Sowjetunion I: 1917-1953

5.8.2014 | Von:
Susanne Schattenberg
Maike Lehmann
Alexandra Oberländer

Der Sieg der Bolschewiki

Der Generalsekretär Stalin



Lenins Vermächtnis

Am 21. Januar 1924 starb Lenin. Krankheitsbedingt und durch insgesamt vier Schlaganfälle körperlich stark beeinträchtigt, war er bereits seit 1922 nicht mehr öffentlich aufgetreten und hatte sich aus dem politischen Geschäft zurückgezogen. Da er kein Mitglied des Politbüros für geeignet hielt, baute er keinen Nachfolger auf, versuchte aber, die Partei in einem Brief, seinem sogenannten Testament, vor Stalin zu warnen. Nachdem der 13. Parteitag 1924 Stalins Rücktritt abgelehnt hatte, ließ Stalin das Dokument verschließen, das erst Nikita Chruschtschow (1894-1971) in seiner Geheimrede 1956 zitieren sollte.

Quellentext

Lenins "politisches Testament" – Briefe an den Parteitag

[…] Gen. Stalin hat, nachdem er Generalsekretär geworden ist, eine unermeßliche Macht in seinen Händen konzentriert, und ich bin nicht überzeugt, daß er es immer verstehen wird, von dieser Macht vorsichtig genug Gebrauch zu machen. Anderseits zeichnet sich Gen. Trotzki, wie schon sein Kampf gegen das ZK in der Frage des Volkskommissariats für Verkehrswesen bewiesen hat, nicht nur durch hervorragende Fähigkeiten aus. Persönlich ist er wohl der fähigste Mann im gegenwärtigen ZK, aber auch ein Mensch, der ein Übermaß von Selbstbewußtsein und eine übermäßige Vorliebe für rein administrative Maßnahmen hat.
Diese zwei Eigenschaften zweier hervorragender Führer des gegenwärtigen ZK können unbeabsichtigt zu einer Spaltung führen, und wenn unsere Partei nicht Maßnahmen ergreift, um das zu verhindern, so kann die Spaltung überraschend kommen. [.…]

25. Dezember 1922
Lenin

W. I. Lenin: Werke. Ins Deutsche übertragen nach der 4. russischen Ausgabe,besorgt vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Bd. 36, 1900-1923, Berlin (Ost) 1962, S. 579 f.


Quellentext

Ergänzung zum Brief vom 24. Dezember 1922

Stalin ist zu grob, und dieser Mangel, der in unserer Mitte und im Verkehr zwischen uns Kommunisten durchaus erträglich ist, kann in der Funktion des Generalsekretärs nicht geduldet werden. Deshalb schlage ich den Genossen vor, sich zu überlegen, wie man Stalin ablösen könnte, und jemand anderen an diese Stelle zu setzen, der sich in jeder Hinsicht von Gen. Stalin nur durch einen Vorzug unterscheidet, nämlich dadurch, daß er toleranter, loyaler, höflicher und den Genossen gegenüber aufmerksamer, weniger launenhaft usw. ist. Es könnte so scheinen, als sei dieser Umstand eine winzige Kleinigkeit. Ich glaube jedoch, unter dem Gesichtspunkt der Vermeidung einer Spaltung und unter dem Gesichtspunkt der von mir oben geschilderten Beziehungen zwischen Stalin und Trotzki ist das keine Kleinigkeit, oder eine solche Kleinigkeit, die entscheidende Bedeutung erlangen kann.


4. Januar 1923
Lenin

W. I. Lenin: Werke. Ins Deutsche übertragen nach der 4. russischen Ausgabe,besorgt vom Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Bd. 36, 1900-1923, Berlin (Ost) 1962, S. 579 f.


