Meine Merkliste

MQ:Rex – Multiplikatorenqualifizierung Rechtsextremismus – Prävention und Intervention (2014-2019)

Qualifiziert handeln! Dynamisierung, Ausdifferenzierung, Ausweitung – Zur Veränderung des Rechtsaußenspektrums in Deutschland im Zeitraum 2010-2020 "breit aufgestellt!" – Fortbildung zur Prävention von Ungleichwertigkeitsvorstellungen "Wir beteiligen uns." Weiterbildungsreihe des Dachverbandes der Evangelischen Akademien in Deutschland MQ:Rex – Multiplikatorenqualifizierung Rechtsextremismus – Prävention und Intervention (2014-2019) Zwischen Anschlussfähigkeit und Irritation: Wie Evaluation die Wirksamkeit politischer Bildung erhöht Lifehacks politischer Erwachsenenbildung DIAS - Demokratie in der Arbeitswelt stärken Redaktion

MQ:Rex – Multiplikatorenqualifizierung Rechtsextremismus – Prävention und Intervention (2014-2019)

Mark Haarfeldt Ulf Teichmann Kai Venohr

/ 20 Minuten zu lesen

Das DGB Bildungswerk Bund konzentrierte sich bei deiner Fortbildung vor allem auf den organisierten Rechtsextremismus, behielt dabei aber auch Einstellungen in breiteren Bevölkerungsschichten im Blick.

(© StockSnap/pixabay)

Anlass und Motivation

Die "MQ:Rex. Multiplikatorenqualifizierung Rechtsextremismus – Prävention und Intervention" hatte ihren Ursprung in der Fortbildung "Fachkraft Rechtsextremismus". Diese wurde 2010 vom Haus Villigst und dem DGB Bildungswerk BUND entwickelt und erstmalig 2011 durchgeführt. Ziel war es, eine Seminarreihe zu entwickeln, die Multiplikator_innen ermöglicht, sich umfassend mit dem Themenbereich Rechtsextremismus zu befassen und sie zu befähigen, in ihrem fachlichen Umfeld präventiv und reaktiv Rechtsextremismus zu begegnen. Die zu entwickelnde Seminarreihe sollte das Phänomen auf Grundlage verschiedener Aspekte betrachten. Bundesweit gab es zu diesem Zeitpunkt keine modularen Fortbildungen zu diesem Themenkomplex. Die Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus mit analytischer Tiefe kam in der politischen Bildung nur rudimentär vor. Deshalb war eine modulare Fortbildung, die auf der didaktischen Trias Wissen-Haltung-Handlung fußte, unsere Antwort, diese Leerstelle zu schließen.

Inhaltliche Themenfelder wie Rassismus, Chauvinismus, Antisemitismus, Nationalismus, Rechtsterrorismus, Diskriminierung und weitere Bereiche waren die Grundlage der MQ:Rex bzw. des Vorläufers (2011-2013). Die Handlungsmöglichkeiten, die in der modularen Fortbildung besprochen und diskutiert wurden und in den Praxisprojekten eingeübt werden konnten, waren ein weiteres Kernstück. Lediglich den Wissensschatz zum Thema zu erweitern, reichte nicht aus, um Menschen zu aktivieren, bildungspolitische Angebote in ihrem Arbeitskontext anzubieten und damit aufzuklären oder auch zu intervenieren.

Ziele der MQ:Rex

Sprachlosigkeit im Umgang mit Rassismus und Rechtsextremismus und Schwierigkeiten, das richtige Wort oder Argumente zu finden, waren und sind Gründe, warum Menschen nach Angeboten zu Umgang mit Rechtsextremismus und Rechtspopulismus suchen. Während der Laufzeit der MQ:Rex, insbesondere um das Jahr 2015, wuchs diese Nachfrage enorm an. Dieser Befund wurde in der MQ:Rex in jedem Jahrgang bestätigt und verifizierte damit den hohen Bedarf nach politischer Bildung in diesem Segment. Das pädagogische Konzept der MQ:Rex zielte schon aus diesem Grund nicht nur auf die Vermittlung von Wissen, sondern sollte die Teilnehmenden befähigen, in ihrem Arbeitsumfeld kompetent zu agieren. Darüber hinaus sollte die Fortbildung die Teilnehmenden qualifizieren, erworbenes Wissen und erlernte Methoden adäquat zu vermitteln, um damit eine tiefere, nachhaltige Wirkung zu erzielen. Bewusst wurde dieses elementare Ziel in die MQ:Rex eingebaut, um auch über Möglichkeiten von Gesprächsstrategien und deren Anwendung in der Praxis zu sprechen.

