg, Bamberg, Würzburg und in vielen weiteren an Flüssen gelegenen Städten in Mitteleuropa Brücken und Gebäude. Dem Warmlufteinbruch, der zur raschen Schnee- und Eisschmelze führte, war fast überall in den gemäßigten Breiten der nördlichen Hemisphäre ein extrem kalter und schneereicher Winter vorausgegangen. Geo- und Klimawissenschaftler führen ihn auf die starken Asche- und Aerosolemissionen eines gewaltigen Vulkanausbruchs an der Lakispalte im Süden Islands zwischen Juni 1783 und Februar 1784 zurück.[20]

Wege zur Resilienz

Eine Erinnerungskultur der Umweltrisiken und ihrer Bewältigung ist nur ein Baustein gesellschaftlicher Resilienz in der anthropogenen Klimaerwärmung. In der Adaptionsdiskussion geht es um Infrastrukturen, und tatsächlich nahm Resilienz als Konzept ihren Ausgang in den Ingenieurswissenschaften: als Eigenschaft von Materialien, äußere Schocks zu absorbieren und dabei Funktionalität zu bewahren. Inzwischen hat das Konzept eine Blitzkarriere in verschiedenen Disziplinen durchlebt, so in der Ökologie, Ökonomie, Psychologie und Geschichtswissenschaft.[21] In einem sozialen Kontext wird Resilienz als Fähigkeit einer Gesellschaft oder eines politischen Systems verstanden, sich neuen Bedingungen anzupassen, vor allem an schockartige Umweltveränderungen wie extreme Wetterereignisse oder an permanente Wechsel hydrologischer Bedingungen. Trotz der Veränderungen behält die betroffene Gesellschaft aber ihre systemische Identität bei. Resilienz lässt sich auch als Prozess betrachten, als Adaptionszyklus, der nach einem externen Schock oder der Übernutzung von Ressourcen, zu einer tiefgehenden Transformation führt, die in einem neuen, stabilen Zustand endet. So denkt etwa auch die Umweltgeschichte klassische Themen der historischen Forschung als sozioökologische Resilienz ganzer politischer Systeme neu.[22]

Als Musterbeispiel liegt hier das Römische Reich nahe. Nach einem Jahrhundert grundstürzender Veränderungen angesichts militärischer Gefahren an fast allen Grenzen und zahlreicher Umweltstressoren (Pest, Klimawandel), erfand das Imperium sich neu und blieb doch das alte: Wir sprechen von Byzanz, um den politischen, institutionellen und ökonomischen Bruch zu betonen, aber die Byzantiner verstanden sich weiterhin als Römer und nannten sich auch so.

Ein wichtiges Ergebnis ist dabei, dass Resilienz keine vorbestimmte gesellschaftliche Eigenschaft ist. Sie kann verloren gehen, aber auch (wieder) aufgebaut werden.[23] Dazu gehört die Anpassung von Infrastrukturen, aber eben auch eine Bewusstseinsbildung, welchen Klimaveränderungen oder Seuchen wir bereits in der Vergangenheit ausgesetzt waren, und wie historische Gesellschaften diese bewältigten.

Daher ist der Aufbau von Resilienz in unseren Gesellschaften, die bald noch größere natürliche Stressoren erleben werden als die gegenwärtige Pandemie, nicht nur ein Thema der Forschung, sondern eine politische Aufgabe. Jenseits der gesamtgesellschaftlichen Transformationsaufgaben ist es eine besondere Herausforderung, den normalen Bürger mit dem Thema "Resilienz" langfristig zu erreichen: Tiefgreifender Wandel ist erst dann akzeptabel, wenn einsichtig wird, dass wir nur so Werte und Selbstverständnis unserer Gesellschaft beibehalten können. Eine umwelt- und klimahistorisch informierte Geschichtswissenschaft kann verschiedene Elemente für den Pfad zur Resilienz bereitstellen: Eine Überarbeitung schulischer Lehrpläne und Informationen für die Öffentlichkeit durch Ausstellungen,[24] aber auch an die Örtlichkeiten angepasste, lokale "Klimageschichten"[25] wären Mittel der Wahl einer kulturhistorisch informierten Klimageschichte; viele kleine, umwelthistorische Wegweiser und Anknüpfungspunkte für Erinnerung, die Risikobewusstsein und Ermutigung zur erfolgreichen Adaption gleichermaßen befördern. Für Mitteleuropa haben wir eine reiche Überlieferung sowohl an Aufzeichnungen, die den historischen Möglichkeitsraum ausleuchten, als auch bewährte oder noch zu entwickelnde Erinnerungstechniken. Unsere Gesellschaft, die unter hohem Adaptionszwang an den menschengemachten Klimawandel steht, tut gut daran, diesen historischen Schulterblick nicht länger zu vernachlässigen.

