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Der Kampf um die Autonomie der mexikanischen Nationaluniversität | APuZ 38-39/1968 | bpb.de

Archiv Ausgaben ab 1953

APuZ 38-39/1968 Der Kampf um die Autonomie der mexikanischen Nationaluniversität Modelle für die postindustrielle Gesellschaft im Jahre 2000

Der Kampf um die Autonomie der mexikanischen Nationaluniversität

Hanns-Albert Steger

Am 12. November 1966 erläuterte der Rektor der Universidad nacional autönoma de Mexico, Prof. Ing. Javier Barros Sierra, in einer öffentlichen Erklärung im Namen des Consejo iiniversitario, d. h.des Senats, den Standpunkt dieser größten lateinamerikanischen Universität zur Frage der Universitäts-Autonomie Autonomie in der westlichen Kulturtradition, der auch die mexikanische Universität zugehört, ist danach „vor allen anderen Dingen, die Freiheit zu lehren, zu forschen und die Bildung zu vermitteln. Aus ihr leitet sich das Recht der Universität ab, sich selbst zu organisieren, zu wirken und ihre ökonomischen Mittel so einzusetzen, wie sie es für richtig hält." In diesen Sätzen liegt aber nicht die Besonderheit dieser Erklärung, obwohl auch sie für das mexikanische Publikum eine wichtige Information über die Einstellung einer der wichtigsten nationalen Institutionen zu einer die Gesamtheit der mexikanischen Gesellschaft betreffenden politischen Auseinandersetzung enthalten. Darüber wird an späterer Stelle noch zu sprechen sein. Das eigentliche Politikum der Erklärung liegt in folgendem Absatz: „Die Autonomie ist verletzt, wenn der Staat — durch welches Verfahren auch immer — die akademische Unabhängigkeit der Universität einschränkt oder ihr Schwierigkeiten in den Weg legt, sich selbst zu verwalten; die Autonomie ist aber auch verletzt, wenn eine private Vereinigung, eine politische Partei, eine Gruppe und — ganz allgemein — jedwede außenstehende Interessen-oder Machtgruppierung in das Leben der Universität eingreift, sei es um die Erfüllung ihrer Aufgaben zu verändern oder zu erschweren oder um die Freiheit, auf der sie beruht, in der einen oder anderen Weise einzuschränken."

Studentenrevolten in allen Länder Lateinamerikas

Rainer Waterkamp Modelle für die postindustrielle Gesellschaft im Jahre 2000 ............................................ S. 13

Auf den ersten Blick scheint nichts Besonderes an dieser Erklärung zu sein — jedenfalls nicht für unsere Ohren.

Was also hatte den Senat veranlaßt, die Erklärung durch den Rektor verkünden zu lassen? Der Grund dafür — wie die Präambel angibt — sind „die Ereignisse, die in den vergangenen Monaten das Leben einiger mexikanischer und anderer lateinamerikanischer Universitäten betroffen haben." In der Tat ist das Jahr 1966 in ganz Lateinamerika gekennzeichnet durch eine Reihe aufsehenerregender Auseinandersetzungen zwischen Staat und Universität oder (wenn man die Universität als staatliche Institution auffaßt) zwischen Universität und Studentenschaft. Aus Brasilien, Argentinien, Concepcin/Chile, Bogota/Kolumbien, Caracas/Venezuela, Santo Domingo und Nicaragua waren besonders spektakuläre Ereignisse und Aktionen zu melden. Mexiko machte keine Ausnahme: Am 8. März 1966 war ein Streik in der juristischen Fakultät ausgebrochen, der schließlich am 27. April in dem Sturz des Rektors der Universität, Prof. Dr. Ignacio Chavez, eines international bekannten Chirurgen, gipfelte.

Eine Liste aller studentischen Aktionen des Jahres 1966 macht deutlich, daß es sich in der Tat um ein gesamtlateinamerikanisches Phänomen handelt. Sie macht aber nicht deutlich, welche gesellschaftlichen Vorgänge im Hinter-gründ dieser Ereignisse stehen. Allgemeine soziologische Erklärungen bieten sich an; so etwa der Hinweis auf die Veränderungen der sozialen Rollenstruktur im Prozeß der Industrialisierung und die damit verbundenen Auseinandersetzungen zwischen etablierten und progressiven Kräften. An anderer Stelle haben wir darauf hingewiesen, daß das Studium „im Zeitalter des Umbaus" (Karl Mannheim) für die Studenten nicht mehr eine Initiierung in die spezifischen Aufgaben der Eliteschicht ist, der sie selbst entstammen, sondern die Eingliederung in die Avantgarde der wissenschaftlichen Zivilisation

Klassenkampf in der Universität

Mit Hilfe einer Transponierung des marxistischen Klassenkampfschemas auf die Universität verstehen die Studenten sich nunmehr als die durch das „Establishment" ausgebeutete Klasse. In der Tat spricht schon das Manifest der revoltierenden Studenten von Cordoba (Argentinien) vom 12. Juni 1918 von der Eroberung der Universität durch die Studentenklasse; in der Tat wird der mexikanische Philosoph Jose Vasconcelos auf dem vierten Nationalen Studentenkongreß 1926 zum „Benemerito de la clase estudiantil", zum „verdienten Vorkämpfer der Studentenklasse" proklamiert.