War die Befähigung zum eigenen Handeln das übergeordnete Ziel der Qualifizierung, gingen dem als Teilziele die Vermittlung umfangreichen Themenwissens und der sichere Umgang mit themenspezifischen Begriffen voran. Begriffe spielen in der Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus eine zentrale Rolle und sind in der Forschung durchaus umstritten, da Definitionen zu verschiedenen Einordnungsmustern von Einstellungen, Verhalten oder auch zu politischen Konsequenzen führen. Gerade hier bot die MQ:Rex eine Möglichkeit an, die Teilnehmenden zu sensibilisieren und eine differenzierte Auseinandersetzung anzuregen, die zu einer Schärfung führte und zweckdienlich für den Alltag ist. Den Teilnehmenden wurde dazu Zeit und Raum gelassen, sich mit verschiedenen Definitionen von Begriffen auseinanderzusetzen, um dann reflektiert darüber zu diskutieren. Die MQ:Rex zielte hier auf ein Bewusstsein ab, dass Begriffe und Diskurse immer kritisch hinterfragt werden sollten, um sie dann in den beruflichen Alltag zu integrieren. Mag die Metaebene keine größere Relevanz für den Alltag bedeuten, ist sie wichtig, um keine Verwirrung zu stiften und Klarheit für die eigene Perspektive zu gewinnen.

Thematisch war es ein Ziel der Reihe, den Teilnehmenden umfangreiches Wissen über Rechtsextremismus, Rassismus und Diskriminierung anhand ausgewählter Themenfelder zu vermitteln. Dieses Wissen sollte in der jeweiligen Seminarsituation mit Blick auf eigene (berufs-)biografische Erfahrungen verarbeitet werden. Hinzu kam, die Teilnehmenden mit den Erkenntnissen und Ansätzen der Rechtsextremismusprävention vertraut zu machen.

Auf Basis dieses Sachwissens wurde Selbstreflektion der Teilnehmenden als nächstes Ziel angestrebt. Wer sich fachlich mit Rechtsextremismus, mit Rassismus und Diskriminierung auseinandersetzen will, sollte sich der eigenen Position und ihrer Bedeutung für die eigene Arbeit bewusst werden. Dies gilt insbesondere für nicht oder wenig von Rassismus und Diskriminierung Betroffene, die eigene Privilegien nicht selten als selbstverständlich betrachten. Mit Hilfe dieser angeleiteten Selbstreflektion sollte den Teilnehmenden ermöglicht werden, eine individuelle, demokratische und menschenrechtsorientierte Haltung zu den Gegenständen der Qualifizierung einzunehmen.

Wissensvermittlung, Selbstreflektion und Haltungsentwicklung waren also als Teilziele konzipiert, die dem übergeordneten Ziel, qualifiziertes Handeln zu ermöglichen vorangingen. Diese Handlungsebene sollte die Teilnehmenden sich über Praxisprojekte (s. u.) aneignen.

Diese Zielkonzeption geht zurück auf den didaktischen Dreischritt Wissen-Haltung-Handeln, der der MQ:Rex zugrunde lag:

  1. Wissen: Wissen über diverse Organisationen, Strategien und Aktionsformen zu Rechtsextremismus, Rassismus, Diskriminierung und Rechtsextremismusprävention

  2. Haltung: Entwicklung einer individuellen, demokratischen und menschenrechtsorientierten Haltung

  3. Handeln: Umsetzen des erlernten Wissens durch qualifiziertes Anwenden auf Grundlage einer reflektierten und transparenten Haltung

Inhalte

Die Fortbildung MQ:Rex ging von der arbeitsweltlichen Praxis der Teilnehmenden aus und versetzte die angehenden Multiplikator_innen in die Lage, in unterschiedlichen Settings qualifiziert gegen rechte und menschenverachtende Einstellungen zu handeln und für ein demokratisches Miteinander einzutreten. Von Anfang an standen praxisrelevante Inhalte im Fokus. Bespiele aus der Präventions- und Interventionsarbeit flossen in die modulare Fortbildung mit ein. Es kamen Expert_innen sowie ehemalige Absolvent_innen der Fortbildung zu Wort, um aus ihrem Erfahrungsschatz und der beruflichen Praxis zu berichten.

