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Modelle für die postindustrielle Gesellschaft im Jahre 2000 | APuZ 38-39/1968 | bpb.de

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APuZ 38-39/1968 Der Kampf um die Autonomie der mexikanischen Nationaluniversität Modelle für die postindustrielle Gesellschaft im Jahre 2000

Modelle für die postindustrielle Gesellschaft im Jahre 2000

Rainer Waterkamp

1. Brot für 7 Milliarden Menschen im Jahre 2000

r Zeit leben auf der Erde 3, 4 Milliarden Menen. Nach Schätzungen der Demographen d in den kommenden Jahren die Weltbe[kerung an jedem Tag um 200 000 Menschen lehmen. Bis zum Jahr Milliarden Menen. Nach Schätzungen der D Milliarden Menschen im Jahre 2000

r Zeit leben auf der Erde 3, 4 Milliarden Menen. Nach Schätzungen der Demographen d in den kommenden Jahren die Weltbe[kerung an jedem Tag um 200 000 Menschen lehmen. Bis zum Jahre 2000 wird — nach i fast übereinstimmenden wissenschaft-ien Prognosen — die Bevölkerung der Erde id 6, 8 Milliarden Menschen betragen. lt man sich vor Augen, daß — so N. C.

ight 1) — heute noch infolge Kalorienman-

s 50 0/0 der Weltbevölkerung unterernährt d, so wird deutlich, welche großen Anstren-igen bis 2000 gemacht werden müssen, um Versorgung der wachsenden Menschheit : Lebensmitteln sicherzustellen. Unter Beksichtigung des Bevölkerungszuwachses d der notwendigen Qualitätsverbesserung a Nahrungsmitteln in den Entwicklungslän-n müßte nach Ansicht der Futurologen das samtnahrungsaufkommen in den Entwick-igsgebieten allein bis 1985 auf das Zweiein-

rtelfache des jetzigen Aufkommens gestei-t werden. Zudem prognostiziert die Publi-ion „Unsere Welt 1985" 2) für die folgen-i 15 Jahre die Notwendigkeit, die Erzeugung n Nahrungsmitteln tierischer Herkunft auf 5 Dreifache und das gesamte Nahrungsauf-mmen der Welt auf das Eindreiviertelfache erhöhen sowie die Nahrungsmittel tierien Ursprungs fast auf das Doppelte zu stei-m. So wird der Anteil der hungernden Be-Ikerung — wie Olaf Helmer auf dem futuroischen Kongreß in Oslo im September 1967 »führte 3) — nicht vor der Jahr 2000 unter ‘o gesenkt werden können.

B Futurologen sind jedoch optimistisch. Um j notwendigen Mengen a Nahrungsmitteln produzieren zu können, wird bis 1984 die Automation in die Landwirtschaft einziehen und entsalztes Meerwasser verfügbar sein, verkünden die amerikanischen Forscher Helmer und Gordon in ihrer Studie „ 50 Jahre Zukunft" 4). Und sie sind der Auffassung, daß bis zum Jahre 2000 die Ozeane zur Erzeugung von Nahrungsstoffen herangezogen werden können und daß weitere Nahrung in Form von synthetisch erzeugtem Eiweiß zur Verfügung stehen wird 5). Auch Karl Steinbuch ist sicher: etwa im Jahre 1995 werden 20 °/o der Nahrungsmittelproduktion in Meeresfarmen erzeugt werden 6).

Tatsächlich weiß der Zukunftsforscher Nigel Calder 7) zu berichten, daß es bereits Gebiete gibt, die durch Entsalzungsanlagen mit Wasser versorgt werden — etwa in den USA oder auf den zu Großbritannien gehörenden Normannischen Inseln im Ärmelkanal. Gegenwärtig richten sich — nach Calder — die größten Hoffnungen auf eine Verdampfungsmethode (Flash-Destillation), bei der das zu entsalzende Meerwasser zur Kühlung sehr großer Atomkraftwerke verwendet wird.

Die Ozeane bedecken drei Viertel der Erdoberfläche. Die Chancen der Nutzbarmachung sind also dementsprechend groß. Dennoch liefern, wie Nigel Calder feststellt, alle Ozeane der Welt gegenwärtig der Menschheit nicht mehr Nahrung (nach Kalorien gerechnet) als allein in der Landwirtschaft Großbritanniens gewonnen wird. Durch eine gezielte Bewirtschaftung der Ozeane könnten hier viel größere Fortschritte erzielt werden. Calder skizziert in seinem „Entwurf eines gelobten Landes" folgende Möglichkeiten: „Man kann Jungfische in Bottichen aufziehen, um sie vor ihren natürlichen Feinden zu schützen, und dann auszusetzen. An geeigneten Stellen — vor allem in Fjorden und Buchten — könnte das Meer mit Kunstdünger behandelt werden. Man kann das pflanzliche Plankton — die mikroskopisch kleinen grünen Algen des Meeres — abmähen’ und an Haustiere oder in Fischteichen verfüttern. Weitere Möglichkeiten bieten das , Weiden'von Fisch-schwärmen in eingezäunten Meeresteilen, die Domestizierung von Walen und Delphinen sowie die Zucht neuer ertragreicher Fischrassen. Man kann sich sogar die Errichtung von schwimmenden Fischfarm-Städten vorstellen sowie von Unterwasser-Dörfern, in denen Taucher am Meeresgrund arbeiten und leben"

Die Wissenschaftler haben sich viel mit Algen beschäftigt. Algen ergeben aber selten — wie der Oxforder Agrarexperte Colin Clark auf dem Ciba-Symposium 1962 in London ausführte — eine Ernte von mehr als 20 gr. Trockensubstanz pro qm und Tag. Dagegen hätten Zuckerrohr, Elefantengras und Wasserhyazinthen einen Zuwachs von 50 gr. ergeben, solange genügend Wärme und Wasser vorhanden war. Größere Möglichkeiten für die Erschließung vorhandener Reserven sehen Nahrungsexperten wie Bodo Manstein in der Steigerung der Fischfangerträge. Rund 98 °/o aller Fischfänge stammen bisher von der nördlichen, aber nur 2 °/o von der südlichen Halbkugel, obwohl die Wasserfläche gerade hier doppelt so groß ist wie auf der nördlichen Hälfte. Man nimmt an, daß die Erträge von 60 Millionen Tonnen 1965 auf 100 Mill, t 1980 steigen werden, was bei einer Erdbevölkerung von dann 5 Milliarden Menschen einer Produktion von 20 kg pro Kopf entsprechen würde. Manche Experten glauben sogar, daß die Fischfänge auf den Weltmeeren bis zum Jahre 2000 auf 200 Mill, t steigen könnten. Immerhin: „Eine Steigerung der Weltfänge auf 150 Millionen Tonnen bis zum Jahre 2000 dürfte mit Sicherheit möglich sein"

2. Die zunehmende Bedeutung der Gemeinschaftsaufgaben bei der Erhöhung des Lebensstandards

Die drohende Überbevölkerung der Erde ist jedoch nicht nur ein Ernährungsproblem. Der Bedarf an Wohnraum und Bauland wird ebenfalls stark zunehmen. In den Stadtgebieten Frankreichs wird die Einwohnerzahl — so Fourastie — bis 1985 auf das Doppelte steigen, und die Städte werden die drei-oder vierfache Ausdehnung haben. Das Centre de Recherches d'Urbanisme hat errechnet, daß sich der Flächenbedarf allein in der Industrie Frankreichs bis 1985 verdoppeln wird. Das bedeutet — nach Schätzungen der Arbeitsgruppe „ 1985" — von 1980 bis 1984 eine durchschnittliche jährliche Bauleistung von 480 000 Wohnungen, also 1 920 000 in vier Jahren. Ähnliche Anstrengungen müssen auch auf dem Erziehungssektor gemacht werden, denn die Zahl der 6-bis unter 15jährigen in der Bundesrepublik wird von 1965 bis 1975 um 24% auf 9 Millionen anwachsen. Da die Berufsausbildung länger als bisher dauern wird, muß zudem die Zunahme der Jahrgänge der 15-bis 20jährigen berücksichtigt werden. Hier rechnen die Demographen mit einem Anstieg von 3, 6 auf 4, 3 Millionen im Jahre 1975. Das bedeutet, daß mehr Schulräume, Lehrer, Unterrichtsmaterialien und Verkehrseinrichtungen vorhanden sein müssen als jemals zuvor. Innerhalb von zehn Jahren müssen also — nach Berechnungen Fourasties — in Frankreich noch einmal so viele Universitäten, Ober-und Volksschulen gebaut werden, wie es gegenwärtig schon gibt. Außerdem muß die jetzige Lehrerzahl auf das Doppelte erhöht werden — und das alles noch zusätzlich zu den übrigen Sozialleistungen und Gemeinschaftsaufgaben eines Landes. Die Konsequenzen werden deutlich, wenn man sich — so der Bevölkerungsexperte Fox — vor Augen führt, daß eine jährliche Zunahme der Geburtenzahl um nur 10 000 Kinder alle zwei Wochen den Bau eines neuen Schulhauses für 400 Kinder voraussetzt, wenn nur das gegenwärtige Ausbildungsniveau erhalten bleiben soll. Doch dies allein genügt nicht. Auch die Begabungsreserven müssen besser als bisher erschlossen werden, denn die hochspezialisierte technetronische Gesellschaft der nächsten Generation benötigt höher qualifizierte Fachkräfte. Nicht nur die größere Zahl der Kinder wird daher einen verstärkten Ansturm auf die höheren Schulen zur Folge haben, nicht nur der gesellschaftspolitische Grundsatz gleicher Bildungschancen wird die Quote der Abiturienten und Studenten erhöhen, auch der Bedarf an Erwerbspersonen mit abgeschlossener Hochschulbildung wird steigen. Der gesamte Akademikerbedarf der Bundesrepublik wird nach einer Bedarfsschätzung im Jahre 1981 rund 61 % mehr als 1961 ausmachen, also 1 252 000 Personen betragen. Um diese Gesamtnachfrage zu befriedigen ist es nötig, daß jährlich rund 41 000 Absolventen die Hochschulen verlassen. Diese Maßnahmen müssen umgehend getroffen werden, denn „wenn im Jahre 1990 auf einem bestimmten Sektor unserer Gesellschaft ein qualifiziert ausgebildeter Fachmann gebraucht wird, muß dieser bei den durchschnittlichen Ausbildungszeiten 1984 sein Abitur abgelegt und 1975 in Sexta einen Lehrer gehabt haben, der seinerseits 1969 das Abitur bestanden und deshalb 1960 ins Gymnasium eingetreten sein muß" Weil die Ausreifungszeiten so lang sind, muß der Staat Vorleistungen für die Zukunft erbringen. Natürlich müssen hieran anschließend weitere Überlegungen getroffen werden. So zeigen sich beispielsweise zwei Tendenzen, die qualitative Veränderungen erfordern: einmal die Verlängerung der Ausbildungszeit, zum anderen die Tendenz zur Frühheirat. So betrug der mittlere Wert des Heiratsalters bei den Männern der USA im Jahre 1940 noch 24, 3; im Jahre 1956 bereits 22, 3. Bei den Frauen fiel der Wert im gleichen Zeitraum von 21, 5 auf 20, 2. Statistische Untersuchungen in der Bundesrepublik zeigen einen ähnlichen Trend. Das durchschnittliche Heiratsalter der eheschließenden Frauen betrug 1951 noch 27; im Jahre 1963 sank es auf 25, 3. Für junge Frauen mit Kindern, die das Abitur oder andere Schulabschlüsse erreichen wollen, müssen also Kindertagesstätten in ausreichendem Maße bereitgestellt werden. Die Zeit ist abzusehen, wo der Kindergarten für Dreijährige so selbstverständlich geworden ist wie heute die Schule für Sechsjährige.

