US-Soldaten in Afghanistan



Am vergangenen Freitag ermordete ein Rechtsterrorist 50 Menschen im neuseeländischen Christchurch. Seine Tat streamte er live ins Internet. Hier finden Sie einige internationale Pressestimmen in Englisch und Deutsch.

Im neuseeländischen Christchurch ermordete am Freitag (15.03.) ein Rechtsterrorist 50 Menschen in zwei Moscheen.Im neuseeländischen Christchurch ermordete am Freitag (15.03.) ein Rechtsterrorist 50 Menschen in zwei Moscheen. (© picture-alliance/AP) vom 18.03.2019

"New Zealand Police Censor Mosque Attack, Threaten to Jail Citizens Who Share Video"
Die neuseeländische Regierung will die Verbreitung der Videos und des Manifests des Massenmörders von Christchurch Jason Ditz zufolge mit harten Zensurmaßnahmen verhindern. Bürgern, die den Live-Stream des Täters online verbreiten, drohen demnach bis zu zehn Jahre Haft. "The one person jailed so far was a man who shared the original live-stream of the attack. New Zealand police, however, say that all citizens who share any video of the attack face 10 years in prison. They also warned against sharing the attacker’s manifesto, or other 'objectionable and restricted material.' New Zealand’s Internet providers have confirmed that they effectively have to, under penalty of fines, block all international websites that have links to the manifesto or the video itself. ISPs argue that these are 'extreme circumstances,' and that blocking such websites is 'the right thing to do.' Despite all efforts, the video appears not to have been vanished totally from human history, however. Turkish President Recep Tayyip Erdogan used parts of the video at weekend rallies warning about rising Islamophobia, and quoted the manifesto, which threatened Turkey specifically."
Frankfurter Rundschau vom 18.03.2019

"Erdogan macht sich den Terror zunutze"
Zwei Wochen vor den türkischen Kommunalwahlen habe Staatspräsident Erdogan die Attacke auf zwei Moscheen in Neuseeland als Steilvorlage für seinen Wahlkampf instrumentalisiert, berichtet die Frankfurter Rundschau. "In der Türkei ist der rassistisch motivierte Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch zum Wahlkampfthema avanciert. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan verwendete die Nachricht vom Mord an 50 Menschen sofort in seiner Kampagne zu den landesweiten Kommunalwahlen in zwei Wochen, die er zur Überlebensfrage des Landes erklärt hat. Den Anschlag interpretierte er als christliche Bedrohung, die von den Kreuzzügen bis zu heutigen Angriffen auf die türkische Nation und seine Person reichten. 'Ich will keinen neuen Krieg zwischen Kreuzfahrern und dem Halbmond', sagte er bei Wahlreden am Wochenende, 'aber wir werden nicht zögern zu tun, was nötig ist.'"
bellingcat vom 15.03.2019

"Shitposting, Inspirational Terrorism, and the Christchurch Mosque Massacre"
Robert Evans hat sich das Manifest des Täters von Christchurch angesehen und betrachtet den Text als "Shitpost", der tatsächliche Hinweise auf die Motivation des Täters unter einer Unmenge an provokativem und nicht wirklich ernst gemeintem Inhalt vergrabe. "In 'The Great Replacement' repeats a variety of 'white genocide' talking points, and claims his murder of several dozen Muslims is because they are 'invaders' outbreeding the white race. All the evidence we have suggests these are, more or less, the shooter’s beliefs. But this manifesto is a trap itself, laid for journalists searching for the meaning behind this horrific crime. There is truth in there, and valuable clues to the shooter’s radicalization, but it is buried beneath a great deal of, for lack of a better word, 'shitposting'. Shitposting is the act of throwing out huge amounts of content, most of it ironic, low-quality trolling, for the purpose of provoking an emotional reaction in less Internet-savvy viewers. The ultimate goal is to derail productive discussion and distract readers. The ultimate goal is to derail productive discussion and distract readers. 'The Great Replacement' is a clear and brutally obvious example of this technique."
Spiegel Online vom 17.03.2019

