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Regie - Kamera ab!

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Regie - Kamera ab! Wie der Regisseur sein Team anleitet

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Filmemachen ist Teamarbeit! Kein Filmschaffender ist dabei wichtiger als ein anderer, doch die große Anzahl der Beteiligten erfordert eine Person, die den künstlerischen Weg weist und das Gesamtwerk nicht aus den Augen verliert: den Regisseur.

Regisseur Christian Ditter mit "Wicki" (Jonas Hämmerle) bei den Dreharbeiten zum Film "Wickie auf großer Fahrt". (© 2010 Constantin Film Verleih GmbH)

1. Einführung: Die Lust, Filme zu drehen

Jeder, der nach dem Ende eines Films noch einen Moment im Kino ausharrt und den minutenlangen Abspann verfolgt, weiß: Filmemachen ist Teamarbeit! Kein Filmschaffender ist dabei wichtiger als ein anderer, doch die große Anzahl der Beteiligten erfordert eine Person, die den künstlerischen Weg weist und das Gesamtwerk nicht aus den Augen verliert: den Regisseur.

Die Arbeit am Filmset macht nur einen Bruchteil seiner Aufgaben aus. Der Regisseur bündelt die verschiedenen kreativen Kräfte einer Filmproduktion: Er wählt gemeinsam mit dem Casting Director die Schauspieler aus, inszeniert sie nach dem Drehbuch, koordiniert die Kameraleute, bindet die Mitarbeiter für Szenenbild und Kostüm, für Maske, Ton und Musik ein und arbeitet während der Postproduktion gemeinsam mit dem Cutter an der Montage des Films. Sein Alltag besteht aus der permanenten Gratwanderung, eigene Visionen zu vermitteln und gleichzeitig die Ideen der kreativen Mitarbeiter zuzulassen und auszuwählen.

Ein Regisseur muss jederzeit in der Lage sein, Entscheidungen zu treffen und die richtigen Kompromisse zu machen. Von der Vorbereitung eines Filmdrehs bis zum fertigen Leinwandwerk ist er die entscheidende gestaltende Kraft. Nicht umsonst bezeichnete man ihn früher auch als Oberspielleiter. Anders als in den USA, wo Regisseure seit dem Niedergang des Studiosystems in den 1950er Jahren jenseits des New Hollywood-Kinos und außerhalb des Independent-Bereichs relativ strikt an Vorgaben des Produzenten gebunden sind, ist bei europäischen Filmemachern eine eigene Regiehandschrift durchaus erwünscht. Sie verbindet das erlernte Handwerk stärker mit einer persönlichen Kunstfertigkeit und prägt Filme ungleich individueller.

2. Wissen: Zwischen Drehplan, 'Storyboard' und Improvisation

2.1 Fließende Grenzen: Spiel- und Dokumentarfilmregie

Ob fiktiver oder dokumentarischer Film – mindestens ebenso stark wie mit erdachten Geschehnissen ist der Regieberuf mit dem Lebensalltag verwoben. Kaum etwas ist so spannend wie die Wirklichkeit: Motive und Themen, über die man in Zeitungen oder bei Freunden stolpert, können sich unerwartet zu einem Filmstoff entfalten.

Zum Öffnen des PDFs bitte klicken. (© BPB)

Auf den ersten Blick scheinen sich Dokumentar- und Spielfilme eindeutig voneinander abzugrenzen, doch tatsächlich ist die Trennlinie unschärfer: Auch Dokumentarfilme sind kein objektives Abbild der Wirklichkeit, sondern die Auswahl der Bilder greift dramaturgisch in das dokumentierte Geschehen ein. Und umgekehrt sind viele Spielfilme trotz ihrer fiktiven Handlung sehr eng an der Realität orientiert. Es gibt Dokumentarfilmregisseure, die Mittel der Inszenierung einsetzen, aber auch Spielfilmregisseure, die mit dokumentarischen Methoden arbeiten.

2.2 Was macht ein Regisseur?

Obwohl sich sowohl die Arbeitsmethoden als auch die ästhetischen Vorstellungen von Regisseuren beträchtlich unterscheiden, basiert jede erfolgreiche Regie auf einer intensiven Zusammenarbeit mit dem Produzenten und den kreativen Fachleuten.

Künstlerische Verantwortung
Mit Unterstützung der kreativen Fachgewerke, aber letztendlich allein
Während der Produzent vorrangig für die organisatorischen und finanziellen Bereiche einer Filmproduktion zuständig ist, trägt der Regisseur die künstlerische Verantwortung. Im Zusammenspiel wählen beide den Filmstab aus und begleiten den Entstehungsprozess des Films.