In vier thematischen Blöcken und einem Abschlussblock vermittelte die Fortbildung praxisnahes Wissen zu Rechtsextremismus, Rassismus und den Möglichkeiten präventiven Handelns. Die Teilnehmenden erhielten den Raum, vorhandene Erfahrungen einzubringen, zu reflektieren und an der eigenen Haltung im Eintreten für eine demokratische Gesellschaft zu arbeiten. Ausführlich wurden präventive und interventive Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Rechtsextremismus und Rassismus vorgestellt. Im Mittelpunkt stand dabei die Anwendbarkeit in der jeweiligen professionellen Praxis der Teilnehmenden. Mit der Trias aus Wissen-Haltung-Handeln vermittelte die MQ:Rex neben dem notwendigen Grundlagenwissen die Fähigkeit, kontextbezogen Position zu beziehen und angemessen auf gesellschaftliche Entwicklungen zu reagieren. Ziel der Fortbildungsreihe war es, die Teilnehmenden in ihrer individuellen Handlungssicherheit zu stärken und Akteur_innen aus unterschiedlichen Praxisfeldern miteinander zu vernetzen.

Die MQ:Rex bestand von Beginn an aus fünf Modulen, die zwar im Laufe der Zeit inhaltliche Modifikationen erhalten haben, aber in ihrer Intention und Anlage ähnlich blieben. Die umfassende Vermittlung von Wissen, bestehend aus theoretischen Grundlagen, Begriffen, wissenschaftlichen Debatten und analytischen Einordnungen in den politischen Prozess bildete die Grundlage. Das Erkennen von Entwicklungslinien, Netzwerken und Denkrichtungen unterlag immer einem reflektierenden Prozess der Referent_innen und der Projektleitung. Deshalb existiert kein einheitliches Bild der Inhalte der MQ:Rex für den gesamten Zeitraum ihrer Existenz. Stattdessen entwickelte sie sich unter dem Gesichtspunkt aktueller Ereignisse, des Entstehens neuer Parteien und Gruppen sowie sich ändernder Politikstile weiter.

Durch die Referent_innen und die Projektleitung fand also eine ständige Modifikation des Inhalts statt, die aktuelle Debatten, Tendenzen und neue Phänomene integrierte. Besonders die Jahre 2014 und 2015 veränderten den Aufbau der MQ:Rex enorm. Neue Strukturen wie das Netzwerk Pegida, oder die Erfolge der AfD fanden Einzug in den Themenplan. Im Gegenzug wurden andere Themenbereiche verkürzt, oder auch teilweise gestrichen. Als Beispiel dient das neonazistische Phänomen der "Autonomen Nationalisten", die zu Beginn der MQ:Rex als aktuelle Verhaltensform diskutiert wurden. Es verschwand in den folgenden Jahren zunehmend, da Gruppen aus dem Neonazispektrum kaum noch in diesem Stil auftraten und der Ansatz spätestens mit dem Auftauchen der "Identitären Bewegung" (IB) fast völlig verschwand. Diese Aktualisierung von Wissensbeständen war notwendig, um den Teilnehmenden immer aktuelle Handlungsmöglichkeiten für ihre praktische Arbeit zu garantieren.

