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Krieg im Sudan

Redaktion

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Seit fast drei Jahren führen das sudanesische Militär SAF und die paramilitärische Miliz RSF einen von beiden Seiten brutal geführten Krieg gegeneinander. Die humanitäre Lage ist katastrophal.

November 2025: Im neu errichteten Lager El-Afadh in Al Dabbah im sudanesischen Bundesstaat Nordsudan werden vertriebene Familien aus El-Fasher mit Lebensmitteln versorgt. (© picture-alliance/AP, Marwan Ali)

Im Interner Link: Sudan führen seit Mitte April 2023 Armeeeinheiten des sudanesischen Militärs (Sudanese Armed Forces, SAF) und die paramilitärische Miliz „Rapid Support Forces“ (RSF) einen Krieg gegeneinander. Indirekt mischen sich auch andere Staaten in den Krieg ein und unterstützen je nach eigenen geopolitischen Zielen eine Konfliktseite. Mehrere bereits ausgehandelte Waffenruhen wurden wiederholt von beiden Seiten gebrochen. Ende Oktober 2025 nahm die RSF nach monatelanger Belagerung die sudanesische Stadt Al-Faschir in der Region Darfur ein. Die Vereinten Nationen berichteten im Zuge der Besetzung von massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung und bezeichnen die Lage im Sudan mittlerweile als derzeit größte humanitäre Katastrophe weltweit.

Humanitäre Lage

Externer Link: Laut UN-Angaben waren im Januar 2026 schätzungsweise 33,7 Millionen Menschen – d.h. rund zwei Drittel der Bevölkerung – auf humanitäre Hilfe angewiesen. Das Land stehe „am Rande einer Hungersnot“, so die UN-Flüchtlingshilfe. Nach den Zahlen der international anerkannten Initiative Integrated Food Security Phase Classification (IPC), auf die sich UNICEF beruft, waren im September 2025 21,2 Millionen Menschen von akutem Hunger bedroht. Externer Link: Anfang Februar meldete die IPC-Initiative, dass in der Region Nord-Darfur in zwei weiteren Orten die Grenzwerte für eine Hungersnot überschritten wurden und davon auszugehen sei, dass benachbarte Gebiete unter ähnlichen katastrophalen Bedingungen leiden könnten. Insgesamt habe sich die akute Unterernährung im Jahr 2026 weiter verschlimmert, mit geschätzten 4,2 Millionen Fällen gegenüber 3,7 Millionen im Jahr 2025.

Dem UNHCR zufolge befinden sich derzeit fast zwölf Millionen Menschen auf der Flucht (Externer Link: Stand: 26.01.2026) – darunter 7,3 Millionen Binnenflüchtlinge. Fast 4,5 Millionen Menschen sind seit Anfang des Kriegs ins Ausland geflohen – die meisten von ihnen nach Ägypten, in den Tschad und den Südsudan.

Einem UN-Bericht vom September 2025 zufolge wurden im ersten Halbjahr 2025 mindestens 3.384 Zivilistinnen und Zivilisten im Zuge des Konflikts getötet. Für das Jahr 2024 wurden 4.238 getötete Zivilistinnen und Zivilisten dokumentiert. Am stärksten von ziviler Gewalt betroffen war die Region Darfur, insbesondere Nord-Darfur, gefolgt von der Kordofan-Region und dem Bundesstaat Khartum. Verlässliche Angaben zu den tatsächlichen Opferzahlen sind kaum zu ermitteln, da eine zuverlässige Berichterstattung unter anderem durch Ausfälle der Telekommunikation und des Internets stark eingeschränkt ist. Externer Link: In einer im November 2024 veröffentlichten Studie dokumentierten Forschende der Sudan-Forschungsgruppe der London School of Hygiene and Tropical Medicine 26.000 Todesopfer infolge gewaltsamer Auseinandersetzungen allein im Bundesstaat Khartum. Andere Schätzungen gingen bereits Mitte 2024 von rund 150.000 getöteten Menschen seit Anfang des Konflikts aus.

