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Krank fluter Nr. 98
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Krank
Inhaltsbeschreibung
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Ob es Gedanken sind, die quälen, die Party, die man wegen einer Grippe verpasst, oder gar ganze Jahre wegen einer Chemotherapie: Krank zu sein kann vieles bedeuten. Nicht immer sind Erkrankungen sichtbar und hören von selbst wieder auf. Häufig kommt zu den lästigen Symptomen das Gefühl dazu, allein zu sein. Weil für alle anderen das Leben weitergeht wie bisher, nur für einen selbst nicht. Weil man sich schämt, nicht aus dem Bett zu kommen oder es nicht rechtzeitig aufs Klo geschafft zu haben. Kranksein heißt auch, die Kontrolle zu verlieren: über den Körper, die eigenen Gedanken oder über beides gleichzeitig. Manchmal geht es dann nur darum, das Leben irgendwie auszuhalten.
Wer krank ist, sollte die Zeit bekommen, die es braucht, um wieder gesund zu werden. Oder sich mit der Erkrankung zu arrangieren. Eine solidarische Gesellschaft erkennt man nicht daran, dass niemand krank wird, sondern daran, wie sie mit denen umgeht, die krank sind. Bietet sie selbstverständlich Schutz und Hilfe - oder müssen dafür erst komplizierte Formulare ausgefüllt werden? Macht der Chef dem eine Ansage, der sich krankmeldet, oder der, die sich krank zur Arbeit schleppt? Bekommen alle Menschen den gleichen Zugang zu Terminen und Behandlungen, oder sind die, deren Konten voll sind oder die fließend Deutsch sprechen, schneller dran?
Manchmal ist es die Oberärztin, die sich die Zeit nimmt, um die Behandlung verständlich zu erklären. Der Freund, der die Telefonate übernimmt, die Freundin, die im Unterricht für einen mitschreibt, oder die Mama, die am Krankenhausbett sitzt. Es kann gelingen, gemeinsam Verantwortung füreinander zu übernehmen. Das zeigt sich auch in den Strukturen. Eine Krankenversicherung, in die viele Menschen unterschiedlich viel einzahlen, ohne zu wissen, wer das Geld wofür braucht, ist dafür ein gutes Beispiel.
Ein anderes ist die Entwicklung von Medikamenten, von denen alle Menschen gleichermaßen profitieren. Bis ein Medikament tatsächlich in der Apotheke gekauft werden kann, braucht es viel Forschung. Die kostet. Pharmaunternehmen holen sich diese Kosten oft über Patentrechte zurück - die wiederum dafür sorgen können, dass sich manche die Medikamente nicht leisten können. Die Idee von Forschung, sich für die Interessen der Menschen einzusetzen, geht dann nicht mehr auf. Kranksein geht uns alle an, denn wir alle werden es mal oder sind es schon. Depressionen können das coolste Mädchen der Klasse genauso treffen wie den Spitzenpolitiker. Harry Kane kann sich genauso die Bänder reißen wie die Schuldirektorin. Und auch der Chefarzt hat Hämorrhoiden. Diagnosen können ein Leben prägen, aber wir als Gesellschaft entscheiden, wie selbstbestimmt wir mit Krankheiten leben. Niemand sollte sich schlecht dafür fühlen, wenn es einem schlecht geht.
In der Dokuserie "Lenox Hill" erinnert ein Neurochirurg sein Team vor jedem Eingriff, dass es nicht nur ein Gehirn operiert. Sondern eine Persönlichkeit, ein ganzes Leben, das hinter dem Organ steht. Kein Mensch ist nur krank.
Produktinformation
| Bestellnummer: |
5898 |
|---|---|
| Reihe: |
fluter |
| Herausgeber/-innen: |
Bundeszentrale für politische Bildung/bpb |
| Ausgabe: |
Nr. 98 |
| Seiten: |
52 |
| Erscheinungsdatum: |
23.03.2026 |
| Erscheinungsort: |
Bonn |