Der nordamerikanische Soziologe Seymour Martin Lipset, selbst unmittelbar betroffen durch die Studentenrevolten in Berkeley, besonders im Herbst 1964, hat kürzlich umfangreiche Untersuchungen unter dem Generaltitel „Student Politics" publiziert, die gerade diese Fragen klären sollen. Auch seine früheren grundsätzlichen Darstellungen über „Universi-ty Students and Politics in Underdeveloped Countries" verdienen Beachtung; sie erschienen im Herbst 1964, genau in der Zeit, als in Lipsets eigener Universität Berkeley die erste große Auseinandersetzung ausbrach — gerade dort, wo sie nach seinen wissenschaftlichen Überlegungen am allerwenigsten hätte ausbrechen dürfen

Aber ebensowenig wie der Marxismus als Philosophie durch den Sieg gerade in dem unterentwickelten Rußland falsifiziert worden ist, wird die Lipsetsche These durch den Sieg der revolutionären Studentenbewegung gerade in einer der am höchsten entwickelten Universitäten falsifiziert. Das Problem liegt vielmehr bei der Frage, auf welche Weise die generelle wissenschaftliche Abstraktion zum konkret greifbaren Ereignis in Beziehung gesetzt werden kann.

Unsere Untersuchung der Vorgänge in den lateinamerikanischen Universitäten ganz allgemein und in Mexiko im besonderen muß das „Operationsgefüge" aufdecken, das hinter den studentischen Aktionen und hinter der Institution „Universität" wirksam ist Dieses Operationsgefüge entscheidet auf der einen Seite darüber, auf welche Art und Weise abstrahiert wird, welche Aspekte Bedeutung haben oder nicht, signifikant sind oder nicht; auf der anderen Seite entscheidet es aber auch darüber, auf welche Weise konkretisiert wird, welche Aspekte in Aktionen umgesetzt werden oder nicht, zum Engagement führen oder nicht.

Wie kann es gelingen, das „Operationsgefüge" zu beschreiben? Zweifellos ist der Strukturierungsvorgang, der die hier und jetzt erlebte und gestaltete Wirklichkeit mit den intellektuellen Abstraktionen in ein Wirklichkeits-Modell zusammenfügt, an den regional verschiedenen Akzentsetzungen erkenntlich: Die Aktion erhält ein Zeichen, das sie einerseits nach Zeit und Raum von Aktionen formal gleicher Art unterscheidet, die das Zeichen nicht tragen, sie andererseits aber mit Aktionen formal völlig verschiedener Art verbindet, die das gleiche Zeichen tragen; in diesem Sinne sprechen wir z. B. von russischem und chinesischem Marxismus oder von katholischem und orthodoxem Christentum.

Die Studentenrevolten in Berkeley und in Mexiko haben viele formal gleiche Äußerungsformen, die man mit Hilfe des „vertikalen Forschungsansatzes" untersuchen kann, von dem in einer der durch Lipset veranlaßten Untersuchungen gesprochen wird; diese Forschungsrichtung tendiert dahin, die verschiedenen Akzentsetzungen bei den einzelnen Aktionsbereichen (z. B. Montreal, Ibadan, Warschau, Rangun) wegzudiskutieren; das Ergebnis sind nichtssagende Allgemeinheiten. Wir wollen den umgekehrten Weg gehen und betonen demgegenüber die Kategorie des Stils, die Gemeinschaft gleicher „Zeichen" in dem Meer der Einzelfakten; „Stil" in diesem Sinn ist die empirisch konstruierte Rangordnung der kausalen Ursachen, die „Achse" der gesellschaftlichen Struktur, von der Karl Mannheim spricht. Die konsequente Anwendung der Stilkategorie zur Interpretation eines historischen Aktionszusammenhangs ist zuerst Henri Lefebvre in seiner großen Untersuchung über die Proklamation der Pariser Commune vom 26. März 1871 gelungen

Von diesen theoretischen Voraussetzungen ausgehend wollen wir jetzt die lateinamerikanische und dabei besonders die mexikanische Universitäts-Autonomiebewegung analysieren.

„Das souveräne Volk einer Republik von Lernenden"

Der „Stil", die Akzentsetzung dieser Bewegung wird sogleich an folgendem Beispiel deutlich: Die Studenten in Mexiko hatten — in unmittelbarer Anspielung an kubanische Propagandathesen (wie z. B. „territorio libre de analfabetismo", „analphabetismusfreies Gebiet") — über den Eingang zu den von ihnen besetzten Fakultätsgebäuden geschrieben: „territorio libre de chavismo", vom Chvez-kult befreites Gebiet. Es leuchtet unmittelbar ein, daß diese Inschrift in Rangun selbst dann sinnlos wäre, wenn die Aspirationen der Studenten im abstrakten Feld der Signifikanzen zwischen Mexiko und Rangun völlig übereinstimmten. Die kubanische Revolution spielt im „Operationsgefüge", im „mittleren" Erwartungshorizont der mexikanischen Studenten eine andere Rolle als in dem der burmesischen Studenten. Es ist der „Stil", der ein Straßen-meeting kubanischer Studenten in Havanna, eine „tängana", von einem Gebetsmarsch buddhistischer Klosterschüler unterscheidet.

