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Internationaler Tag der Katastrophenvorbeugung 2026 | Hintergrund aktuell | bpb.de

Internationaler Tag der Katastrophenvorbeugung 2026

Redaktion

/ 7 Minuten zu lesen

Am 13. Oktober wird mit dem internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung weltweit auf die Bedeutung von Vorsorge aufmerksam gemacht und für mehr Risikobewusstsein geworben. Die Zahl der registrierten Naturkatastrophen stieg in den vergangenen Jahrzehnten stetig an.

Das Hochwasser in Baden-Württemberg hat den Fluss Kocher über die Ufer treten lassen. (© picture alliance / imageBROKER/A. Scholz | imageBROKER/A. Scholz)

Katastrophen sind schwere Schadensereignisse, die viele Menschen gleichzeitig betreffen können. Das Ausmaß des Schadens ist so groß, dass er für gewöhnlich nicht mit lokalen oder regionalen Kräften behoben werden kann. Katastrophen lassen sich nach ihren Ursachen unterscheiden.

Interner Link: Naturkatastrophen werden durch natürliche Prozesse ausgelöst. Dazu gehören meteorologische Ereignisse wie Stürme, hydrologische Katastrophen wie Überschwemmungen oder klimatologische Extremlagen wie Dürren oder anhaltend hohe Temperaturen. Vulkanausbrüche und Erdbeben werden als geophysische Katastrophen bezeichnet. Im Unterschied dazu werden technische Katastrophen durch Unfälle oder Anschläge verursacht, beispielsweise große Explosionen, Zugunglücke oder radioaktive Verseuchungen.

Das Externer Link: Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) definiert ein Großschadensereignis als „Ereignis mit einer großen Anzahl von Verletzten oder Erkrankten sowie anderen Geschädigten oder Betroffenen und/oder erheblichen Sachschäden“. Pandemien und Epidemien sind in der Regel zwar natürlichen Ursprungs, werden aber laut BBK nicht zu den Naturkatastrophen gezählt.

Internationale Rahmenvereinbarungen

2005 wurde auf der Weltkonferenz zur Katastrophenvorbeugung das „Hyogo Framework“ verabschiedet. Der auf 10 Jahre angelegte Aktionsrahmen hatte das Ziel, die Widerstandsfähigkeit von Ländern und Kommunen im Katastrophenfall zu stärken.

Als Nachfolgedokument wurde 2015 das „Sendai Framework“ verabschiedet. Dieses Rahmenwerk für Katastrophenvorsorge definiert sieben Ziele, die bis 2030 erreicht werden sollen. Dazu gehört zum Beispiel die deutliche Reduzierung der katastrophenbedingten Sterblichkeit und die Verringerung wirtschaftlicher Verluste. Außerdem soll die Zahl der Länder erhöht werden, die über nationale und lokale Risikoreduzierungsstrategien verfügen.

Das Konzept trägt auch den unterschiedlichen Risiken Rechnung, denen verschiedene Staaten und Bevölkerungsgruppen ausgesetzt sind. Noch immer sind etwa Menschen mit Behinderungen im Katastrophenfall oft schlechter geschützt.

Motto des Aktionstags 2026: „Resilienz beginnt zu Hause“

Der Internationale Tag der Katastrophenvorbeugung steht in diesem Jahr unter dem Motto „Resilienz beginnt zu Hause“. Das Büro der Vereinten Nationen für Katastrophenvorsorge (UNDRR) will darauf aufmerksam machen, wie wichtig die Verringerung der Katastrophenrisiken in den eigenen vier Wänden oder etwa in Einrichtungen für vulnerable Gruppen ist.

Vor allem Flutkatastrophen und Stürme

Naturkatastrophen machen einen hohen Anteil der weltweit registrierten Extremereignisse aus. Laut dem 2021 von der World Meteorological Organization (WMO) veröffentlichten „Atlas of Mortality and Economic Losses from Weather, Climate and Water Extremes“ waren mehr als die Hälfte der über 22.000 Katastrophen im Zeitraum von 1970 bis 2019 naturbedingt. Dazu gehörten Dürren, Hitzewellen, Überschwemmungen, Waldbrände, Erdrutsche und Stürme.

80 Prozent der katastrophenbedingten Todesfälle sowie 99 Prozent der wirtschaftlichen Schadenssumme gingen auf Naturkatastrophen zurück. Die WMO nutzt für ihre Berichte die vom Centre for Research on the Epidemiology of Disasters (CRED) veröffentlichte Emergency Events Database (EM-DAT). Als eine der weltweit größten Datenbanken zur Erfassung von Katastrophen stützt sie sich auf verschiedene Quellen, darunter UN-Organisationen, Versicherungsunternehmen und Nachrichtenagenturen.

