Pressekonferenz Wahl-O-Mat

23.10.2013

Empfang anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Israel-Studienreisen der bpb in Tel Aviv

Mit welchem Bild gehen unsere Teilnehmenden auf die Reise?

Niemand wird eine Reise nach Israel wie ein unbeschriebenes Blatt beginnen – ohne bereits gefällte Urteile, Stereotype im Kopf und ohne Emotionen. Kaum ein anderes Land – gemessen an der Größe und Bevölkerungszahl – findet sich so oft in den deutschen Medien wie Israel.Über kaum ein anderes Land scheinen sich Deutsche so gesicherte Urteile zu bilden und nur über Israel scheint es derart polarisierende Debatten zu geben. Es ist hier nicht der Raum, die Ursachen im Einzelnen zu analysieren, aber sicher ist, dass Israel für uns Deutsche immer auch eine Projektionsfläche ist, in der sich eigene Befindlichkeiten, ja, auch die eigene Geschichte spiegeln.

Die Aufgabe der politischen Bildung sehe ich darin, den Studienreisenden ein Israel zu zeigen, das nicht auf Gewalt und Krieg reduziert wird, ein Israel, das vielschichtig, widersprüchlich und bunt ist und das in kein gängiges Schwarz-Weiß-Schema passt.

Wer sich zu Beginn einer Reise darauf einlässt, offen zu sein für unbekannte Positionen, für Perspektivwechsel und manchmal auch für emotionale Wechselbäder, der wird am Ende reichlich belohnt mit einer großen Fülle neuer Erkenntnisse und mindestens 500 weiteren Fragen im Gepäck.

Beim Blick auf die Feedbacks unserer Teilnehmenden wird immer wieder deutlich, dass es gerade die intensiven persönlichen Begegnungen sind, die die meisten Spuren hinterlassen. Und dies liegt nicht zuletzt daran, dass die Menschen in Israel uns sehr oft mit einer unglaublichen Offenheit über ihr Leben erzählen und uns an ihren Visionen, Befürchtungen aber auch Dilemmata teilhaben lassen. Diese Offenheit ist ein unbezahlbarer Schatz für uns, die wir über dieses Land lernen wollen. Dafür möchte ich an dieser Stelle allen danken, die sich immer wieder zum Gespräch mit unseren Gruppen bereit erklären und sich auch kritischen, mitunter schweren Fragen stellen.

Mein sehr verehrten Damen und Herren! Immer wieder müssen wir uns in der politischen Bildung der Frage stellen: "Was können wir mit unserem Angebot erreichen?" Zugespitzt: "Was haben 50 Jahre Studienreisen nach Israel gebracht?" Die Ergebnisse politischer Bildung lassen sich oft nicht bis ins letzte messen und mit großen Zahlenwerken belegen. Auch wir können nicht mit einer Statistik aufwarten, die 50 Jahre Israel-Studienreisen in Tabellen oder Diagrammen darstellt. Wir wissen aber durch die Rückmeldungen unserer Teilnehmenden, dass eine Studienreise oft zu veränderten Bildern und Urteilen über Israel geführt hat.

Besonders beeindruckend ist, dass die Reise mit der bpb für viele Teilnehmer der Anstoß war, sich kontinuierlich mit dem Thema Israel zu beschäftigen, um später für einen Besuch oder einen längeren Aufenthalt zurück zu kehren. Mit ein wenig Stolz dürfen wir beispielsweise darauf verweisen, dass eine ganze Reihe von Israel-Korrespondenten deutscher Medien das Land zuvor erstmals mit der bpb bereist hat. Ich zitiere eine unserer Reiseteilnehmerinnen:

"Es war wie Speed-Dating. Ja, im November 2005 habe ich mich verknallt. In all die Menschen, die dem ganz normalen Wahnsinn in Nahost Tag für Tag mit Leidenschaft und Entschlossenheit begegnen und ihm ihre ganz persönliche Vision für die Region entgegenstellen. Kein anderer Trip hat mich und meine Arbeit als Journalistin so sehr geprägt. […] Was als Kennenlern-Marathon begann, wurde zur großen Liebe."

