Inhaltsbeschreibung
Millionen Menschen pendeln zwischen Wohnort und Arbeitsplatz. Dabei sind die einen auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen, während andere ein Auto nutzen. Der Philosoph Johannes Müller-Salo beleuchtet, wie mit der zunehmenden Trennung von Wohn- und Arbeitsstätten seit der Industrialisierung Menschen zu Pendlerinnen und Pendlern wurden und zu wessen Lasten das ging. In der Gegenwart sei das Pendeln, jenseits räumlicher Verhältnisse, mit Blick auf die Verkehrsmittel auch Stressfaktor, Gradmesser für Macht und Einfluss, soziale Anerkennung sowie Indikator für Lebensqualität: Pendeln in öffentlichen Verkehrsmitteln bedeute wenig Flexibilität und oftmals geringes gesellschaftliches Ansehen, aber durch die alltägliche räumliche Nähe zu Fremden – die Autofahrenden nicht abverlangt werde − auch das Trainieren sozialer Fähigkeiten.
Zudem würden, so Müller-Salo, die hohen Kosten individualisierten Pendelns externalisiert, während Menschen, die öffentliche Verkehrsmittel oder das Fahrrad nutzten, oft eine deutlich schwächere Lobby hätten. Für ihn sind das Argumente dafür, mit der symbolisch aufgeladenen Funktion des Autos zu brechen und allen eine gleichermaßen geachtete Teilhabe am knappen öffentlichen Raum zu gewähren. Er wirbt dafür, Städte und Dörfer als Orte des Wohnens und Arbeitens zu stärken, um insgesamt, auch mit Blick auf die Erderhitzung, mit weniger Verkehr auszukommen, indem Menschen vermehrt wohnen könnten, wo sie arbeiten und umgekehrt.