Schon eine Analyse des Manifestes der Studentenrevolte von Cordoba (Argentinien) aus dem Jahre 1918 ergibt auf den ersten Blick die bereits erwähnte Übertragung des Klassenkampfschemas auf die universitäre Auseinandersetzung. Die Studenten verstehen sich als das „souveräne Volk einer Republik von Lernenden", das sich seine Führer, d. h. die Professoren, selbst wählt oder sie — bei mangelnder Qualifikation — wieder absetzt; das Manifest spricht weiter von der Vorherrschaft einer Kaste der Professoren, die gebrochen werden müßte, und vergißt auch nicht scharfe antiklerikale Ausrufe, die sich gegen die Jesuiten richten.

„Heroische Ekstase", „Erlösung aus der Sklaverei", „Knall der Peitsche", „moralisches Heil" — das sind nur einige Stichworte aus dem Text, den wir an anderer Stelle publiziert haben Worte wie „Ekstase", „Erlösung", „Heil", „letzter Kampf“ sind ganz offensichtlich dem Vokabular eines militanten Chiliasmus entnommen, der, wie es heißt, nicht mehr bittet, sondern sein Recht einfordert. Die Diktion der Reden Thomas Münzers klingt an, jene „Allianz von Revolution und Askese", auf die Ernst Bloch hingewiesen hat; im lateinamerikanischen Zusammenhang deutet sich das Erbe der Franziskaner-Spiritualen an, die das „tausendjährige Reich" des Friedens zu gründen versuchten; die Kolonie Verapaz in Guatemala (1547) ist nur ein Beispiel unter vielen. Der Franziskaner Geronimo de Mendieta hatte bereits damals angekündigt, also schon zu Beginn der Kolonialzeit, daß dieses tausendjährige Reich durch die gemeinsame Aktion der Mönche und Indianer verwirklicht werde.

Indios und Studenten

Im aufkommenden Industriezeitalter des lateinamerikanischen 20. Jahrhunderts sind an die Stelle der franziskanischen Mönche die Studenten getreten. Im Indio sehen sie jetzt einen Bruder des russischen Muschik, der soeben — 1918 — die Fesseln der Knechtschaft abzustreifen beginnt: Studenten und Indios schaffen die neue Gesellschaft. Das Beispiel von Cordoba zündet in Cuzco und in Lima. Die revolutionäre Volksallianz, die APRA, deren Führer der im Sinne von Cordoba reformistische Studentensprecher Raul Haya de la Torre wird, will den ganzen Kontinent umgestalten. Jose Carlos Mariätegui — in der ersten Zeit dieser Bewegung eng verbunden — hat seinen das berühmt in gewordenen „Sieben Aufsätzen zur Analyse der peruanischen Wirklichkeit" deutlich ausgesprochen

Kennzeichen dieses anarchistischen Chiliasmus im Gegensatz zum klassischen Marxismus ist die Bedeutung, die man der allgemeinen Volkserziehung gibt, die eine Diktatur des Proletariats überflüssig machen soll. Diese Volkserziehung wird durch die — im marxistischen Sinne kurzschlußhafte, weil nicht durch die Diktatur des Proletariats vermittelte — unmittelbare Integrierung von Studenten und Indios erreicht. Leo Tolstois Schule in Yasnaya Polyana, Francisco Ferrers „Escuela moderna" in Barcelona, stehen zweifellos im Hintergrund. Die Volksuniversität Gonzalez Prada in Lima, von den revoltierenden Studenten gegründet, setzt diesen Traditionszusammenhang fort. Hier sind hispanische Traditionen im Spiel. Unmittelbare Volkserziehung wird Mittel zur sozialen Befreiung.

Das Manifest der Studenten von Cordoba spricht vom „demos" einer „freien Republik" und meint damit das unmittelbar gesetzgebende Volk, „pueblo" in der Diktion der andalusischen Anarchisten in seinem Doppelsinn von Kommunität und sozialer Niederschicht. Die andalusischen „obreres conscientes“, die Kolporteure der neuen Freiheit, die Diener „der Idee", „de la idea", wie es hieß, verwandelten die armseligen Hütten der Weinberg-Arbeiter in Abendschulen. In den „gaanas" stellten die „conscientes" ihre „candiles", ihre Öllampen auf und lehrten Lesen und Schreiben, damit sich jedermann selbst über die „idea" unterrichten konnte. — Man hat viel darüber gerätselt, warum die Alphabetisatoren Fidel Castros in der großen Kampagne des Jahres 1961 alle mit Ollämpchen ausgerüstet wurden, warum die Öllampe zum Symbol'der Kampagne wurde: Hier ist der unmittelbare Ansatzpunkt für das Verständnis der Zusammenhänge. Hier wird auch die Funktion der „maestros misioneros", der „missionarischen Volkslehrer" verständlich, die Jose Vasconcelos Anfang der zwanziger Jahre, damals Erziehungsminister der mexikanischen Revolutionsregierung, unter die mestizische und indianische Bevölkerung schickte, um die Idee der Revolution zu verbreiten. „Escuela rural" ist da nicht einfach eine irgendwo geplante und auf dem Lande errichtete Schule, sondern Zentrum eines revolutionären, chiliastischen Bewußt-

machungsprozesses.

