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Biermann und die Folgen

Biermann und die Folgen

von: Joachim Jauer, Dirk Sager, Wolfgang Drescher, Harald Jung, Geri Nasarski, Klaus Wilhelm & Team

Am 16. November 1976 ist der regimekritische Liedermacher Wolf Biermann aus der DDR ausgebürgert worden. Die Folgen erweisen sich als gravierend, nicht nur für Künstler und Künstlerinnen in der gesamten DDR, wo ein kultureller Exodus beginnt. Auch gesellschaftspolitisch brechen in der DDR Gräben auf. Eine Schwerpunktsendung von Kennzeichen D vom 1. Dezember 1976.

Inhalt

Die TV-Sendung, moderiert von Joachim Jauer, zeigt zunächst am Beispiel der Renft-Combo in der DDR auf, wie rigoros die Staatsgewalt in der DDR seit der Biermann-Ausbürgerung Musiker verhaften lässt, nur weil der autokratisch herrschenden SED-Führung Song-Texte missfallen. Hinzu kommt die Inhaftierung des jungen Schriftstellers und Psychologen Jürgen Fuchs und die Abschottung des einflussreichen Regimekritikers Robert Havemann in Grünheide, der unter Hausarrest gestellt auch keine BesucherInnen mehr empfangen darf.

Vertiefend gibt es Interviews mit den zunehmend isolierten DDR-Autoren Reiner Kunze und Stefan Heym sowie ein ausführliches Gespräch der Journalistin Geri Nasarski mit dem Lyriker Peter Huchel, der bis 1962 die DDR-Zeitschrift „Sinn und Form“ leitete, aber dann in der SED in Ungnade fiel und neun Jahre bis zu seiner Ausreise kaltgestellt wurde (ab Minute 10’48).

Mehr zu diesem Thema auch unter: Externer Link: www.deutschlandarchiv.de

Ein weiterer Kennzeichen D-Beitrag behandelt die Medienkampagne, welche die SED mit ihrer Propagandamaschinerie in Gang setzt, um die Ausbürgerung Biermann zu rechtfertigen. Deutlich wird dabei auch die gezielte Einschüchterung Intellektueller, die aus Protest eine Resolution gegen die Ausbürgerung des Liedermachers unterzeichneten. Der damalige DDR-Korrespondent des ZDF, Dirk Sager, kommentiert am Ende, wie nun nach vielen aufgekeimten Hoffnungen auf mehr Liberalität in der DDR „auf mannigfaltige Weise wieder Angst verbreitet wird“. Das Fernseh-Magazin Kennzeichen D verstand sich stets als zeitkritisches Magazin „aus Ost und West“. Daher folgt nach rund 28 Minuten ein Themenwechsel und das wachsende BürgerInnenengagement gegen das geplante Kernkraftwerk im niedersächsischen Brokdorf wird ausführlich beleuchtet. Dieser kritische Blick auf Zeitgeschehen in Bundesrepublik und DDR zugleich war den MagazinmacherInnen wichtig, um auf beiden Seiten der innerdeutschen Grenze gleichermaßen ernst genommen zu werden. Gesamtlänge der Sendung: 45‘38.

Mehr Informationen

  • bpb-Begleittext von Holger Kulick

  • Produktion: 1.12.1976

  • Spieldauer: 1846 Min.

  • hrsg. von: ZDF-Studio Berlin Kennzeichen D

Lizenzhinweise

© ZDF Kennzeichen D