Doch nicht nur die steigende Geburtenzahl erfordert mehr Sozialinvestitionen als bisher, auch die wachsende Last der Altenfürsorge wird gewaltige Anstrengungen erfordern. Die Zahl der über 65jährigen wird bis 1970 um 14% auf 7, 9 und bis 1980 auf 9, 1 Millionen oder um 31 % seit 1965 steigen. „Diese Veränderungen, die in einem solchen Ausmaß in keiner größeren Altersgruppe auftreten, werden von Jahr zu Jahr steigende Rentenlasten, eine wachsende Beanspruchung des öffentlichen und privaten Gesundheitswesens, einen immer stärkeren Bedarf an Altersheimen usw. zur Folge haben" Der Anteil der über 65jährigen Personen wächst also von 11, 1 % 1961 auf etwa 14, 7% im Jahre 1980. Auch hier muß berücksichtigt werden, daß der Trend zudem auf eine Vorverlegung des Rentenalters geht, d. h., daß Menschen über 60 Jahre zu den Alten zu zählen sind.

Das Charakteristische der zukünftigen Situation wird jedoch darin zu sehen sein, daß alle diese Soziallasten von einer erwerbstätigen Bevölkerung getragen werden müssen, deren Zahl sich — bis zu dem Zeitpunkt, zu dem der Anteil der über 65jährigen am höchsten ist — kaum erhöhen wird. Die Bevölkerungsstatistiker haben errechnet, daß der Anteil der 20-bis 65jährigen Personen von 34, 9 % im Jahre 1965 auf 33, 8% im Jahre 1980 absinken wird. Der Anteil der 15-bis 65jährigen wird 1980 — nach dem Prognos-Report Nr. 1 — sogar nur 61, 9% gegenüber 67, 2% im Jahre 1961 betragen. Hermann Schubnell rechnet bis 1975 mit etwa 38 Millionen Erwerbstätigen von 15 bis unter 65 Jahren. Der schrumpfende Erwerbssektor hat also eine wachsende Last von Altersrenten für die progressiv zunehmende Zahl alter Menschen und Invaliden zu tragen, daneben aber noch für die wachsende Zahl der Jugendlichen den Unterhalt und die Ausbildungsmöglichkeiten einer modernen Berufswelt sicherzustellen. Da das Sozialprodukt nur von den Erwerbstätigen erarbeitet wird, bedeuten die zu tätigenden Sozialinvestitionen erhöhte Staatsausgaben, zeitweilige Verschuldung und relativen Konsumverzicht. Die Steuerbelastung in der Bundesrepublik, gemessen am Sozialprodukt, beträgt nur 6 %. Diese Belastung ist in den skandinavischen Wohlfahrtsstaaten, in Großbritannien und Kanada beispielsweise z. T. erheblich größer. Bemerkenswert niedrig waren Ende 1966 in der Bundesrepublik auch die Staatsschulden. Gemessen am Bruttosozialprodukt des Jahres 1966/67 betrug der Schuldenstand nur 16 % gegenüber 58% in den USA und 118% in Großbritannien. Hier könnte versucht werden, „die Produktion auf Gebiete zu leiten, wo vorhandene, echte Bedürfnisse noch nicht befriedigt werden konnten, anstatt dorthin, wo das Verlangen künstlich hochgetrieben werden muß" 24).

Nach der amerikanischen Nationalkommission für Technologie, Automation und ökonomischen Fortschritt gibt es vor allem folgende zwei Gruppen von unbefriedigten Bedürfnissen: „Erstens die privaten Bedürfnisse von Menschen mit niedrigem Einkommen, die nicht in der Lage sind, Wohnung und Lebensnotwendigkeiten zu bezahlen, und zweitens die öffentlichen Bedürfnisse aller, die nicht ohne weiteres auf dem privaten Markt zu haben sind."

Nun wird — wie die amerikanische Kommission ausführt — mit zunehmender Produktivität immer weniger Arbeitskraft je Dollar Sozialprodukt benötigt; in der gleichen Zeit von Arbeitsstunden können mehr Güter und Dienstleistungen erzeugt werden. Die zukünftige Gesellschaft, die der britische Professor Ubbelohde „Tektopia" nennt, wird nahezu alle technisch-wissenschaftlich-wirtschaftlichen Voraussetzungen für die Errichtung des Wohlfahrtsstaates besitzen. Doch immer deutlicher wird sich auch zeigen, daß die Bedeutung der Gemeinschaftsaufgaben zunehmen wird. Der amerikanische Nationalökonom Galbraith hat die vernachläßigte Inangriffnahme dieser inschaftsaufgaben einmal sarkastisch dermaßen skizziert: „Die Familie, die ihr rschrotes, automatisch geschaltetes, mit erter Luftheizung und -kühlung ausgees Auto aus der Garage holt, um einen ig zu machen, fährt durch Orte mit t gepflasterten und ungereinigten Straverfallenen Häusern, scheußlichen Re-schildern und Hochspannungs-oder Tehenmasten, deren Leitungen man längst unter die Erde hätte verlegen müssen, kommen die Ausflügler in eine Land-hinaus, die man vor lauter Werbe, kunst’ i nicht mehr sieht. ... Unsere Familie t am Ufer eines verdreckten Flusses die hen Konserven aus der transportablen ox und übernachtet dann auf einem Parkle, das für Volksgesundheit und öffentKoral eine Gefahr ist. Kurz bevor sie auf Luftmatratzen unter dem Dach ihres zeltes, umgeben von dem Gestank fauAbfälle, einschlummert, möge sie sich Gedanken über die seltsame Unterschied-t ihrer Genüsse machen." roduktivitätsgewinne müssen also auch verwendet werden, „um noch offene Besse der Gemeinschaft durch größere öfhe Investitionen zu befriedigen", wie es JS-Kommission für Technologie forte ebung des Lebensstandards aller Bevöl-Jsschichten kann — auch nach dem „Entles zweiten Programms für die mittelfriNirtschaftspolitik“, den die Kommission ropäischen Gemeinschaften am 20. März rorgelegt hat — nur über eine Stei-j der Produktivität erreicht werden. Die me der öffentlichen Investitionen wird meisten EWG-Ländern in der Zeit von is 1970 zwischen 5, 3 und 9, 7 °/o und für sogar von 17, 7 °/o angenommen Notgerweise setzt der moderne Staat in zundem Maße „durch seine allgemeine haftspolitik die grundlegenden Daten 5 Verhalten der am Wirtschaftsleben Be-en, wobei er sowohl von der Kosten-als ron der Nachfrageseite her inflationisti-schen, aber auch deflationistischen Tendenzen entgegenkommen muß. Zum andern wird ein erheblicher Prozentsatz des Volkseinkommens in allen modernen Staaten aufgrund der von der öffentlichen Hand wahrgenommenen Aufgaben (Verwaltung, Ausbildung, Forschung, Gesundheitswesen, Justiz, Verteidigung usw.) bestimmt. Nicht zuletzt bewirkt der Staat im Rahmen der Politik auf dem Gebiet der sozialen Sicherheit und der Übertragungen zugunsten bestimmter sozialer Schichten und Wirtschaftszweige eine erhebliche Einkommensumverteilung"

Da die Leistungen der staatlichen Gemeinschaft allen Menschen zugute kommen, nicht nur einzelnen, können sie nicht über den Marktmechanismus angeboten werden. „Eine beträchtliche Anzahl dieser ersehnten Dinge lassen sich nicht privatwirtschaftlich erzeugen, erwerben und verteilen. Wenn sie einer bekommen soll, müssen sie alle bekommen und die Gemeinschaft muß dafür zahlen, sonst sind sie überhaupt nicht zu haben. Das gilt für Straßen und Polizei, für den Unterricht in der Grundschule und für die öffentliche Gesundheitspflege, für die Seuchenbekämpfung und die Landesverteidigung." Allerdings werden die Menschen, so gibt die amerikanische Kommission für Technologie zu bedenken, erst dann aktiv, „wenn sich kritische Zustände entwickeln — unerträglicher Smog, ernste Probleme im Berufsverkehr, Wasserverknappung usw. —, und dann greift man zu Ad-hoc-Maßnahmen; aber dies bedeutet lediglich ein Aufschieben". Die finanziellen Konsequenzen sind jedoch nicht gering: Nach den Schätzungen des Office of Economic Opportunity würden in den USA beispielsweise bis 1970 mindestens 100 000 weitere Klassenräume und 133 000 Lehrer mehr erforderlich sein, um allen Kindern von 3 bis 5 Jahren eine ganz-jährige zusätzliche Erziehung zu geben, die sie

3. Die Gesellschaft im Überfluß — Vor uns das Paradies?

Zumindest der materielle Überfluß, so prophezeien die Zukunftsforscher übereinstimmend, ist für die hochindustrialisierten Länder bis zum Jahre 2000 zu erwarten. In der „Gesellschaft im Überfluß" (Titel eines Buches von Galbraith) werden sich die Menschen eines persönlichen Lebensstandards erfreuen, der — dies ist jedenfalls die Meinung Herman Kahns und Anthony J. Wieners vom amerikanischen Hudson-Institut — an 20 000 Dollar pro Kopf erreichen wird. Die Zahlen für die industrielle Gesellschaft lauten dagegen nur 600 bis 1500 Dollar und für die Massenkonsum-und entwickelte Industriegesellschaft 1500 bis 4000 Dollar. Die Menschen der postindustriellen Gesellschaft werden „künstliche Nahrung essen, mit großer Geschwindigkeit von einem Ende des Landes zum anderen zur Arbeit fahren, in ständigem visuellen Kontakt mit Arbeitgeber, Regierung oder Familie stehen und im Kalender nachsehen, ob an einem bestimmten Tag Regen oder Sonnenschein vorgesehen ist" Auch der britische Zukunftsforscher Calder erwartet auf kurze Sicht größere Erfolge bei der lokalen Wetter-kontrolle: Zerstreuen von Nebel und Hagel, planmäßige Steuerung von Regenfällen in bestimmte Gebiete, vielleicht sogar Auflösung von Wirbelstürmen durch Abkühlung.