Die Studenten von Cordoba forderten weiter die Anerkennung des Prinzips der freiwilligen Anwesenheit in Übungen und Vorlesungen. Ist Wilhelm von Humboldt der Vater dieses Textes? Sicher nicht; denn in Cordoba ging es nicht um „Einsamkeit und Freiheit" (Helmut Schelsky), sondern um die Befreiung der Studentenklasse aus der Versklavung durch Autoritäten und um die Öffnung der Universität für die „estudiantes libres", die „freien Studenten", die in der Tradition Francisco Ferrers, des Märtyrers der anarchistischen „escuela moderna", außerhalb der Universität und losgelöst von den vorgeschriebenen Lehrmethoden und Unterrichtssystemen ihre Bildung suchten. All dies war unmittelbar eingebettet in eine umfassende anarcho-syndikalistische Arbeiterbewegung, die aus Italien unmittelbar nach Buenos Aires übergesprungen war.

In Lima erzwangen die Studenten die Anerkennung des „derecho de tacha", des alten mittelalterlichen Rechtes, ungeeignete Professoren durch Verkündung des öffentlichen Tadels seitens der Studentenschaft von der Universität zu weisen.

Studentischer Staatsstreich in Kuba

Nach alledem sind die Ereignisse in Kuba während der Studentenrevolution des Jahres 1933 nichts Erstaunliches mehr: Unter der Führung von Julio Antonio Mella hatte sich die kubanische Studentenbewegung bereits 1923 konstituiert und sich — ganz im Sinne der Baku-ninschen Thesen — zur „geheimen Elite" der revolutionären proletarischen Bewegung entwickelt. Das „Directorio estudiantil", der Asta, wie wir sagen würden, wird zum Zentrum einer proletarischen anarcho-syndikalistischen Massenbewegung. Nach der Zuckerrohrernte, der „zafra", in der „toten Zeit", dem „tiempo muerto" des Jahres 1933, also in den Monaten Juli bis Oktober, rufen die Studenten zum politischen Generalstreik, der großen Direkt-aktion des Anarcho-Syndikalismus, auf, durch den am 12. August der Diktator Machado gestürzt wird. Anfang September übernehmen die Studenten die Staatsgewalt und rufen den Medizinprofessor Ramon Grau San Martin zum Staatspräsidenten aus. Die Zuckerrohr-plantagen werden von den Arbeitern besetzt und nach dem Prinzip der Selbstverwaltung organisiert.

Der führende Kopf der revolutionären studentischen Aktion, Graus Innenminister Antonio Guiteras, war 1927 eines der führenden Mitglieder des Directorio estudiantil gewesen und dann später Guerilla-Kämpfer geworden. 1934 wurde er — angeblich „auf der Flucht" — erschossen; bis in viele Einzelheiten ist er zum Vorbild Fidel Castros geworden Damit glauben wir den „Stil" der direkten Aktion beschrieben zu haben, wie er für die lateinamerikanische Studentenbewegung bis zum heutigen Tage kennzeichnend ist. Das Operationsgefüge ist einem Erwartungshorizont zugeordnet, in dem es darum geht, die „Commune" der Lernenden und Lehrenden zu begründen. In Lateinamerika ist dieser Impuls die „Achse" der Struktur. Die Revolten von Berkeley, das Free Speech Movement (FSM), nehmen demgegenüber den Aktionsstil der Civil Rights Bewegung in den nordamerikanischen Südstaaten an.

In Mexiko kommt es in den zwanziger Jahren zur ersten studentischen Kommune-Bildung; aber die Bedingungen sind andere als in Cordoba, Lima und Havanna: Mexiko ist das einzige Land Lateinamerikas, in dem die politische Revolution älter ist als die studentische revolutionäre Bewegung; und diese politische Revolution wiederum ist älter als die russische Revolution und von dieser erst post festum beeinflußt. Die Autonomie-Bestrebungen der Universität sind daher von Anfang an „konterrevolutionär" darauf abgestimmt, die Universität als Bastion des liberal-positivistischen Porfiriats und seiner „cientificos" zu erhalten In Cordoba (1918) wollten die Studenten die Autonomie, um die Universität zur progressiven Exklave in einem ihrer Meinung nach reaktionären Staat zu machen; in Mexiko wollten die Professoren im gleichen Jahr die Autonomie der Universität, um durch sie eine prä-revolutionäre Exklave in einem revolutionären Staat zu erhalten. Die Cördoba-Bewe-gung kämpfte in Mexiko also mit verkehrten Fronten. Nicht die Universität, sondern der Staat hatte den Anfang mit der unmittelbaren Volksbildung gemacht, die die Anarchisten forderten.