Der Erfassungszeitraum ist reicht von 1900 bis heute. Mehr als 27.000 Großkatastrophen werden für diese Zeitspanne mit ihren jeweiligen Auswirkungen erfasst. Ausgewertet wurden Ereignisse, bei denen entweder mindestens zehn Menschen getötet wurden, mehr als 100 Menschen betroffen waren, der Staatsnotstand ausgerufen oder internationale Hilfe angefragt wurde.

Zwischen 2005 und 2024 registrierten die CRED-Experten im Jahresdurchschnitt 377 Naturkatastrophen, also mehr als eine pro Tag. Den größten Anteil machten mit gut 45 Prozent der Fälle Überschwemmungen aus, die durchschnittlich 169-mal pro Jahr auftraten. An zweiter Stelle folgten Stürme mit durchschnittlich 108 Fällen (29 Prozent) pro Jahr. Hinzu kamen im Jahresmittel 25 registrierte Erdbeben, 23 Katastrophen infolge extremer Temperaturen und 18 Erdrutsche.

Internationale Lage 2025

Die Katastrophendatenbank EM-DAT verzeichnete für 2025 358 Naturkatastrophen. Sie forderten den Angaben zufolge 16.607 Todesopfer. Die Opferzahl lag damit deutlich unter dem Durchschnitt vergangener Jahre. Rund 110 Millionen Menschen waren von Katastrophen betroffen. Die wirtschaftlichen Schäden beliefen sich laut EM-DAT auf beinahe 150 Milliarden Euro.

Asien war 2025 mit 175 von weltweit 358 Naturkatastrophen besonders betroffen: Rund 12.100 und damit etwa drei Viertel aller weltweiten Todesfälle verzeichnete EM-DAT dort. Neben den schweren Erdbeben in Myanmar und Afghanistan war das Jahr zudem von einer Rekorddürre in Syrien sowie heftigen Waldbränden in den USA geprägt.

Zunahme von Naturkatastrophen

Die Zahl der jährlich registrierten Naturkatastrophen unterliegt starken Schwankungen. Auch die Zahl der Todesfälle und die Höhe der wirtschaftlichen Schäden variieren stark und hängen vor allem davon ab, ob es in dem jeweiligen Jahr eine oder mehrere Großkatastrophen gab. Laut EM DAT hat die Zahl der registrierten Naturkatastrophen in den vergangenen Jahrzehnten massiv zugenommen.

Für das Jahr 1970 erfasst die Datenbank 81 Naturkatastrophen, 1990 stieg die Zahl auf 295, mehr als das Dreifache des Ausgangswertes. Im Jahr 2000 wurden 505 Naturkatastrophen verzeichnet. Gründe für den Anstieg liegen im Klimawandel und damit einhergehenden Zunahme von Extremwetterlagen, sind aber auch statistisch bedingt: Seit den 1970er Jahren können Naturkatastrophen heute viel besser erfasst werden. Den größten Anteil aller erfassten Fälle machten Überschwemmungen und Stürme aus.

Der finanzielle Schaden war WMO-Angaben zufolge im vergangenen Jahrzehnt mehr als siebenmal so hoch wie noch in den 1970er-Jahren. Stürme und Überschwemmungen machten den größten Teil der Schadenssumme aus. Im von der WMO untersuchten Zeitraum forderten tropische Wirbelstürme und Dürren die meisten Todesopfer.

Die jährliche Zahl der Toten infolge von Naturkatastrophen ist laut Zahlen der WMO seit 1970 dagegen weltweit deutlich zurückgegangen. Dies geschah trotz steigender Bevölkerungszahl. Allerdings weisen die Forscher des CRED darauf hin, dass einzelne Katastrophen mit besonders vielen Todesopfern die Statistiken stark beeinflussen.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts gab es überdurchschnittlich viele solcher Mega-Ereignisse. Berücksichtigt man diese 50 schwersten Einzelkatastrophen nicht, sehen die Statistiken ungünstiger aus. Die durchschnittliche Todeszahl in den ersten zwei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts läge dann sogar höher als in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Im Zeitraum 2005 bis 2024 forderten Naturkatastrophen im Durchschnitt jährlich 57.429 Todesopfer.

Dürre in Äthiopien 1983 forderte die meisten Todesopfer

Laut der WMO-Statistik war die Dürre in Äthiopien von 1983 in den vergangenen 50 Jahren das Einzelereignis, das das größte menschliche Leid verursachte: Damals starben 300.000 Menschen. Ähnlich viele Todesopfer forderte der Bhola-Zyklon in Bangladesch 1970. Auch in den vergangenen beiden Jahrzehnten gab es Katastrophen mit extrem hohen Opferzahlen. Beim Erdbeben in der Türkei und in Syrien im Februar 2023 starben nach Angaben des Auswärtigen Amts mehr als 57.000 Menschen.

