Joachim, der Großvater von Melanie, Jahrgang 1897. In der Familie gilt er als „Sohn aus reichem Haus“. Und er sei Rittmeister gewesen. Das war aber eigentlich alles, was zu erfahren war. Immerhin hat er 1941 begonnen, für seine älteste Tochter ein Tagebuch zu führen, aus dem sich einiges ableiten lässt. So war er nach dem Ersten Weltkrieg im Freikorps aktiv und auch im Stahlhelm und: er hielt definitiv nichts von der Weimarer Republik. Aber warum genau wurde er – obwohl schon älter – sehr früh Mitglied der SA? Was genau geschah bei ihm zwischen 1933 und 1945? War er nur Mitläufer – oder sogar Profiteur?

gestern ist jetzt

Was haben meine Eltern, Großeltern, Onkel und Tanten in der NS-Zeit gemacht? Das Interesse an dieser Frage lässt nicht nach und steigt in der Kinder- und Enkelgeneration im Moment wieder an. Sie spüren: Da ist was nicht erledigt. Der Podcast "gestern ist jetzt" begleitet diese Menschen: Solche, die sich auf die Suche machen, um mehr über ihre Großeltern zu erfahren – und solche, die sich institutionell mit dem Thema beschäftigen, um die Gespräche einzuordnen und Suchenden von ihrer Arbeit zu berichten. Die beiden Autorinnen Melanie Longerich und Brigitte Baetz geben Tipps, wie man die Recherche und Aufarbeitung der eigenen Familiengeschichte am besten angeht und machen sich selbst auf die Suche. Historiker kommen ebenso zu Wort wie Soziologinnen, Journalisten und Psychologen aber auch Mitarbeitende aus den unterschiedlichsten Archiven und mit dem Thema befasste Vereine. "gestern ist jetzt" erscheint seit Mitte September 2020 alle zwei bis vier Wochen.





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Aktuelle Folge

gestern ist jetzt [20] Düsseldorf

gestern ist jetzt [20] Düsseldorf

Was haben die Entwicklungen in Düsseldorf damals mit der Radikalisierung von Melanies Großvater Joachim zu tun? Das erklärt uns der Historiker Joachim Schröder.

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Alle anderen Folgen

gestern ist jetzt [1] Wer wir sind

In der ersten Folge des Podcasts "gestern ist jetzt" erzählen Melanie Longerich und Brigitte Baetz, warum sie wissen wollen, wie sich ihre Großväter im Nationalsozialismus verhalten haben und wie sich das heute noch in ihren Familien auswirkt. Außerdem werden diejenigen vorgestellt, die bei einer Recherche weiterhelfen: Wissenschaftlerinnen, Archivare, andere Enkelinnen und Enkel.

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gestern ist jetzt [2] Der Anfang

In dieser Folge ist Oliver von Wrochem bei Melanie und Brigitte zu Gast. Er ist Leiter der KZ-Gedenkstätte Neuengamme. Diese gibt Starthilfe bei der NS-Familienrecherche. Welche Daten braucht man für eine Recherche? Was ist am Anfang zu beachten? In welchen Archiven wird man fündig? Wohin kann man sich als Rechercheeinsteiger wenden?

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gestern ist jetzt [3] Coburg

In der dritten Folge reisen Brigitte und Melanie nach Coburg. Dort war Brigittes Opa Otto Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und musste deshalb einige Repressionen erleben – auch schon vor 1933. Die Stadt Coburg war im Dritten Reich eine Vorzeigestadt. Wenn einer sich hier auskennt, ist das Hubertus Habel. Er hat unzählige Recherchetipps für Brigitte.

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gestern ist jetzt [4] Joachim

Folge 4 dreht sich um Melanies Großvater Joachim. Er beschreibt in einem Tagebuch an die Tochter, wie er zum Nationalsozialisten wurde. Joachim, der Großvater von Melanie, war "SA-Mann der ersten Stunde" und machte nach der "Machtergreifung" Karriere. Melanie sucht Antworten - im Gespräch mit Mutter und Onkel. Und: zwei Bücher helfen weiter.

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gestern ist jetzt [5] Rosenthal

In der fünften Folge schildert die Hörerin Lena ihre Schwierigkeiten, über ihren Großvater zu sprechen. Im Gespräch mit Melanie und Brigitte erläutert die Soziologin Gabriele Rosenthal, warum Kinder und Enkel die Familiengeschichte anders verarbeiten, warum meist nur einer nachfragt und warum W-Fragen im Gespräch mit Familienangehörigen nichts bringen. Sie gibt hilfreiche Tipps, wie man Widerstände beim Nachfragen überwinden kann und wie man sich am besten unwissender stellt als man wirklich ist.