Die mexikanische Universität auf dem Aussterbeetat

In solchem Zusammenhang mußte Universitätsausbildung als Luxus einer parasitären Oberschicht erscheinen; die Revolution hoffte, sich dieses Klotzes an ihrem Bein möglichst bald entledigen zu können und setzte die Universität auf den Aussterbeetat. Doch die Universität starb nicht aus. Die Studenten forderten Reformen im Sinne des Programms von Cordoba und protestierten gegen ihre Professoren. 1929 kommt es zum Generalstreik, der sofort den Stil der Kommune-Bildung annimmt. Die Streikzeitung „La Huelga" ist ein in dieser Hinsicht höchst interessantes Dokument. Die Inschriften der Streikplakate lauten: „Wir wollen revolutionäre Lehrer und keine Gelegenheitspolitiker" — „Studenten und Arbeiter vereinigt euch" — „Wir werden unsere Sache auch auf den Barrikaden verteidigen" — „Universitätsreform".

Doch die soziologische Wertigkeit dieser Forderungen ist eine andere als die ähnlich lautenden des Streiks von Cordoba: der neue Mittelstand, dessen Söhne sich in Mexiko Gehör verschafften, war ja selbst schon ein Ergebnis der revolutionären Gesellschaft. Diese Studenten verstehen nicht mehr, warum sich die Revolution von der Universität distanziert, statt sie zu reformieren; für sie ist die Universität alles andere als das Luxus-Spielzeug einer parasitären Oberschicht, sondern Vehikel vertikaler sozialer Mobilität. Die Revolu-tion hatte durch die Beseitigung der auf Land-besitz begründeten Vermögen die zugeschriebenen gesellschaftlichen Positionen durch erwerbbare ersetzt: aus der Herkunftsgesellschaft begann eine Leistungsgesellschaft zu werden, für deren Angehörige der Gang durch die Universitätsausbildung zur Existenzfrage wurde. Im Grunde war der große Streik des Jahres 1929 eine Revolte gegen die Revolutionsregierung, die die durch sie selbst in Gang gebrachte Veränderung der gesellschaftlichen Struktur noch nicht zur Kenntnis genommen hatte. Die Studenten wollten über die unmittelbare Volkserziehung hinaus das höhere und hohe Schulwesen für die Revolution frei-kämpfen und die Revolution zwingen, über die Niveau-Marke der unmittelbaren Volkserziehung hinauszudenken.

Ralf Dahrendorf hat in seiner Analyse von „Gesellschaft und Demokratie in Deutschland" (1965) auf die harte Grenze zwischen Arbeiter-schicht und Mittelstand in der deutschen Gesellschaft hingewiesen. Auch in Mexiko ging es darum, die Mobilität zwischen beiden Schichtbereichen zu erzwingen. Aber man stieß sich nicht nur am Widerstand der etablierten Kräfte eines liberal-positivistisch — keineswegs aber sozialistisch — gesonnenen Bürgertums, sondern auch an der unterschichtbestimmten Mentalität der revolutionären Führung (Dahrendorf spricht in solchen Fällen von „bildungshemmenden Schichtmentalitäten").

Auch die mexikanischen Studenten des Jahres 1929 können diese Schwelle nicht überwinden. Die Regierung gewährt 1929 eine bedingte, nach neuem Streik 1933 eine unbedingte Autonomie, weil sie nicht weiß, was sie mit der Institution anfangen soll. Die Autonomie-Erklärung wird zum Strafmandat gegenüber der Universität, die dadurch aus der revolutionären Entwicklung der Gesellschaft ausgeklammert werden soll. Hat die Revolutionierung der Gesellschaft Erfolg, so wird — nach Meinung der Revolutionsführer — die Universität keine Basis in der Gesellschaft mehr finden, ohne großes Aufheben absterben und wie ein vertrockneter Zweig abgeworfen werden. Der Staatspräsident Portes Gil sagt ganz deutlich im Augenblick der Verkündung des Autonomie-Status von 1929: „Wenn die Universität jetzt Schiffbruch erleidet, wird sie den Arbeitern übergeben werden." Wie sicher man ist, daß dieser Schiffbruch erfolgen wird, ergibt sich daraus, daß in der Tat kurz darauf mit dem Aufbau eines revolutionären polytechnischen Erziehungswesens begonnen wird, der 1937 in der Gründung des inzwischen international weltberühmten Instituto politecnico nacio-nal kulminiert. Gleichzeitig wird eine Arbeiter-Universität ins Leben gerufen, die die Bürger-Universität ablösen soll. Der nach dem Streik von 1929 von der Regierung eingesetzte Interimsrektor der Universität drückt bei seiner Amtsübernahme den Wunsch aus, daß die alte Universität durch die nunmehr gewährte Autonomie möglichst bald wirtschaftlich und geistig zugrunde gehen möge.