Die schwersten Katastrophen in Europa in den vergangenen Jahren

In Europa waren Hitzewellen in den vergangenen 50 Jahren die Naturkatastrophen mit den meisten Todesopfern, während Überschwemmungen und Stürme die größten wirtschaftlichen Schäden verursachten. Aber auch extreme Kälteereignisse forderten viele Menschenleben, vor allem in Mittel- und Osteuropa. Die extrem heißen Sommer 2022 und 2024 verursachten Schätzungen zufolge jeweils mehr als 60.000 hitzebedingte Todesfälle.

Als folgenreichste Naturkatastrophe in Europa seit 1970 führt der WMO-Atlas von 2021 die Hitzewelle in Russland im Jahr 2010 an, bei der rund 56.000 Menschen ums Leben kamen. Die Europäische Umweltagentur weist in einem Bericht von 2025 darauf hin, dass der Vergleich von Opferzahlen unterschiedlicher Katastrophenarten sehr schwierig ist.

Während etwa Opferzahlen von Stürmen, Überschwemmungen und Waldbränden direkt ermittelt und dokumentiert werden können, lassen sich Todesfälle durch Hitzewellen oft nur indirekt statistisch berechnen. Die Zahl der dokumentierten Fälle ist in Datenbanken wie der EM-DAT-Statistik deshalb geringer und nicht vollständig. Für 2022 weist sie beispielsweise weltweit nur gut 16.400 Todesfälle aufgrund von Extremtemperaturen aus, für 2024 nur 5.247 Fälle.

Klimawandel verstärkt Extremereignisse

Der menschgemachte Klimawandel führt nach Ansicht von Experten zu einer Zunahme von Naturkatastrophen: Überschwemmungen, Hochwasser, Starkregen, Dürren und Trockenheit sowie Tropenstürme und Hurrikans häufen sich. Das UNDRR weist in seinem aktuellen Bericht „Human Cost of Disasters“ darauf hin, dass klimabedingte Extremereignisse nicht nur häufiger, sondern auch intensiver werden.

Extreme Hitze wird als besonders deutlich zunehmendes Klimarisiko betrachtet. Sie bringt für immer mehr Menschen gesundheitliche Probleme mit sich, die hitzebedingte Sterblichkeit stieg in den letzten Jahren deutlich an. Laut der WMO waren die Jahre 2015 bis 2025 weltweit die elf heißesten Jahre seit Beginn der Aufzeichnungen. Hitzewellen sind nur eines von zahlreichen Risiken. Auch Dürren und Waldbrände sowie wasserbezogene Extremereignisse werden je nach Region häufiger und schwerer.

Wetter- und klimabedingte Katastrophen bergen nicht nur direkte gesundheitliche Risiken, sondern haben auch zahlreiche negative soziale und wirtschaftliche Auswirkungen. Umgekehrt hängt es wesentlich von den jeweiligen gesellschaftlichen Umständen ab, ob Extremereignisse zu Katastrophen werden.

Mehrere Katastrophen in den vergangenen Jahren

In Deutschland kam es in den vergangenen Jahren immer wieder zu schweren Naturkatastrophen. Über 180 Menschen starben bei einer Interner Link: Flutkatastrophe in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen im Juli 2021 – 135 von ihnen allein im Ahrtal. Das sogenannte Juni-Hochwasser richtete 2024 in Bayern und Baden-Württemberg schwere Schäden an; mindestens sechs Menschen starben.

Katastrophenschutz in Deutschland

In Deutschland ist der Katastrophenschutz Ländersache. Bei Naturkatastrophen und im Fall von besonders großflächigen Schadenslagen von nationaler Bedeutung kann der Bund die Länder jedoch auf vielfältige Weise unterstützen, etwa durch die Entsendung von Kräften des Technischen Hilfswerks oder der Bundeswehr. Auf Bundesebene nimmt BBK Aufgaben der Katastrophenhilfe wahr.

Ein zentrales Instrument des BBK ist die Warn-App NINA, mit der die Bevölkerung vor unterschiedlichen Gefahrenlagen gewarnt werden kann. 2023 wurde zudem das Warnsystem „Cell Broadcast“ eingeführt: Dieser Mobilfunkdienst ermöglicht es, im Ernstfall Warnnachrichten direkt auf Mobiltelefone zu übermitteln. Nach eigener Aussage kann das BBK auf diesem Weg am meisten Menschen direkt erreichen.

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