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Weltkindertag am 20. September

Kinderrechte, der Schutz vor Gewalt und politische Mitbestimmung – im Zeichen dieser zentralen Themen feiert Deutschland am 20. September den Weltkindertag. Statt großer Kundgebungen sind in diesem Jahr wegen der Corona-Pandemie andere Aktionen geplant.

Ein Mädchen liegt auf dem Fußboden und malt in einem Aufgabenbuch. Viele Kinder sind 2020 wegen der Corona-Pandemie über lange Zeit zu Hause isoliert, wie dieses vierjährige Mädchen in Ägypten. Der Weltkindertag soll auf ihre Rechte aufmerksam machen.Viele Kinder sind 2020 wegen der Corona-Pandemie über lange Zeit zu Hause isoliert, wie dieses vierjährige Mädchen in Ägypten. Der Weltkindertag soll auf ihre Rechte aufmerksam machen. (© picture-alliance/dpa, Lobna Tarek )

"Kinderrechte schaffen Zukunft" – unter diesem Motto feiern in Deutschland Organisationen wie Unicef oder das Deutsche Kinderhilfswerk am 20. September den Weltkindertag. 145 Staaten weltweit machen an einem Tag im Jahr besonders auf die Situation von Kindern aufmerksam, allerdings an verschiedenen Daten: Die Bundesrepublik Deutschland entschied sich für den 20. September, den Tag, an dem sie 1954 die Resolution verabschiedet hatte. China, Russland und mehrere osteuropäische Länder feiern am 1. Juni Kindertag. Auch in der DDR wurde der Kindertag traditionell am 1. Juni gefeiert. Die Vereinten Nationen begehen den Internationalen Tag der Kinderrechte am 20. November – dem Tag, an dem 1989 das Übereinkommen über die Rechte des Kindes, kurz UN-Kinderrechtskonvention (KRK), beschlossen wurde.

Kinderrechte werden von vielen Staaten ignoriert

In der Kinderrechtskonvention sind etwa der Schutz vor Diskriminierung sowie das Recht auf Gesundheit, Bildung, Familie und elterliche Fürsorge verankert. Auch schreiben die Vereinten Nationen darin den Schutz vor Gewaltanwendung und Misshandlung sowie wirtschaftlicher Ausbeutung fest. Die UN-Konvention verbietet zudem Kinderarbeit, also solche Arbeiten, für die Kinder zu jung sind, die gefährlich oder ausbeuterisch sind, die Kinder in ihrer Entwicklung schädigen oder sie vom Schulbesuch abhalten. In den meisten Staaten legen Gesetze ein Mindestalter für legale Beschäftigung zwischen 14 und 16 Jahren fest. Zudem untersagt ein Zusatzprotokoll der Konvention, welches der überwiegende Teil der Staaten unterzeichnet hat, Menschen unter 18 Jahren zwangsweise zu Streitkräften einzuziehen oder in Kriegen einzusetzen.

Mittlerweile haben fast alle UN-Mitgliedstaaten die Kinderrechtskonvention ratifiziert. Einzige Ausnahme sind die USA: Im US-Senat gibt es bislang keine Zweidrittelmehrheit für die Ratifizierung. Grund dafür ist unter anderem, dass in einigen US-Bundesstaaten lebenslange Haftstrafen für Jugendliche legal sind – eine Gesetzgebung, die gegen die Kinderrechtskonvention verstößt. Aber auch in Staaten, die die Konvention ratifiziert haben, werden Kinderrechte häufig noch immer missachtet. Millionen Kinder leiden bis heute unter Armut, Umweltproblemen und Konflikten.

Weniger Kindersterblichkeit und Kinderarbeit

In den vergangenen Jahren gibt es jedoch auch Erfolge: Die Zahl der Kinder, die vor ihrem fünften Geburtstag sterben, ist seit 1990 weltweit von über zwölf auf rund fünf Millionen gesunken, unter anderem aufgrund einer besseren medizinischen Versorgung.

Der Anteil der Kinderarbeit ging zwar um ein Drittel zurück. Doch noch immer müssen 152 Millionen Kinder weltweit arbeiten, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen – etwa die Hälfte von ihnen unter gefährlichen Bedingungen. 2018 machte ein Bericht der Organisation Human Rights Watch auf die besonders gefährlichen Bedingungen für Kinderarbeiterinnen und -arbeiter in Goldminen beispielsweise in Ghana, Mali oder den Philippinen aufmerksam. Durch die COVID-19-Pandemie erwartet die Internationale Arbeitsorganisation (ILO), dass mehr Kinder aufgrund von akuter Armut verpflichtet sind, für die Versorgung ihrer Familien zu arbeiten.