Die Gewährung des Autonomie-Status an die Universität aufgrund der Studentenstreiks der Jahre 1929 und 1933 kommt also der Erklärung des Belagerungszustandes seitens der Revolutionsregierung gegenüber der Universität gleich. Expressis verbis wird in dem neuen Universitätsgrundgesetz darauf hingewiesen, daß die Universitätsausbildung durch die, die sie für erforderlich halten, auch selbst bezahlt werden soll. Der Staat zahlt eine einmalige Abfindung an die Universität, und dann will er nie wieder etwas von ihr hören.

Doch so ohne weiteres geht das nicht, denn die Studentenschaft gibt die Versuche nicht auf, die „bildungshemmenden Schichtmentalitäten" zu überwinden und die Universität in das revolutionäre Staatswesen zu integrieren.

Universität und Verwissenschaftlichung der Revolution in Mexiko

Etwa ein Vierteljahrhundert lang, vom ersten nationalen Studentenkongreß des Jahres 1916 (der sich dezidiert für Carranza aussprach) bis zum Streik des Jahres 1942, ist es die Gruppe der „siete sabios", der „sieben Weisen'', die die Studenten-, später die Hochschulpolitik bestimmt. So konträre Gestalten wie Manuel Gomez Morin, Rektor der Universität nach dem zweiten großen Autonomiestreik von 1933 und Begründer der „Acciön Nacional" (1939), und Vicente Lombardo Toledano, der radikale Marxist, der im Jahre 1933 eben diesen Streik dadurch auslösen wird, daß er die offizielle Anerkennung des Marxismus als Grunddoktrin der Universität verlangt, gehören zu dieser Gruppe. Sie alle wollen auf ihre Weise die Verwissenschaftlichung der Gesellschaft durchsetzen. Die Anfang der dreißiger Jahre erfolgende Gründung des Verlages Fondo de cultura econömica, der das Wesentliche einer ökonomisch bestimmten Kultur darstellen soll und zu einem der größten lateinamerikanischen Verlagsunternehmen überhaupt werden wird, ist Kernanliegen dieses Programms

Zwei Ereignisse kommen diesem Programm zu Hilfe und akzelerieren den Prozeß: die Verstaatlichung der Erdölguellen durch Lazaro Cardenas im Jahre 1938 und das Ende des spanischen Bürgerkrieges im Frühjahr 1939. Das erste Ereignis zwingt zu einer neuen Wertschätzung der nationalen technologischen Ausbildung; sowohl die technisch-naturwissenschaftlichen Institute der Universität als auch das konkurrierende Polytechnikum profitieren davon. Das zweite Ereignis zwingt eine große Gruppe spanischer Wissenschaftler zur Emigration, die eine neue Heimstatt in Mexiko, in der Casa de Espana en Mexico, dem heutigen Colegio de Mexico, finden, das nach dem Muster des College de France Forschung und Lehre auf höchstem Niveau entwickelt, besonders in den Geisteswissenschaften. Es beginnt die Integration der Universität in die neue Gesellschaft, aber gleichzeitig auch die Integration der revolutionären Gesellschaft in die Universität. 1942 kommt es zur offenen Machtprobe zwischen Universität und Revolutionsregierung. Die Studenten der Escuela nacional preparatoria', der Vor-Universität, etwa der Oberstufe unserer Gymnasien entsprechend, aber in Mexiko gänzlich Teil der Universität, nehmen wieder — wie schon so oft in der Vergangenheit — die radikale Gegenposition gegen das , establishment‘ ein. Die Universität löst sich praktisch in zwei feindliche Feldlager auf. Aber jetzt geht es nicht mehr darum, ob man sich so oder so zum Staat oder zur Revolution verhalten soll, sondern jetzt handelt es sich darum, eine Entscheidung in der Universität über die Revolution zu treffen, so wie 1290 in der Universität von Paris über die Kirche entschiedenwurde (Bettelordensstreit).

Ein Konzil aller noch lebenden Altrektoren der Universität seit 1929 wählt Alfonso Caso zum Interimsrektor, der den Auftrag erhält, eine neue Satzung auszuarbeiten, die schließlich Anfang 1945 in Kraft treten kann. Hochschulpolitisch interessant ist, daß der Rektor als oberster Repräsentant der Universität einem Gremium vorsitzt, dem Consejo universitario (unserem Kleinen Senat entsprechend), das ihn nicht gewählt hat (dies geschieht durch den Consejo administrativo, den Verwaltungsrat, der aus Wissenschaftlern besteht, die keine hervorgehobenen Funktionen in der akademischen Selbstverwaltung ausüben), einem Gremium, mit dem zusammen er aber der Schiedsgerichtsbarkeit desjenigen Gremiums unterworfen ist, das ihn gewählt hat. Auf diese Weise ist der mexikanische Rektor gezwungen, Hochschulpolitik zu reiben, und zwar nach innen und nach en. Er ist dadurch in seiner Person zum jonenten des soeben erwähnten Prozesses Verwissenschaftlichung geworden. e Partner mußten beträchtliche Konzessioi machen, damit es zum positiven Ergebnis Abstimmung über die Satzung kam, der e pausenlose Marathonsitzung aller Beteien vom 12. Februar bis zum 9. März 1945 angegangen war. Am schwersten mußte die Scheidung den Studenten fallen, die in der ien versachlichten Struktur das Ende der nmunitären Politik sehen mußten. Sie verJen die Verhandlungen unter Protest; aber konnten dadurch die Einigung nicht verhindern, wollten es irn Grunde vielleicht auch gar nicht mehr ernsthaft.