Drehbuchlektüre
Gemeinsam mit dem Drehbuchautor
Um einen Filmstoff dramaturgisch entwickeln zu können, sollte sich der Regisseur auf das Drehbuch einlassen und dessen emotionale Idee aufspüren. Im Idealfall entsteht seine eigene filmische Vision bereits beim Lesen.

Szenische Auflösung
An den gewählten Schauplätzen in Zusammenarbeit mit dem Kameramann und der Aufnahmeleitung
Bevor das Filmteam zum Set kommt, muss der Regisseur bereits eine Vorstellung davon haben, wie er den Filmstoff umsetzen möchte. Für seine Planung und die detaillierte Auflösung bietet sich deshalb ein 'Storyboard' an. Diese zeichnerische Version des Drehbuchs dient wie bei einem Architekten, der sich ein Modell seines geplanten Hauses baut, der besseren optischen Vorstellung und als anschauliche Kommunikationsgrundlage bei den Dreharbeiten. Besonders bei aufwendigen und sehr komplexen Szenen, Stunts oder Spezialeffekten ist eine solche Visualisierung oft hilfreich. Parallel dazu hat sich die sog. 'Shot-List' bewährt, die zwar nicht bildlich illustriert, jedoch Szenennummern, Einstellungen, Kamerabewegungen usw. übersichtlich in einer Tabelle erfasst.

Auswahl der Ideen
Von allen am Film beteiligten Gewerken und Personen, orientiert am Regieauszug
Da der Regisseur weisungsbefugt ist und künstlerische Schwerpunkte allein setzt, muss er Einblicke in das Schaffen aller an der Filmproduktion beteiligten Gewerke besitzen. Casting Directors, Kostüm-, Szenen- und Maskenbildner, Tongestalter und Filmkomponisten fertigen nach genauen Absprachen mit ihm zwar eigene kreative Entwürfe an, müssen sie jedoch an seinen Wünschen orientieren und von ihm abnehmen lassen.

Realistische Entscheidungen
In allen planerischen und künstlerischen Details
Die kreativen Entscheidungen müssen dabei immer vor dem Hintergrund der durch den Produzenten geschaffenen Rahmenbedingungen getroffen werden. Nicht jeder gute Schauplatz oder jede Kostümidee lässt sich in den zeitlichen Vorgaben des Drehplans umsetzen, finanzieren bzw. harmoniert mit dem künstlerischen Gesamtkonzept.

Nähe zum Kamerateam
Vor allem bei der Auflösung und am Set
Die Arbeitsbereiche von Kameramann und Regisseur überschneiden sich besonders stark. Gegenseitiges Vertrauen und eine gemeinsame künstlerische Sprache sind deshalb unabdingbar – nicht ohne Grund arbeiten viele Regisseure fest mit bestimmten Kameraleuten zusammen.

Anleiten der Schauspieler
In Drehproben und am Set
Da die Wirkung eines Films davon abhängt, ob es den Darstellern gelingt, die Figuren zum Leben zu erwecken, ist Schauspielführung eine der originären Aufgaben des Regisseurs. In Drehproben muss er die Schauspieler behutsam an ihre Rollen heranführen, bis diese der inneren Logik des Films entsprechen.

Tagesmuster und Montage
Zusammen mit dem Cutter, nach Absprache mit der Produktion
Bereites parallel zum Dreh schaut sich der Regisseur die Tagesmuster an und entscheidet mit dem Produzenten, ob Nachdrehs notwendig sind. In der Postproduktion erhält das gedrehte Material dann Spannung, Rhythmus und Filmfluss. Der Regisseur ist in den verschiedenen Phasen vom Rohschnitt bis zum 'Final Cut' eng an der Seite des Cutters, wählt die besten ‚Takes´ aus, erarbeitet mit ihm die letzte Fassung des Films und veranlasst ggf. Testvorführungen.

2.3 Unverzichtbare Mitwirkung – Regieassistent und 'Script/Continuity'

Ohne die Hilfe enger Mitarbeiter wäre das breit gefächerte Aufgabenpensum eines Regisseurs kaum zu bewältigen. Ihm steht deshalb als wichtigste persönliche Stütze der Regieassistent zur Seite, dessen Aufgabengebiet gestalterische und dramaturgische, vor allem aber viele organisatorische Tätigkeiten umfasst. Gemeinsam mit dem Regisseur erarbeitet er sich das Drehbuch und bespricht die künstlerische Umsetzung, die er in Regieauszügen schriftlich festhält. Er erledigt, wenn nötig, die Recherchen und stoppt jede Szene zeitlich vor, um den Drehaufwand und die Filmlänge einschätzen zu können.