Das zeigt sich auch mit Blick auf die erwähnte "Identitäre Bewegung", die sich 2012 als ein Internetphänomen konstituierte und ab 2014 regelmäßig in der Öffentlichkeit durch Aktionen auffiel. War in den Lehrgängen 2013-2015 die Gruppe eher eine Randerscheinung bei der Vorstellung von Phänomenen des Rechtsextremismus, so als Beispiel für deren Aktivitäten im Internet, änderte sich das durch ihre bundesweiten Aktionen ab 2015. Gerade im Zuge der Proteste um Pegida, aber auch in Anlehnung an AfD-Politiker_innen sowie den Thinktank "Ein Prozent e.V." schafften es Gruppen der IB immer wieder Aktionen zu platzieren, die eine größere Öffentlichkeit erreichten. Dadurch wuchs auch deren Anhängerschaft in den sozialen Medien, so dass hier professionellere Konzepte entwickelt wurden, um gezielter vor allem Jugendliche und junge Erwachsene anzusprechen. Das Prinzip der Identitären, mit popkulturellen Elementen, eine gezielte Hinführung an ihre politischen Ziele zu realisieren, hatte durchaus Erfolg. In den Jahren 2016-1019 entstanden im Umfeld der IB nicht nur politische Projekte, sondern auch in Bereiche wie Musik und Kleidung konnte das Netzwerk expandieren und größere Zielgruppen unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen erreichen. Die MQ:Rex hatte somit ein neues Phänomen in ihrem Programm, das besonders für Teilnehmende, die mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen arbeiten, eine zunehmende Brisanz besaß. Gerade angesichts des Stils der IB, popkulturell zeitgemäß aufzutreten und dabei technisch neueste Trends zu nutzen, war es für Teilnehmende vorerst schwierig, einen Ansatz zu finden, um deren autoritäre und elitäre Ziele zu dekonstruieren. Wenngleich die IB ab 2018 aufgrund neuester Entwicklungen nicht mehr mit der Intensität behandelt wurde wie in den Jahren zuvor, blieb sie als ein Beispiel für die hohe Agilität im Internet sowie den aktiven Versuch, junge Menschen für ihr Weltbild zu gewinnen, weiterhin im Programm. Andere Phänomene kamen dazu, sodass ab 2018 mit der Agitation in sozialen Netzwerken sowie der medialen Strategie ein weiterer Schwerpunkt bei der Wissensvermittlung entstand. Die Diskussion um Hate Speech und Rassismus im Netz war ein weiterer Punkt in der Fortbildungsreihe, der an Bedeutung gewann und ein wichtiger Bestandteil der MQ:Rex wurde.

Ähnliche Entwicklungen waren bei den Netzwerken um Pegida oder auch in der Neonaziszene vorhanden. Besonders die Neonaziszene spielte in den ersten Jahrgängen eine wichtige Rolle und wurde in fast allen Modulen als Kernthema behandelt. Die Selbstenttarnung des NSU im November 2011 und dessen unentdeckte Mordserie zeigten, dass die deutsche Szene ein unterschätztes gewalttätiges Potential besaß, das vor allem Menschen mit Migrationshintergrund stark verunsicherte. Eine direkte Folge für die MQ:Rex war, dass Sensibilisierungsprozesse mit in die Fortbildung integriert wurden und Rassismus als strukturelles Problem den Teilnehmenden vermittelt wurde. Welche Folgen für direkt betroffene Menschen solche Ereignisse hatten und haben, wie eine Seminarleitung mit möglicherweise traumatisierten Menschen umgehen kann und welche Auswirkungen bei der Vermittlung von Inhalten in Workshops entstehen können, wurde in der MQ:Rex vermehrt thematisiert und ständig reflektiert. Gerade Rassismus war in den kommenden Jahren für die Teilnehmenden ein wichtiges Themengebiet, was nicht nur Diskussionen bei der Fortbildung auslöste, die lösungsorientiert moderiert wurden, sondern auch die Sensibilität bei der Auswahl von Methoden und Inhalten vergrößerte. In diesem Zusammenhang war es ein Gewinn für die Leitung der MQ:Rex, auf einen Pool von Expert_innen zurückzugreifen, die aus verschiedenen Fachbereichen stammten und die Fortbildung bereicherten. Die Ergebnisse der Teamdiskussion konnten in den Modulen umgesetzt werden, wovon auch die Teilnehmenden profitierten.