"Der Troll-Terrorist"
Auch Sascha Lobo hat sich in seiner Analyse eingehend mit dem Manifest des Täters von Christchurch beschäftigt, den er als "Troll-Terroristen" bezeichnet. Er kritisiert die Berichterstattung einiger Medien über den Anschlag und gibt Handlungsempfehlungen für den persönlichen Umgang mit Anschlägen dieser Art. "Die Berliner BZ aus dem Axel-Springer-Verlag hat inklusive Selfie des Täters und Foto seines Sturmgewehrs getitelt: 'Er tötete Unschuldige als Rache für den Terror am Breitscheidplatz'. (...) Es ist eine Titelseite, die sich der rassistische Massenmörder schöner nicht hätte wünschen können. Die BZ hat damit den medialen Teil des Attentats vollendet. (...) Und genau das führt zu einer Möglichkeit, sinnvoll mit der terroristischen Tat umzugehen, auch als Privatperson in sozialen Medien, erst recht aber als Teil der medialen Öffentlichkeit, egal ob als Journalistin, auf Twitter oder als Youtuber: alles vermeiden, was die Erzählung 'Wir (Weißen) gegen die (alle Muslime)' unterstützt; nicht ohne Kenntnis und Einordnung Zitate aus dem Manifest verbreiten; nicht die Videoaufnahme der Tat verbreiten; nicht den Schock als Einzeltat einsortieren und kommunizieren, sondern als Ergebnis einer gefährlich weit verbreiteten Ideologie - siehe NSU, siehe 'Hannibal'; nicht den Namen und das Foto des rassistischen Massenmörders leichtfertig verbreiten. Und schließlich kann man als Einzelperson darauf achten, ob junge und nicht mehr ganz so junge Männer im eigenen Umfeld abgleiten in solche extremistischen Sphären. Und sie, falls dieser Verdacht besteht oder sich bestätigt, konfrontieren. Und sei es nur, um ihnen zu zeigen: Wir sind da, und wir sind aufmerksam."
spiked vom 18.03.2019

"New Zealand’s ghoulish opportunists"
Ein Teil der westlichen Medien nutze den Anschlag von Christchurch auf "zynische" Art und Weise, um die eigene politische Agenda zu verfolgen und Islamkritiker jeder Art anzuprangern, meint Brendan O'Neill. Es sei auffällig, wie unterschiedlich die gleichen Kommentatoren auf islamistische Anschläge reagiert hätten. "Following Islamist barbarism in Europe and the US in recent years (...) the instruction from our betters has been the same every time. Don’t get angry, they say. Don’t exaggerate the threat of terrorism, they counsel. And don’t dare suggest that any book or idea, whether it is the Koran itself or pamphlets handed out at more questionable mosques, contributed to this attack. (...) This time the response could not be more different. Now we are actively invited to feel anger. Now we are told we must look for the source material that inspired this hateful individual and then condemn it and censor it. Now we are told that we must organise against the new fascism. (...) That, in essence, is what we are witnessing in response to New Zealand: a recognition among certain observers and activists that this racist atrocity can be used to boost their narrative. Their narrative of identity, of Muslim victimhood, of censorship, of social control. Islamist atrocities, on the other hand, harm their narrative."
Telegraph vom 18.03.2019

"A law against Islamophobia is a terrible idea"
Charles Moore hält es für gefährlich, nach dem Anschlag eines Rechtsextremisten auf zwei Moscheen in Christchurch über Gesetze zum Verbot von "Islamophobie" nachzudenken. Verbote dieser Art würden z.B. auch liberale Muslime treffen, die konservative Interpretationen ihrer Religion kritisieren. "When you define a 'phobia' against a religion, and punish it by law, you may think you are protecting it and its followers from insult. In fact, you will provoke worse. According to the all-party parliamentary group chaired by Lady Warsi, 'Islamophobia is rooted in racism and is a type of racism that targets expressions of Muslimness.' This false doctrine can turn almost anything into an offence. Think how it might be applied. A school tries to prevent Muslim girls coming to school with their faces completely covered. It does so, not because it has any view about Islam, but because it wants teachers and fellow pupils to be able to know the girls, and because it shares the modern Western view that boys and girls should be treated equally. It could, under the sort of law proposed, be accused of Islamophobia. (...) If the authorities allow 'Islamophobia' to be outlawed, they will have to define what is Islamic. Since they will be incapable of doing so, they will turn to self-appointed authorities, who, given the current worldwide ferment within Islam, will usually be militant."
Spiegel Online vom 15.03.2019