Verflechtung von Partei und Staat in der SowjetunionVerflechtung von Partei und Staat in der Sowjetunion
Stalin war 1922 Generalsekretär der Partei geworden und bekleidete damit ein Amt, das für rein organisatorische Zwecke eingerichtet worden war. Er aber baute es zum wichtigsten Posten in Partei – und Staat − aus. Der Generalsekretär entwickelte sich in den 1920er-Jahren zum Vorsitzenden des Politbüros, das das Zentralkomitee steuerte, welches die Parteitage ausrichtete. Formal sahen die Statuten es andersherum vor: Die Parteitage sollten das Zentralkomitee wählen, aus dessen Reihen das Politbüro bestimmt wurde, das dann den Generalsekretär einsetzte. Nach Lenins Tod 1924 herrschte zunächst eine Troika aus Stalin, Sinowjew und Kamenew, die unter sich die wichtigsten Ämter in der Partei aufteilten; Trotzki, der Organisator der Revolution, Sieger des Bürgerkriegs und Volkskommissar für das Kriegswesen, war isoliert und wurde als arrogant und selbstverliebt gemieden.

Obwohl sich Lenin selbst ein einfaches Erdbegräbnis gewünscht hatte, beschloss das Politbüro, ihn für die Ewigkeit einbalsamieren zu lassen. Noch 1924 wurde Petrograd in Leningrad umbenannt; das berühmte Mausoleum auf dem Roten Platz des Architekten Alexei Schtschusew (1873-1949) wurde 1930 fertig gestellt. Damit wurde Lenin bildlich zum Fundament von Staat und Partei erklärt: Alle seine Nachfolger, von Stalin bis Gorbatschow, leiteten ihre Legitimation daraus ab, dass sie Lenins Lehren pflegten und umsetzten. Die Bolschewiki verwerteten Lenins Tod zudem propagandistisch als Opfertod und gaben die Parole aus: "Lenin lebt in Dir! In jedem Kommunisten lebt die Flamme Lenins; ohne die Leiden, die Du für uns auf Dich genommen hast, würdest Du noch leben."

Die Ausschaltung der "Opposition"

In den Jahren 1924 bis 1927 gelang es Stalin mit geschicktem Taktieren, seine Rivalen zu entmachten. Er nutzte ideologische und programmatische Streitpunkte, um seine Meinung als die wahre Parteilinie darzustellen und die seiner Gegner als Abweichung zu brandmarken. Dabei half ihm das Parteistatut, das seit 1921 Fraktionen verbot und damit jede andere Meinung kriminalisierte. Stalin setzte eine Praxis durch, auf die er in den 1930er-Jahren seine Macht stützte: Wer nicht für ihn und die Parteilinie war, war gegen ihn und wurde als Feind behandelt. Hauptstreitpunkte in den 1920er-Jahren waren das Schicksal der Weltrevolution, die Bauern und die NÖP. Mit der pragmatischen Haltung, der "Sozialismus in einem Lande" sei möglich, manövrierte Stalin Trotzki ins Abseits, der an der Vorstellung einer Weltrevolution festhielt. 1925 verlor Trotzki sein Amt als Volkskommissar für Verteidigung, 1927 ließ ihn Stalin aus der Partei ausschließen, 1929 aus der Sowjetunion ausweisen und 1940 in Mexiko ermorden. Sinowjew und Kamenew, die Stalin bei der Entmachtung Trotzkis geholfen hatten, griff Stalin seit 1925 als "linke Opposition" an, die die neue, moderate Position gegenüber den Bauern, "dem Dorfe zugewandt", nicht mittrügen. 1926 konnte er beide aus dem Politbüro, 1927 auch aus der Partei ausschließen. Kaum war dies erreicht, änderte Stalin seine Politik gegenüber den Bauern, erklärte die NÖP für beendet und griff nun jene als "rechte Opposition" an, die vorher mit ihm die "Linken" angegriffen und für eine Fortsetzung der NÖP plädiert hatten: 1929/30 verloren auch Bucharin, Tomski und Rykow alle Parteiämter. Alle fünf ließ Stalin im Rahmen von Schauprozessen 1936 bis 1938 anklagen und erschießen. Am 21. Dezember 1929 feierte Stalin seinen 50. Geburtstag (seit 1922 führte er ein anderes Geburtsdatum) und seinen Sieg über seine "Opponenten".

