Seit ihrer Gründung im Jahr 1963 ist die Münchner Sicherheitskonferenz (Munich Security Conference, MSC) zu einem der wichtigsten informellen Treffen für den internationalen Dialog über Sicherheitspolitik geworden. Beim Treffen 2026 sind 120 Länder in München vertreten. Es werden 60 Staats- und Regierungschefinnen und -chefs und etwa 100 Außen- und Verteidigungsministerinnen und -minister erwartet. Auch Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind eingeladen.
Wozu dient die MSC?
Die MSC dient dem offenen Austausch, laut eigenen Aussagen können und sollen dort keine Vereinbarungen getroffen werden. Ein Abschlussdokument ist nicht vorgesehen. So sollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer diskret über globale Konflikte, Verteidigungspolitik oder technologische Risiken sprechen können. Neben den öffentlichen Plenumssitzungen finden zahlreiche informelle Hintergrundgespräche statt. Wer an der Konferenz teilnehmen darf, entscheidet der Vorsitzende der MSC.
Die MSC veranstaltet neben der jährlichen Hauptkonferenz in München weltweit Treffen zu verschiedenen sicherheitsrelevanten Themen und Regionen und publiziert regelmäßig den Externer Link: Munich Security Report sowie weitere Analysen zu aktuellen sicherheitspolitischen Fragen.
Geschichte der MSC
Die Münchner Sicherheitskonferenz wurde im Jahr 1963 gegründet. Sie hieß damals noch „Internationale Wehrkunde-Begegnung“. Bis 1993 fand sie als „Münchner Wehrkundetagung“ statt. Ihr Begründer war Ewald-Heinrich von Kleist. Er gehörte während des Zweiten Weltkriegs dem militärischen Widerstand gegen die NS-Diktatur an.
Von Kleist wollte ein unabhängiges Forum schaffen, auf dem sich Politiker und Experten aus Deutschland und den USA über internationale Sicherheitspolitik austauschen konnten. Beim ersten Treffen im November 1963 nahmen unter anderem der damalige Hamburger Innensenator und spätere Bundeskanzler Helmut Schmidt und der als Politikwissenschaftler in Harvard tätige Henry Kissinger teil, der später Nationaler Sicherheitsberater und Außenminister der USA war. Tagungsort war von Beginn an die bayerische Landeshauptstadt München.
Bis zum Ende des
Das änderte sich im Jahr 1991 nach der Auflösung des
In den folgenden Jahren erweiterte sich die Perspektive der Konferenz: Lag der Schwerpunkt zu Beginn auf militärischen Fragen, liegt der Tagung nun ein viel breiteres Verständnis von Sicherheit und Sicherheitspolitik zugrunde, es umfasst also auch etwa Fragen der wirtschaftlichen, ökologischen und menschlichen Sicherheit. Heute nehmen auch führende Akteurinnen und Akteure aus Wirtschaft, Zivilgesellschaft oder Umweltschutz an der Konferenz teil. Der Fokus der Konferenz liegt laut den Veranstaltern dabei nach wie vor auf dem transatlantischen Verhältnis, also den europäischen Beziehungen zu den USA.
Wer organisiert und wie finanziert sich die MSC?
Im Jahr 1998 übergab von Kleist die Leitung der Münchner Sicherheitskonferenz an Horst Teltschik, 2008 übernahm der ehemalige Diplomat Wolfgang Ischinger. Von 2022 bis 2025 wurde die Sicherheitskonferenz von Christoph Heusgen geleitet, ebenfalls ein ehemaliger Diplomat. Derzeit liegt die Leitung kommissarisch wieder bei Ischinger, bis der ehemalige Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg ihm folgt. Er soll das Amt übernehmen, sobald seine Amtszeit als norwegischer Finanzminister endet.
Unter Ischinger wurde im Jahr 2011 die Organisation der Sicherheitskonferenz in eine gemeinnützige GmbH überführt (Stiftung Münchner Sicherheitskonferenz gGmbH). 2018 entstand zusätzlich eine Stiftung bürgerlichen Rechts. Zu den Mitstiftern gehörten die Bayerische Staatsregierung, die Robert-Bosch-Stiftung und die EnBW AG. Präsident des Stiftungsrats ist Wolfgang Ischinger. Zu den Mitgliedern im Stiftungsrat zählen unter anderem Kanzleramts-Chef Thorsten Frei, Airbus-Aufsichtsratschef René Obermann und der Leiter der bayerischen Staatskanzlei, Florian Hermann. Der Stiftungsrat ist das zentrale Entscheidungsgremium der Konferenz.
