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Info 05.06 Bestehen Sie den Einbürgerungstest?

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Info 05.06 Bestehen Sie den Einbürgerungstest?

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Der Text stellt die Prinzipien von Einbürgerungstests anhand eines Beispiels anschaulich heraus.

Die deutsche Staatsbürgerschaft zu erlangen, ist so einfach nicht. Je nach Bundesland müssen Zuwanderer einen Test bestehen. Manche Kandidaten wohnen schon jahrzehntelang in Deutschland und scheitern dennoch am Einbürgerungstest. Ein Ortstermin in Nürnberg.

Wenn sich Ausländer um die deutsche Staatsbürgerschaft bewerben, müssen sie in einigen Bundesländern einen Test absolvieren. [...] Safe Sejdja* ist [...] nervös. Er versucht, sein Gesicht zu einem Lächeln zu zwingen, doch sein Gesicht, es wehrt sich. "Als ich nach Deutschland gekommen bin, vor 14 Jahren, da war das, als ob ich neu geboren worden wäre", das hat er ein paar Stunden vorher gesagt, am Morgen, als der Tag begann, der Tag, an dem sein Einbürgerungstest beginnt. Der Test, der entscheidet, ob er die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen wird oder nicht.

Zahlen werden zu Geschichten
Das Statistische Bundesamt in Wiesbaden hat gezählt, wie viele Menschen seit 1950 in Deutschland eingebürgert wurden: 2300 am Anfang, 24.000 zehn Jahre später, und 1990 wurde erstmals die 100.000er-Grenze überschritten. Den Höhepunkt wies die Statistik 1995 aus, als exakt 313.606 Ausländer Deutsche wurden, zuletzt sind die Zahlen ein bisschen zurückgegangen, sie stagnieren jetzt bei rund 120.000. [...] Für das Statistische Bundesamt sind das nur Zahlen, Ziffern wie Tausende andere. In Raum 15 im zweiten Stock des Nürnberger Bildungszentrums werden die Zahlen zu Geschichten. Safe Sejdja ist 31 Jahre alt, Albaner aus dem Kosovo. Er trägt eine jugendliche Frisur, lässige Jeans und T-Shirt. Raum 15 ist für ihn gerade alles, was zählt. Er arbeitet als Koch in einem italienischen Restaurant. Nach Nürnberg ist er damals geflüchtet wegen der politischen Probleme in seiner Heimat. Als 17-Jähriger. Er hat diesen Test schon einmal gemacht, vergangenes Jahr, und ist durchgefallen. Die Prüfung in dem Raum hinter der Tür, der aussieht wie ein richtiges Klassenzimmer, ist in Bayern die letzte Hürde, die es zu überwinden gilt, wenn man Deutscher werden will.

Richtlinien sind in allen Bundesländern verschieden
Die Richtlinien sind im Moment noch in allen Bundesländern unterschiedlich, in Bayern geht die Prüfung so: Erst wird eine Art Deutsch-Klausur geschrieben, knapp eine Stunde lang, dann wird jeder Kandidat einzeln zur mündlichen Prüfung aufgerufen. Danach wird das Ergebnis bekannt gegeben: Tut mir leid, viel Glück, wie sehen uns dann beim nächsten Mal, oder eben im Idealfall: Herzlich willkommen in Deutschland! Heute sitzen acht Menschen in Raum 15, auf Amtsdeutsch heißen sie "Antragsteller". Ein Russe, drei Frauen aus dem Irak, eine aus Togo, ein Mann aus Sri Lanka und einer aus Serbien. Und Safe Sejdja. Sie haben einiges dafür getan, jetzt hier sein zu können. Es gibt Kriterien, die ein Antragsteller erfüllen muss, die überall in Deutschland ähnlich sind: Er muss mindestens acht Jahre in Deutschland gelebt haben, zehn Fragen zur staatlichen Grundordnung richtig beantworten, er muss einen Arbeitsplatz haben und darf in Deutschland nicht straffällig geworden sein. Und: Er muss gelernt haben. Die Vorbereitung, sagt Harald Ruck, sei das Wichtigste. Safe Sejdja sagt, er habe sich vorbereitet, ein bisschen. Aber er muss ja auch arbeiten, und für Lernen bleibt da nicht viel Zeit. Die schriftliche Prüfung, das ist die, vor der er sich am meisten fürchtet. In den Fragen geht es vor allem darum, Sätze zu verstehen und wiederzugeben. In einem Teil müssen die Kandidaten eine Postkarte schreiben, mit Themen, die lose in einem Kasten vorgegeben sind, "das Wetter", steht da zum Beispiel, oder "was Sie schon gesehen haben". Der Kasten ist gezeichnet wie eine Eisenbahnschiene, darauf ist als digitalisierte Computergrafik eine dampfende Lok abgebildet. Deutschland gibt sich Mühe, nett rüberzukommen.

