Christoph Hübner und Gabriele Voss machen seit den frühen 1970er Jahren Filme. Mit „Huckinger März“ entsteht 1973 ein erster dokumentarischer Spielfilm im Ruhrgebiet über einen wilden Streik. Die Arbeit an dem Film hat die beiden damals noch in München lebenden Studierenden nachhaltig geprägt und immer wieder ins Ruhrgebiet geführt.
Mit „Vom Alltag einer Krise“ realisieren Hübner und Voss 1976 einen Film, der sich nicht den Konflikten und den Arbeitskämpfen, sondern dem Alltag der Menschen in der Krise und der Arbeitslosigkeit dahinter widmet. Dabei lernen sie den Arbeiter Alphons S. kennen. 1978 entsteht das viereinhalbstündige, dokumentarische Porträt „Lebensgeschichte des Bergarbeiters Alphons S.“, das 1980 mit dem Adolf-Grimme-Preis in Silber ausgezeichnet wurde. 1979 folgt mit „Tor 2“ gemeinsam mit weiteren Filmschaffenden ein weiterer Film über einen Streik im Ruhrgebiet. 1979 ziehen Hübner und Voss zusammen mit anderen in die Zechensiedlung Bottrop-Ebel im Ruhrgebiet, um dort eine umfangreiche filmische Dokumentation zu realisieren. Mit ihrer Nähe zum Drehort schaffen sie eine gute Voraussetzung für eine lang angelegte „Geschichte von unten“, eine „Alltagsgeschichte“, die den Menschen beim Leben zuschaut.
Ursprünglich war die Idee, in Ebel das Leben der Menschen kennenzulernen und schließlich filmisch zu begleiten. Anschließend sollte das Filmmaterial thematisch gegliedert werden. Nach mehreren gescheiterten Finanzierungsanläufen übernehmen die Filmemacher/-innen aber den Vorschlag potentieller Förderer, ihr Projekt bereits vorab in mehrere Filme und Themen aufzuteilen. „Den Kuchen aufteilen, bevor er gebacken ist“, schreibt Gabriele Voss 1983 in ihren Arbeitsnotizen
Nachdem das Projekt abgeschlossen ist, widmen sich Christoph Hübner und Gabriele Voss anderen filmischen Arbeiten. Wobei das Ruhrgebiet immer wieder eine mal größere, mal kleinere, mal abstraktere und mal konkretere Rolle in ihren Filmen spielt. 1995 kehren sie mit ihrer Filmausrüstung nach Ebel zurück, um fast 15 Jahre nach dem Abschluss des ersten Zyklus zu erkunden, was sich seitdem in der kleinen Zechensiedlung verändert hat, und was gelblieben ist. Aktueller Anlass ist die einwöchige Besetzung der Zeche, weil immer mehr Arbeitsplätze abgebaut werden. Der Strukturwandel ist in vollem Gang – das Ruhrgebiet wird zur grünen Landschaft mit Kunst- und Eventcharakter, für den die Eröffnung der Warner Bros. Movie World, das Gasometer im benachbarten Oberhausen oder das Tetraeder in Bottrop exemplarisch stehen. 1998 erscheint „Das Alte und das Neue“ als sechster Film der Reihe. 20 Jahre nach „Das Alte und das Neue“ widmen sich Christoph Hübner und Gabriele Voss ein letztes Mal der Zeche Prosper und der Zechensiedlung Ebel. Anlass ist dieses Mal die Schließung der letzten Zeche des gesamten Ruhrgebiets: Es ist ausgerechnet Prosper, wo Hübner und Voss ihren filmischen Zyklus begonnen haben. Dieser Abschluss des Zyklus ist mit 155 Minuten der längste der acht seit 1979 entstandenen Filme und greift auf die Vorherigen zurück, in dem Szenen daraus in den neuen Film montiert werden. In „Das Ende eines Zeitalters“ treffen die Filmemacher auf alte Bekannte, denen sie bereits bei der Arbeit an den vorherigen Filmen begegnet sind. Sie treffen auch auf neue Bewohner von Ebel und zeigen, wie sich die Siedlung in den letzten 40 Jahren verändert hat. Neben der Schließung der Zeche sind die Schließung der Kirche und der Werkskantine markante Eingriffe in das soziale Leben des Ortes. „Uns interessiert, was der Wandel mit den Menschen macht“, sagt Christoph Hübner.
Die Filme des Prosper/Ebel-Zyklus
„Die vierte Generation“ (1980, 60 Minuten)
„Frauen-Leben“ (1980, 42 Minuten)
„Grüße vom Nachbarn Karl“ (1980, 16 Minuten)
„Die Einwanderer“ (1980/81, 82 Minuten)
„Matte Wetter“ (1981, 62 Minuten)
„Inmitten von Deutschland“ (1982, 82 Minuten)
„Das Alte und das Neue“ (1998, 87 Minuten)
„Vom Ende eines Zeitalters (2023, 155 Minuten)