In den internationalen Medien findet der Krieg im Sudan verhältnismäßig wenig Beachtung. Auch in der Politik westlicher Staaten spielt er eine nachgeordnete Rolle.

Hintergründe des Krieges

Hintergrund der militärischen Auseinandersetzung ist ein Machtkampf zwischen de-facto-Präsidenten und Oberbefehlshaber der sudanesischen Armee, General Abdel Fattah al-Burhan, und dem Anführer der paramilitärischen Miliz RSF, Mohammed Hamdan Daglo, auch „Hemedti“ genannt. Der Langzeitdiktator Omar al-Bashir, der von 1989 bis 2019 einen autoritären Staat anführte und nicht-muslimische Minderheiten massiv unterdrückte, stützte seine Macht bis zu seinem Sturz nicht nur auf die SAF, sondern auch auf verschiedene Milizen – darunter auch die RSF.

Die paramilitärische Miliz RSF wurde 2013 von al-Bashir gegründet, vor allem um den Widerstand gegen sein Regime in der westlichen Region Darfur niederzuschlagen. Zudem wirkte die RSF im Sicherheitssektor als Gegengewicht zur offiziellen Armee. Hervorgegangen war die RSF aus den „Dschandschawid“, die Anfang der 2000er Jahre in Darfur Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit verübt hatten. Hierzu erging im Dezember 2025 vor dem Interner Link: Internationalen Strafgerichtshof das erste Externer Link: Urteil.

Als es Ende 2018 zu Protesten gegen steigende Lebensmittelpreise kam und eine erstarkende Zivilgesellschaft auf eine demokratische Transformation des Landes drängte, brachen Massenproteste gegen das Militärregime aus. In der Folge wurde al-Bashir im April 2019 durch einen Militärputsch abgesetzt. Zur Vorbereitung des Übergangs zu einer demokratischen, zivil geführten Regierung wurde eine Übergangsregierung unter Premier Abdalla Hamdok eingesetzt. In dieser erhielten die beiden Generäle Burhan (SAF) und Hemedti (RSF) unter anderem die Kompetenz für Sicherheitsfragen im nationalen Souveränitätsrat.

Eigentlich sollte die Übergangsregierung aus Militärs und ziviler Opposition den Weg zu demokratischen Wahlen und einer Zivilregierung ebnen. Generäle der RSF und der SAF putschten im Oktober 2021 jedoch erneut, lösten die Übergangsregierung auf und besetzten den Übergangsrat ohne zivile Beteiligung neu. Über die Zeit verschärften sich die Machtkämpfe der beiden Generäle. Insbesondere eine Einigung darüber, auf welche Weise die RSF in die sudanesische Armee integriert werden sollten, scheiterte – woraufhin am 15. April 2023 Kampfhandlungen in Khartum begonnen und den gegenwärtigen Krieg auslösten.

Beide Kriegsparteien verletzen laut den Vereinten Nationen Interner Link: humanitäres Völkerrecht, die Interner Link: Menschenrechte und begehen Kriegsverbrechen wie Morde, Vergewaltigungen, Folter und Plünderungen. Zuletzt sorgten Berichte der Vereinten Nationen über Massenhinrichtungen und -vergewaltigungen durch die RSF und der mit ihnen verbündeten Milizen in Al-Faschir international für Entsetzen.

Unterstützer der Kriegsparteien und deren Interessen

Diverse Regionalmächte unterstützen eine der beiden Kriegsparteien. Die RSF erhält Unterstützung vor allem von den Vereinigten Arabischen Emiraten, ebenso sollen Libyen und der Tschad an ihrer Seite stehen. Die SAF hingegen wird insbesondere von Ägypten und Saudi-Arabien unterstützt, aber auch von Katar, der Türkei und dem Iran.

Beide Konfliktparteien werden zudem von regionalen Milizen unterstützt. Die ausländischen Akteure verfolgen dabei ihre je eigenen geopolitischen Ziele, dabei überschneiden sich verschiedene Faktoren: der Kampf um politische Vorherrschaft in der Region oder die Kontrolle über Ressourcen und Rohstoffe wie Gold oder Öl.

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