Der Beitrag erschien bereits in einer Kurzfassung ohne Anmerkungen: Martin Bauch/Hans-Rudolf Bork/Adam Izdebski, Vergessenes Extremwetter. Uns fehlt eine Erinnerungskultur für meteorologische Katastrophen, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. 7. 2021, S. 11.

Fußnoten

1.
Basierend etwa auf der Publikation Thomas Roggenkamp/Jürgen Herget, Historische Hochwasser der Ahr. Die Rekonstruktion von Scheitelabflüssen ausgewählter Ahr-Hochwasser, in: Heimatjahrbuch Kreis Ahrweiler 47/2015, S. 150–154.
2.
Vgl. Frank Kreienkamp et al., Rapid Attribution of Heavy Rainfall Events Leading to the Severe Flooding in Western Europe during July 2021, 23.8.2021, http://www.preventionweb.net/publication/rapid-attribution-heavy-rainfall-events-leading-severe-flooding-western-europe-during«.
3.
So auch die Argumentation von naturwissenschaftlicher Seite: Andreas Schäfer et al., Hochwasser Mitteleuropa, Juli 2021 (Deutschland), CEDIM FDA-Report Nr. 1 "Nordrhein-Westfalen & Rheinland-Pfalz", 21.7.2021, https://publikationen.bibliothek.kit.edu/1000135730«.
4.
Veröffentlicht in ihrem hydrologischen Teil als Curt Weikinn, Quellen zur Witterungsgeschichte Europas von der Zeitwende bis zum Jahre 1850: Hydrographie, 6 Bde., Berlin 1958–2002; ders., Weikinn’sche Quellensammlung zur Witterungsgeschichte Europas (Meteorologischer Teil), bearb. v. Knut Ronniger et al., Leipzig 2017, https://freidok.uni-freiburg.de/data/11658«.
5.
Einen ersten Überblick zur Disziplin und ihrer Entwicklung bei Franz Mauelshagen, Klimageschichte der Neuzeit. 1500–1900, Darmstadt 2010; umfassend bei Sam White/Christian Pfister/Franz Mauelshagen (Hrsg.), The Palgrave Handbook of Climate History, London 2018.
6.
Die beeindruckende Ergebnisse für den Mittelmeerraum vorlegen konnte: Emanuela Guidoboni/Alberto Comastri/Giusto Traina, Catalogue of Ancient Earthquakes in the Mediterranean Area Up to the 10th Century, Rome 1999; dies., Catalogue of Earthquakes and Tsunamis in the Mediterranean area from the 11th to the 15th century, Rome 2005.
7.
Trotz allem ist auch die Erinnerungskultur an seismische Katastrophen auf der Apenninhalbinsel von Widerständen und Vergessen geprägt, vgl. Emanuela Guidoboni, Il valore della memoria. Terremoti e ricostruzioni in Italia nel lungo periodo, in: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken 2016, S. 415–444.
8.
Vgl. Oliver Wetter et al., The Largest Floods in the High Rhine Basin since 1268 Assessed from Documentary and Instrumental Evidence, in: Hydrological Sciences Journal 5/2011, S. 733–758.
9.
Vgl. Christian Pfister, The "Disaster Gap" of the 20th Century and the Loss of Traditional Disaster Memory, in: GAIA – Ecological Perspectives on Science and Society 3/2009, S. 239–246.
10.
Vgl. Adam Izdebski et al., Realising Consilience: How Better Communication between Archaeologists, Historians and Natural Scientists Can Transform the Study of Past Climate Change in the Mediterranean, März 2016, http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0277379115301633«; John Haldon et al., History Meets Palaeoscience: Consilience and Collaboration in Studying Past Societal Responses to Environmental Change, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 13/2018, S. 3210–3218.
11.
Dafür ist etwa die jüngste Forschung zu den Mortalitätsleveln der Justinianischen Pest ein gutes Beispiel, vgl. Lee Mordechai et al., The Justinianic Plague: An Inconsequential Pandemic?, in: Proceedings of the National Academy of Sciences 51/2019, S. 25546–25554.
12.
Vgl. Jan-Michael Lange et al., Hungersteine in der Elbe, in: Sächsische Heimatblätter 4/2019, S. 324–329.
13.
Vgl. Martin Bauch, Die kommende Flut und ihre brachliegende Vergangenheit, in: Mittelalter. Interdisziplinäre Forschung und Rezeptionsgeschichte, 13.7.2021, https://mittelalter.hypotheses.org/26682«, insb. Karte 1 mit Verweis auf noch unveröffentlichte, ganz ähnliche Ergebnisse der Dissertation von Stephanie Eifert an der Technischen Universität Darmstadt 2020.