Beispielhafter Ablauf der Fortbildungsreihe: MQ:Rex 2019

Um das bisher Dargestellte besser nachvollziehbar zu machen, stellen wir im Folgenden den Aufbau der Qualifizierung aus dem Jahr 2019 beispielhaft vor:

Block 1 Rechtsextremismusprävention
Leitfragen: Rechtsextremismus, was ist das eigentlich? Und was kann ich dagegen tun? Ist Rechtspopulismus bloß alter Wein in neuen Schläuchen?

Themen: Definitionen von Rechtsextremismus; Abgrenzung Rechtsextremismus-Rechtspopulismus; Ausmaß und Verbreitung rechtsextremer Einstellungen; Programme und Ansätze der Rechtsextremismusprävention

Block 2 Rassismus und Diskriminierung
Leitfragen: Woher kommt Rassismus? Was für Auswirkungen hat er auf unsere Gesellschaft? Was kann man gegen Rassismus im Alltag tun?

Themen: Einführung Rassismus; Diskriminierung und Anti-Diskriminierung; Rassistische Gewalt und die Situation der Betroffenen; das Konzept nicht-rassistischer Bildungsarbeit

Block 3 Rechtspopulismus und Rechtsextremismus
Leitfragen: Deutschnationale, Rechtspopulist_innen, Neonazis – alles eins? Woran erkenne ich Neonazis heute? Einmal Nazi immer Nazi?

Themen: Rechtsextreme Organisationen und Lebenswelten; Einstiegs- und Ausstiegsprozesse; Geschlechterverhältnisse in der extremen Rechten; die Perspektive der Opfer rechter Gewalt

Block 4 Qualifiziert handeln – aber wie?
Leitfragen: Was tue ich, wenn Neonazis meine Veranstaltung stören? Wie kann ich mich in meinem Job politisch positionieren? Wie schaffe ich es, einen kühlen Kopf in heißen Diskussionen zu behalten?

Themen: Möglichkeiten und Grenzen von Präventionsarbeit; Argumentieren gegen rechte und rassistische Parolen; Grundlagen der Bildungs- und Beratungsarbeit gegen Rechtsextremismus: Rechtliche Grundlagen im Handeln gegen Rechtsextremismus

Block 5 Zertifizierung, Praxisprojekte, Abschluss
Themen: Zertifizierung; Auswertung der Fortbildung und Vernetzung; Vorstellen der Praxisprojekte

Die Referent_innen

Grundlage für die Qualität der MQ:Rex waren die Expertise und das Engagement der Referent_innen der einzelnen Blöcke sowie der die ganze Reihe begleitenden Moderation. Bei der Zusammenstellung des Teams war es unser Ziel, mit Expert_innen zu den unterschiedlichen Inhalten der Fortbildung zusammenzuarbeiten. Beteiligt waren Wissenschaftler_innen und politische Bildner_innen, die sich mit dem Themenkomplex befasst haben, sowie Praktiker_innen der Präventions- und Beratungsarbeit. Sie mussten in der Lage sein, komplizierte wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse auf der Praxisebene zu vermitteln und mit den heterogenen Teilnehmenden auf Augenhöhe zu arbeiten. Sie sollten den Teilnehmenden unterstützend ihre praktischen Erfahrungen und Möglichkeiten zur Umsetzung ihrer Praxisprojekte zur Verfügung stellen. Ihre Aufgabe war es nicht nur, die Inhalte zu vermitteln, sondern auch das Handwerkszeug für die weitere Arbeit als Multiplikator_innen mitzugeben.

Die jährlichen Treffen mit den Referent_innen und der Moderation hatten zudem eine große Bedeutung, um die Fortbildung für den nächsten Jahrgang vorzubereiten. Aus den Erfahrungen und den Feedbacks der Teilnehmenden wurde die Seminarreihe immer wieder modifiziert. Neue Methoden und Inhalte sowie grundsätzliche Veränderungen fanden immer wieder Einzug in die Fortbildungsreihe. Auf diese Weise unterstützten die Referent_innen über ihre eigenen Seminarblöcke hinaus auch die Qualitätssicherung und die Weiterentwicklung der gesamten Reihe.

