„Der Anteil gefährdeter Arten beträgt in den bisher bewerteten Tier- und Pflanzengruppen durchschnittlich etwa 25 Prozent“ – so nüchtern berichtete 2019 der Weltbiodiversitätsrat IPBES von einem Vorgang, der in seiner Dramatik vielfach auch als „Biodiversitätskrise“ oder gar „neues Massenaussterben“ beschrieben wird. Die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen ist jedoch nur ein Aspekt der Biodiversität; zu ihr zählen zudem die Vielfalt funktionierender Ökosysteme sowie die genetische Vielfalt innerhalb von Arten. Aber auch um diese Komponenten ist es nicht zum Besten bestellt: Durch intensive Land- und Meeresnutzung werden wertvolle Ökosysteme immer weiter beschädigt.
Dem Menschen drohen damit wichtige Beiträge der Natur verloren zu gehen, die sich mittlerweile auch wirtschaftlich bemessen lassen. Ohne diese „Ökosystemleistungen“ – etwa die Bestäubung von Nutzpflanzen durch Insekten, die Bindung von Kohlenstoffemissionen durch Wälder und vieles andere mehr – wäre menschliches Wirtschaften kaum denkbar. Politisch ist das Problem längst erkannt: Internationale Abkommen zum Schutz der Biodiversität gibt es seit Anfang der 1990er Jahre, und seit 2007 hat auch Deutschland eine nationale Biodiversitätsstrategie, die 2024 aktualisiert und an Vorgaben der Europäischen Union angepasst wurde. Die ehrgeizigen Ziele sind jedoch nicht einfach zu erreichen, konkurrieren sie doch häufig mit anderen (Landnutzungs-)Interessen, die es demokratisch auszutarieren gilt.
Demokratische Teilhabe spielt auch bei der Wissensproduktion über biologische Vielfalt eine Rolle: Um ihren weiteren Rückgang – oder auch Fortschritte bei ihrem Erhalt – zu dokumentieren, baut die Biodiversitätsforschung zunehmend auf die Mitarbeit von Bürgerinnen und Bürgern. Denn im Rahmen von Citizen-Science-Projekten können an deutlich mehr Orten deutlich mehr Daten gesammelt werden, als es einzelnen Forschungsteams möglich wäre.