"Sie brauchen keine Angst zu haben"
"Bei uns schaffen jedes Jahr rund 80 Prozent die Prüfung", sagt Elfriede Meier. Sie ist Beamtin der Einbürgerungsbehörde der Stadt Nürnberg, und heute ist sie zusammen mit Harald Ruck Prüferin. So ist das immer: Ein Prüfer ist von der Behörde, einer, wie Ruck, Deutschlehrer. Elfriede Meier und Harald Ruck versuchen möglichst freundlich zu sein, sie wissen, was diese Prüfung bedeutet. Als alle Platz genommen haben, schreibt Ruck die Namen an die Tafel: "Herr Ruck", darunter "Frau Meier". Frau Meier fragt, ob denn auch jeder einen Stift dabeihätte, alle nicken, und Herr Ruck sagt: "Sie brauchen keine Angst zu haben." Bevor er den Umschlag mit den Prüfungsbögen öffnet, fragt Ruck noch, wer denn einen Vorbereitungskurs gemacht hätte. Es meldet sich die Frau aus Togo, zaghaft. Sonst niemand. [...] Am Tisch neben Vadim Zolotarskiy, einem 50-jährigen Mann aus Russland, sitzt Shra Abdulla Mohammad aus dem Irak, "Deutschland ist gut", sagt sie. Ihre Freundin, Naghma Hussein, nickt und fügt hinzu: "Man hat hier ein Recht auf freie Meinung." Das Recht auf freie Meinung, für Deutsche ist das selbstverständlich. Für die acht Menschen in Raum 15 ist es wie die Erfüllung eines unglaublichen Traumes. Safe Sejdja ist jetzt fertig, es ist vorbei. "Ich bin erleichtert", sagt er, aber er muss es nicht sagen, weil man es ihm auch so ansieht. Dann muss er noch mal rein, Harald Ruck und Elfriede Meier werden ihm das Ergebnis mitteilen.

Auch das Haustier ist ein Thema
Am vordersten Tisch im Wartesaal unterhalten sich Shra Abdulla Mohammad, Naghma Hussein und Bahaa al-Zubaidi, die wie die anderen beiden aus dem Irak stammt, eine hübsche, 32-jährige Frau mit Kopftuch. "Er wollte wissen, ob ich Tiere zu Hause habe", berichtet Shra, "also habe ich ihm von meinen Fischen erzählt und dem Papagei." Die mündliche Prüfung sieht so aus: An einem Tisch sitzt der Kandidat, vor ihm liegt ein mit Bildern bemalter Zettel, auf dem verschiedene Themengebiete stehen wie "Urlaub", "Sport" oder "Wohnen". Ihm gegenüber sitzen die beiden Prüfer, sie stellen Fragen, ungefähr zehn Minuten lang. Ruck sagt, er versuche, eine lockere Atmosphäre zu schaffen. Deshalb die Geschichte mit den Fischen. Die Tür geht auf, Safe Sejdja ist fertig. "Geschafft", sagt er, er ist völlig aufgewühlt, schüttelt einem immer und immer wieder die Hand. In ein paar Wochen kann er bereits seinen neuen Pass abholen. Er ist überglücklich. So geht es weiter: Einer nach dem anderen geht hinein, erfährt das Ergebnis, kommt heraus, ein kurzer Moment der Stille, dann ein Lächeln, geschafft, und dann die Glückwünsche der anderen Bewerber. Es ist wie bei "Deutschland sucht den Superstar", nur dass es hier wirklich um etwas geht.

*Name von der Redaktion geändert

Aus: Michael Neudecker: 1. September 2007, Externer Link: (28.11.07).

Fussnoten