Besonders hervorzuheben ist zudem die Rolle der Moderation, die die einzelnen Jahrgänge jeweils durchgehend begleitete und bei allen Blöcken anwesend war. Da die Referent_innen wechselten, sicherte die Moderation den Transfer zwischen den einzelnen Blöcken, nahm offene Fragen und weiteren Beratungsbedarf mit in kommende Veranstaltungen und unterstützte die jeweils neu hinzukommenden Referent_innen. Zudem war sie Ansprechperson für alle Fragen der Gruppe, sei es zum Umgang untereinander, zur Bereitstellung und Nacharbeitung von Lerninhalten oder zu den Praxisprojekten. Schließlich gestaltete die Moderation mit Referent_innen, die zwar Fachexpertise mitbrachten, aber weniger Erfahrung in der politischen Bildung besaßen, die Didaktisierung einzelner Seminarinhalte. Diese Institution war im Rückblick gerade hinsichtlich der Gruppenprozesse, der inhaltlichen Kohärenz und auch der Nachhaltigkeit des Gelernten von enormer Bedeutung für den Erfolg der MQ:Rex.

Zusammenarbeit mit dem Wissenschaftlichen Beirat von "Qualifiziert Handeln!"

Ebenfalls von zentraler Bedeutung für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung der Fortbildungsreihe war die Zusammenarbeit mit dem von der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) eingesetzten wissenschaftlichen Beirat von "Qualifiziert Handeln!". Der Beirat begleitete das Projekt MQ:Rex schon seit der ersten Durchführung mit der bpb mit seiner Expertise. Die Zusammenarbeit mit dem Beirat war von hohem Respekt und gegenseitiger Anerkennung geprägt.

Die Mitglieder haben Einblick in die Konzepte der einzelnen Module genommen und die Veränderungen im Laufe der Jahre unterstützt sowie vorangetrieben. Durch die zum Teil enge Zusammenarbeit mit den einzelnen Mitgliedern, die teils auch als Referent_innen der MQ:Rex fungierten, konnte eine Vertrauensbasis aufgebaut werden, aufgrund derer konstruktiv und offen über die Gestaltung der MQ:Rex gesprochen werden konnte. Ein zentraler, gewinnbringender Punkt in der Zusammenarbeit war, aktuelle politische Entwicklungen im Beirat zu besprechen und zu eruieren, ob sie sich auf die Inhalte der Fortbildungsreihe auswirken sollten. Gleiches galt für die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse und Studien, die von den Beiratsmitgliedern vorgestellt wurden, um sie gegebenenfalls in die Fortbildungsreihe zu intrigieren. Dies war ein großer Gewinn für uns als Modellprojekt von "Qualifiziert Handeln!".

Zielgruppen

Die Fortbildungsreihe MQ:Rex richtete sich an Multiplikator_innen aus pädagogischen und angrenzenden Tätigkeitsfeldern. Insgesamt haben 131 Personen die Fortbildung absolviert. Davon haben etwa 70 Prozent eine Zertifizierung erhalten. Die Teilnehmenden kamen aus kirchlichen Bildungsträgern, Parteien, dem THW, NGOs, Polizei, Bundeswehr, Gewerkschaften, Stadtverwaltungen, Projekten, Mobilen Beratungen, Schulen, Universitäten, der freiberuflichen Bildungsarbeit und anderen beruflichen Kontexten. Wert gelegt wurde auf eine bundesweite Zusammensetzung der Teilnehmenden. Diese sollte neben dem Einbringen unterschiedlicher Erfahrungen auch den Effekt haben, dass die Teilnehmenden sich untereinander vernetzen und nach dem Ende der MQ:Rex sich möglichst weiter austauschen und voneinander profitieren. Die Teilnehmenden empfanden dies als äußerst nützlich. So gibt es Jahrgänge, die sich noch heute austauschen und treffen. Ein fachlicher und methodischer Austausch fand auch nach dem Abschluss statt, da ein relativ hoher Anteil der Absolvent_innen aktiv politische Bildungsarbeit in den Themenbereichen praktiziert.

