Die Münchner Sicherheitskonferenz stand in diesem Jahr unter dem Eindruck der sich seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump zuspitzenden Krise der transatlantischen Beziehungen. Der zur Konferenz veröffentlichte Externer Link: Munich Security Report mit dem Titel „Under Destruction“ diagnostizierte eine „in Zerstörung“ oder „im Verfall“ befindliche internationale Ordnung.
Bundeskanzler Friedrich Merz konstatierte in seiner Eröffnungsrede, dass die internationale Nachkriegsordnung, die auf Rechten und Regeln basierte, nicht mehr wie bisher existiere. Merz sprach von einer „Kluft“ in den Beziehungen zu den USA. Europa müsse sich aus der selbst herbeigeführten Abhängigkeit von den USA lösen.
Merz plädierte für eine Neuausrichtung der Partnerschaft zwischen Europa und den USA. Europa müsse seine Interessen und Werte bewahren und gleichzeitig auf eigene Stärken setzen. Trotz aller Schwierigkeiten habe die transatlantische Partnerschaft für beide Seiten jedoch weiterhin Potenzial.
US-Außenminister Marco Rubio hielt am zweiten Tag eine politische Grundsatzrede. Er rief Europa und die USA dazu auf, die transatlantische Allianz auf Basis von beidseitiger Stärke und ihrer historisch-kulturellen Verbundenheit neu aufzubauen. Damit folgte er inhaltlich früheren Äußerungen von US-Präsident Donald Trump, auch wenn der Tonfall von Rubios Rede weniger konfrontativ empfunden wurde als der Auftritt von US-Vizepräsident J. D. Vance im vergangenen Jahr.
Auch der anhaltende Krieg Russlands gegen die Ukraine war Thema der Konferenz. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj forderte in seiner Rede, den Druck auf Russland vor weiteren Gesprächen über einen möglichen Waffenstillstand zu erhöhen. Er warf der russischen Staatsführung vor, die Verhandlungen bewusst zu verzögern.
Am Rande der MSC demonstrierten etwa 250.000 Menschen auf der Münchner Theresienwiese gegen die Gewalt des iranischen Regimes im Iran.
Wozu dient die MSC?
Die MSC dient dem offenen Austausch, laut eigenen Aussagen können und sollen dort keine Vereinbarungen getroffen werden. Ein Abschlussdokument ist nicht vorgesehen. So sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskret über globale Konflikte, Verteidigungspolitik oder technologische Risiken sprechen können. Neben den öffentlichen Plenumssitzungen finden zahlreiche informelle Hintergrundgespräche statt. Wer an der Konferenz teilnehmen darf, entscheidet der Vorsitzende der MSC.
Das Debattenprinzip der Konferenz ist als „Munich Rule“ bekannt und lautet „Engage and interact with each other: Don’t lecture or ignore one another“. Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollen also in den Austausch miteinander treten, statt sich gegenseitig zu belehren oder einander zu ignorieren.
Die MSC veranstaltet neben der jährlichen Hauptkonferenz in München weltweit Treffen zu verschiedenen sicherheitsrelevanten Themen und Regionen und publiziert regelmäßig den Externer Link: Munich Security Report sowie weitere Analysen zu aktuellen sicherheitspolitischen Fragen.
Geschichte der MSC
Die Münchner Sicherheitskonferenz wurde im Jahr 1963 gegründet. Sie hieß damals noch „Internationale Wehrkunde-Begegnung“. Bis 1993 fand sie als „Münchner Wehrkundetagung“ statt. Ihr Begründer war Ewald-Heinrich von Kleist. Er gehörte während des Zweiten Weltkriegs dem militärischen Widerstand gegen die NS-Diktatur an.
Von Kleist wollte ein unabhängiges Forum schaffen, auf dem sich Politiker und Experten aus Deutschland und den USA über internationale Sicherheitspolitik austauschen konnten. Beim ersten Treffen im November 1963 nahmen unter anderem der damalige Hamburger Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt und der als Politikwissenschaftler in Harvard tätige Henry Kissinger teil, der später Nationaler Sicherheitsberater und Außenminister der USA war. Tagungsort war von Beginn an die bayerische Landeshauptstadt München.
Bis zum Ende des
Das änderte sich im Jahr 1991 nach der Auflösung des
In den folgenden Jahren erweiterte sich die Perspektive der Konferenz: Lag der Schwerpunkt zu Beginn auf militärischen Fragen, liegt der Tagung nun ein viel breiteres Verständnis von Sicherheit und Sicherheitspolitik zugrunde, es umfasst also auch etwa Fragen der wirtschaftlichen, ökologischen und menschlichen Sicherheit. Heute nehmen auch führende Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft oder Umweltschutz an der Konferenz teil. Der Fokus der Konferenz liegt laut den Veranstaltern dabei nach wie vor auf dem transatlantischen Verhältnis, also den europäischen Beziehungen zu den USA.