"Wir schauen nicht weg" Arno Frank hält es für zwecklos, die Übertragung der Bilder von Anschlägen wie in Christchurch durch Facebook oder andere Internetplattformen verbieten zu wollen. Auch die Beschwörung der "angeblichen Wächterfunktion alter Medien" werde nicht weiterhelfen. "Wo die Beziehung zwischen Terror und Medien so eindeutig ist, bewegen wir uns auf abschüssigem Terrain. Dann kann auf die meisten Medien, alte wie neue, kein Verlass mehr sein. Nicht, weil sie "lügen" würden, wie ihre Gegner gern behaupten. Sondern, weil der moderne Terrorist als seine eigene PR-Agentur die Nachricht so obszön aufbereitet, dass sie das Medium selbst zur Botschaft macht. Ihre Überbringung erst vollendet die Tat. Damit hat er sein Ziel erreicht. 'Wen der Terror der Bilder nicht zum Täter macht, den macht er zum Voyeur', schrieb 2015 Hans Magnus Enzensberger. Seit erstmals 2016 ein Islamist in Frankreich die Enthauptung der Frau eines Polizisten auf Facebook streamte, hat der Terror der Bilder eine neue Evidenz und Dringlichkeit bekommen. Heute, vier Jahre später und ein paar technische Entwicklungen weiter, ist er endgültig die 'an alle und jeden gerichtete Zumutung' pornografischster Verrohung geworden, von der Enzensberger schreibt. Wen das Bild nicht zum Opfer macht, den macht es zum Komplizen.
Zeit Online vom 17.03.2019

"Muslime fordern stärkeren Schutz von Moscheen in Deutschland"
Der Zentralrat der Muslime in Deutschland sieht nach dem Anschlag von Christchurch zusätzlichen Schutzbedarf für muslimische Gemeinden. "In den muslimischen Gemeinden leide inzwischen das Vertrauen in die Arbeit der Sicherheitsbehörden, sagte der Vorsitzende. Viele hätten das Gefühl, dass ihre Sorgen und ihr Sicherheitsbedürfnis nicht ernst genommen würden. Deshalb begrüße der Zentralrat, dass Bundesinnenminister Horst Seehofer ein erhöhtes Sicherheitsrisiko im Zusammenhang von Moscheen erkannt und sicherheitspolitische Konsequenzen angekündigt habe. 'Nach unserem Dafürhalten gab es bereits schon vor dem Terrorattentat in Neuseeland dafür akuten Bedarf. Aber besser spät als nie', sagte Mazyek."
BBC vom 17.03.2019

"Christchurch shootings: Attacker was 'lone gunman'"
Die BBC mit allen wesentlichen Informationen zum Anschlag eines rechtsextremistischen Täters auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch am vergangenen Freitag. "The man charged over Friday's twin mosque attacks in the New Zealand city of Christchurch is believed to have acted alone, police say. Australian Brenton Tarrant, 28, a self-described white supremacist, live-streamed the attack on Facebook."
Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17.03.2019

"Ein Terrorakt 'made in Australia'?"
Till Fähnders berichtet aus Christchurch über Hintergründe und Reaktionen auf den Anschlag auf zwei Moscheen. "Der mutmaßliche Attentäter von Christchurch stammt aus Australien – einem Land mit langer Tradition rechtsextremistischen Gedankenguts und größer werdender anti-muslimischen Haltung. Nach den jüngsten Attentaten sind die Menschen auch dort aufgewühlt."
The Times vom 17.03.2019