Quellentext

Resolution des X. Parteitags der Russischen Kommunistischen Partei über die Einheit der Partei vom 8.-16. März 1921

[…]

2. […] Es ist notwendig, daß alle klassenbewußten Arbeiter sich des Schadens und der Unzulässigkeit jeder wie immer gearteten Fraktionsbildung klar bewußt werden, die, selbst wenn Vertreter der einzelnen Gruppen den besten Willen haben, die Parteieinheit zu wahren, in der Praxis unweigerlich dazu führt, daß die einmütige Arbeit geschwächt wird und daß die Feinde, die sich an die Regierungspartei heranmachen, erneut verstärkte Versuche unternehmen, die Zerklüftung zu vertiefen und sie für die Zwecke der Konterrevolution auszunutzen. […]

3. Die Propaganda in dieser Frage muß bestehen: einerseits in einer eingehenden Aufklärung über den Schaden und die Gefährlichkeit der Fraktionsbildung vom Gesichtspunkt der Einheit der Partei und der Verwirklichung der Willenseinheit der Avantgarde des Proletariats als der Grundbedingung für den Erfolg der Diktatur des Proletariats, anderseits in der Erläuterung der Eigenart der neuesten taktischen Methoden der Feinde der Sowjetmacht. Diese Feinde, die sich davon überzeugt haben, daß die Konterrevolution unter offen weißgardistischer Flagge hoffnungslos ist, verwenden jetzt alle Anstrengungen darauf, unter Ausnutzung der Meinungsverschiedenheiten innerhalb der Kommunistischen Partei Rußlands die Konterrevolution auf diese oder jene Weise zu fördern […]. […]

4. Im praktischen Kampf gegen die Fraktionsbildung ist es notwendig, daß jede Parteiorganisation aufs strengste darüber wache, daß keinerlei fraktionelle Handlungen zugelassen werden. Die unbedingt notwendige Kritik an den Mängeln der Partei muß so gehandhabt werden, daß jeder praktische Vorschlag in möglichst präziser Form unverzüglich, ohne jegliche Verschleppung, an die örtlichen leitenden Organe und an das leitende Zentralorgan der Partei zur Erörterung und Entscheidung weitergeleitet wird. Jeder, der Kritik übt, hat außerdem der Form der Kritik nach Rücksicht zu nehmen auf die Lage der Partei, die von Feinden umgeben ist, und muß in bezug auf den Inhalt der Kritik durch seine eigene unmittelbare Teilnahme an der Sowjet- und Parteiarbeit die Korrigierung der Fehler der Partei oder einzelner ihrer Mitglieder in der Praxis erproben. Irgendeine Analyse der allgemeinen Linie der Partei oder die Auswertung ihrer praktischen Erfahrung, die Kontrolle der Durchführung ihrer Beschlüsse, das Studium der Methoden zur Berichtigung von Fehlern usw. […] ist ausschließlich und unmittelbar zur Behandlung durch alle Parteimitglieder vorzulegen. […]

5. Indem der Parteitag die Abweichung in der Richtung zum Syndikalismus und Anarchismus, die in einer besonderen Resolution analysiert wird, prinzipiell ablehnt und das Zentralkomitee beauftragt, jegliche Fraktionsbildung völlig auszumerzen, erklärt er gleichzeitig, daß […] alle sachlichen Vorschläge mit der größten Aufmerksamkeit geprüft und in der praktischen Arbeit erprobt werden müssen. Die Partei muß wissen, daß wir in diesen Fragen nicht alle notwendigen Maßnahmen durchführen, weil wir auf eine ganze Reihe verschiedenartiger Hindernisse stoßen, und daß die Partei, bei rücksichtsloser Zurückweisung unsachlicher und fraktioneller Scheinkritik, nach wie vor unermüdlich, unter Erprobung neuer Methoden, mit allen Mitteln gegen den Bürokratismus, für die Erweiterung des Demokratismus und der Initiative, für die Aufdeckung, Entlarvung und Vertreibung der Leute, die sich an die Partei angebiedert haben, usw. kämpft.