Wer organisiert und wie finanziert sich die MSC?
Im Jahr 1998 übergab von Kleist die Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz an Horst Teltschik, 2008 übernahm der ehemalige Diplomat Wolfgang Ischinger. Von 2022 bis 2025 wurde die Sicherheitskonferenz von Christoph Heusgen geleitet, ebenfalls ein ehemaliger Diplomat. Derzeit liegt die Leitung kommissarisch wieder bei Ischinger, bis der ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ihm folgt. Er soll das Amt übernehmen, sobald seine Amtszeit als norwegischer Finanzminister endet.
Unter Ischinger wurde im Jahr 2011 die Organisation der Sicherheitskonferenz in eine gemeinnützige GmbH überführt (Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz gGmbH). 2018 entstand zusätzlich eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Zu den Mitstiftern gehörten die Bayerische Staatsregierung, die Robert-Bosch-Stiftung und die EnBW AG. Präsident des Stiftungsrats ist Wolfgang Ischinger. Zu den Mitgliedern im Stiftungsrat zählen unter anderem Kanzleramts-Chef Thorsten Frei, Airbus-Aufsichtsratschef René Obermann und der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Florian Hermann. Der Stiftungsrat ist das zentrale Entscheidungsgremium der Konferenz.
Die Münchner Sicherheitskonferenz wird jedes Jahr durch zahlreiche Externer Link: Partner und Sponsoren unterstützt. Zu den staatlichen Unterstützern zählen das Auswärtige Amt, das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), das Bundespresseamt sowie die Bayerische Staatskanzlei. Hinzu kommen akademische Partner, etwa die Jackson School of Global Affairs der Yale University und die Universität der Bundeswehr in München. Zu den institutionellen Partnern gehören NGOs und Think Tanks wie die Körber-Stiftung, die Gates Foundation und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Außerdem gibt es Unternehmenspartner, darunter Deloitte, Goldman Sachs, oder Microsoft.
Die Erlöse von Unterstützern und nicht-öffentlichen Institutionen beliefen sich im Externer Link: Geschäftsjahr 2024/25 auf etwa 30 Millionen Euro. Dazu kamen staatliche Unterstützungen in Höhe von fast 2 Millionen Euro, die Hälfte davon vom BMVg. Laut Aussage der MSC soll kein Unterstützer finanzielle Beiträge leisten, die mehr als acht Prozent des Gesamtbudgets betragen.
Wer nahm an der Konferenz teil?
Ihre Teilnahme an der MSC 2026 zugesagt hatten laut Angaben der Veranstalter an die 70 Staats- und Regierungschefs, über 65 Außen- und um die 40 Verteidigungsministerinnen und -minister. Auch über 50 führende Vertreterinnen und Vertreter internationaler Organisationen nahmen an der Veranstaltung teil. Darüber hinaus waren über 100 Think Tanks vertreten. Insgesamt nahmen an der diesjährigen Sicherheitskonferenz mehr als 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus über 115 Ländern teil.
2026 nahmen anders als in den Vorjahren auch wieder Vertreterinnen und Vertreter der AfD an der Münchner Sicherheitskonferenz teil. Der frühere Leiter der Konferenz, Christoph Heusgen, hatte die Partei in den vergangenen drei Jahren nicht eingeladen. Auch das BSW war in den vergangenen Jahren nicht eingeladen. Heusgen argumentierte, beide Parteien entsprächen nicht dem Grundprinzip der Konferenz „Peace through dialogue“, also „Frieden durch Dialog“. Er verwies darauf, dass sie im Juni 2024 vor der Rede des ukrainischen Präsidenten den Bundestag verlassen hätten. Auch die Tatsache, dass Teile der AfD bereits damals vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft worden waren, führte Heusgen zur Begründung an.
Bedeutende Ereignisse auf der Münchner Sicherheitskonferenz
1999: Vertreter der Staaten Mittel- und Osteuropas und der Wirtschaft nehmen zum ersten Mal an der Konferenz teil. Auch die Volksrepublik China, Japan und Indien sind nun regelmäßige Teilnehmende.
2003: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz liefern sich der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer und der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen historischen Schlagabtausch. Anlass war der sich damals abzeichnende US-Angriff auf den Irak. Fischer spricht sich gegen die Intervention aus, seine Rede gipfelte in den Worten „I am not convinced“.