Die Münchner Sicherheitskonferenz wird jedes Jahr durch zahlreiche Externer Link: Partner und Sponsoren unterstützt. Zu den staatlichen Unterstützern zählen das Auswärtige Amt, das Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), das Bundespresseamt sowie die Bayerische Staatskanzlei. Hinzu kommen akademische Partner, etwa die Jackson School of Global Affairs der Yale University und die Universität der Bundeswehr in München. Zu den institutionellen Partnern gehören NGOs und Think Tanks wie die Körber-Stiftung, die Gates Foundation und die Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik. Außerdem gibt es Unternehmenspartner, darunter Deloitte, Goldman Sachs, oder Microsoft.
Die Erlöse von Unterstützern und nicht-öffentlichen Institutionen beliefen sich im Externer Link: Geschäftsjahr 2024/25 auf etwa 30 Millionen Euro. Dazu kamen staatliche Unterstützungen in Höhe von fast 2 Millionen Euro, die Hälfte davon vom BMVg. Laut Aussage der MSC soll kein Unterstützer finanzielle Beiträge leisten, die mehr als acht Prozent des Gesamtbudgets betragen.
Wer nimmt an der Konferenz teil?
Die Teilnehmerliste für die diesjährige Münchner Sicherheitskonferenz ist bislang nicht öffentlich. Bekannt ist, dass der US-amerikanische Vizepräsident J.D. Vance seinen Besuch im Januar abgesagt hat. Stattdessen soll US-Außenminister Marco Rubio nach München kommen. Auch die Teilnahme von Bundeskanzler Friedrich Merz ist angekündigt.
Bekannt ist außerdem, dass im Jahr 2026 wieder Vertreterinnen und Vertreter der AfD an der Münchner Sicherheitskonferenz teilnehmen werden. Der frühere Leiter der Konferenz, Christoph Heusgen, hatte die Partei in den vergangenen drei Jahren nicht eingeladen. Auch das BSW war in den vergangenen Jahren nicht eingeladen. Heusgen argumentierte, beide Parteien entsprächen nicht dem Grundprinzip der Konferenz „Peace through dialogue“, also „Frieden durch Dialog“. Er verwies darauf, dass sie im Juni 2024 vor der Rede des ukrainischen Präsidenten den Bundestag verlassen hätten. Auch die Tatsache, dass Teile der AfD bereits damals vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebungen eingestuft worden waren, führte Heusgen zur Begründung an.
Bedeutende Ereignisse auf der Münchner Sicherheitskonferenz
1999: Vertreter der Staaten Mittel- und Osteuropas und der Wirtschaft nehmen zum ersten Mal an der Konferenz teil. Auch die Volksrepublik China, Japan und Indien sind nun regelmäßige Teilnehmende.
2003: Auf der Münchner Sicherheitskonferenz liefern sich der damalige Bundesaußenminister Joschka Fischer und der damalige US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld einen historischen Schlagabtausch. Anlass war der sich damals abzeichnende US-Angriff auf den Irak. Fischer spricht sich gegen die Intervention aus, seine Rede gipfelte in den Worten „I am not convinced“.
2007: Russlands Präsident Wladimir Putin hält eine richtungsweisende Rede, in der er die westlichen Staaten und speziell die USA scharf angreift. Beobachter fühlten sich an die Rhetorik des Kalten Krieges erinnert. Die Münchner Sicherheitskonferenz von 2007 gilt deshalb auch rückblickend als Wendepunkt in den Beziehungen zwischen Russland und dem Westen.
US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton und der russische Außenminister Sergej Lawrow tauschen am Rande der MSC 2011 die Dokumente des New START-Vertrags zur Abrüstung von Atomwaffen aus. Es trat an diesem Tag offiziell in Kraft und lief am 5. Februar 2026 aus. (© picture-alliance/dpa, Tobias Hase)
US-Außenministerin Hillary Rodham Clinton und der russische Außenminister Sergej Lawrow tauschen am Rande der MSC 2011 die Dokumente des New START-Vertrags zur Abrüstung von Atomwaffen aus. Es trat an diesem Tag offiziell in Kraft und lief am 5. Februar 2026 aus. (© picture-alliance/dpa, Tobias Hase)
2011: Russlands Außenminister Sergej Lawrow und die damalige US-Außenministerin Hillary Clinton tauschen auf der MSC die Ratifizierungsdokumente für den Abrüstungsvertrag New START aus. Bereits zwei Jahre zuvor hatte der damalige US-Vizepräsident Joe Biden auf der MSC symbolisch einen „Reset-Button“ in Bezug auf die Beziehungen zwischen Russland und den USA gedrückt, kurz darauf begannen die Gespräche.