6. Der Parteitag erklärt daher ausnahmslos alle Gruppen, die sich auf der einen oder anderen Plattform gebildet haben, für aufgelöst bzw. ordnet ihre sofortige Auflösung an. Die Nichterfüllung dieses Parteitagsbeschlusses zieht den unbedingten und sofortigen Ausschluß aus der Partei nach sich.

William Henry Chamberlin, Die Russische Revolution 1917-1921, Zweiter Band, Europäische Verlagsanstalt, Frankfurt am Main 1958, S. 476 ff.



Stalin und der "kaukasische Clan"

Anstelle von Lenins Mitstreitern zogen nun Stalins Gefolgsleute, die wie er aus dem Kaukasus stammten, dort im Bürgerkrieg gekämpft oder die dortigen Sowjetrepubliken mitgegründet hatten, in das Politbüro ein: Sergei Kirow (1886-1934), Anastas Mikojan (1895-1978), Grigori Ordschonikidse (1886-1937) und Lasar Kaganowitsch (1893-1991). In der jüngsten Zeit wird in der Forschung lebhaft debattiert, welchen Einfluss die kaukasische Herkunft auf Stalin und seine Herrschaft hatte. Dabei geht es keineswegs um ethnische Stereotypen, sondern um eine spezifische Kultur, die von der Clan-Struktur und den Blutfehden der Bergvölker geprägt war. Aufgewachsen in einer stark patriarchalischen Gesellschaft, die familiäre Bindungen über staatliche Strukturen stellte und Konflikte mit Gewalt löste – musste Stalin da nicht zu einem gewalttätigen Despoten werden? Einerseits, so argumentieren Anhänger dieser These, verabscheute er das dreckige, ärmliche, rückständige Dorfleben, dem er entkommen wollte, andererseits "lernte" er als Mittel nur Gewalt und Totschlag kennen, um Fortschritt und Moderne durchzusetzen. Älter, aber aktuell wieder diskutiert, ist die These, dass Stalin ein Psychopath war bzw. durch seinen alkoholabhängigen, gewalttätigen Vater, einen Schuster in der Stadt Gori, zu einem solchen wurde. Je nachdem, ob man nach kulturellen Praktiken sucht, die sich Stalin aneignete, oder nach Charaktereigenschaften, die ihm angeboren waren, wird seine Lebensstation im Priesterseminar 1894 bis 1899 als Zeit gedeutet, in der er lernte, wie man durch peinliche Verhöre den Gegner demütigte und besiegte, oder als Phase, in der der Drill der Mönche in ihm weitere Gewaltbereitschaft weckte. Im Unterschied zu Lenins meisten Weggefährten war Stalins Leben vor 1917 nicht das eines Intellektuellen im Exil gewesen, sondern geprägt durch die rauen Sitten im Untergrund, romantische Vorstellungen vom Brigantentum und Banküberfälle. Siebenmal wurde Stalin, der 1899 der Partei beigetreten war, verhaftet, sechsmal gelang ihm die Flucht. Im Bürgerkrieg bewies Stalin, der eng mit den Kommandeuren Kliment Woroschilow (1881-1969) und Budjonny befreundet war, große Härte, als er 1918 in Zaryzin alle "Weißen" erschießen ließ. Vor Lenin empfahl er sich mit den Worten: "Sei versichert, dass meine Hand nicht zittern wird." Vertreter der Kulturgeschichte meinen, dass Stalin im Bürgerkrieg einen Lernprozess abschloss; Anhänger einer anthropologisch-psychologischen Erklärung sprechen davon, dass in dieser Phase seine Gewalttätigkeit vollends ausreifte. Für diese Zeit wird ihm das folgende Zitat zugeschrieben: "Der Tod löst alle Probleme. Kein Mensch, kein Problem."