Der technische Komfort wird groß sein. Bereits heute gibt es in den USA Fernseh-Telefone; schon heute werden manche Arbeiten durch ganze Computer-Netze durchgeführt oder von Computern, die durch ein wiederum von Computern kontrolliertes Telefon-oder Fernschreibnetz verbunden sind. Schon heute gibt es in jedem Wohnraum der USA elektronische Geräte, und ihre Zahl wächst ständig. „Die Entwicklung wird dahin gehen, daß die hochleistungsfähigen Kabel eines Fernverbindungsnetzes in jedem Heim installiert werden wie heute die Wasserleitung oder der elektrische Strom."

Aber zentrale Computer werden auch Dossiers über jeden Bürger speichern können, Briefe lesen ohne sie zu öffnen und Gespräche unbemerkt mitschneiden. Man wird — nach Brzezinski — „imstande sein, jeden Bürger fast ununterbrochen zu überwachen und lückenlose, stets auf den neuesten Stand gebrachte Akten über ihn zu führen, die neben den herkömmlichen Angaben auch höchst persönliche Informationen über seine Gesundheit oder sein Privatleben enthalten. Diese Akten werden den Behörden auf Verlangen blitzschnell zur Verfügung stehen”.

Dennoch sind die Futurologen zumeist Optimisten. Sie glauben, das Ergebnis der Kybernetisierung und Automatisierung könne die Herstellung besserer Beziehungen unter den Menschen sein, denn — so notiert der amerikanische Professor für Kernchemie, Glenn T. Sea-borg — „wenn die Maschine uns tatsächlich alle körperliche Arbeit erspart haben wird, dann können wir sie vielleicht eher als das akzeptieren, was sie ist. Dann hätten die Menschen Zeit, sich unter ganz anderen Voraussetzungen miteinander zu befassen". Seaborg nimmt an, daß die gesellschaftliche Heuchelei zusammen mit dem Wettbewerb verschwinden werde, und er verkündet: „Ein Gemeinwesen schließlich, das frei ist von Not und in dem jeder Bürger ein nicht auf Kosten anderer erworbenes Gefühl für Würde besitzt, befreit uns von Furcht."

Auch der französische Zukunftsforscher Bertrand de Jouvenel unterstellt, daß die Un-gleichheit der materiellen Bedingungen allmählich durch die Wirkungen des technischen Fortschritts aufgehoben wird. Zudem: In dem Maße, in dem die Bedürfnisse aufhörten elementarer Natur zu sein, sei der Unterschied in den Mitteln, sie zu befriedigen, nicht mehr so hart. „Wenn der eine sich nur einen 2 CV, der andere aber einen Rolls Royce kaufen kann, empört uns dieser Abstand nicht so, als wenn der eine nicht in der Lage ist, sich einen Mantel zu beschaffen, während der andere Schränke voll hat."

Nur langsam allerdings und nur von einer Minderheit wird allmählich begriffen, „daß die Kybernation die bisherigen Gewohnheiten und Anschauungen derart verändern muß, daß neue Wertmaßstäbe, wie etwa Selbstachtung, viel wichtiger werden als die ökonomischen Kriterien" Die Frage nach dem Sinn menschlicher Existenz wird wieder neu gestellt werden: „Entweder immer mehr materieller Genuß und damit Leere, Ziellosigkeit und Frustration; oder zunehmendes Interesse für gesellschaftlich produktive Aufgaben, etwa für soziale Hilfsdienste" (Donald N. Michael) Futurologen wie Herman Kahn vom Hudson-Institut halten es für denkbar, daß in der Wohlstandsgesellschaft des Jahres 2000 der materielle Anreiz nach Reichtum schwinden könnte.

In dem umfangreichen Werk über „Das Jahr 2000“ wird eine Situation für möglich gehalten, in der 70 bis 80 °/o der Leute ihr Leben mit Schach, Bridge, Musik, Kunst, Sprachen, Wissenschaft und Philosophie ausfüllen werden.

Andere Zukunftsdenker sehen eine „diabolische ökonomische Notwendigkeit" in der Verbrauchergesellschaft, den Konsum immer wieder neu anzuheizen. Eine der schwierigsten Aufgaben der Zukunftsplanung ist es in der Tat, wenigstens mit relativer Wahrscheinlichkeit abzuschätzen, wie der Mensch sich in einer von Sachzwängen beherrschten technetronischen Gesellschaft des Überflusses verhalten wird. Der Münchner Soziologe Theo Pirker nimmt an, daß sich mit dem technologischen Fortschritt, mit der systematischen Erziehung zur modernen Berufswelt, das Verhältnis der nächsten Generation zu der Größe verändern wird, „die wir heute noch fälschlicherweise als , Beruf bezeichnen." Ausgehend von einer „kulturbestimmten, religiös überhöhten Wertschätzung der Arbeit, der Romantisierung einer Arbeits-und Gesellschaftsordnung", in der sich nur ein geringer technologischer Wandel vollzogen habe, sei der Beruf zu einem „Wert an sich" geworden. Eine mobile Gesellschaft im permanenten Wandel bedürfe jedoch der mobilen Arbeitskraft, und „je bewußter diese Arbeitskraft mobil ist, je genauer sie weiß, wie sie ihr Fähigkeitspotential einzusetzen vermag, desto geringer werden die Störungen dieser Gesellschaft sein"

Zwar hat die Entwicklung des technischen Fortschritts nicht nur eine Verbesserung der Arbeitsbedingungen ermöglicht, sondern auch die Arbeit selbst vielseitiger gestaltet. Die Berufsarbeit verlange jedoch nunmehr „immer weniger physische Kraft und immer mehr intellektuelle oder psychologische Fähigkeiten, in denen die Frauen den Männern nicht nachstehen". Und der britische Zukunftsdenker Calder gibt zu bedenken: „Um die Moral der Arbeitenden in all den dazwischenliegenden Jahrhunderten aufrechtzuerhalten, mußten die Menschen in gegenseitiger Gehirnwäsche aneinander immer wieder die Vorzüge der Arbeit eintrichtern. Ständige Unterweisung im Kindergarten, in der Schule, in der Kirche, in Alltagsgesprächen, in Legenden und in der Literatur haben den nahezu unerschütterlichen Glauben aufgebaut, daß die Arbeit etwas ganz besonders Tugendhaftes sei und Würde verleihe." Heute dagegen müßten wir uns auf eine Situation einstellen, „in der wir die Arbeit abschaffen und unseren Geist von der uns eingeschärften Gewohnheit befreien werden"

Da Computer zukünftig viele Dienstleistungen übernehmen werden, wird ein großer Teil der Bevölkerung — nach Meinung der Forscher der Rand-Corporation — ohne Beschäftigung sein. Es wird daher notwendig sein, „weitsichtige und überaus revolutionäre Maßnahmen zu ergreifen, um mit dieser Situation fertig zu werden und neue Strukturformen zu entwickeln, in denen eine demokratische Gesellschaft gedeihen kann. Seinen Lebensunterhalt zu . verdienen" wird vielleicht nicht länger eine Notwendigkeit sein, sondern ein Privileg; Dienstleistungen müssen vielleicht von der Automation ausgenommen werden und sozialen Status erhalten, vielleicht müssen Freizeit-tätigkeiten erfunden werden, um einem Leben, das , wirtschaftlich nutzlos" geworden ist, einen neuen Sinn zu geben".

Uneins sind die Futurologen sich in der Prognose, wie der Mensch seine vermehrte Freizeit dereinst ausfüllen wird. Während die einen prophezeien, die leistungsorientierte Gesellschaft weiche der „vergnügungsorientierten Gesellschaft, in der Zuschauerspiele (Massen-sport, Fernsehen) als Opium für Massen dienen, die in ihrem Leben immer weniger ein Ziel erkennen können" sehen andere in der postindustriellen Uberflußgesellschaft erstmalig die Chance sozio-kultureller Entfal-tunsgmöglichkeiten, „die aus der Befreiung von der Fron der Schwerarbeit, aus der Ausdehnung der Freizeit und aus der für die Industriegesellschaft unerläßlichen Hebung des Bildungsniveaus sich ergeben: die Befreiung von Ignoranz, die Freisetzung schöpferischer und spiritueller Fähigkeiten für immer breitere Schichten der Bevölkerung".

Auch die Verfasser der Publikation „The Year 2000" schließen negative Entwicklungen nicht aus, etwa „eine große Zunahme der Selbstsucht, ein steigendes Desinteresse an Staat und Gesellschaft insgesamt sowie eine Zunahme der mehr antisozialen Formen des Egoismus für sich und vielleicht den engsten Familienkreis".

