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Editorial | Asien | bpb.de

Asien Editorial Asien nach dem "Wunder": Auf dem Weg in eine bessere Zukunft? Asien an der Schwelle zum 21. Jahrhundert Wirtschaft, Gesellschaft und Außenpolitik Japans China - die kommende Großmacht Sonnenschein über Pyöngyang

Editorial

Katharina Belwe

/ 2 Minuten zu lesen

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Asien, einer der dynamischsten Wachstumsregionen der Erde. Die meisten Länder Asiens haben in den vergangenen Jahrzehnten eine atemberaubende Entwicklung durchlaufen.

Einleitung

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung lebt in Asien, einer der dynamischsten und zugleich vielschichtigsten Wachstumsregionen der Erde. Die meisten Länder Asiens haben in den vergangenen Jahrzehnten eine Entwicklung durchlaufen, die in der Geschichte der Weltwirtschaft einmalig ist. Dessen ungeachtet wissen wir vergleichsweise wenig über diese Region, die so spannend ist. Asien in einer einzigen Ausgabe der "Beilage" abhandeln zu wollen, wäre vermessen. Diese Ausgabe ist drei Ländern des Kontinents Asien - Japan, China und Korea - gewidmet. Der Autor des vierten Textes setzt sich mit "Asien" und dem (vielfach falschen) Bild, das wir Europäer uns davon machen, auseinander.

Welchen Irrungen und Wirrungen die europäischen Einschätzungen der Entwicklung Asiens in der Vergangenheit unterlagen, wird bereits im Essay von Rüdiger Machetzki deutlich. Sie haben sich im Verlaufe der letzten drei Jahrzehnte zwischen "Asian Drama" und "East Asien Miracle" bewegt. Der Autor warnt daher nach den finanz- und industriewirtschaftlichen Eruptionen in der Region 1997 und der zwischenzeitlichen Erholung vor erneuten vorschnellen Schlussfolgerungen.

"Asien" ist ein geographischer, kein politischer oder gar kultureller Begriff, schreibt Helmut Heinzlmeir. In der Geschichte Asiens habe es nur ein einziges Mal, nämlich im Zweiten Weltkrieg, so etwas wie panasiatische politische Zielsetzungen gegeben - als das imperiale Japan unter dem Schlagwort der "großasiatischen Wohlstandssphäre" begonnen habe, seine Nachbarstaaten zu unterjochen.

Folgt man Klaus Schlichtmann, so hat Japan aus der Geschichte Lehren gezogen, hatte doch sein zügelloser, auf Beherrschung der asiatischen Welt ausgerichteter Militarismus das Land ins Verderben gestürzt. Die 1947 in Kraft gesetzte neue japanische Verfassung enthält ein staatsrechtlich einzigartiges Kriegsverbot. Zwar habe, so Schlichtmann, der Kalte Krieg sehr bald zu einer Unterminierung dieses Verfassungsgrundsatzes geführt, aber die Bevölkerung habe den Nachkriegspazifismus verinnerlicht. Ob die japanische Nachkriegsutopie vom "ewigen Frieden" sowie von Wohlstand und sozialer Gerechtigkeit angesichts der großen politischen, wirtschaftlichen und sozialen Probleme des 21. Jahrhunderts gescheitert ist, ist für den Autor offen.

Nicht gescheitert ist die Reformpolitik der VR China, die Deng Xiaoping Ende der siebziger Jahre eingeleitet hat. China - nach wie vor ein Entwicklungsland - gehört nach Heinrich Kreft heute zu den am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Dabei sei das Potenzial noch nicht einmal voll ausgeschöpft. Die Weichen dafür seien durch den Beitritt Chinas zur Welthandelsorganisation WTO zum Jahresende 2000 gestellt. Wenn es gelänge, die notwendigen Umstrukturierungen sozial abzufedern, könne China vielleicht sogar wieder vom Objekt zu einem ernst genommenen Akteur der Weltpolitik werden.

Im Juni 2000 hat in Pyöngyang ein Gipfeltreffen der Staatsoberhäupter Nord- und Südkoreas stattgefunden. Eine Art Nordkorea- Euphorie scheint seither ausgebrochen zu sein, ein Wettlauf der demokratischen Staaten nach Pyöngyang begonnen zu haben, schreibt Kay Möller. Der Autor warnt vor allzu großem Optimismus hinsichtlich einer politischen und wirtschaftlichen Öffnung Nordkoreas sowie einer baldigen Wiedervereinigung der koreanischen Halbinsel. Er hält diesen vor dem Hintergrund der Situation in Nordkorea und der tatsächlich erzielten Ergebnisse des Gipfels nicht für gerechtfertigt.

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