Wie die junge Journalistin, die ich hier zitiert habe, reist mittlerweile eine neue, junge Generation nach Israel, die mit einem anderen Blick und anderen Fragen kommt. Für sie ist der historische Kontext der Israel-Studienreisen ein Kapitel deutscher Geschichte, das auf den ersten Blick nichts mit ihrer Reise in das moderne Land am Mittelmeer zu tun hat. Wer aber das Israel von heute in seiner Komplexität verstehen will, sollte sich auch mit dessen Geschichte beschäftigen, die zugleich eng mit der unsrigen verbunden ist. Wir sind somit herausgefordert, der jungen Generation historische Zusammenhänge aufzuzeigen, um ihre Urteilsfähigkeit für das Israel der Gegenwart zu schärfen und sie für die Besonderheiten im deutsch-israelischen Verhältnis zu sensibilisieren.

Ich habe zu danken!

Ich möchte am Ende meiner Rede denjenigen meinen Dank aussprechen, die bereits seit Jahren hinter diesem außergewöhnlichen Projekt stehen und deren Erfahrung in jeder Reise spürbar ist.

Das sind:

Anita Haviv die die Reisen, zunächst gemeinsam mit Naomi Heim, seit vielen Jahren als Programmkoordinatorin in enger Absprache mit der bpb konzipiert. In einer ihr eigenen Art mit einer Mischung aus Wiener Charme und israelischer Hartnäckigkeit gewinnt und brieft sie unsere Gesprächspartner und dirigiert sie stets zur richtigen Zeit zum richtigen Ort. Aber mehr noch als das, ist es ihr ganz persönliches Engagement im deutsch-israelischen Dialog, das immer wieder ihr Antrieb ist, neue Ideen zu entwickeln und das Projekt "Studienreisen" stetig weiterzuentwickeln. Dafür ihr und ihrer wunderbaren Mitarbeiterin Michaela Bechtel ein herzliches Toda raba!

Die besten Inhalte sind nur wenig wert, wenn die Reiselogistik nicht mindestens ebenso gute Rahmenbedingungen bietet. Dass bei den Reisen der bpb beides miteinander harmoniert, ist das Verdienst unserer Reiseagentur Amiel Tours, die unsere Wünsche stets mit Ausdauer und großer Zuverlässigkeit umsetzt. Neben Oni Amiel möchte ich besonders Anna Zucker, Christina Bartsch und Roy Hertzmann meinen herzlichsten Dank aussprechen.

Sie sind die unverzichtbaren Stützen für jedes Leitungsteam und die fast immer verfügbaren Ansprechpartner zu allen erdenklichen Alltagsfragen für unsere Teilnehmenden: unsere israelischen Guides. Ihre Aufgabe, den bpb-Reisenden neben den dichten Programmen in knappen Zeitfenstern noch Geschichte, Kultur und landschaftliche Schönheiten ihres Landes näher zu bringen, ist eine besondere Herausforderung. Stellvertretend für diese wichtigen Begleiter der letzten Jahrzehnte möchte ich heute Abend Rachel Beerly, Dina Kivshani, Israel Yaoz, Itzhik Shani, Roni Winter, Ralph Lewinson und Rosa Fleischmann danken.

Für gut organisierte und authentische Gespräche und Begegnungen in den palästinensischen Gebieten, danke ich Suleiman Abu-Dayyeh für die jahrelange zuverlässige und gute Zusammenarbeit .

Zu guter Letzt möchte ich den Mitarbeitenden in der bpb danken, die neben den jeweiligen Behördenleitungen das Studienreiseprojekt in den vergangenen 50 Jahren verantwortet haben, namentlich Manfred Klein, Ehrentraut Scholtz, Annemarie Barzel, Ronald Hirschfeld, Heinrich Bartel und Waltraud Arenz. Seit rund 20 Jahren betreut Waltraud Arenz das Programm nun bei der bpb - mit großer Professionalität und viel Leidenschaft und Herzblut. Für die hervorragende Organisation der Reisen und die wichtige inhaltliche Arbeit in diesem sensiblen Thema, möchte ich ihr ganz besonders danken. Nicht zuletzt auch für die Organisation unserer beiden Delegationsreisen und dieses Empfangs hier heute Abend.

Auf die Zukunft!

Meine sehr verehrten Damen und Herren, aus der handverlesenen Gruppe von etwa 30 Frauen und Männern, die sich vor 50 Jahre auf die Reise gemacht haben, sind über 8.000 Reiseteilnehmer geworden, die ihnen nachgefolgt sind. Ich bin mehr als zuversichtlich, dass ihnen in Zukunft noch viele weitere folgen werden!

Denn die Reise sind – und lassen Sie mich zum Schluss Stephan Kramer zitieren, der lange vor seiner Zeit als Generalsekretär des Zentralrats der Juden mit der bpb nach Israel gereist ist - "eine der besten Ideen, die die Bundeszentrale je entwickelt hat". Das finde ich auch!


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