4. Beruf und Freizeit im Jahre 2000

Der französische Futurologe Fourastie hat darauf hingewiesen, daß wir uns hinsichtlich der Berufsstruktur gegenwärtig in einer Übergangszeit befinden, deren Endphase vermutlich im Jahre 2000 dadurch gekennzeichnet sein wird, daß rund 8O°/o der Erwerbstätigen in Dienstleistungsberufen und nur noch je 10% in Landwirtschaft und Industrie tätig sind. Die Wahl der Berufe, jahrtausendelang zu 80 bis 90 % im Bereich der Landwirtschaft getroffen, werde sich in Zukunft nur noch zu 3 bis 10% auf den Agrarsektor erstrecken. Seine Begründung: „Mit dem durchschnittlichen Reichtum des Menschen steigt auch sein Bedarf an Dienstleistungen, weil er nach einem Kompromiß zwischen den ihm angebotenen Freuden aller Art und der ihm zur Verfügung stehenden Zeit sucht." Und für die Herstellung einer ständig größer werdenden Gütermenge werden immer weniger menschliche Arbeitskräfte infolge technischer Neuerungen gebraucht. Tatsächlich zählten 1962 nur noch 7, 6 % der Erwerbstätigen in den USA zu der Land-und Forstwirtschaft gegenüber 12% 1950, während 35, 2 % im Sektor Industrie und Handwerk (1950: 36 %) und 57, 1 % der Erwerbstätigen in den Dienstleistungsgewerben tätig waren gegenüber 52% im Jahre 1950 Vor 30 Jahren waren noch rund ein Viertel aller Erwerbstätigen in den USA in der Landwirtschaft beschäftigt, heute sind es nur noch 7 % und bis 1975 werden es 5 % sein. Bis 1975 müssen — nach der amerikanischen Kommission für Technologie in ihrem Bericht über „Automation und wirtschaftlichen Fortschritt" — für 18 Millionen . Menschen neue Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden, weil der primäre Sektor (Landwirtschaft) und der sekundäre (Industrie) zugunsten des tertiären Sektors (Dienstleistungen) schrumpfen werden. Das Qualitätsbewußtsein wächst ebenso wie der Wunsch nach persönlicher Beratung und Bedienung.

Darüber hinaus werden nur etwa 10 % der Arbeitsfähigen im Jahre 2000 industrielle Arbeit leisten, mehr als drei Viertel werden damit beschäftigt sein, sich zu verwalten, zu bilden, zu bedienen. Aber immer weniger Menschen werden überhaupt noch arbeiten. Und es wird immer weniger Arbeitszeit aufgewendet, denn mit steigendem Realeinkommen verringern die Menschen tendenziell ihre Arbeitszeit und nehmen selbst heute schon eine Senkung ihres Lebensstandards in Kauf, um mehr Freizeit zu erlangen. Es scheint nicht unmöglich daß nur noch die Hälfte der Menschen in mehr oder weniger normaler Weise arbeiten werden.

Würde man sich heute schon in den USA entscheiden, den gesamten Produktivitätszuwachs auf mehr Freizeit zu verwenden, dann könnte nach dem amerikanischen Bericht über „Automation und wirtschaftlichen Fortschritt" die Arbeitswoche bis 1985 auf 22 Stunden verkürzt werden oder die Menschen brauchten nur noch 27 Wochen im Jahr zu arbeiten. Sie könnten bei gleichem Lohn und Konsum und unveränderter Arbeitszeit pro Woche auch mit 38 Jahren in den Ruhestand treten. Eine andere, indirekte Form der Arbeitszeitverkürzung ist — so gibt Fourastie zu bedenken — außerdem zu erreichen durch verlängerte Ausbildung, d. h. späteren Eintritt in das Berufsleben. Zu denken wäre auch an Freistellungen von der Arbeit für berufliche und politische Weiterbildung bei voller Bezahlung, denn angesichts des ständigen Bedarfs an neuen Fertigkeiten wird der Mensch „vielleicht zwei oder drei Arbeitszyklen der Umschulung oder einer neuen Beschäftigung durchlaufen müssen, um mit dem technischen Fortschritt und neuen technischen Erkenntnissen Schritt zu halten".

Da pro Arbeitsstunde mehr produziert wird könne der Arbeiter einerseits eine steigende Zahl von Produkten schaffen und andererseits eine sinkende Zahl von Stunden arbeiten. Es sei jedoch zu bedenken, daß die arbeitsfreie Zeit kostspielige Ortsveränderungen und Hobbies mit sich bringen werde. Der Urlaub wäre beispielsweise eine Zeit, „in der das Familienbudget stark ins Defizit gerät" Um so größer sei jedoch das Verlangen nach Über-stunden, um das familiäre Budgetgleichgewicht wiederherzustellen. Die rar gewordenen offenen Arbeitsstellen werden allerdings in Zukunft nur von einem zentralen Elektronengehirn, das diese Informationen speichert, auf Anfrage vermittelt werden. Schwarzarbeit wird daher nach der Meinung des Futurologen John Fisher von der amerikanischen Studiengruppe „Technical Management Planning Organization" bei General Electric so geächtet sein „wie heute Bigamie". Jedenfalls: „Je größer die Freizeit, desto dringlicher also eine Erziehung, die eine richtige Verwendung dieser Freizeit erlaubt."

5. Umstrittene medizinische Experimente im Jahre 2000

Mit den medizinischen Revolutionen des 20. Jahrhunderts eröffnen sich Zukunftsperspektiven für das nächste Jahrtausend bis hin zur physisch-psychologischen Fernsteuerung ganzer Völker durch perfekte Steuerungstechniken, wie selbst George Orwell sie nicht erdenken konnte. Der Mensch, so formulierte es der amerikanische Professor Brzezinski in einem Aufsatz der Zeitschrift „Encounter" wird zunehmend die Fähigkeit erlangen, „das Geschlecht seiner Kinder zu bestimmen, durch Drogen den Grad ihrer Intelligenz zu beeinflussen und ihre Persönlichkeit zu verändern und zu lenken. Das menschliche Gehirn wird verstärkte Kräfte gewinnen; Computer werden die Denkfähigkeit des Menschen ebenso selbstverständlich erweitern wie heute Automobile seine Beweglichkeit. Der menschliche Körper wird verbessert und dauerhafter gemacht werden: Es gibt Schätzungen, wonach des Menschen durchschnittliche Lebensdauer im Laufe des nächsten Jahrhunderts durchschnittlich 120 Jahre erreichen könnte".

Bereits für 1984 sagen die Futurologen Helmer und Gordon von der Rand Coporation die Verbreitung von Drogen zur Veränderung des Persönlichkeitsbildes voraus, deren Gebrauch „in weitem Umfang" akzeptiert sein werde. Die „Anti-Nörgel-Pille", die der geplagte Ehemann seinem Eheweib ins Essen mischen kann, ist dabei nur eine harmlose und eher kuriose Randerscheinung. Tiefgreifender sind schon Eingriffe in die Molekularstruktur, um Erbdefekte zu korrigieren, sowie die Erzeugung primitiver Formen künstlichen Lebens, die für das Jahr 2000 vorausgesagt werden

Die Wissenschaftler unseres Jahrhunderts ersetzen schon das Symbol menschlichen Lebens: das Herz — für Stunden, Tage und Monate durch Maschinen, Kunstherze und durch Herzen verstorbener Menschen. In der Medizin wird 1984 die Überpflanzung natürlicher und die Einpflanzung von Organen aus Kunststoffen sowie elektronischen Bauteilen allgemein vorgenommen werden. Praktisch wird jedes Organ mit Ausnahme des Gehirns zu ersetzen sein, „einschließlich wichtiger Teile des Nervensystems in Fällen der Lähmung" Zwar wird man zunächst — nach einhelliger Meinung der Futurologen — nur den Gesundheitszustand innerhalb der normalen Lebensdauer durch „Reparaturtechniken" zu verbessern suchen, die weitere Entwicklung wird von der Ausdehnung der prophylaktischen Medizin, „von neuen Entdeckungen in der Biochemie und von einer überfälligen Beseitigung des Kommerzialismus in der Produktion und Verbreitung von Drogen gekennzeichnet sein" auch wird der Prozeß der Industrialisierung der Medizin „sich noch fortsetzen durch ein stärkeres Eindringen von Maschinen und Geräten in Diagnose und Pflege, der rationellen Organisierung von Krankenhäusern, Sanatorien und Altersheimen" Doch später wird „auch eine beträchtliche Verlängerung des Lebens, vielleicht auf 200 Jahre, möglich werden" Möglich erscheint den Zukunftsforschern auch die Koppelung eines menschlichen Gehirns mit einem Computer, womit das „Umfüllen" menschlichen Geistes in Maschinen denkbar ist. Ende des 20. Jahrhunderts werden die Computer den menschlichen Denkleistungen nicht mehr nachstehen und zu schöpferischem Denken befähigt sein. Mit Robotern gekoppelt könnten sie womöglich sogar handeln wie Menschen

Elektroden wurden bereits ins Gehirn von Hühnern, Ratten, Stieren, Affen und Katzen gepflanzt, die sich auf Knopfdruck je nach Willen der Forscher verhielten: glücklich oder hungrig, friedfertig oder aggressiv. So berichtet der amerikanische Neurophysiologe Professor Jose M. R. Delgado über steuerungstechnische Experimente unter seiner Leitung: „Unter dem Einfluß elektronischer Reizung des Gehirns verhalten sich Katzen und Affen wie elektrische Spielzeuge. Je nachdem, welchen Knopf die Experimentatoren drückten, wurde eine von einer großen Zahl motorischer Reaktionen ausgelöst. Sie umfaßten Bewegungen aller Körperteile: Vorderund Hinterfüße, Schwanz, Rumpf, Kopf und Ohren." Und er fuhr fort: „Wenn wir die Tiere festhielten, um sie an einer bestimmten Reaktion zu hindern, so kämpften sie sich frei, um dem Befehl der Hirn-reizung zu folgen."

In ähnlichen Versuchen von Dr. Dieckmann im Frankfurter Max-Planck-Institut für Hirnforschung wurde eine Katze dazu gebracht, selbst in schwierigen Stellungen zu verharren und begonnene Bewegungen erst zu beenden, wenn die elektrische Reizung eingestellt wurde.

Konturen einer gespensterhaften Welt beginnen sich abzuzeichnen. Versuchs-Ratten im Labor der kanadischen McGill-Universität, denen eine Elektrode ins Lustzentrum ihres Gehirns eingeführt worden war, drückten bei Versuchen tagelang bis zu 8000mal in der Stunde die elektrische Wollust-Taste, um sich dadurch Befriedigung zu verschaffen. In der amerikanischen Yale-Universität regulierten die Forscher durch Funk die Hunger-und Durstgefühle von Ratten. Stimulierten sie das Freßzentrum ihres Gehirns, so stürzten sich die Tiere gierig auf das Futter, wurde jedoch das Freßzentrum geblockt, so rührten die Tiere keine Nahrung an, selbst wenn sie nahezu am Verhungern waren.