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gestern ist jetzt [6] Johannes

Zu Gast in dieser Folge ist Johannes Spohr. Er ist Historiker und freier Journalist in Berlin und hat einen Archivdienst für Recherchen zur NS-Geschichte in Familie und Gesellschaft gegründet. Er beschäftigt sich schon lange mit seinem Großvater Rudolf und beschreibt die Suche und auch die Reaktionen in Familie und der Heimatstadt seines Großvaters auf seiner eigenen Webseite. Er ist überzeugt: „Der Nationalsozialismus hat seine Wirkmächtigkeit bis heute nicht verloren“.

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gestern ist jetzt [7] Volkssturm

In dieser Folge erzählt Brigitte über den Stand ihrer Recherche. Wie sie weiß, war ihr Opa als Sozialdemokrat im Dritten Reich allerhand Repressalien ausgesetzt. Was genau mit ihm passiert ist, ist allerdings nicht so ganz klar. Mit einer Internetrecherche konnte sie jedoch bereits Einiges herausfinden: Brigittes Großvater war im Januar 1945 zum Volkssturm eingezogen und an die Ostfront verschickt worden – wo er möglicherweise sofort gefallen ist.

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gestern ist jetzt [8] NSDAP

Zwei Drittel aller Deutschen waren bei Kriegsende Mitglied der NSDAP – oder einer ihrer vielen Unterorganisationen. Auch Melanies Großvater Joachim. Was brachte eigentlich ein Parteieintritt, was kann die Mitgliedsnummer heute noch über Eure Großeltern erzählen – und was auch das Eintrittsjahr? Darüber sprechen Melanie und Brigittte in dieser Folge mit dem Parteienforscher Jürgen Falter, der seit vielen Jahren u.a. die Daten der NSDAP-Mitgliederkartei auswertet.

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gestern ist jetzt [9] NSDAP 2

In dieser Folge erzählt der Historiker Armin Nolzen mehr darüber, wie die NSDAP alle Lebensbereiche beherrschte und warum ausgerechnet Sozialdemokraten ihre Kinder in die Hitlerjugend schickten. Lange galt die Mitgliedschaft in der NSDAP als eine Art Kavaliersdelikt. Sich dem System zu entziehen, war schwer.

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gestern ist jetzt [10] Traumata

In dieser Folge sprechen Brigitte und Melanie mit der Sozialpsychologin Angela Moré. Sie spricht über sogenannte Gefühlserbschaften, über die unbewusste Weitergabe von Traumata und Schuldverstrickungen an nachfolgende Generationen und was es bedeutet, Täter- und Opfergeschichten in der Familie zu haben.

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gestern ist jetzt [11] Jürgen

In dieser Folge haben kommt ein Hörer dieses Podcasts zu Wort. Jürgen erzählt seine Familiengeschichte und der Psychotherapeut Peter Pogany-Wnendt ordnet diese Geschichte ein. Jürgen hat eine interessante Familiengeschichte und sowohl jüdische Wurzeln wie auch Vorfahren, die überzeugte Nazis waren. Peter Pogany-Wnendt ist selbst Kind verfolgter ungarischer Juden.

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gestern ist jetzt [12] PAKH

Zu gast in dieser Folge: die Psychotherapeuten Erda Siebert und Peter Pogany-Wnendt vom Arbeitskreis für intergenerationelle Folgen des Holocaust (PAKH e.V.). Hier sprechen Kinder von Verfolgten, aber auch Kinder von Tätern und Mitläufern über ihre Familiengeschichte. Das bringt wertvolle Erkenntnissen mit sich aber auch viele Spannungen zwischen den Beteiligten.

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gestern ist jetzt [13] "Menschen mit Nazihintergrund"

Melanie und Brigitte sprechen mit Meron Mendel und Saba-Nur Cheema von der Bildungsstätte Anne Frank über ihre Arbeit, die deutsche Erinnerungskultur und die aktuelle Debatte über den umstrittenen Ausdruck „Menschen mit Nazihintergrund“.

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gestern ist jetzt [14] Abraham Friedmann

In dieser Folge stellen Brigitte und Melanie ein frühes Opfer der Nazis vor – einen Mann, dem auch nach dem Dritten Reich keine Gerechtigkeit widerfahren ist: den Unternehmer Abraham Friedmann. Auf seinem Rücken triumphierte der Nationalsozialismus in Coburg.