Kinder auf der Flucht

Laut UNHCR waren im Jahr 2019 zwischen 30 und 34 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren auf der Flucht, mehr als 150.000 von ihnen ohne einen Elternteil. Diese Kinder sind besonders von Unterernährung, Gewalt und Ausbeutung bedroht.

Die meisten Kinder und Jugendlichen fliehen vor Kriegen und bewaffneten Konflikten, in welchen sie ebenfalls in besonderem Maße bedroht sind. Schätzungen zufolge sind weltweit mindestens 250.000 Minderjährige an bewaffneten Konflikten beteiligt. Ein großer Teil dieser Kindersoldaten wird zum Dienst gezwungen, andere melden sich freiwillig, etwa um Armut zu entkommen. Oft erleiden sie zusätzlich zu körperlichen Verletzungen psychische Traumata.

Situation in Deutschland

In Deutschland ist die Situation der Kinderrechte zwar deutlich besser als in vielen Ländern der Erde. Doch auch hier gibt es Verbesserungsbedarf.

Das betrifft zum einen die Situation von Kindern, die in Armut aufwachsen: Laut dem Deutschen Kinderhilfswerk sind das rund 2,8 Millionen, also jedes fünfte Kind. Für viele erschwert die Corona-Pandemie zusätzlich die Lebensverhältnisse: Die Schließung der Schulen, aber auch von Jugendzentren, Spiel- oder Sportplätzen, schränkte die Chancen und Freiheiten von Kindern und Jugendlichen monatelang mehr ein als die vieler Erwachsener. "Gerade die Kinder waren in den letzten Monaten oft stille und unsichtbare Leidtragende der Einschränkungen unseres Alltags", konstatierte etwa Unicef.

Auch vor einer Verschärfung der Bildungsungerechtigkeiten wird gewarnt: Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hat rund ein Viertel der Kinder, deren Eltern Grundsicherung beziehen, keinen internetfähigen Computer im Haushalt. Vielen fehlt außerdem ein ruhiger Platz zum Lernen, da häufig nicht genügend Zimmer in der Wohnung zur Verfügung stehen. Expertinnen und Experten warnen außerdem vor einer Zunahme von Gewalt gegen Kinder, die häufig unerkannt bleibe, da Kindeswohlgefährdungen zumeist außerhalb von Familien bemerkt und angezeigt werden.

Politische Mitbestimmung

Viele sehen in den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie auch einen Rückschlag für die politische Partizipation junger Menschen. "Kinder und Jugendliche wurden in den bisherigen Entscheidungsprozessen nicht als Personen mit ebenbürtigen Rechten gesehen", kritisierte etwa die Deutsche Akademie für Kinder- und Jugendmedizin im April 2020.

Auch deshalb rückt die Debatte über mehr politische Mitbestimmung für Kinder und Jugendliche in den Vordergrund. Denn obwohl Forscherinnen und Forscher der SINUS-Jugendstudie 2020 bei den Jugendlichen jüngst eine "neue Ernsthaftigkeit" und eine neue Politisierung ausmachten, werden ihnen wesentliche politische Rechte vorenthalten. Politikerinnen und Politiker verschiedener Parteien fordern daher eine generelle Herabsetzung des aktiven und passiven Wahlalters auf 16 Jahre. Bisher gilt das Wahlrecht ab 16 nur in einigen Bundesländern für Landtags- oder Kommunalwahlen. Gegnerinnen und Gegner dieses Vorschlags halten dagegen, dass Jugendliche in dem Alter noch stark beeinflussbar seien und ihnen die nötige Reife für eine differenzierte Wahlentscheidung fehle.

Unicef: "Malt eure Rechte, Ideen und Wünsche auf"

Normalerweise wird der Weltkindertag am 20. September mit öffentlichen Großkundgebungen begleitet. Aufgrund der Corona-Pandemie wird es in diesem Jahr jedoch weit weniger und deutlich kleinere Feste geben. Um trotzdem "jedem Kind eine sichtbare Stimme zu geben und genau hinzuhören, was es zu sagen hat", hat Unicef mit zahlreichen Kommunen und Partnern eine Aktion initiiert, bei der Kinder und Familien ihre Ideen und Wünsche rund um Kinderrechte auf Straßen oder öffentlichen Plätzen mit Kreide aufmalen sollen. Unter dem Aktions-Hashtag "#wiestarkwäredasdenn" können die Bilder in sozialen Netzwerken geteilt werden.

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