Wurden entsprechende Elektroden an der richtigen Stelle des Gehirns angeschlossen, so flohen Katzen vor Mäusen oder verwandelten sich in wilde Bestien, paarten sich Affen oder zeigten sich sexuell desinteressiert, stürmten Stiere wütend durch die Arena oder trollten sich friedlich von dannen — dirigiert durch Funksignale. Zudem operierten die Wissenschaftler lebende Affenhirne vom Körper und hielten sie in einer Nährflüssigkeit für Stunden und Tage bei Bewußtsein — die konventionellen Begriffe von Tod und Leben verwischten sich. Der britische Futurologe Arthur C. Clarke sieht in seinem Buch Menschengehirne, die in Klimakammern jahrtausendelang frisch gehalten werden und mit zahlreichen elektronischen Drahtleitungen oder Punktverbindungen auf der ganzen Welt in Kontakt stehen. Ein solches Gehirn „könnte an jedem denkbaren Erlebnis teilnehmen, sei es real oder bloß vorgestellt".

In den vergangenen 80 Jahren erfocht die Medizin größere Erfolge als in den vier Jahrtausenden zuvor. Bis zum Jahre 2000 wird sich das Tempo des medizinischen Fortschritts abermals vervielfachen. Einhellig schätzen die Fu-turologen daß im Jahre 2000 allgemeine Immunisierung gegen Bakterien-und Viren-krankheiten möglich sein wird, daß Kunstherzen in Serien hergestellt und verpflanzt werden. Erbliche Krankheiten werden sich genetisch korrigieren lassen. Schon bis zum Jahre 2050 werden nach der Meinung der Wissenschaftler der Rand Corporation die Mediziner das Alter des Menschen um etwa 50 Jahre verlängern können. Die Verlängerung des menschlichen Lebens war das Wunschziel fast jeder Utopie, von Campanellas Sonnenstaat im 16. Jahrhundert bis zu W. H. Hudsons Crystal Age im 20. Jahrhundert. Heute sehen die Zukunftsforscher in der durchschnittlich höheren Lebenserwartung der Bevölkerung bereits keine Phantasievorstellung mehr, sondern eine Tatsache und auch eine Gefahr. Nach der Darstellung des amerikanischen Mikrobiologen Hilary Koprowski erreichen immer mehr Menschen ein hohes Alter, in dem sie anfällig für Infektionen sind. „Außerdem entsteht durch die Lebensverlängerung bei Personen, die an Krebs, Lupus erythematodes und ähnlichen Krankheiten leiden, noch eine Bevölkerungsgruppe, die durch Infektionen besonders gefährdet sind. Da die Menschen auch weiterhin länger leben werden und diejenigen, die an chronischen Krankheiten leiden, dank der neuen und besseren Medikamente auch länger leiden werden, ist in Zukunft eine stärkere Verbreitung von Infektionen zu erwarten."

Dennoch — dies ist die überwiegende Auffassung der Wissenschaftler — „lohnt sich alles, was wir tun können, um unsere Schaffensperiode zu verlängern" Alles in allem ist man zuversichtlich, daß gegen Ende unseres Jahrhunderts Infektions-und Mangelkrankheiten selten sein werden. Etwa zur gleichen Zeit könne man mit Verfahren zur Verhütung vieler oder der meisten Krebsarten sowie der Herz-und Gefäßerkrankungen rechnen. Allerdings wird das „vielleicht nicht ohne einige Zwangsmaßnahmen gehen, wie beispielsweise Verbot von Tabak und bestimmten Nahrungsmitteln und staatlich verordnete Leibesübungen für Erwachsene." Immerhin glaubt der amerikanische Forschungsdirektor Albert Szent-Györgyi — der laut Londoner Publikation „Man and his Future" —, daß wir der Lösung von drei wichtigen Problemen des Menschen näherkommen werden: der Krebs-verhütung, der Verlängerung der Jugend und der Lösung des Problems der Überbevölkerung.

Doch gerade das letztere Problem wird ohne tiefgreifende Eingriffe nach Meinung vieler Biologen und Mediziner nicht zu lösen sein. So bestreitet der Brite Crick generell, daß es „ein Recht auf Kinder" gebe. Wenn man die Menschen davon überzeugen könne, daß Ihre Kinder keineswegs eine „Privatangelegenheit" seien, „so wäre das ein gewaltiger Fortschritt". Die Folgerungen aus den neuen Erkenntnissen der Biologie wären demnach, daß genetisch belastete Eltern beispielsweise nur die Genehmigung für ein Kind erhalten könnten. Und der Oxforder Zoologe Julian Huxley bemängelt Regierungsmaßnahmen, die viele Bürger durch staatliche Zuschüsse ermutigen, mehr Kinder zu bekommen, als sie normalerweise haben würden. „Warum sollte man nicht beginnen" — so fragt er konsequenterweise —, „diese Staatszuschüsse so zu regeln, daß die Eltern beispielsweise für die ersten beiden Kinder viel Geld bekommen, weniger für das dritte und dann schnell immer weniger, bis der Zuschuß negativ wird, also eine Steuer für Kinder über einer bestimmten Zahl erhoben wird?"

Ein weiteres Anliegen der Futurologen ist das Anheben des Pegels „der allgemeinen Intelligenz durch eugenische Selektion" Selbst ein leichter Anstieg würde einen merklichen Zuwachs an „hochintelligenten und tüchtigen Leuten" ergeben, die wir benötigen, um unsere immer komplizierteren Gemeinschaften zu lenken. „So würde ein Ansteigen des mittleren Intelligenz-Quotienten (I. Q.) um 1, 5 Prozent, also von 100 auf 101, 5 bedeuten, daß 50 Prozent mehr Menschen mit einem I. Q. von 160 und darüber zur Welt kämen".

Nach Ansicht des Zoologen Hermann J. Muller von der Indiana-Universität könnte man damit Keimzellenspeicher für beginnen, viele die Zukunft anzulegen. Schon ihre Existenz würde „zu der unwiderstehlichen Versuchung führen, sie auch zu benutzen". Diese Keimzellenbanken würden das Material von „hervorragenden Spendern nebst allen wichtigen Daten über den Spender und seine Verwandten" enthalten Der leitende Direktor der Worcester Foundation for Experimental Biology in Shrewsbury/Massachusetts, Hoagland, ergänzte ironisch, daß somit „Frauen von längst verstorbenen Samenspendern Kinder bekommen können; sie hätten beispielsweise die Wahl zwischen einem Shakespeare, einem Newton oder sogar einem Rudolf Valentino als Vater für ihren Nachwuchs"

Eine andere Variante zum Thema „Das umstrittene Experiment: Der Mensch" (Titel einer 1966 erschienenen Publikation) steuert der Professor für Genetik und Biologie an der Stand-ford-Universität Palo Alto, Lederberg mit seiner Behauptung bei, daß wir in 10 bis 20 Jahren das Geschlechtsverhältnis vorausbestimmen könnten.

6. Planetarische Ingenieurkunde und stellare Kolonien

Nach Ansicht des amerikanischen Raumfahrt-wissenschaftlers Dandridge M. Cole werden schon innerhalb der „nächsten 50 Jahre Raumfahrt" 50 OOO-Tonnen-Raumschiffe mit atomarem Antrieb jeweils rund 10 000 Menschen ins Weltall befördern, und zwar zu Fahrpreisen, wie sie derzeit im Transatlantik-Flugverkehr üblich sind. In der Raumfahrt wird es eine ständige Mondbasis geben. Bemannte Umfliegungen der Venus und des Mars werden stattgefunden haben, prophezeien Helmer und Gordon In der Weite des Weltraumes werden Laboratorien eingerichtet sein, Antriebe mit Festkernatom-Reaktoren und lonenantrieben werden verfügbar sein.

Wahrscheinlich haben viele der hunderttausend Millionen Sterne unseres Milchstraßensystems belebte Begleiter. Mehrere Planeten mit Bewohnern umkreisen vielleicht Sterne, die nicht mehr als 50 Lichtjahre von uns entfernt sind. „Man muß annehmen, daß sie ebenfalls versuchen, mit uns Kontakt aufzunehmen, erraten, auf welche Weise sie das tun könnten, und einfach die . Ohren spitzen'". Die Wissenschaftler halten 21 cm für die wahrscheinlichste Wellenlänge zur Kontaktaufnahme, weil sie als die charakteristische Wellenlänge des Wasserstoffs, des häufigsten Elements im Weltraum, allen Radioastronomen auf allen Planeten bekannt sein müßte. Sie sehen durchaus Möglichkeiten, daß wir schon vor dem Jahre 2000 Anzeichen für die Existenz anderer intelligenter Lebewesen entdecken werden, ohne jedoch — so fügen sie allerdings hinzu — mit ihnen gleich ins Gespräch kommen zu können.

Immerhin bietet das gegenwärtige Industrie-system im „Zeitalter des Übergangs" (Jean Fourastie) nahezu ideale Bedingungen für einen Wettlauf in der Weltraumforschung. Der amerikanische Ökonom John Kenneth Galbraith begründet diese Ansicht folgendermaßen: Der Wettlauf „setzt sehr hohe Ausgaben für eine komplexe und verwickelte Technologie voraus. Da er auch dieselben hohen Garantien für hochentwickelte Planungen beinhaltet wie das Wettrüsten, wäre er ein idealer Ersatz dafür."

Die Zeit nähert sich schnell, da wir herausfinden werden, ob „Marsmenschen" existieren oder nicht. Da der Mars bereits ein alter Planet ist, könnte auf ihm der Kampf ums Dasein — so Clarke in düsterer Vorahnung — „einige unerfreuliche Konsequenzen gehabt haben. Wir sollten uns gut in acht nehmen, wenn wir dort landen". Wie Nigel Calder, so glaubt auch Clarke „aus dem brodelnden Gemisch kosmischer Geräusche, aus dem Zischen und Krachen explodierender Sterne und kollidierender Milchstraßensysteme" würden die Menschen noch vor der Jahrhundertwende leise rhythmische Zeichen herausfiltern können, durch die sich intelligente Weltenbewohner vernehmlich zu machen suchen.