Die Universität wurde mit der Verkündung der neuen Satzung auch nach außen hin wieder zu einer Einrichtung der Nation, die aber als solche volle Autonomie genießt. Auch der Staat mußte Positionen aufgeben. Nicht nur regelmäßige Haushaltszuschüsse wurden wieder gezahlt, es wurden auch die Einkünfte aus dem großen Erdöl-Boom der zweiten Hälfte des Weltkrieges verwendet, und zwar zum Bau der riesigen Universitätsstadt im Pedregal, dem Lavafeld am Stadtrande. Am 5. Juni 1950 wurde der Grundstein gelegt.

Der Kampf um eine Universität der Bauern und Arbeiter

Auseinandersetzung schien zu Ende. Sie r es zunächst auch, von kleineren Streiten abgesehen — aber es schien nur so. r Universitätsstreik des Jahres 1966 hat er die Nation wie ein Schock getroffen. Die sitionen haben sich wiederum verschoben, zt muß sich die Regierung des PRI, des rtido revolucionario institucional'(in die-

Form etwa gleichzeitig mit den neuen iversitätsstatuten eingerichtet), mit neuen nmunitären Impulsen auseinandersetzen. ie Analyse der neuen Situation glaubt hweisen zu können, daß 1966 der Rek-Chävez deshalb gestürzt ist, weil er dem stungsprinzip auch gegenüber dem revolu-nären Herkunftsprinzip auf allzu strikte ise den Vorzug gab Sein Nachfolger verht, das Leistungsprinzip aufrechtzuerhalten, ± muß die Universität jetzt wieder jeden solventen der Vor-Universität ohne Zwi-

enprüfung immatrikulieren. Der Zugang 'neuen Mittelschicht zur Hochschule ist da-t gesichert. s neue Konzept der Autonomie, für das die ellierenden Gruppen der studentischen Lin-n, der . Kinder des Sänchez', in Mexiko heute ^treten, ist weder das der Exklave eines relutionären Impulses in einem traditionalistischen Staat (Cördoba-Bewegung) noch das der Exklave einer traditionalistischen Institution in einem revolutionären Staat (Universität Mexiko bis 1942) noch das der Interdependenz von Staat und Hochschule (Mexiko 1942 bis 1966). Es ist vielmehr das Bild der Universität als einer Heimstatt der campesinos y obreros conscientes, der bewußten Elemente der Bauern-und Arbeiterschichten. Dies wird ganz deutlich in einer der Wandzeitungen der studentischen Protestbewegung, die vom 8. November 1966 datiert ist, also vor der eingangs zitierten Autonomie-Erklärung. In dieser Wandzeitung wird festgestellt, daß 71, 3% der Gesamtkosten des Höheren Erziehungswesens von den Bauern, Arbeitern und kleinen Kaufleuten aufgebracht werden (1 % allgemeiner Steuerabzug für das Höhere Schulwesen), daß aber 67 % der mexikanischen Familien nicht in der Lage sind, auch nur einen Sohn oder eine Tochter studieren zu lassen. 93, 7 % aller mexikanischen Familien haben weniger als 2000 Pesos Monatseinkommen. Pro 10 000 Familien dieser Einkommensschicht sind 136 Studenten in der Nationaluniversität immatrikuliert; pro 10 000 Familien der 6, 3 °/o, die mehr als 2000 Pesos Monatseinkommen haben, sind 2375 Studenten immatrikuliert

Schon vor einigen Jahren hat Luis Scherz Gar-cia aus Santiago de Chile in einer Untersuchung über das lateinamerikanische Hochschulwesen festgestellt, daß die Schichtungspyramide der sozialen Herkunft von Hochschulstudenten die exakte Umkehrung der Schichtungspyramide der allgemeinen Gesellschaftsstruktur darstellt Die mexikanischen Zahlen verdeutlichen das Problem: 6, 3 % der Familien immatrikulieren 94, 6% der Studenten, 93, 7% der Familien immatrikulieren 5, 4 % der Studenten. Das neue studentische Autonomiekonzept will studentische Herkunft und allgemeine gesellschaftliche Schichtung in Überein-stimmung bringen. Der Kampf der mexikanischen Studenten um diese Positionen und um diese Autonomie hat eben erst begonnen und gerade im Sommer 1968 einen neuen, nie geahnten Höhepunkt erreicht.

Fussnoten

Fußnoten

  1. Wir verzichten auf detaillierte Einzelhinweise und verweisen statt dessen auf folgende Publikationen: Hanns-Albert Steger (ed.), Grundzüge des lateinamerikanischen Hochschulwesens, Baden-Baden 1965 (Sammelband); ders., Die Universitäten in der gesellschaftlichen Entwicklung Lateinamerikas, Gütersloh 1967; Jürgen Gräbener, Bernhard Preker, Hanns-Albert Steger, Almanach der lateinamerikanischen Universität, Arbeitsunterlage 11/12 zur Lateinamerikaforschung, COSAL, Sozialforschungsstelle Dortmund 1967.

