2025 hatte Europa ein Waldbrand-Rekordjahr erlebt. 2026 waren die EU-Länder erneut von einem Sommer mit schweren Waldbränden betroffen. Besonders schwere Brände wüteten in Spanien und Frankreich, doch auch im Westen und in der Mitte Europas, etwa im belgischen Hohen Venn und in Nordrhein-Westfalen, brannte es. Das Waldbrandrisiko beschränkt sich nicht mehr auf Südeuropa. Ein Rückblick auf die Waldbrände dieses Sommers.
Welche Regionen waren besonders betroffen?
Im meteorologischen Sommer 2026 (Juni bis August) gab es in jeder einzelnen Woche überdurchschnittlich viele Brände. Bis Ende August waren insgesamt etwa 653.000 Hektar Land in der EU verbrannt – das ist doppelt so viel wie für diesen Zeitraum durchschnittlich üblich. Im Rekordjahr 2025 verbrannten in diesem Zeitraum 994.000 Hektar.
Besonders betroffen waren die Mittelmeer-Anrainerstaaten. Frankreich erlebte flächenmäßig die bisher verheerendsten Brände seiner Geschichte. Einer der schlimmsten Waldbrände in Frankreich seit 1949 betraf die Region Bordeaux, wo 42.000 Hektar Wald zerstört wurden und zehntausende Menschen ihre Häuser und Unterkünfte verlassen mussten.
Auch Spanien war diesen Sommer wieder von schweren Waldbränden betroffen. Im Juli erlebte die Region Madrid laut seiner Regionalpräsidentin den schlimmsten Brand ihrer Geschichte.
Neben den üblichen Hochrisiko-Regionen Südeuropas (Portugal, Spanien, Südfrankreich, Italien oder Griechenland) sind zunehmend auch west- und mitteleuropäische Regionen betroffen, die bisher nicht zu den Risikogebieten zählten: in Frankreich etwa die Atlantikküste, das Jura oder die Vogesen, Belgien, die Niederlande und Deutschland.
In Deutschland kam es zu einzelnen sehr markanten Feuern – unter anderem in der Eifel mit dem größten Waldbrand in der Geschichte Nordrhein-Westfalens.
Zusammenspiel mehrerer Einflüsse
Vor allem in den Mittelmeer-Ländern entwickelt sich in den Sommermonaten häufig eine Wetter-Konstellation, die eine besonders große Waldbrandgefahr mit sich bringt: Wenn zu einer längeren Dürreperiode mit ausgetrockneten Böden extreme Hitze, geringe Luftfeuchtigkeit und starker Wind kommen, sprechen Expertinnen und Experten von Feuerwetter.
Bereits seit dem Frühjahr war es in weiten Teilen Frankreichs, Englands, Süddeutschlands und Norditaliens außergewöhnlich trocken. Der Juni 2026 war der heißeste jemals gemessene Juni in Westeuropa. Durch die extrem hohen Temperaturen verdunstete überdurchschnittlich viel Wasser, was die Folgen der Dürre noch einmal verstärkte.
In Spanien und Frankreich kam 2026 noch ein weiterer Faktor hinzu: Zu Beginn des Jahres wüteten dort Unwetter mit überdurchschnittlich großen Niederschlagsmengen, und auf den feuchten Böden herrschten ideale Wachstumsbedingungen, besonders für Büsche und Unterholz. Durch die Hitzewellen im Sommer trocknete die Vegetation jedoch aus. Zurück blieben viele ausgetrocknete Pflanzen, die den Feuern Nahrung boten.
Hauptursache ist der Mensch
Für fast die Hälfte (46,3 Prozent) der deutschen Waldbrände 2025 ließ sich keine Ursache feststellen. Nur die wenigsten Waldbrände haben natürliche Ursachen (2,2 Prozent) wie Blitzeinschläge. Meistens sind Menschen der Auslöser: Laut dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) wurden 2025 mehr als ein Viertel (27,1 Prozent) der Brände durch Fahrlässigkeit ausgelöst, etwa durch Grillfeuer oder weggeworfene Zigaretten. Fast ein Fünftel der Brände (19,3 Prozent) wurde vorsätzlich gelegt. Zu den menschlichen Einwirkungen zählen auch Entzündungen durch alte Munition, landwirtschaftliche Maschinen oder Autounfälle (zusammen 5 Prozent).
Auch die Rahmenbedingungen, unter denen es häufiger zu Waldbränden kommt, werden durch menschliches Verhalten geschaffen. Externer Link: Die Forschungsinitiative World Weather Attribution kommt zu dem Ergebnis, dass extreme Feuerwetterbedingungen durch den Klimawandel deutlich wahrscheinlicher geworden sind. In den untersuchten Regionen Zentralspaniens sind die extremen Wetterbedingungen, wie sie im Juli 2026 herrschten, mittlerweile 20-mal so wahrscheinlich wie in der vorindustriellen Zeit. Für Südwestfrankreich sind sie heute mindestens doppelt so wahrscheinlich.