Die künftigen Möglichkeiten der Raumfahrt erklärt Clarke für „im höchsten Grade phantastisch": Der Mensch wird selbst Reisen, die Jahrhunderte oder Jahrtausende dauern, durch „vorübergehend stillgelegte Lebenstätigkeit" wagen können. Die interstellaren Fahrten werden „Generationen um Generationen" dauern. Das sogenannte „Zeit-Paradox" würde es dem Menschen „im Prinzip zumindest" erlauben, nach Jahrhunderten und Jahrtausenden zur Erde zurückzukehren, „ohne inzwischen mehr als einige Jahre älter geworden zu sein", denn ein Monat im Raumschiff entspräche dann beinahe einem Jahr auf der Erde

Allerdings könnte „ein interstellarer Reisender 9 zwar „zur heimatlichen Erde zurückkehren, aber nie mehr in seine Zeit, zu jenen Menschen, die bei der Abfahrt seine Zeitgenossen waren" Zwar werden — nach Clarke — alle stellaren Kolonien der Zukunft unabhängig sein, denn „ihre Freiheit wird von Raum und Zeit gleichermaßen gewährleistet und gegen jede Verletzung von außen geschützt sein", doch werden die Menschen die Worte von Weltreisenden auf dem Mars erst drei Minuten später hören können, „und unsere Antwort wird noch einmal die gleiche Zeit unterwegs sein, bis sie ihn erreicht"

Eine praktische Konsequenz zumindest beginnt sich aus den Anstrengungen zur Eroberung des Weltalls abzuzeichnen: die Entwicklung einer „planetarischen Ingenieurkunde", einer Technik großangelegter „Änderung der Umweltbedingungen auf anderen Himmelskörpern mit dem Ziel, sie bewohnbar zu machen"

Revolutionäre Entwicklungen beginnen sich ii Verkehrswesen bis zum Jahre 2000 abzuzeid nen, wenn der Fortschritt der letzten Jahr auf diesem Gebiet weiterhin anhält, den während man etwa 1950 beim Flug in de Atmosphäre die Schallgeschwindigkeit (c1200 km/h) überschritt, glückte schon 195 der Sprung zum unbemannten und 1961 zui bemannten Satellitenflug (mit ca. 28 000 km/h außerhalb der Atmosphäre.

Der Brite Arthur C. Clarke prognostizier daß die gewaltigen Straßennetze, für dere Bau beträchtliche Geldmittel bereitgestel wurden, schon bald veraltet sein werden. „Se sechstausend Jahren hat sich die Welt ar Rädern fortbewegt, und eine ununterbrochen Entwicklungslinie führt vom Ochsenkarre zum Cadillac. Und doch wird diese Kette eine Tages ein Ende haben. Vielleicht mit dei Aufkommen von . Bodeneffekt-Fahrzeugen', di auf Luftkissen schweben, vielleicht durch noc umwälzendere Neuerungen." Solche Luf kissenfahrzeuge, etwa drei Meter über de Erdoberfläche schwebend, 250 Stundenkilc meter erreichend, könnten die Strecke Lor don—New York an einem Tage bewältige „und so gerade die Lücke ausfüllen, di im Geschwindigkeitsspektrum zwischen de , Queen Mary'und einer Boeing 707 klafft" Eis, Schnee, Sand, gepflügte Äcker, Sümpf oder flüssige Lava — das Luftkissenfahrzeu würde mit seinen niedrigen Luftpolstern all Unebenheiten mühelos überbrücken.

Konsequenz: „Die Schiffe der Zukunft werde sich keinesfalls mit acht km (und um 1000 Doi lar) pro Stunde durch enge Gräben zwänget wenn sie zwanzigmal so schnell über Lan fahren und ihren Kurs mit fast der gleiche Freiheit suchen und wählen können wie ar offener See." Dadurch, daß es unnötig sein wird, Millionen Tonnen von Rohstoffen tausende von Kilometern weit zu transportieren, wird auch die Hauptfunktion der Eisenbahn wegfallen, die immer in der Güter-, nicht in der Personenbeförderung bestanden habe.

Insgesamt sind sich die Zukunftsforscher einig, „daß die Zeit kommen wird, wo wir im Intervall eines einzigen Herzschlages vom Nordpol zum Südpol oder von London nach Sydney gelangen können". „Es wäre" jedoch „einer der Treppenwitze der Weltgeschichte, wenn wir in dem Augenblick, in dem wir diese Kunst erlernt hätten, gar nicht mehr Wert darauf legten, uns ihrer zu bedienen."

Fachwissenschaftler der Vereinten Nationen prophezeien die Erhöhung des gegenwärtigen Energiebedarfs bis zum Jahre 2000 auf das Achtfache. Es ist daher, so meint Bodo Man-stein in seiner Analyse „Liebe und Hunger", „mehr als fraglich, ob die klassischen Energieträger Wasser, Kohle, öl, Gas und Atomenergie zusammen in wenigen Jahrzehnten einen so gewaltigen Bedarf noch befriedigen können". Nicht ganz so pessimistisch ist sein britischer Kollege Colin Clark der einen Verbrauch an Mineralien pro Kopf des heutigen Nordamerika und eine Weltbevölkerung von 45 Milliarden annimmt. Danach würden die Vorräte an Mineralien, die in den obersten 1500 Metern der Erdkruste abgebaut werden können, seiner Meinung nach für 100 Jahre reichen, ausgenommen Aluminium, dessen Vorrat der Agrarexperte auf zehn Jahre schätzt.

Tatsächlich sind die herkömmlichen Energieträger noch keineswegs ausgenutzt. Von dem Wasser beispielsweise, das jährlich in Form von Bächen, Flüssen und Strömen ins Grundwasser oder ins Meer fließt, werden gegenwärtig nur 5% lür Bewässerung ausgenutzt. Die Umwandlung in Energie ist ähnlich unzureichend. Zweifellos wird kontrollierte Kern-verschmelzung nach „ 50 Jahren Zukunft" in allen Industrieländern „eine Quelle neuer Energie" sein. Die thermonukleare Fusionsenergie wird — nach Ansicht der amerikanischen Experten Helmer und Gordon — etwa im Jahre 2003 konkurrenzfähig sein. Unsere Nachkommen scheinen also „noch viel Zeit zu haben, bevor sie sich tiefer in die Erde graben oder auf einem anderen Planeten nach Mineralien suchen müssen" Dennoch rechnet man im Jahre 2000 damit, daß auf dem Mond Bergwerke errichtet worden sind und Antriebsstoffe dort hergestellt werden Dabei ist eine andere Futurible noch nicht berücksichtigt, die der Franzose de Jouvenel vor-aussieht: die Speicherung von Sonnenenergie auf dünnem Plastikfilm. „Eine solche Technik stände in Gegensatz zur Ausbeutung von Kohle, öl und Uranium, insofern als sie nicht von erschöpfbaren Ressourcen abhängig ist."

7. Megapolis und Elektro-Taxis — unsere Umwelt morgen

Bereits 1922 schrieb der Philosoph Oswald Spengler „Ich sehe — lange nach 2000 — Stadtanlagen für 10 bis 20 Millionen Men-* sehen, die sich über weite Landschaften verteilen." Und sieben Jahre später brach der spanische Philosoph Ortega y Gasset in den Klageruf aus: „Die Städte sind überfüllt mit Menschen, die Häuser mit Mietern, die Hotels mit Gästen, die Züge mit Reisenden, die Cafes mit Besuchern, -es gibt zu viele Passanten auf der Straße, zu viele Sommerfrischler in den Badeorten. Was früher kein Problem war, ist es jetzt unausgesetzt: einen Platz zu finden." Doch heute gibt es eine Milliarde Menschen und 70 Millionenstädte mehr als damals. Es bildeten sich industrielle Ballungsräume, in denen die Landschaft zunehmend zerstört, das Wasser und die Luft in erhöhtem Maße verschmutzt wurden und die Lärm-belästigung die vertretbare Grenze bereits überschreitet Und den „Alptraum einer Reise in die Zukunft" beschwor auf einem Symposion in Puerto Rico der griechische Städte-bauer Constantinos Doxiadis, indem er prognostizierte: „Die Luft ist so schmutzig, daß der Taxifahrer außer den Scheinwerfern auch eine Radaranlage anstellen muß. Das Hotel hat keine Fenster, und auf dem Zimmer arbeitet statt einer Klimaanlage die Sauerstoffzufuhr."

In der Bundesrepublik stürzen sich — nach Angaben des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel" — jeden Tag sieben Millionen Menschen ins Verkehrsgewühl der Städte. Nahezu 500 000 Bundesbürger brauchen für die Fahrt von und zum Arbeitsplatz jeden Tag mehr als 3 Stunden. Seit dem Jahre 1900 haben die Verkehrsunfälle allein auf den Straßen der USA 1, 3 Millionen Tote gefordert. Deshalb verlangte die amerikanische Architektur-und Städtebau-Kritikerin Jane Jacobs, man müsse „den Privatverkehr ganz allmählich entmutigen und abwürgen". Aus diesem Grunde plant man in San Francisco ein Netz von elektronisch gesteuerten, bis zu 130 Stundenkilometer schnellen Stadtbahnen, das die Menschen „geräuscharm wie in Cadillac-Limousinen, auf vibrationsfreien Polstersitzen" in die Verwaltungsund Industriezentren befördern soll. Das britische Verkehrsministerium hat für 1970 einen Plan für automatische Elektro-Taxis — vier-bis sechssitzige Schienenfahrzeuge — entwerfen lassen, die während des

Spitzenverkehrs zu Geleitzügen vereinigt werden können.

Auch in einer Modellstudie des Hudson-Instituts heißt es: „Der Normalbürger des Jahres 2000 erwacht aus einem traumlosen, medikamentengesteuerten Schlaf. Er schluckt seine 200-Kalorien-Frühstückspille und schlüpft in einen frischen Wegwerf-Anzug. In seinem Elektro-Auto flitzt er über unterirdische Autobahnen zur Arbeit." Die Trennung von Kraftwagenverkehr und Fußgängerwegen wird also das wichtigste Problem der Verkehrsplanung sein. So sieht der britische Architekt G. A. Jellicoe für seine zukünftige Autostadt Motopia ein lückenloses Gitterwerk von 17 m hohen Mietshäusern vor, zwischen denen jedoch keine engen Hinterhöfe, sondern große Grün-und Wasserflächen von je 400 X 300 m Ausdehnung mit Läden, Schulen und Kirchen liegen. Auf dem durchlaufenden Flachdach der Einheitshäuser fahren die Kraftfahrzeuge, während sich 17 m tiefer die Fußgänger und Motorboote bewegen.

