Turnschuhe

15.1.2008

M 01.03 Zitate zur Ausgrenzung in verschiedenen Bereichen

Die Erfahrungsberichte zeigen anschaulich, in welchen Bereichen Personen, die "anders" ausehen oder fremdländische Namen tragen, Ausgrenzungserfahrungen machen.

Disko/Gaststätte

"Ich war etwa 2 Jahre lang ein zufriedener Gast ..."einer Nürnberger Disko" [Änderung der Redaktion]. Doch was ich in letzter Zeit erlebt habe, hat mich dazu bewogen diese Disco in Zukunft zu meiden. Und zwar meine ich das Auftreten der Türsteher und ihre so genannten 'Gesichtskontrollen'. Ich selbst hatte zwar noch keine Probleme, aber was ich letzt Woche erlebt habe hat mir den Atem verschlagen. Ein gut gekleideter Junge etwa 20 Jahre alt durfte nicht in die Disco, da er eine 'Hasenscharte' im Gesicht hat. O-Ton der Türstehers: "Mit dem Krüppelgesicht kommst du hier nicht rein." Sind wir wieder im dritten Reich oder was bitte soll das? Für mich ist diese Disco auf jeden Fall gestorben."
Erfahrungsbericht ciao.de (Seite existiert nicht mehr)

"Am besten gefällt mir an der Disko [Änderung der Redaktion] jedoch das gemischte Publikum. Hier achten die Türsteher auf keine bestimmte Kleiderordnung und so kommt einfach jeder der will auch in die Disco. In keiner anderen Disco ist auch der Altersunterschied der Besucher so groß, von 18 (bestimmt auch einige jüngere drin) bis über 50 ist alles vertreten."
Erfahrungsbericht ciao.de (Seite existiert nicht mehr)

"Wie viele von uns haben das schon vor der Disco gehört, wenn der Türsteher dir den Einlass verbietet. Es gibt viele Gründe, wieso man nicht herein gelassen wird. Natürlich spielt das Äußerliche die größte Rolle. Der Türsteher hat nicht viel Zeit, um zu entscheiden, ob man herein kommt oder nicht. Bei manchem scheitert der Einlass am 'Style' (= äußere Erscheinung), da er entweder nicht in die Disco passt, oder man sieht in ihm schon einen potenziellen Schläger, der darauf aus ist, Ärger zu suchen.
Doch es hängt nicht nur von der Kleidung ab, sondern auch von der Hautfarbe. Viele Ausländer werden oft nicht herein gelassen. Dabei handelt es sich meistens um Türken, Albaner und andere Nationalitäten, die einem bestimmten Typus entsprechen. [...] Doch ein Türsteher trifft auch falsche Entscheidungen. Er lässt viele Leute herein, die besser draußen bleiben sollten. Umgekehrt macht er auch den Fehler, dass Leute, die wirklich nur auf Feiern aus sind, auch nicht herein kommen. Ein weiterer negativer Aspekt ist, dass Türsteher vielen Minderjährigen Einlass gewähren. Dies kommt fast nur bei weiblichen Gästen vor. So muss sich z.B. eine 16-jährige nur ein wenig schminken und ein bisschen Haut zeigen - und schon ist sie in einer Disco, die eigentlich ab 18 Jahren ist."
Aus: Learn Line – ZEUS

"Endlich hat eine neue Disco eröffnet, in diesem Kaff war ja gar nichts los. Betty (blonde Niederländerin), Samet (schwarzhaariger Deutscher), Herbert (schwarzhaariger Deutscher), Lucia (braunhaarige Italienerin), Tanja [...] und noch einige andere gehen erfreut zur Eröffnungsparty. Am Eingang wird Samet mit den Worten: "Leider voll!" abgewiesen. Nach ihm werden andere Besucher eingelassen."
Aus: Interkulturelle und antirassistische Erziehung in der Schule, http://www.aric-nrw.de/ (28.11.2007).

Du darfst nicht rein, weil Du Ausländer bist: "Mein Name ist Biswajit und bin 22, Student und in Deutschland geborener Inder. Bisher habe ich Deutschland als ein eher ausländerfreundliches Land angesehen und eigendlich nie Probleme wegen meiner Herkunft gehabt. Allerdings änderte sich dass als ich letztes Wochenende mit Freunden in eine Diskothek in Duisburg gehen wollte. Schon am Eingang wurde ich aber von den Türstehern unfreundlich abgewiesen. Als ich dann nach einem Grund für die Zutrittsverweigerung fragte konnte ich meinen Ohren nicht glauben. Mir wurde ganz klar von einem Türsteher gesagt, dass sie Anweisungen von der Geschäftführung haben keine Ausländer außer Stammkunden reinzulassen. Es wurde mir weiter von ihm versichert, dass ich weder einen gewalttätigen Eindruck mache noch meine Garderobe unangemessen wäre. Er bestätigte mir mehrfach, dass ich nur nicht rein darf, weil ich Ausländer bin. Ich habe mich zwar umgehend per e-mail bei der Geschäftführung wegen dieser Anweisung beschwert habe allerdings keine Antwort bekommen."
Aus: Leserbrief auf http://www.mut-gegen-rechte-gewalt.de (28.11.2007).

Wohnungsmarkt

Ein türkischer Familienvater ist auf der Wohnungssuche und wird schon beim Nennen seines Namens abgewiesen. Wenn er zu einer Wohnungsbesichtigung geht wird ihm jedes Mal gesagt, die Wohnung sei bereits vergeben.
Aus: Diskriminiert ... Was können Sie tun? Ungleichbehandlungen als Kunde/Kundin erkennen und dagegen vorgehen, http://www.nrwgegendiskriminierung.de/de/docs/aktuelles_start.html (28.11.2007).

Ausgrenzung auf dem Wohnungsmarkt: "Schenkt man den Worten von Stadtentwicklungssenator Peter Strieder (SPD) Glauben, dann stehen in Berlin derzeit mindestens 100.000 Wohnungen leer. Der Wohnungsmarkt ist 'entspannt', der Mieter hat die freie Wahl und selbst die Miethöhe ist verhandelbar. Doch der Traum von einem Tapetenwechsel rückt für viele Mieter trotzdem in weite Ferne. Zuallererst für diejenigen, die auf den Bezug von Sozialhilfe angewiesen sind. Denn Sozialhilfeempfänger stoßen im Falle eines beabsichtigten Wohnungswechsels bei den Behörden auf taube Ohren. Ist dieser nämlich mit der Zahlung einer Mietkaution verbunden, sind die Sozialämter nicht mehr bereit, den fälligen Betrag zur Verfügung zu stellen. Und dies, obwohl das Bundessozialhilfegesetz nach Paragraph 15a die Kostenübernahme vorsieht."
Aus: MieterEcho, http://www.wohnungslos-in-berlin.de (28.11.2007).

Auch der Bereich des Wohnungsmarkts ist von Diskriminierungen nicht ausgenommen. Private Vermieter haben wie auch andere Angehörige der Mehrheitsgesellschaft zum Teil große, von Vorurteilen geprägte Vorbehalte gegenüber ethnischen und religiösen Minderheiten. Diese sprechen sie in den meisten Fällen nicht offen aus, sondern verstecken sich gleichsam hinter der Mietergemeinschaft, die Probleme mit MigrantInnen im gleichen Haus hätten, angeblich schlechten Erfahrungen oder vielfältigen anderen Argumentationen. In Wohnungsbaugesellschaften erleben Menschen mit Migrationshintergrund häufig, dass behauptet wird, Wohnungen seien schon vergeben, obwohl sie weiterhin leer stehen.
http://www.aric-nrw.de/