Der Klimawandel ist insofern für die Zunahme des Waldbrandrisikos verantwortlich, als es durch die Erderwärmung immer häufiger zu extremen Wetterlagen kommt, die die Entstehung, die Intensität und die Ausbreitung von Waldbränden begünstigen. So liegen immer häufiger Hochdruckgebiete lange Zeit über einer Region fest, sodass „Hitzekuppeln“ entstehen: Wenn die Luft absinkt, wird sie wärmer, trocknet den Boden aus und heizt diesen weiter auf. Feuer, die durch menschliches Fehlverhalten oder Blitzeinschlag entstehen, können sich dann in der ausgetrockneten Vegetation rasant ausbreiten.
Externer Link: Eine Studie des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) prognostiziert, dass sich die von Waldbränden betroffenen Flächen in Europa infolge des Klimawandels deutlich vergrößern könnten. Bis Ende des Jahrhunderts könnte sich selbst bei einer moderaten Erderwärmung von 1,8 Grad Celsius die von Bränden betroffenen Fläche im Vergleich zum Jahr 2000 um 39 Prozent erhöhen. Bei einer Erderwärmung von 3,6 Grad würde sich die betroffene Fläche in Europa potenziell verdreifachen.
Waldbrandrisiko steigt auch in Deutschland
Das PIK rechnet für den Fall einer starken Erderwärmung um 3,6 Grad damit, dass vor allem in Vorgebirgsregionen und Gebieten mittlerer Höhenlagen, wie etwa in den Alpen oder Pyrenäen, bis Ende des Jahrhunderts neue Waldbrandgefahrenzonen entstehen könnten. Daneben nennt das Institut auch Westdeutschland und die Niederlande als potenziell neu hinzukommende Risikogebiete.
Für Deutschland berechnet der Deutsche Wetterdienst von März bis Oktober die Waldbrandgefahr in den verschiedenen Regionen. Die fünf Gefahrenstufen reichen von „sehr geringe Gefahr“ bis „sehr hohe Gefahr“. Zwischen 1961 und 1990 gab es im deutschen Mittel rund fünf Tage im Jahr, an denen eine hohe Waldbrandgefahr herrschte. Im Zeitraum zwischen 1991 und 2020 waren es bereits rund 10 Tage.
Die Waldbrandgefahr in Deutschland ist abhängig von den klimatischen Gegebenheiten und Waldbeständen und deswegen regional sehr unterschiedlich. Laut Umweltbundesamt sind vor allem Teile Nordostdeutschlands, das östliche Nordwestdeutschland und das Oberrheinische Tiefland besonders gefährdete Regionen.
Als mögliche Gründe gelten unter anderem sandige Böden, die nur wenig Feuchtigkeit halten können, sowie die Zusammensetzung der Wälder. Großflächige Nadelholz-Monokulturen, die historisch unter anderem durch wirtschaftliche Aufforstungen entstanden sind, können das Waldbrandrisiko erhöhen. Besonders Fichten wurzeln nur sehr flach, haben ein hohes Wasserbedürfnis und leiden in trockenen Sommern unter der schnell auftretenden Dürre in den oberen Bodenschichten. Herunterfallende Baumnadeln fördern im Sommer zusätzlich die Brandbedingungen.
Maßnahmen zur Gefahrenbekämpfung
Die Debatte darüber, wie Gesellschaft und Staat der neuen Gefahrenlage begegnen sollen, läuft in Deutschland bereits. Denkbar ist, kurzfristig verstärkt in die Infrastruktur zur Brandbekämpfung zu investieren. Deutschland verfügt derzeit nur im Harz über ein dauerhaft stationiertes Löschflugzeug und setzt bei der Waldbrandbekämpfung vor allem auf Hubschrauber.
Auch über die Weiterentwicklung der Feuer-Früherkennung wird diskutiert. Es laufen Forschungsprojekte, in denen erprobt wird, ob der Einsatz von Künstlicher Intelligenz zu einer früheren Erkennung von Brandherden beitragen kann.
Laut PIK sind sowohl Klimaschutz als auch ein gutes Feuermanagement notwendig, um Waldbrände zu reduzieren. Weniger Treibhausgasemissionen könnten die zukünftige Brandintensivität eindämmen, während Investitionen in Prävention, Früherkennung, Ausrüstung und gut ausgebildete Einsatzkräfte die Schäden durch Brände begrenzen könnten. Der Ausbau der Kapazitäten zur Feuerbekämpfung könne nur ein Faktor unter mehreren sein. Expertinnen und Experten warnen schon heute, dass selbst verstärkte Maßnahmen bei zunehmend extremen Bedingungen an ihre Grenzen stoßen könnten.
Langfristig ist auch die Neugestaltung von Forstflächen eine wichtige präventive Maßnahme gegen Waldbrände. Generell ist Mischwald weniger feuergefährdet als reiner Nadelwald. Ein solcher Umgestaltungsprozess kann jedoch Jahrzehnte dauern.
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