In den Großstädten wird es ein dreidimensionales Schnellverkehrssystem geben. In Städten mit nur 50 000 Einwohnern aber, die nur wenige Kilometer Durchmesser haben, wird sich der Personenverkehr vor allem zu Fuß sowie auf Rolltreppen und Fließband abspielen. „Der Transport wird vor allem mit lärmfreien Luft-schiffen und Unterwasserschiffen durchgeführt werden, sowie mit Raketen, deren Startplätze man in Wüstengebieten anlegen wird. Lärmende Fahrzeuge sowie Flugzeuge wird es nicht mehr geben.“

Innerhalb der Städte werden Temperatur, Luftfeuchtigkeit und die elektrische Aufladung der Luft reguliert werden. Außerdem wird man — nach Calders „Entwurf eines gelobten Landes" — durch Überdachung und Be-leuchtung das ganze Jahr hindurch ein Frühlingsklima aufrechterhalten oder auf allgemeinen Wunsch Klimaänderungen vornehmen können. Zur Verschönerung der Umwelt können neben Genüssen für Auge und Ohr auch Wohlgerüche eingesetzt werden. In vielstöckigen Wohnhäusern würden Wohnungen, die voneinander sowie von den Hauptstraßen schalldicht abgeschlossen sind, die Intimsphäre des Privatlebens sichern. Vor allem aber soll durch das Bauen eine interessante und sich ständig wandelnde Umwelt geschaffen werden. Bereits 1980 rechnet Herbert Gross mit einem Anteil der nuklearen Stromerzeugung für Großbritannien und die USA von 35 bis 40 °/o.

Die ersten Städte der Zukunft sind bereits im Bau. So errichtet der Reifenkonzern Goodyear eine Stadt für 100 000 Einwohner in Arizona, und in Texas entsteht die Stadt Clear Lake City mit 160 000 Einwohnern durch die Firma Humble Oil. Wohnungen verschiedenster Typen und Geschäfte aller Branchen, Restaurants, Vergnügungszentren, Parks, Schwimmbäder, Schulen, Kinos und Büros sollen — nach der Vision des japanischen Architekten Mizikaze für das Tokio des Jahres 2050 — unter gemeinsamen Dächern zu einer verkehrsarmen Super-City verschmolzen werden. Riesige Spiegel-Satelliten sollen nachts die Millionenstädte mit Sonnenlicht erhellen.

Dennoch sollen die Wohnungen nicht gleichförmig sein. Der Stuttgarter Architekt Roland Frey und der Hamburger Soziologe Norbert Schmidt-Relenberg erwarten neue „Ideen für die Umwelt von morgen" (Titel ihrer Publikation) Sie schlagen einen mehrgeschossigen, terrassenförmig gegliederten Komplex von Bauflächen vor, der in seinem Kern alle Verkehrs-und Versorgungsanschlüsse enthält: Zubringerstraßen, Fahrstühle, Treppenhäuser, Kanalisation und Auto-Abstellplätze. Durch zentrale Wohnungsanordnung könnten auch zentrale Dienstleistungen für alle Haushalte übernommen werden: Geschirrspül-und Waschsalons, Raumpflegerinnenkolonnen usw. In der Gestaltung des Eta-genhauses sollen die Benutzer frei sein. Aufteilung der Zimmer, Wahl des Baumaterials für Zwischenwände und Sonnenschutzdächer, Bepflanzung der Terrasse und Größe des Swimming-pools können individuell gestaltet werden. Durch das Bauen in der Zukunft wird auch — nach Calder — eine interessante und sich ständig wandelnde Umwelt geschaffen, ebenso wie es bei der Kleidung der Fall sein wird: „sie wird mehr als Schmuck als dem Schutz dienen". Eine Rundfrage des deutschen Modeinstituts über die Mode im Jahr 1975 ergab, daß die Kleidung sich grundlegend ändern werde. Die Anpassung männlicher und weiblicher Mode wird nach Ansicht der Modegestalter immer bedeutsamer. Das Leben werde sich teilen in ein „Ameisen-Dasein" (Berufsleben) und ein „Schmetterlings-Dasein", in dem jeder nach seiner Individualität leben und sich kleiden könne, wie es seiner Phantasie und Lebensauffassung zusage.

Nach Ansicht Bronowskis, des Londoner Generaldirektors von Process Development Department im National Coal Board, besteht das Problem der städtischen Zivilisation „einzig darin, daß sie so riesige Wucherungen wie London, New York und Tokio hervorgebracht hat". Bronowski glaubt, daß derartige Städte ihre technologische Nützlichkeit verloren haben.

„Dichtbevölkerte Städte paßten in die Zeit der ersten Eisenbahnen, aber im modernen Kommunikationszeitalter sind sie sinnlos." Die allgemeine Verfügbarkeit von Energie, die Ausweitung der Automation und die Umwälzungen auf dem Gebiet des Gesundheitswesens seien drei Gründe dafür, daß „in den nächsten 50 bis 100 Jahren geschlossene Gemeinschaften von 30 000 bis 60 000 Einwohnern genauso lebensfähig und genauso kultiviert sein können wie eine Großstadt in der Vergangenheit" Mit den sich vom Zentrum nach allen Seiten hin ausbreitenden Vorstädten wachsen jedoch die bewohnten Gebiete immer mehr ineinander und bilden eine neue soziale und wirtschaftliche Einheit — die Megalopolis. Dieses Wachsen „der Megalopolis wird es um so notwendiger machen, daß die gemeinsame Benutzung der Gewässer, des Landes, der Erholungsmöglichkeiten und der Verkehrs-systeme für über die Grenzen bestehender Staaten oder Gemeinden hinwegreichende Großräume ausgebaut wird" (US-Kommission für Technologie

Im Jahre 2000, so erwarten die Zukunftsforscher, werden 70 bis 90 0/0 der Menschen in Städten wohnen. Damit wird die Belästigung der Bevölkerung durch Lärm, Luft-und Wasserverschmutzung in den hochindustrialisierten Ländern zu einer steigenden Quelle der Gefahr. Bereits 1859 schimpfte der Privat-gelehrte Schopenhauer „Uber Lärm und Geräusch" in seiner Frankfurter Wohnung: „Nunmehr habe aber ich, als den unverantwortlichsten und schändlichsten Lärm, das wahrhaft infernale Peitschenknallen in den hallenden Gassen der Städte zu denunzieren, welches dem Leben alle Ruhe und alle Sinnigkeit nimmt. Fuhrknechte, Sackträger, Ecken-steher und dergleichen sind die Lasttiere der menschlichen Gesellschaft; sie sollen durchaus human, mit Gerechtigkeit, Billigkeit, Nachsicht und Vorsorge behandelt werden — aber ihnen darf nicht gestattet sein, durch mutwilligen Lärm den höheren Bestrebungen des Menschengeschlechts hinderlich zu werden."

Heute ziehen die mit Schallgeschwindigkeit fliegenden Düsenmaschinen eine Knallschleppe von 80 bis 100 km Breite unter der Flugroute hinter sich her, mit einer Druckwelle von 8 bis 9 kg je qm Die Ergebnisse zweijähriger Lärmmessungen in Köln haben ergeben, daß der Verkehrslärm an den Verkehrspunkten die gesundheitsschädigende Grenze überschritten hat. Insbesondere ist die zur Aufrechterhaltung der menschlichen Leistungskraft erforderliche Nachtruhe bei einem großen Teil der Bevölkerung nicht gewährleistet.

Jeder zweite Bewohner in der Bundesrepublik wird gegenwärtig durch Lärm geplagt, 41 0/0 der Erwachsenen fühlen sich tagsüber, 25 °/o während der Nacht und 17% zur Tag-und Nachtzeit gestört Ähnliche Probleme bei der Überwindung von Zivilisationsschäden stellen sich der menschlichen Gemeinschaft bei der Trinkwasserversorgung. So wird das Trinkwasser heute in Duisburg beispielsweise fünfmal gefiltert, sterben im Rhein die Lachse aus. „Auf vielen Flüssen treiben mehr Industrieabfälle als Industriegüter in Lastkähnen befördert werden."

Weitere Gemeinschaftsaufgaben der Zukunft ergeben sich bei der Kontrolle der Luftverunreinigung. Die Zahl der gestarteten und gelandeten Flugzeuge in der Bundesrepublik hat sich von 1955 bis 1966 im Tagesdurchschnitt mehr als verdoppelt. Bis 1980 wird sich der Luftverkehr nach Ansicht der Experten verdreifachen. Ein vierstrahliges Düsenflugzeug läßt jedoch beim Start einen Gift-schweif hinter sich, der den Auspuffdünsten von 6850 Volkswagen entspricht.

Ebenfalls verdoppeln wird sich bis 1980 die Zahl der gegenwärtig 180 Millionen Automobile auf der Welt. In der Bundesrepublik erhöhte sich die Zahl der Personenkraftwagen von 4 Millionen 1960 auf 10 Millionen 1966. Im Jahre 1980 werden es 20 Millionen Personen-autos sein. Bereits heute jedoch erzeugen die Autos von Los Angeles in den USA täglich 8000 t Giftgas und damit 69% der Schwebe-stoffe, die den Großstadt-Dunst verursachen. Mit jedem Atemzug saugen die Menschen im Straßenverkehr von Manhattan (New York) gleichsam einmal an der Zigarette

Dennoch rechnen die Futurologen damit, daß etwa im Jahre 1995 die Verunreinigung der Luft, Flüsse und Seen kontrolliert und auf etwa den Zustand vom Jahre 1940 zurückgeführt sein wird Allerdings: „Wenn nicht die gleichen technischen Fertigkeiten, die uns die vielen Annehmlichkeiten des modernen Lebens beschert haben, erfolgreich dafür eingesetzt werden, dieses häßliche Abfallprodukt unseres technischen Fortschritts zu bekämpfen, droht die Luftverschmutzung einen immer ungeheueren Zoll von der öffentlichen Gesundheit und Wohlfahrt zu fordern", mahnt die amerikanische Kommission für Technologie in ihrem Bericht „Technology and the American Economy"

8. Computerzentren und Satellitenpostamt im technetronischen Zeitalter

Für den Lernund Informationsprozeß sehen die Futurologen in der Zukunft große Möglichkeiten. So hält es der Kommunikationsexperte MacKay von der Universität Keele für möglich, die Verwendung eines Computers etwa in Fragen der Rechtsprechung zuzulassen. Wenn man sich vergegenwärtigt, daß der wissenschaftliche Fortschritt alle zehn Jahre die angesammelten Informationen verdoppelt, so wird die Dringlichkeit eines Informationsspeichers augenfällig.

Auch für das menschliche Gehirn sehen die Experten Möglichkeiten der Leistungssteigerung durch direkte Einwirkung. Es scheint wahrscheinlich, daß chemische Stoffe gefunden werden, die selektiv auf bestimmte Gehirn-zentren wirken. „Vielleicht werden Stoffe für die Unterstützung der Lernfähigkeit, des Gedächtnisses und der Erinnerung gefunden. Es wäre sicher nützlich, chemische und pharmakologische Verfahren für die Erleichterung des Lernprozesses zu finden, selbst auf die Gefahr hin, daß sie politisch mißbraucht werden könnten."