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gestern ist jetzt [15] Karina Urbach

Zu Gast in dieser Folge ist die Historikerin Karina Urbach, die in „Das Buch Alice“ die Geschichte ihrer jüdischen Großmutter, der Wiener Kochbuchautorin Alice Urbach, recherchiert hat und dabei auf ein nahezu unbekanntes Kapitel der NS-Verbrechen stieß.

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gestern ist jetzt [16] Im Landesarchiv

In dieser Folge trifft Melanie Oberstaatsarchivrat Bastian Gillner vom Landesarchiv NRW in Duisburg. Dort liegen die Entnazifizierungsakten der britischen Besatzungszone und noch viel mehr Akten, die Euch bei der NS-Familienrecherche weiterbringen. Aber – da gibt’s auch einige Probleme.

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gestern ist jetzt [17] Entnazifizierung

Die Historikerin Hanne Leßau beschäftigt sich mit dem Thema Entnazifizierung und hilft Melanie dabei, die Akten über ihren Großvater Joachim einzuordnen.

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gestern ist jetzt [18] Marcus und Julia

Melanie und Brigitte haben sich für diese Folge mit zwei Hörern zusammengeschaltet und wollten wissen, was sie bei der Suche nach ihrer Familiengeschichte herausgefunden haben.

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gestern ist jetzt [19] NS-Täterinnen und "ganz normale" Frauen

Noch heute gibt es Bereiche, wo die Propaganda der Nationalsozialisten bestens funktioniert. Die Frauen im NS sind so ein Beispiel. Ein Gespräch über schwierige Erbschaften und kreative Wege, Handlungsspielräume und den NS als Chance.

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Themenseite

Familiengeschichte(n) - Was hat Dein Opa im Krieg gemacht?

Wie haben meine Großeltern im Nationalsozialismus gelebt? Welche Erfahrungen haben meine Eltern als Kriegskinder gemacht? Welche Auswirkungen haben Traumata, die von Generation zu Generation weitergegeben werden? Diese Übersichtsseite zeigt Menschen auf ihrer Spurensuche und bietet mehr Infos zum historischen Kontext.

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Dossier

Gerettete Geschichten: Elf jüdische Familien im 20. Jhd.

Elf Familiengeschichten zeigen, was Verfolgung, Kriege und Ost-West-Konflikt für Juden in Europa konkret bedeuten konnten. Jede der elf Biographien wird in einem Film erzählt. Interaktive Karten lassen die Größenordnung des Völkermordes und die Flucht- und Auswanderungsbewegungen vor und nach 1945 nachvollziehen. Texte beleuchten u.a. die Situation im Nachkriegseuropa sowie nach 1990.

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Berlin 1945 – Tagebuch einer Großstadt (1/2)

Das Jahr 1945 chronologisch als multiperspektivisches Mosaik: In Berlin 1945 kommen Deutsche und Alliierte, einfache Bürger, Soldaten, Journalisten, Politiker, Zwangsarbeiter, Untergetauchte, Verbrecher und Helden zu Wort. Ein Chor aus vielen Stimmen bildet ein kollektives Tagebuch. Erzählt wird aus den Blickwinkeln der Zeitgenossen.

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Themenseite

Flucht und Vertreibung

Alles zurücklassen und aus der Heimat fliehen: Kriege und Gewalt zwingen immer wieder viele Flüchtlinge zum Aufbruch ins Ungewisse. Allein der Zweite Weltkrieg machte Millionen Menschen heimatlos. Diese Themenseite beleuchtet die Geschichte von Flucht und Vertreibung im Europa des 20. Jahrhunderts.

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Themenseite

8. Mai 1945

Am 8./9. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Entfesselt vom Deutschen Reich, hatte er binnen sechs Jahren weltweit rund 60 Millionen Menschenleben gefordert. Das europäische Judentum hatten die Deutschen nahezu ausgelöscht. Um das "richtige" Gedenken an diesen Tag wird bis heute gestritten. Auf dieser Seite finden Sie Angebote der bpb zum Thema.

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Dossier

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Mit dem deutschen Überfall auf Polen begann am 1. September 1939 der Zweite Weltkrieg. Als er 1945 endete, lag Europa in Trümmern. Über 60 Millionen Menschen waren tot. Wie konnte es soweit kommen? Und wie sollte es weitergehen mit einem Land, das den größten Zivilisationsbruch der Geschichte begangen hatte?

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Dokumentarfilmdossier

Die Wohnung

In der Wohnung seiner verstorbenen Großeltern entdeckt der israelische Filmemacher Arnon Goldfinger Spuren einer unbekannten Vergangenheit. Die jüdischen Großeltern waren mit einem SS-Offizier befreundet. Der Dokumentarfilm zeichnet Goldfingers Auseinandersetzung mit der Familiengeschichte nach.

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