14.
Vgl. Hans-Rudolf Bork/Arno Beyer/Annegret Kranz, Der 1000-jährige Niederschlag des Jahres 1342 und seine Folgen in Europa, in: Falko Daim/Detlef Gronenborn/Rainer Schreg (Hrsg.), Strategien zum Überleben. Umweltkrisen und ihre Bewältigung, Mainz 2011, S. 231–242; Martin Bauch, Die Magdalenenflut 1342 am Schnittpunkt von Umwelt- und Infrastrukturgeschichte: Ein compound event als Taktgeber für mittelalterliche Infrastrukturentwicklung und Daseinsvorsorge, in: NTM. Zeitschrift für Geschichte der Wissenschaften, Technik und Medizin 3/2019, S. 273–309.
15.
Vgl. Gerd Tetzlaff et al., Das Jahrtausendhochwasser von 1342 am Main aus meteorologisch-hydrologischer Sicht, in: Wasser & Boden 10/2002, S. 41–49.
16.
Vgl. Hans-Rudolf Bork/Markus Dotterweich, Jahrtausendflut 1342, in: Archäologie in Deutschland 4/2007, S. 20–23; Hans-Rudolf Bork et al., Landschaftsentwicklung in Mitteleuropa. Wirkungen des Menschen auf Landschaften, Gotha 1998, insb. S. 226–251.
17.
Vgl. Tim Erthel, Der Schmidtstedter Gedenkstein von 1316: Ein seltenes Kleindenkmal der spätmittelalterlichen Klima- und Kulturgeschichte Erfurts, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte und Altertumskunde Erfurts 2009, S. 8–16.
18.
Vgl. Stefan Militzer/Rüdiger Glaser, Die Thüringische Sintflut von 1613. Szenarium – Schadensbild – Katastrophenmanagement, in: Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte 1994, S. 69–92; Mathias Deutsch/Karl-Heinz Pörtge/Michael Börngen, Anmerkungen zur Thüringer Sintflut von 1613, in: Christoph Ohlig (Hrsg.), Die Thüringische Sintflut von 1613 und ihre Folgen für heute, Clausthal Zellerfeld 2013, S. 1–39.
19.
Vgl. Familie Beethoven im kurfürstlichen Bonn. Neuauflage nach den Aufzeichnungen des Bonner Bäckermeisters Gottfried Fischer, hrsg. von Margot Wetzstein, Bonn 2006, S. 70f.
20.
Vgl. Thorvaldur Thordarson/Stephen Self, Atmospheric and Environmental Effects of the 1783–1784 Laki Eruption: A Review and Reassessment, 8.1.2003, https://agupubs.onlinelibrary.wiley.com/doi/full/10.1029/2001JD002042«; Hans-Rudolf Bork, Umweltgeschichte Deutschlands, Heidelberg 2020, S. 91–93. Vgl. dazu als neues Standardwerk die in Drucklegung befindliche Promotion von Katrin Kleemann "A Mist Connection. The Laki Fissure Eruption and its Legacy" an der Ludwig-Maximilians-Universität München 2020.
21.
Vgl. W. Neil Adger, Social and Ecological Resilience: Are They Related?, in: Progress in Human Geography 3/2000, S. 347–364; John Haldon/Arlene Rosen, Society and Environment in the East Mediterranean ca 300–1800 CE. Problems of Resilience, Adaptation and Transformation. Introductory Essay, in: Human Ecology 3/2018, S. 275–290.
22.
Vgl. bspw. Patricia Ann McAnany/Norman Yoffee (Hrsg.), Questioning Collapse: Human Resilience, Ecological Vulnerability, and the Aftermath of Empire, Cambridge 2010; John Haldon, The Empire that Would Not Die: The Paradox of Eastern Roman Survival, 640–740, Cambridge, MA 2016; Adam Izdebski, Ein vormoderner Staat als sozioökologisches System: Das oströmische Reich 300–1300, Dresden 2021.
23.
Vgl. dazu Adam Izdebski/Lee Mordechai/Sam White, The Social Burden of Resilience: A Historical Perspective, in: Human Ecology 2018, S. 291–303.
24.
Beispielhaft verwiesen sei auf die Online-Ausstellung "Die Wetterseiten der Geschichte/Weathered History – The Material Side of Past Climate Change", kuratiert von Martin Bauch und Diana Lucia Feitsch; Google Arts & Culture: https://g.co/arts/yn3nCgbPHTxQ8h3n8«.
25.
Ein gelungenes Beispiel für eine solche klimahistorische Stadtgeschichte: Laurent Litzenburger, Une ville face au climat: Metz à la fin du Moyen Âge: 1400–1530, Nancy 2015.
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