Jedenfalls eröffnet die verbesserte Speicherung aufgenommener Informationen mit Hilfe von Medikamenten „interessante praktische Anwendungsmöglichkeiten bei Lernprozessen in der Zukunft"

Rasante Entwicklungen und phantastische Anwendungsmöglichkeiten sehen die Zukunftsforscher also auf dem Informationsbereich. Zwar wird der Computer — nach Ansicht der amerikanischen Kommission für Technologie — beispielsweise das Urteil des Arztes nicht ersetzen können. Aber er wird „eine wertvolle Hilfe für den Arzt bei seiner Diagnose sein, etwa wie ein Berater, der eine oder mehrere mögliche Diagnosen aufzeigt. Und was noch wichtiger ist in einem Programm der vorbeugenden Medizin und verstärkter ärztlicher Betreuung: der Computer der 70er Jahre sollte in der Lage sein, Daten über den derzeitigen Gesundheitszustand einzelner Patienten (von denen die Mehrzahl gesund ist) zu verarbeiten und die Fälle auszusondern, die die weitere Aufmerksamkeit eines Arztes erforderlich erscheinen lassen".

In der Tat verspricht die Verwendung von Computersystemen eine bedeutende Hilfe sowohl bei der Entlastung des Personals von Schreibtischarbeit als auch bei der Diagnose, zumal viele Krankenschwestern bis zu 4O°/o — nach der amerikanischen Untersuchung über „Technologie und die amerikanische Wirtschaft" — ihrer Zeit für Schreibtischarbeit verwenden. „Regionale Rechenzentren im Gesundheitsdienst könnten Krankenunterlagen von vielleicht 12 bis 20 Millionen Menschen speichern, die dann telephonisch von Krankenhäusern und Ärzten eines Gebietes für diagnostische und andere Zwecke abgerufen werden können. Derartige regionale Gesundheitsdienst-Rechenzentren könnten eine regionale Datenverarbeitung für automatisierte klinische Laboratorien, die Automation bestimmter Aspekte der medizinischen Diagnose, die Speicherung und den schnellen Abruf von Krankheitsunterlagen von Einzelpersonen sowie die Sammlung und Auswertung wichtiger medizinischer statistischer Angaben übernehmen. Damit könnten sie dazu beitragen, ortsunabhängig bessere ärztliche Betreuung für jeden zu gewährleisten, die jeweiligen Kosten zu senken und damit die wirtschaftliche Belastung für die Nation zu verringern; sie könnten ferner für einen rationelleren Arbeitskräfte-einsatz sorgen, um das Arbeitskräfteproblem zu erleichtern, das durch regionale Gesundheitsdienstprogramme und . Medicare'noch verschärft wird."

All diese Entwicklungen sind absehbar. Berücksichtigt man, „daß es etwa 14 Jahre dauert, bevor eine wichtige Erfindung wirtschaftlich angewandt wird, und weitere 5 Jahre, bevor sie erheblichen Einfluß auf die Wirtschaft bekommt", dann kann man sich mit Karl Otto Pöhl ausrechnen, „daß alle Erfindungen, die in den nächsten 10 Jahren wirtschaftlich relevant werden könnten, heute bereits bekannt sind".

Bereits heute kreisen Satelliten um unsere Erde, die dem Funkverkehr weitere Wellenbereiche neu erschließen können, die einen „Atherraum* für mindestens eine Million Fernsehkanäle oder eine Milliarde Rundfunk-frequenzen erschließen. Damit wird in Zukunft jede Art politischer oder moralischer Zensur unmöglich „Sendungen, die vom Himmel herunterkommen, zu stören, ist fast so schwer wie ein Versuch, das Sternenlicht zu stoppen. Die Russen könnten nichts tun, um ihre Leute daran zu hindern, sich den . American way of life'" anzusehen. Und auf d-er anderen Seite mögen die Vergnügungsetablissements der Madison und die Sittlichkeitsvereine gleichermaßen — wenn auch aus unterschiedlichen Gründen — unglücklich und verzweifelt sein, wenn jeder ungehindert Fernsehsendungen vom Montmartre einschalten kann."

Das Informationsund Kommunikationswesen wird auch durch ein Raum-oder Satelliten-postamt intensiviert werden, mit dem sich Astronautikingenieure bereits im Detail zu beschäftigen beginnen. Dadurch wird vermutlich in sehr naher Zukunft der Luftpostdienst überflüssig werden. Denn moderne Reproduktionsgeräte werden den Inhalt eines ganzen Buches in weniger als einer Minute automatisch nach entfernten Orten übermitteln. Zudem sehen die Futurologen schon bald die Möglichkeit, daß wir jeden Menschen an jedem Ort der Erde durch Selbstwähldienst anrufen können

Fussnoten

Fußnoten

  1. Karl Steinbuch, Falsch programmiert, a. a. O., S. 142.

  2. Olaf Helmer/Theodor Gordon, 50 Jahre Zukunft, Hamburg/Gütersloh 1967, S. 91.

  3. Nigel Calder, Vor uns das Paradies? Entwurf eines gelobten Landes, „Modelle für eine neue Welt" (hrsg. v. R. Jungk/H. J. Mundt), München/Wien/Basel 1968, S. 58.

  4. Ebenda S. 73.

  5. Ebenda S. 74.

  6. Colin Clark, Die landwirtschaftliche Produktivität im Verhältnis zur Bevölkerung, in: Das umstrittene Experiment: Der Mensch, „Modelle für eine neue Welt" (hrsg. v. R. Jungk/H. J. Mundt), München 1966, S. 62.

  7. Bodo Manstein, Liebe und Hunger. Die Urtriebe im Licht der Zukunft, „Modelle für eine neue Welt" (hrsg. v. R. Jungk/H. J. Mundt), München/Wien/Basel 1967, S. 233.

  8. Ebenda S. 234.

  9. Jean Foursastie, Die 40 000 Stunden, Düsseldorf/Wien 1966 2, S. 174.

  10. Urbanisation, Prospective Nr. 11, Studien des Centre d’Etude de Prospective; Jean Fourastie, Die 40 000 Stunden, a. a. O., S. 174. ’

  11. L'homme de 1985, Aspects physiologiques et medicaux, Paris 1964.

  12. Hermann Schubnell, Die Entwicklung unserer Bevölkerung, in: Die Gesellschaft der nächsten Generation (Hrsg. H. J. Netzer), München 1966, S. 69.

  13. Jean Fourastie, Die 40 000 Stunden, a. a. O., S. 156.

  14. Hajo Riese, Die Entwicklung des Bedarfs an Hochschulabsolventen in der Bundesrepublik Deutschland, Wiesbaden 1967.

  15. Robert Geipel, Sozialräumliche Strukturen des Bildungswesens, Frankfurt/Main-Berlin-Bonn-München 1965, S. 7.

  16. Gabriel Kolko, Besitz und Macht. Sozialstruktur und Einkommensverteilung in den USA, Frankfurt am Main 1967, S. 99.

  17. Hermann Schubnell, Die Entwicklung ..., a. a. O., S. 70.

  18. Die Bundesrepublik Deutschland 1980. Prognos-Report Nr. 1, Basel 1965.

  19. Hermann Schubnell, Die Entwicklung ..., a. a. O., S. 69.

  20. Erich Fromm, Der moderne Mensch und seine Zukunft, Frankfurt/Main 1960, S. 295.

  21. Karl Otto Pöhl, Wirtschaftliche und soziale Aspekte des technischen Fortschritts in den USA, Göttingen 1967, S. 160.

  22. Ebenda S. 64.

  23. John Kenneth Galbraith, Gesellschaft im Überfluß, München/Zürich 1963, S. 269.

  24. K. O. Pöhl, a. a. O„ S. 157.

  25. Entwurf des zweiten Programms für die mittelfristige Wirtschaftspolitik der Kommission der Europäischen Gemeinschaften, Brüssel 1968, S. 1-10.

  26. Ebenda, S. VI-2.

  27. Ebenda, S. VII-5.

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  107. Colin Clark, Die landwirtschaftliche ..., a. a. O., S. 66.

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  109. Bertrand de Jouvenel, Die Kunst der Voraus-schau, a. a. O., S. 311.

  110. Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes, München 1923, S. 119.

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  113. Der Spiegel, Nr. 1/1968, S. 68.

  114. Der Spiegel, Nr. 17/1968, S. 162.

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  116. Nigel Calder, Vor uns das Paradies?, a. a. O., S. 191.

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  118. Herbert Gross, Die Zukunft des Risikos, Düs-seldorf/Wien 1968, S. 204.

  119. Ideen für die Umwelt von morgen 1, Totale Wohnung, Stuttgart 1968, S. 55.

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  122. Bronowski, in: Das umstrittene Experiment, a. a. O„ S. 197.

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  125. Arthur Schopenhauer, Parerga und Paralipomena, II 30: Uber Lärm und Geräusch, Frankfurt am Main 1859.

  126. Bundesministerium für Gesundheit: Schutz vor Lärm, 1967, S. 8.

  127. Fbenda s ?

  128. Der Spiegel, Nr. 1/1968, S. 69.

  129. Der Spiegel, Nr. 1/1968, S. 69.

  130. Karl Steinbuch, Falsch programmiert, a. a. O., S. 142.

  131. K. O. Pöhl, a. a. O., S. 170 f.

  132. D. M. MacKay, Maschine und Gesellschaft, in: Das umstrittene Experiment, a. a. O., S. 189.

  133. Hudson Hoagland, Möglichkeiten der Verhaltenssteuerung, in: Das umstrittene Experiment, a. a. O., S. 337.

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  135. K. O. Pöhl, a. a. O„ S. 165.

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  137. K. O. Pöhl in seiner Einleitung a. a. O., S. 21.

  138. Arthur C. Clarke, Im höchsten Grade phantastisch, a. a. O., S. 244.

  139. Ebenda, S. 251.

  140. Ebenda, S. 249.

Weitere Inhalte

Rainer Waterkamp, Diplom-Politologe, geb. 31. Oktober 1935 in Brandenburg/Havel, 1960 Assistent am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin, 1963— 65 beim Presseamt der Stadt Kiel, 1965— 66 bei der Staatlichen Pressestelle Hamburg, 1966 Studienleiter des Europahauses Berlin, zur Zeit in der Pressestelle der hessischen Landesregierung in Wiesbaden. Veröffentlichungen: Atomare Abrüstung, Berlin 1965, und Zeitschriftenaufsätze vornehmlich zu außenpolitischen Fragen.