Mit der heterogenen Zusammensetzung der Gruppen einher ging eine größere Herausforderung für die Projektleitung. Dies waren die spezifischen Arbeitskontexte der Teilnehmenden und das Ziel, sie in ihrem Umfeld zu befähigen, Maßnahmen selbstständig durchzuführen. Unter anderem Pädagog_innen, Angehörige von Verwaltungen, Bildungsreferent_Innen aus Tagungsstätten, Angehörige von Industriebetrieben aus unterschiedlichen Altersklassen, wohnhaft im ganzen Bundesgebiet, waren bei der MQ:Rex vertreten. Diese unterschiedlichen Arbeitsbiographien waren eine didaktische Herausforderung. Die individuelle Betrachtung, wie in den Arbeitskontexten Maßnahmen initiiert werden könnten, war notwendig, um ein positives Ergebnis zu erzielen. Die Lösung war eine individuelle Betreuung der Teilnehmenden, die durchaus auch abseits der Seminarzeiten stattfand. Den Teilnehmenden sollte Sicherheit im Umgang mit den Inhalten und Methoden vermittelt werden, die testweise dann in den Praxisprojekten umgesetzt werden konnten. Dazu traten dynamische Synergieeffekte auf. Die Heterogenität der Arbeitsbiographien führte dazu, dass Teilnehmende Einblick in Branchen erhielten, die neue Erkenntnisse lieferten und damit auch Denkanstöße, um mögliche Schwierigkeiten zu bewältigen. Die Diversität der Arbeitsumfelder war deshalb ein wichtiger Bestandteil der MQ:Rex, der für die Teilnehmenden produktiv erschien.

Die Vernetzung der Teilnehmenden untereinander war ein weiteres Kriterium für den Erfolg der Maßnahmen. Das Vertrauensverhältnis, das durch die intensive und zeitaufwendige Seminarreihe aufgebaut wurde, führte zu einem engen Austausch und zu konstruktiven Diskussionen. Viele Teilnehmenden arbeiteten gemeinsam in den Praxisprojekten oder gaben sich kollegiale Unterstützung. Die kollegiale Fallberatung war eine Methode, die in der Fortbildung großen Anklang fand. Die Möglichkeiten, Fehler zu begehen und zu revidieren, führte auf vielen Ebenen zu einem Vertrauensverhältnis innerhalb der einzelnen Seminargruppen. Die Vernetzung war dadurch ein logischer Schritt, um auch nach der Fortbildung weiter in Kontakt zu bleiben und in diesem Themenfeld weiter zusammenzuarbeiten. Eine jahrgangsübergreifende Zusammenführung der Seminargruppe ist der Projektleitung leider nicht gelungen. Das hatte zum Teil logistische Gründe, scheiterte aber auch an mangelndem Interesse. Die Vernetzung über die Seminarzeit hinaus konnte allerdings durch die Frequentierung des Online-Lernraums bis heute wahrgenommen werden. Viele Teilnehmende stellen immer noch Veranstaltungen hinein und freuen sich über Nachrichten aus der Seminargruppe. Der fachliche Austausch, auch mit der Projektleitung und den Referent_innen, hält zum Teil noch bis heute an.

Praxisprojekte

Der Schwerpunkt der MQ:Rex liegt auf der Anwendung des praxisnah erworbenen Wissens im jeweiligen persönlichen und beruflichen Kontext. Die Praxisprojekte waren damit ein wesentlicher Bestandteil der Fortbildung. Die Idee dahinter war, dass die Konzeption und das eigenständige Durchführen eines Praxisprojektes, die Teilnehmenden befähigt, selbst zu einem späteren Zeitpunkt in die Rolle als Multiplikator_in hineinzuwachsen.

Die Teilnehmenden führten die Praxisprojekte im Rahmen der eigenen professionellen Tätigkeit durch und reflektierten Planung und Durchführung in einer schriftlichen Dokumentation. Diese umfasste das Konzept, die einzelnen Schritte der Durchführung sowie eine Reflexion des Gesamtprozesses. Alle Phasen des Praxisprojekts wurden fachlich durch die Moderation der MQ:Rex und Expert_innen des DGB Bildungswerk BUND begleitet. Der Erfolg der Praxisprojekte maß sich nicht an einer fehlerfreien Umsetzung, sondern der gemeinsamen Reflexion des Prozesses. Die MQ:Rex bot somit einen geschützten Raum, in dem sich ausgetauscht und gegenseitig unterstützt wurde. Die individuell gestalteten Praxisprojekte stellten den Transfer des erworbenen Wissens im jeweiligen beruflichen Kontext sicher und waren damit Herzstück und verbindlicher Teil der Gesamtausbildung. Anhand dreier Beispiele wollen wir das Vorgehen verdeutlichen und die inhaltliche wie konzeptuelle Breite der Praxisprojekte zeigen.