2007: Russlands Präsident Wladimir Putin hält eine richtungsweisende Rede, in der er die westlichen Staaten und speziell die USA scharf angreift. Beobachter fühlten sich an die Rhetorik des Kalten Krieges erinnert. Die Münchner Sicherheitskonferenz von 2007 gilt deshalb auch rückblickend als Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen.
US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton und der russische Außenminister Sergej Lawrow tauschen am Rande der MSC 2011 die Dokumente des New START-Vertrags zur Abrüstung von Atomwaffen aus. Es trat an diesem Tag offiziell in Kraft und lief am 5. Februar 2026 aus. (© picture-alliance/dpa, Tobias Hase)
US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton und der russische Außenminister Sergej Lawrow tauschen am Rande der MSC 2011 die Dokumente des New START-Vertrags zur Abrüstung von Atomwaffen aus. Es trat an diesem Tag offiziell in Kraft und lief am 5. Februar 2026 aus. (© picture-alliance/dpa, Tobias Hase)
2011: Russlands Außenminister Sergej Lawrow und die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton tauschen auf der MSC die Ratifizierungsdokumente für den Abrüstungsvertrag New START aus. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der damalige US-Vizepräsident Joe Biden auf der MSC symbolisch einen „Reset-Button“ in Bezug auf die Beziehungen zwischen Russland und den USA gedrückt, kurz darauf begannen die Gespräche.
2015: Gut ein Jahr nach der russischen Invasion auf der Krim und dem Ausbruch des Krieges in der Ostukraine warf der russische Außenminister Sergej Lawrow den USA eine „gefährliche Eskalationspolitik“ vor. Der damalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko brachte dagegen die sichergestellten Pässe von russischen Soldaten mit ans Podium, als Beweis für die seinerzeit noch geleugnete Beteiligung regulärer russischer Truppen in den Krieg.
2025: US-Vizepräsident J.D. Vance machte europäischen Staaten in seiner Rede schwere Vorwürfe hinsichtlich angeblicher Einschränkungen der Demokratie und Meinungsfreiheit. Kommentatoren sprachen von einer „beispiellosen Abrechnung mit Europa“.
Kritik und Protest
Demonstrantinnen und Demonstranten rufen Slogans während einer Protestaktion gegen die MSC 2025. (© picture-alliance/AP, Ebrahim Noroozi)
Demonstrantinnen und Demonstranten rufen Slogans während einer Protestaktion gegen die MSC 2025. (© picture-alliance/AP, Ebrahim Noroozi)
Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz kommt es seit mehr als zwei Jahrzehnten regelmäßig zu teilweise massiven Protesten. Tausende Globalisierungsgegner gingen bereits im Jahr 2002 gegen die MSC auf die Straße und demonstrierten unter anderem gegen die NATO und kapitalistische Strukturen. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac organisierte seit den frühen 2000ern Proteste gegen die Konferenz und forderte ihre Abschaffung. Kritisiert wurde, dass das Forum militärische und wirtschaftliche Interessen fördere, statt Frieden zu sichern.
Seit 2003 organisieren Kritikerinnen und Kritiker der Sicherheitskonferenz jährlich die „Münchner Friedenskonferenz“. Themen waren 2026 unter anderem Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen Staat und Militär sowie die Wirkungsweise von Sanktionen und Boykotten als Mittel von Politik und Zivilgesellschaften. Das „Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz“, das von vielen linken und auch linksextremen Gruppen unterstützt wird, hat zudem zu einer Demonstration gegen die Konferenz aufgerufen – auch hier standen Kritik an Aufrüstung und Wehrpflicht im Fokus.
Protestierende am Rande der MSC 2025 fordern mehr militärische Hilfen für die Ukraine. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Andreas Stroh)
Protestierende am Rande der MSC 2025 fordern mehr militärische Hilfen für die Ukraine. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Andreas Stroh)
Der Ausschluss von russischen Vertretern im Zuge des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf die gesamte Ukraine sorgte im Jahr 2023 für viel Zustimmung, aber auch für Kritik. So hieß es beispielsweise, dass die MSC nicht mehr als Ort des Dialoges zwischen konkurrierenden Mächten sei, sondern ein Forum westlicher Selbstvergewisserung.
Seit 2023 kommt es zudem zu Demonstrationen von Unterstützerinnen und Unterstützer der Ukraine. Am Rande der Sicherheitskonferenz fordern sie – in kleinerem Umfang als die traditionellen Proteste – mehr Waffenlieferungen für das Land.
Dieser Beitrag wurde zuerst am 11.02.2026 veröffentlicht und am 18.02.2026 hinsichtlich der Konferenzinhalte aktualisiert.