"Brenton Tarrant was a classic pseudo-commando — short, single, bent on revenge"
Tony Allen-Mills schreibt, dass das psychiatrische Profil von Brenton Tarrant, der in Christchurch 50 Menschen erschossen hat, dem früherer Massenmörder auf "deprimierende" Art und Weise gleiche. "They are known as pseudo-commandos, a warped breed of lethal fantasist driven by anger and resentment and bent on furious revenge. They are often short — like Tarrant, whose muscular forearms were in marked contrast to his diminutive height in court — and many are angry with women for failing to admire them. The only women in Tarrant’s life appear to have been his mother and sister. Pseudo-commandos go shopping for flak jackets, fatigues and ammunition belts and linger in front of the mirror, imagining how they will look when they head off to administer what they have persuaded themselves will be justice. 'The pseudo-commando is a type of mass murderer who kills in public during the daytime, plans his offence well in advance and comes prepared with a powerful arsenal of weapons,' wrote the American forensic psychiatrist James Knoll in 2010, years before Tarrant switched on his helmet camera and muttered: 'Let’s get this party started.' From what little is known of Tarrant’s life so far, he seems to fit the profile so exactly that it appears shocking his swerve to extremism was not detected in time to prevent his deadly rampage."
Guardian vom 17.03.2019

"Technology is terrorism’s most effective ally. It delivers a global audience"
Der Massenmörder von Christchurch hat seine Tat über Facebook in einem Live-Stream übertragen. Jason Burke hält diesen Einsatz der modernen Technologie durch einen Terroristen für logisch und unausweichlich. "As media organisations evolved, so did terrorist ones. Top down was out, peer to peer was in. There were citizen journalists who followed broad guidelines but were not formally affiliated to an organisation and 'freelance' terrorists who did much the same. The mainstream media were increasingly redundant. Why fight to get on the BBC or al-Jazeera if you could just create your own channels and reach your audience directly? Isis showed how effective that could be. Rightwing extremists were slower to exploit the potential of this seismic shift. Now, with the Christchurch attack, they have caught up. There have been live streams of terror attacks before – a French extremist streamed on Facebook the knife murder of a policeman and his partner in 2016 – but none as high profile. It is often said we get the media we deserve but that is a simplification. But the media, like terrorism, are part of our societies and, like terrorism, are influenced by broader trends. Perhaps the most striking element of the atrocity in New Zealand is how the filming of the video was an integral part." vom 16.03.2019

"Would Social Media Have Censored Video of 9/11 or Kennedy Assassination?"
Thomas Knapp hält es für bedenklich, dass Facebook, Youtube und Twitter die Videos vom Anschlag von Christchurch von ihren Plattformen entfernt haben. "Social media companies should enable our choices, not suppress our choices at the censors’ every whim. If Facebook, Twitter, and YouTube had been primary news sources in 1915, would they have permitted us to view footage (rare, as film was in its early days) of New Zealanders’ desperate fight at Gallipoli? How about the attack on Pearl Harbor? The assassination of president John F. Kennedy? The second plane hitting the World Trade Center? (...) Terrorists don’t need video to 'inspire' them. Like mold, evil grows best in darkness and struggles in sunlight. If you want to help terrorists, hiding the ugliness of their actions from the public they hope to mobilize in support of those actions is exactly how you do it. Contrary to their claims of supporting 'democracy' versus 'extremism,' the social media companies and the censors they 'struggle' to assist seem to side with terror and to lack any trust in the good judgment of 'the people."
Süddeutsche Zeitung vom 15.03.2019

"Wie rechte Terroristen sich weltweit vernetzen"
Nach Ansicht von Ronen Steinke beweist der Anschlag in Neuseeland, dass "nicht nur der Islamismus, sondern auch der Rechtsterrorismus global" seien. "Schlägt ein Islamist irgendwo in einem westlichen Land zu, dann betrachtet die westliche Welt das in der Regel rasch als Teil eines großen Ganzen. Die Tatorte mögen sich unterscheiden, die Tatmotive nicht. Der Dschihadismus ist global. Schlägt hingegen ein hellhäutiger Rassist irgendwo zu, dann sah man das häufig eher als örtliches Phänomen. Als einen Ausdruck lokalen Abschottungswillens, verübt von einem Local, Deutschland den Deutschen, Kanada den Kanadiern, und so weiter. Dass diese Sichtweise schon länger nicht mehr stimmt, macht nun der tödliche Anschlag auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch unübersehbar.
Frankfurter Rundschau vom 16.03.2019