  2. Hanns-Albert Steger, Artikel „Studenten" und „Universitäten und Hochschulen" in: Entwicklungspolitik. Handbuch und Lexikon, Stuttgart -Berlin und Mainz, 1966.

  3. Seymour Martin Lipset (ed.), Student Politics, a special issue of the Comparative Education Review, vol. 10, Nr. 2, New York 1966; ders. (ed.), Students and Politics, special issue of Daedalus. Journal of the American Academy of Arts and Sciences', Cambridge/Mass. Winter 1968.

  4. Zur aktuellen Strukturalismus-Diskussion siehe: Hans Magnus Enzensberger (ed.), Kursbuch, Nr. 5, Frankfurt-Main Mai 1966; Zeitschrift „Alternative", „Strukturalismus-Diskussion", Sonderheft Nr. 54, Berlin (West) Juni 1967.

  5. Henri Lefebvre, Proclamation de la Commune, Paris 1965.

  6. S.den Aufsatz von Ernesto Garzon Valdes, Die Universitätsreform von Cördoba/Argentinien (1918), in H. -A. Steger (ed.), Grundzüge .... a. a. O., S. 163 bis 208; der volle Wortlaut des Manifestes findet sich am gleichen Ort, S. 209— 213.

  7. Josee Carlos Maritegui, 7 ensayos de inter-pretaeiön de la realidad peruana, 1. Auflage Lima/Peru 1928; 7. Ausl., „Biblioteca Amauta', Lima 1959. S. hierzu noch: Manfred Kossok, Jos Carlos Mariätegui y el desarrollo del pensamiento mar-xista en el Peru, Bogot/Kolumbien 1964.

  8. Max Zeuske, Die kubanische Revolution von 1933 (Vorgeschichte, Verlauf und Bedeutung — Ein Beitrag zur Klärung der Wurzeln der kubanischen sozialistischen Revolution), Diss. Leipzig 1965, versucht eine Interpretation dieser Ereignisse aus kommunistischer Sicht zu geben.

  9. Als „Porfiriat" bezeichnet man die Regierungszeit des Generals Porfirio Diaz (1876 bis 1911, mit kurzer Schein-Unterbrechung), insbesondere aber die Zeit von 1890 bis 1910, als Diaz mit einer Gruppe junger Wissenschaftler zusammenarbeitete, die sich an dem Positivismus Auguste Comtes und den Ideen des Manchester-Liberalismus orientierten. Diese Gruppe, zu der z. B. auch der Gründer der modernen mexikanischen Universität (1910), Justo Sierra, gehörte, wurde allgemein als „los cientificos" bezeichnet. Jose Yves Limantour konzipierte in diesem Zusammenhang die auf ausländischen Investitionen aufgebaute Finanzpolitik des Porfiriats, deren harte Auswirkungen auf die Indio-und Bauernbevölkerung nicht unwesentlich zum Ausbruch der mexikanischen Revolution (1911) beigetragen haben.

  10. Zur mexikanischen Universitätsgeschichte in diesem Zeitraum s.: Lucio Mendieta y Nez, En-sayo sociolögico sobre la Universidad, Mexiko o. J. (1953); Julio Jimenez Rueda, La Universidad Autonoma de Mexiko, in: P. Martinez del Rio et al., Ensayos sobre la Universidad de Mexico, 1951; ders., Histoiia juridica de la Universidad de Mexico, Mexiko 1955.

  11. Luis Molina Pineiro, Die Studentenbewegung an der Universität Mexiko im Jahre 1966. Vortrag v. d. 2. wissenschaftl. Ubersee-Colloguium in Münster, 1967 (im Druck, Sozialforschungsstelle Dortmund).

  12. Luis Scherz Garcia, Die Rolle der Universität in der sozialen Umwandlung Lateinamerikas, in H. -A. Steger (ed.), Grundzüge..., a. a. O., S. 87— 161.

Weitere Inhalte

Hanns-Albert Steger, Dr. phil., Dozent für Soziologie (Entwicklungsländer, Lateinamerika-Forschung) an der Universität Mün-ster/Westf., Leiter des „Kontaktprogramms zur sozialwissenschaftlichen Forschung in Lateinamerika" (COSAL) in der Sozialforschungsstelle Dortmund; z. Z. Vertreter des Vorortes der „Arbeitsgemeinschaft Deutsche Lateinamerika-Forschung" (ADLAF); geb. am 30. März 1923. Zahlreiche Veröffentlichungen zur Soziologie in Lateinamerika und zum lateinamerikanischen Hochschulwesen. Herausgeber der „Arbeitsunterlagen zur Lateinamerika-Forschung" des Kontaktprogramms zur sozialwissenschaftlichen Forschung in Lateinamerika (COSAL) und der „Beiträge zur Soziologie und Sozialkunde Lateinamerikas".