2015: Gut ein Jahr nach der russischen Invasion auf der Krim und dem Ausbruch des Krieges in der Ostukraine warf der russische Außenminister Sergej Lawrow den USA eine „gefährliche Eskalationspolitik“ vor. Der damalige ukrainische Präsident Petro Poroschenko brachte dagegen seinerseits die sichergestellten Pässe von russischen Soldaten mit ans Podium, als Beweis für die seinerzeit noch geleugnete Beteiligung regulärer russischer Truppen in den Krieg.
2025: US-Vizepräsident J.D. Vance machte europäischen Staaten in seiner Rede schwere Vorwürfe hinsichtlich angeblicher Einschränkungen der Demokratie und Meinungsfreiheit. Kommentatoren sprachen von einer „beispiellosen Abrechnung mit Europa“.
Kritik und Protest
Demonstrantinnen und Demonstranten rufen Slogans während einer Protestaktion gegen die MSC 2025. (© picture-alliance/AP, Ebrahim Noroozi)
Demonstrantinnen und Demonstranten rufen Slogans während einer Protestaktion gegen die MSC 2025. (© picture-alliance/AP, Ebrahim Noroozi)
Am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz kommt es seit mehr als zwei Jahrzehnten regelmäßig zu teilweise massiven Protesten. Tausende Globalisierungsgegner gingen bereits im Jahr 2002 gegen die MSC auf die Straße und demonstrierten unter anderem gegen die NATO und kapitalistische Strukturen. Das globalisierungskritische Netzwerk Attac organisierte seit den frühen 2000ern Proteste gegen die Konferenz und forderte ihre Abschaffung. Kritisiert wurde, dass das Forum militärische und wirtschaftliche Interessen fördere, statt Frieden zu sichern.
Seit 2003 organisieren Kritikerinnen und Kritiker der Sicherheitskonferenz jährlich die „Münchner Friedenskonferenz“. Themen sind in diesem Jahr unter anderem Kriegsdienstverweigerung als Widerstand gegen Staat und Militär sowie die Wirkungsweise von Sanktionen und Boykotten als Mittel von Politik und Zivilgesellschaften. Das „Aktionsbündnis gegen die NATO-Sicherheitskonferenz“, zu dem viele linke und auch linksextreme Gruppen gehören, hat zudem zu einer Demonstration gegen die Konferenz aufgerufen – auch hier stehen Kritik an Aufrüstung und Wehrpflicht im Fokus.
Protestierende am Rande der MSC 2025 fordern mehr militärische Hilfen für die Ukraine. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Andreas Stroh)
Protestierende am Rande der MSC 2025 fordern mehr militärische Hilfen für die Ukraine. (© picture-alliance, ZUMAPRESS.com | Andreas Stroh)
Der Ausschluss von russischen Vertretern im Zuge des völkerrechtswidrigen Angriffskrieges auf die gesamte Ukraine sorgte im Jahr 2023 für viel Zustimmung, aber auch für Kritik. So hieß es beispielsweise, dass die MSC nicht mehr als Ort des Dialoges zwischen konkurrierenden Mächten sei, sondern ein Forum westlicher Selbstvergewisserung.
Seit 2023 kommt es zudem zu Demonstrationen von Unterstützerinnen und Unterstützer der Ukraine. Am Rande der Sicherheitskonferenz fordern sie – in kleinerem Umfang als die traditionellen Proteste – mehr Waffenlieferungen für das Land.
Was werden die Themen der diesjährigen MSC sein?
Traditionell dient der vorab veröffentlichte Externer Link: Munich Security Report als Gesprächsgrundlage der Konferenz. Der diesjährige Bericht stellt unter dem Titel „Under Destruction“ (etwa „im Verfall“, „im Abriss“, „unter Zerstörung“) den Umbruch der Weltordnung seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump und die Krise der transatlantischen Beziehungen ins Zentrum.
Laut Veranstalter wird es am ersten Konferenztag (Freitag, 13.02.2026) um die Zukunft des Multilateralismus, wirtschaftlicher Sicherheit und Handel, Klimaschutz, hybride Kriegsführung, nuklearer Sicherheit und den globalen KI-Wettbewerb gehen. Am Samstag stehen Debatten über den Zustand der transatlantischen Sicherheit und die internationale Ordnung im weiteren Sinne im Mittelpunkt. Auch aktuelle Konflikte stehen im Fokus. Genannt werden die Ukraine, Gaza, Sudan, Venezuela und Ostasien. Am Sonntag steht ein Blick auf Europa und seine „(…) Fähigkeit und Bereitschaft zu handeln, wettbewerbsfähig zu bleiben und sich auf eine gemeinsame europäische Vision zu einigen“ auf dem Programm.