Wordle für Open Data Dossier

26.10.2011 | Von:
Daniel Dietrich

Offene Daten in Deutschland

Herausforderungen und Chancen

Zuständigkeiten für Erfassung, Aufbereitung und Bereitstellung von Daten des öffentlichen Sektors sind in Deutschland aufgrund der föderalen Struktur sehr heterogen. Das wirkt sich auch auf die Art der Datenbereitstellung aus. Daten werden durch die unterschiedlichen Akteure meist nicht in standardisierten Web-Formaten bereitgestellt, sondern in Tabellen, Fließtexten auf Webseiten oder PDF-Dateien. Die vorhandenen Formate eignen sich nur eingeschränkt für eine maschinelle Auswertung und Einbindung in bestehende Web-basierte und mobile Anwendungen. Ausserdem wird die Nutzung der Daten durch uneinheitliche und teilweise inkompatible Nutzungsrechte und Lizenzen unnötig erschwert. Preismodelle jenseits der Grenzkosten behindern Innovationen und neue Geschäftsmodelle. Daraus ergibt sich eine Herausforderung für die Weiterverarbeitung der Daten.

Zusätzlich zu der Verwendung von unterschiedlichen Formaten und Lizenzen stellt auch die Heterogenität der verwendeten Vokabulare und Klassifikationen zur semantischen Beschreibung der Daten eine Herausforderung bei der Aggregation und übergreifenden Auswertung von öffentlichen Datenbeständen dar.

Aufgrund dieser Herausforderungen bleibt das Potential, öffentliche Daten über Verwaltungsebenen und -grenzen hinweg effektiv auszutauschen, aufzubereiten und für Bürger, Wirtschaft und Wissenschaf zur Weiterverarbeitung zur Verfügung zu stellen, leider weitgehend ungenutzt. Um der föderalen und dezentralen Struktur des öffentlichen Sektors in Deutschland gerecht zu werden, ist ein rein zentralistisch ausgerichteter Ansatz eines "One-Stop-Shop" zur Bereitstellung von öffentlichen Daten nicht zielführend. Vielmehr liegt die Herausforderung in der Entwicklung eines dezentralen, föderieren Ansatzes, der Verwendung offener Standards, Formate und Lizenzen eine übergreifende Bereitstellung und Weiterverwendung von öffentlichen Daten in Deutschland ermöglicht.

In Deutschland bleibt viel zu tun in Sachen offene Daten. Rechtliche Rahmenbedingunegn sollten es deutschen Behörden ermöglichen über alle Verwaltungsebenen und -grenzen sowie über alle föderalen Ebenen hinweg Daten des öffentlichen Sektors bereitzustellen und miteinander zu vernetzen. Dabei müssen möglicherweise Behördeninterne Prozesse geändert werden, etwa wenn in Zukunft nach einem reformierten Informationsfrieheitsgesetz alle Behörden dazu angehalten sind den Großteil ihrer Daten pro-aktiv zu veröffentlichen.

Eine weitere Herausforderung ist die Schaffung von Rechtssicherheit für die Weiterverarbeitung und Weitergabe von Daten. Für die Nutzung und Weitergabe der Daten sind transparente rechtliche Regelungen zu schaffen. Dabei sollten einfache und einheitliche Lizenzmodelle verwendet werden sollten. Auch ist darauf zu achten, dass kein Wildwuchs von rechtlichen Regelungen entsteht, der Unternehmen, Verwaltungen und Bürger hinsichtlich der Nutzung der Daten verunsichert bzw. künstlich einschränkt. Durch die Verwendung international anerkannten Standard-Lizenzen kann die Kompatibilität mit anderen Lizenzen gewährleistet werden.

Abschließend kann gesagt werden, dass die Öffnung von Regierung und Verwaltung nach innen und nach aussen sowie die Öffnung der Daten des öffentlichen Sektors einen kulturellen Wandel darstellt. Dieser kann nur gelingen, wenn es gelingt, die Köpfe und Herzen aller Beteiligten in Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft zu gewinnen. Um dies zu meistern brauchen wir einen Dialog der alle Interessengruppen miteinbezieht und Sorgen und Wiederstände ernst nimmt um gemeinsam bessere Lösungen zu finden.

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