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15.1.2008

Info 02.04 Untersuchungsfragen und Hypothesen

Hier werden mögliche Untersuchungsaspekte und Beispielhypothesen erläutert, die bei der Erstellung eines Fragebogens berücksichtigt werden können.

Die Untersuchungsfragen und Hypothesen sollten bereits bei der Vorstellung und Bearbeitung des Fragebogens mit erarbeitet bzw. vorgestellt werden. Mit dem Planungsgespräch wird schon vor der Durchführung der Befragung die Intention verfolgt, mit Schülerinnen und Schülern genau über Ziele und Fragestellung des Vorhabens zu sprechen und gleichsam ein gemeinsames Handlungsprodukt festzulegen: Was soll am Ende stehen, was wollen wir erreichen? Welche Aufgaben müssen wir lösen, um das zu erreichen?

Für eine zielgerichtete, methodisch korrekte Datenauswertung wird die Methode der hypothesenorientierten Datenauswertung empfohlen (vgl. Beispiel in M 02.11). Mit dem Sechs-Punkte-Schema zur hypothesenorientierten Auswertung von Umfragedaten (M 02.12) wird den Schülerinnen und Schülern ein methodisches Werkzeug an die Hand gegeben, mit dem sie auch in anderen Untersuchungen relativ selbstständig und in angemessener Zeit Daten auswerten können.

An dieser Stelle sind beispielhaft einige der Hypothesen aufgelistet, die mit den nach dem Musterfragebogen gesammelten Daten bearbeitet werden können. Von den Schülerinnen und Schülern können diese und ähnliche Hypothesen mit Hilfe der Arbeitsblätter M 02.04 und M 02.05 selbst zusammengestellt werden.

Untersuchungsaspekte

Der Musterfragebogen "Ausgrenzung und Integration im Alltag – eine Befragung Jugendlicher" (M 02.04) wendet sich gleichsam an Jugendliche mit und ohne Migrationshintergrund und bietet sich daher insbesondere für die Untersuchung von Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen Jugendlichen unterschiedlicher Herkunft an. Mit Hilfe des Fragebogens können u.a. folgende Aspekte untersucht werden:

Zugehörigkeitsgefühl und Selbsteinschätzung Jugendlicher
Zu welchen Personen oder Kreisen fühlen sich die Jugendlichen zugehörig? Wo fühlen Sie sich ausgeschlossen? Mit welchem Land bzw. welcher Stadt oder Region fühlen sich die Jugendlichen am ehesten verbunden? Wo fühlen sie sich eher wohl, wo eher ausgegrenzt bzw. benachteiligt?

Integrationsklima an der Schule
Gehen die Jugendlichen gern zur Schule? Fühlen sie sich dort eher integriert oder eher als Außenseiter?

Parallelwelten oder multikulturelle Gesellschaft?
Wie viele Kontakte gibt es zwischen Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund? Gibt es neben den formalen Kontakten zu Migranten bzw. Deutschen (z.B. Schule, Ausbildungsplatz) auch Kontakte in der Freizeit bzw. "multikulturelle" Freundschaften?

Erfahrungen mit Benachteiligung
In welchen Bereichen haben Jugendliche (mit und ohne Migrationshintergrund) bei sich oder in ihrem Umfeld Erfahrungen mit Benachteiligung gemacht?

Zukunftsvorstellungen zur Teilnahme am Arbeitsmarkt
Wie schätzen Jugendliche ihre Chancen am Arbeitsmarkt ein? Nehmen sie eher eine passive oder aktive Haltung ein?

Kenntnis und Akzeptanz der deutschen/demokratischen Gesellschaft
Können die Jugendlichen Fragen zur deutschen Gesellschaft richtig beantworten? Wie sieht es mit der Zustimmung zu demokratischen Werten und liberalen Einstellungen aus?

Sprachkenntnis
Wie gut sind die (deutschen) Sprachkenntnisse der Jugendlichen?

Ausgrenzung durch Wohngegend?
Wie hoch ist der Anteil an Migranten in unterschiedlichen Wohngebieten der befragten Jugendlichen?

Mitgliedschaft in Vereinen
Sind die Jugendlichen Mitglied in Vereinen und wenn ja, in welchen?

Beispiel-Hypothesen für einfache Häufigkeitsauszählungen

Bereits mit Hilfe einfacher Häufigkeitsauszählungen zu den jeweiligen Merkmalen können zahlreiche Hypothesen beantwortet werden:
  • Die meisten Jugendlichen (mit oder ohne Migrationshintergrund) wissen, dass Angela Merkel kein Mitglied der SPD ist.
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Beispiel-Hypothesen für weiterführende Auswertungen

Fast jede der bisher genannten Hypothesen kann noch weiterführend bearbeitet werden, indem man Zusammenhänge zwischen zwei oder mehr Merkmalen herstellt. So kann beispielsweise die Rolle des Alters oder des Geschlechtes der Befragten auf die Beantwortung mit Hilfe einer Kreuztabelle untersucht werden (siehe M 02.13 Anleitung zur Erstellung von Kreuztabellen).
  • Jugendliche ohne Migrationshintergrund werden weniger häufig wegen ihres Aussehens benachteiligt als Jugendliche mit Migrationshintergrund.
  • Mädchen lehnen die Aussage, dass bei knappen Arbeitsplätzen die Männer ein Vorrecht auf Arbeit genießen, häufiger ab als Jungen.
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Eine weitere Möglichkeit ist der Vergleich mehrerer Merkmale mit gleichen Antwortmöglichkeiten in einer Kopplung, mit der man eine die Ausprägung der Werte für eine Reihe von Variablen in einer Grafik darstellen kann (siehe M 02.14 Anleitung zur Kopplung von Daten).
  • Aufgrund welcher Eigenschaften haben Jugendliche am häufigsten die Erfahrung von Benachteiligung gemacht? (Fragen 20-25)
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