Inhaltsbeschreibung
Die Zweite Republik begann in Österreich mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges und besteht bis heute. Diese sei, so der Historiker Oliver Rathkolb, stets von Widersprüchen und Eigenheiten geprägt gewesen. So gehe das Selbstverständnis Österreichs als weltweit anerkannte Kulturnation und als Tourismusmagnet oft einher mit einer großen Skepsis gegenüber äußeren Einflüssen, etwa durch die Europäische Union oder die Herausforderungen durch globale Migration. Außenpolitisch halte das Land an seiner gesetzlich verankerten Neutralität fest, begreife sich aber gleichwohl als Teil der westlichen Wertegemeinschaft.
Rathkolb beschreibt auch die geschichtspolitischen Auseinandersetzungen im Nachkriegs-Österreich, insbesondere in Bezug auf den Nationalsozialismus. Lange sei im offiziellen Gedenken des Landes an der sogenannten Opferthese festgehalten worden, die eine Mitverantwortung für die NS-Verbrechen negierte. Durch Enthüllungen und Aufarbeitungsprozesse sei diese Erzählung jedoch immer wieder erschüttert worden. Der Autor zeichnet ein differenziertes Bild der Geschichte der Alpenrepublik. Er verweist auf die wirtschaftlichen Erfolge, die Stärke zivilgesellschaftlicher Aushandlungen und kultureller Interventionen, setzt sich aber auch kritisch mit den Wahlerfolgen rechtsextremer Parteien, politischen Korruptionsskandalen und der für demokratische Länder ungewöhnlich starken Medienkonzentration auseinander.