Seit der Oktoberrevolution war Stalin Volkskommissar für Nationalitätenfragen (1917-1923) und damit zuständig für jene Ethnien, deren "Rückständigkeit" ihm so verhasst war.
Schließlich bestimmte die kaukasische Herkunft neben Politik und Herrschaftsstil auch Stalins Lebensweise. Die Familien der Politbüromitglieder lebten in den 1920er-Jahren zusammen im Kreml Tür an Tür, die Kinder spielten gemeinsam im Hof. Die Trennung zwischen "dienstlich" und "privat" verschwand: Abends bei Tisch diskutierte Stalin mit seinen Mitstreitern politische Fragen weiter.

Anfänge der sowjetischen Diplomatie



Die Bolschewiki waren Revolutionäre – und keine Außenpolitiker. Sie hatten sich nicht darauf eingestellt, einen Staat nach außen vertreten zu müssen, weil die Idee der Weltrevolution besagte, dass alle kapitalistischen Regierungen fallen und man nur noch von Proletariat zu Proletariat sprechen würde. Als Trotzki 1917 Volkskommissar für Außenangelegenheiten wurde, sagte er: "Was für diplomatische Arbeit werden wir denn haben? Ich werde einige revolutionäre Proklamationen an die Völker erlassen und dann die Bude schließen." Vor diesem Hintergrund gibt es die These, dass die Bolschewiki eine "Neo-Diplomatie" einführten, die bewusst mit den alten Formen des höflichen Verhandelns brach: Revolutionäre statt Diplomaten, brüllen statt parlieren, als Ziel nicht der Kompromiss, sondern die Niederlage des Gegners. Westliche Diplomaten waren der Meinung, die Parteiführer um Lenin und Stalin hätten den berühmten Ausspruch des preußischen Generals und Heeresreformers Carl Philipp Gottfried von Clausewitz, "Der Krieg ist eine bloße Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln", umgekehrt: Diplomatische Verhandlungen waren für sie die Verlängerung des Krieges in Friedenszeiten. Entsprechend verhielt sich Trotzki bei den Friedensverhandlungen in Brest-Litowsk Anfang 1918: Er nutzte die Gespräche als politische Bühne zur Agitation und brach die Verhandlungen schließlich mit dem Ausspruch "Nicht Krieg, nicht Frieden" am 10. Februar (alt.: 28. Januar) ab. Doch der Propagandasieg endete mit dem Vormarsch der Mittelmächte in einer geostrategischen und ökonomischen Katastrophe. Das bewog Lenin, der ohnehin Trotzkis Linie nicht getragen hatte, dazu, Georgi Tschitscherin (1872-1936) zum Außenminister zu machen, der als Abkömmling des Hochadels seine perfekten Umgangsformen auf dem diplomatischen Parkett mit dem Inhalt seiner revolutionären Ansichten kombinierte. Die sowjetische Außenpolitik war mit diesem Kompromiss "aristokratisch in der Form, revolutionär im Inhalt" in den 1920er-Jahren sehr erfolgreich. Tschitscherins Bildung und Liebe zur klassischen Musik waren mit dafür verantwortlich, dass der sowjetischen Delegation 1922 in Rapallo ein Separatabkommen mit Deutschland gelang, das die UdSSR aus der diplomatischen Isolierung herausholte und wichtige Wirtschaftsverträge sicherte. Die Außenpolitik orientierte sich also pragmatisch an traditionellen Sicherheits- und Wirtschaftsinteressen anstatt das Außenkommissariat als Außenposten und Propagandainstrument der Revolution zu benutzen. Dafür gab es schließlich die Dritte Kommunistische Internationale (Komintern), die sich 1919 in Moskau neu gegründet hatte, aber 1924 auch Stalins These von der "Revolution in einem Lande" übernahm und in die gleichen Auseinandersetzungen und Intrigen um "rechte" und "linke" Abweichung involviert war.


Am 7. November 2017 jährte sich die russische Revolution zum 100. Mal. Sie hatte zwei Phasen. Der Untergang des Zarenreichs im März 1917 im Zuge der "Februarrevolution". Und am 7. November 1917 die Machtübernahme der russischen kommunistischen Bolschewiki unter Lenin, die das Ende sozial-liberaler und demokratischer Strömungen besiegelte.

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