In Absprache mit den an der Produktion beteiligten Mitarbeitern erstellt der Regieassistent den Drehplan und koordiniert in enger Zusammenarbeit mit der Aufnahmeleitung und der Produktion sämtliche Arbeitsabläufe der kommenden Dreharbeiten. Am Set ist er maßgeblich für die Tagesdisposition zuständig. Seine Aufgabe ist es, dem Filmstab als zentraler Ansprechpartner zur Verfügung zu stehen und den Regisseur in allen Belangen rund um den Dreh zu unterstützen.

Da Filme selten chronologisch und zudem fast jede Einstellung mehrfach gedreht wird, treten immer wieder Anschlussfehler auf. Den Überblick über alle getroffenen künstlerischen und technischen Entscheidungen, Szenen- und Textanschlüsse sowie die Details des Szenenablaufs muss deshalb das sog. 'Script/Continuity' behalten. In der Lichtgestaltung, im Szenenbild, bei Kostüm, Maske und Frisur werden die Übergänge grundsätzlich von den jeweiligen Abteilungen überwacht, das 'Script/Continuity' versucht jedoch, parallel alle kreativen Vorgaben im Auge zu behalten. Außerdem notiert es Änderungen im Drehbuch, erstellt den täglichen Produktionsbericht und prüft den Verbrauch des benötigten Filmmaterials.

2.4 Lenken und Motivieren – Kommunikation am Set

Ein positives Arbeitsklima am Drehort hängt wesentlich von der Souveränität des Regisseurs ab. Für das Gelingen eines Films ist besonders die effektive und respektvolle Verständigung mit den Schauspielern essentiell. Neben mehr oder minder festgeschriebenen Kommandos am Set sollte der Regisseur einige Grundregeln berücksichtigen, damit mit dem Filmteam eine gewinnbringende Zusammenarbeit entstehen kann. Dafür muss er...

... die kreative Arbeit der Schauspieler und Mitarbeiter verstehen und honorieren.

... erkennen, wann ein Schauspieler Hilfe benötigt und in welchen Szenen sich dessen Inspiration frei entfalten darf.

... eigene Vorstellungen davon, wie eine Szene umgesetzt werden soll, mit Feingefühl und nachvollziehbar vermitteln.

... möglichst direkte, schnörkelfreie Regieanweisungen geben.

... für Konfliktherde sensibilisiert sein und Krisen frühzeitig offensiv entgegenwirken.

... in der Lage sein, einen Schauspieler so anzuregen, dass er über sich hinaus wächst und dabei ohne Berührungsängste, aber stets mit dem nötigen Respekt auf ihn zugehen.

... sich und sein Team besonders bei den Drehproben ausdauernd und ruhig an die gewünschte Schauspieldarstellung herantasten. Solange die Grundidee nicht verloren geht, muss nicht jede Abweichung von der eigenen Vision ein Nachteil sein.

Mögliche Kommandofolgen für den Drehbeginn einer Szene

  • Aufnahmeleiter: "Ruhe bitte!"

  • Regieassistent: "Ton ab!"

  • Tonmeister: "Läuft."

  • Regieassistent: "Kamera ab!"

  • Kameramann: "Läuft."

  • Regieassistent: "2-4, Klappe, die erste..."

  • Regisseur: "Bitte!"

  • Regisseur (am Ende der Szene): "Danke!"

3. Unterrichtsmaterialien

4. Weiterführende Literatur und Weblinks

vierundzwanzig.de: Externer Link: Interview mit dem Dokumentarfilmregisseur Andres Veiel

vierundzwanzig.de: Externer Link: Regie (Link zum Gewerk auf 24 mit Interviewclips, Filmausschnitten und Hintergrundinformationen)

vierundzwanzig.de: Externer Link: Glossar (Von A wie Abspann bis Z wie Zwischentitel - Erklärungen zu allen Fachbegriffen des Dossiers)


Externer Link: http://www.up-and-coming.de (Zweijährig stattfindendes Filmfestival in Hannover mit zwei Filmwettbewerbskategorien in der schülerrelevanten Altersklasse)

movie college: Externer Link: Filmschule Regie (Gut aufbereitetes Basiswissen rund um das Themengebiet Regie zzgl. Linksammlung und Interviews)

Ottersbach, Béatrice / Schadt, Thomas (Hrsg.): Regiebekenntnisse, UVK Verlagsgesellschaft, Konstanz 2006. (Texte von deutschen Regisseuren zu ihrem Weg in den Beruf und zur Realität des Filmemachens)

Fussnoten

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