"Terror im Namen der Identität"
Matthias Koch erkennt Parallelen zwischen dem islamistischen und dem rechtsextremen Terrorismus. "Seit Jahrzehnten kreisen kluge Debatten um die Frage, ob Fehler des Westens beigetragen haben zum islamistischen Terror – oder ob umgekehrt der islamistische Terror erst den Rassismus und den Nationalismus im Westen richtig angeschoben hat. Man sollte jetzt aufhören mit diesem Streit und sich auf die aktuelle Gefahrenabwehr konzentrieren: Gegen beides muss die Staatengemeinschaft entschlossener als bisher vorgehen. Die Botschaft islamischer Fundamentalisten an ihre Follower ist dieselbe wie die der weißen Rassisten an ihresgleichen. 'Du gehörst zu einer Gruppe, die in Gefahr ist', predigen die Verführer auf beiden Seiten. 'Es wird jetzt Zeit, dass du dich erhebst, denn ein historischer Kampf muss jetzt endlich ausgefochten werden zwischen uns und denen, die anders sind.'"
spiked vom 16.03.2019

"New Zealand: the barbarism of identity politics"
Brendan O'Neill weist nach dem Anschlag von Christchurch darauf hin, dass der rechtsextreme Täter in seinem mutmaßlichen Manifest einen radikalen Ethnonationalismus vertreten und sich selbst immer wieder als "Weißen" bezeichnet habe. "The killer seems to see himself as little more than a cultural being. In his seeming manifesto he professes commitment to the warped ethos of ethno-nationalism and continually refers to himself as white. He can see no identity for himself beyond the one he inherited by birth. (...) The identitarian impulse has catastrophically divided society. It has nurtured cultural and racial conflict. It has given rise to a grotesque game of competitive grievance. It has had an inexorably fragmentary impact, ripping the social fabric. We are now actively invited to think racially, behave racially, conceive of ourselves as little more than white men or black women or whatever, and to engage with people through a racially and culturally heightened perspective: check your white privilege, watch your microaggressions, stay in your cultural lane, etc. It would be remarkable if such a depraved culture did not help to nurture new forms of violence. New Zealand confirms that identitarianism is now a scourge of the violent right as well as the woke left. The only person to blame for the massacres in New Zealand is the man who carried them out. No identitarian politician or activist or commentator is responsible for this. But if we want to limit the attraction of such violent identitarian thinking, such vicious cultural paranoia, we must urgently make the case for a new humanist politics in which your character and humanity count for more than your skin colour and your heritage."
Süddeutsche Zeitung vom 17.03.2019

"Stammesdenken zersetzt unsere demokratischen Gesellschaften"
Der Politikwissenschaftler Francis Fukuyama meint in diesem Interview zu seinem neuen Buch "Identität. Wie der Verlust der Würde unsere Demokratie gefährdet", dass die Identitätspolitik der Linken von der Rechten kopiert worden sei und Rechtspopulisten wie Trump zu Wahlerfolgen verhelfe. Die Linke müsse wieder pragmatisch werden und sich für den sozialen Zusammenhalt auf nationaler Ebene einsetzen, so seine Empfehlung. "Die Linke hat in der Identitätspolitik zu Recht viel Potenzial erkannt, als sie diese Ziele zu ihren eigenen machte. Aber sie vernachlässigte dafür sachpolitische Fragen und die soziale Gerechtigkeit. (...) Ich würde der Linken, den Demokraten in den USA ebenso wie den Sozialdemokraten in Europa, raten, dieses Wunschdenken aufzugeben. Solange es keine Möglichkeit gibt, praktische Prinzipien von Rechtsstaat und Demokratie auf einer höheren als der nationalen Ebene umzusetzen, bleibt die Nation die politisch relevante Bezugsgröße. (...) Der Nationalstaat ist nach wie vor der Ort politischer Macht. Die Menschen spüren die Nation im politischen Alltag ständig. Das heißt nicht, dass man nicht mit anderen Staaten kooperieren oder die EU abschaffen sollte. Aber die Integration neuer Mitbürger, in der globalisierten Welt eine Notwendigkeit, kann nur auf nationaler Ebene gelingen."

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