Projekt 1: Lokale NS-Erinnerung mit Jugendlichen als Rechtsextremismusprävention

Dieses Praxisprojekt wurde von einem Sozialarbeiter in einem Bildungszentrum entwickelt und durchgeführt. Sein Ziel bestand darin, Jugendliche und junge Erwachsene zu motivieren, sich mit historischen Spuren der Zeit des Nationalsozialismus und den aktuellen Formen des Rechtsextremismus in der eigenen Stadt zu befassen. Die Idee bestand darin, eine lebensweltliche Nähe in der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus zu ermöglichen und so auch aktuelle Formen der extremen Rechten sowie die ideologische Kontinuität rechtsextremistischen Denkens kennenzulernen. Zentral waren dabei Archivarbeit und Zeitzeug_innengespräche, die in einem gemeinsamen Dokumentarfilm mündeten.

Projekt 2: Entwicklung und Durchführung von Veranstaltungen für russischsprachige Communities

Im Rahmen des Modellprojekts "Politische Bildung von Migranten für Migranten" des Bundesverbandes russischsprachiger Eltern (BVRE) e. V. entstand durch einen Projektmitarbeiter und Teilnehmenden der MQ:Rex eine Veranstaltungsreihe für russischsprachige Menschen in Deutschland. Ziel war es, eine Plattform des Austauschs zu bieten und Vorbehalte gegenüber klassischen Formaten der politischen Bildungsarbeit abzubauen. Im Ergebnis fanden bundesweit fast zwanzig Abendveranstaltungen statt. Allein an den ersten acht Veranstaltungen nahmen mehr als 200 Menschen teil. Verschiedene politische Theaterstücke luden das Publikum zum Austausch über aktuelle politische Themen ein. Anschließend folgten Impulsvorträge, Podiumsdiskussionen oder Gruppenarbeiten, die kontroverse politische Debatten nicht scheuten. So wurde unter anderem über Herausforderungen und Gefahren diskutiert, die durch Nationalismus und andere Freund-Feind-Schemata in ihren länderspezifischen Erscheinungsweisen entstehen. "Auf Basis der gemachten Erfahrungen ist die weitere Entwicklung und Fortführung des politischen Theaters zu empfehlen", so das zufriedene Resümee des verantwortlichen MQ:Rex-Absolventen.

Projekt 3: Rechtsextremismus im Schulalltag begegnen – Ein praxisorientierter Workshop für Lehramtsstudierende

Zwei Studierende und Teilnehmende der MQ:Rex entwickelten ein Praxisprojekt, mit dem sie sich an Lehramtsstudierende der eigenen Universität wandten. Den Impuls gab das ortsansässige Zentrum für Lehrerbildung. Ziel war es zunächst, Studierende für die Themen Demokratiebildung und Rechtsextremismusprävention zu sensibilisieren. Schließlich sind insbesondere Studierende des Lehramts in ihrer späteren Tätigkeit darauf angewiesen, Affinitäten für demokratiefeindliche Orientierungen bei Kindern und Jugendlichen frühzeitig zu erkennen. In zweitägigen Workshops wurde angehenden Lehrerinnen und Lehrern Wissen über rechtsextreme Erscheinungsformen vermittelt. Gemeinsam erarbeiteten sie in interaktiven Methoden und Rollenspielen adäquate Handlungsmöglichkeiten für den schulischen Alltag. Der Workshop wurde an beiden Tagen von den beiden Teilnehmenden der MQ:Rex gestaltet und angeleitet. Sie konnten somit das erworbene Wissen selbst anwenden und weitergeben. Motivierend für beide war die Bereitschaft des Zentrums für Lehrerbildung, das Format auch langfristig in sein Programm aufzunehmen.

Die Teilnehmendenperspektive

Um einen beispielhaften Eindruck über die Erwartungen und Erfahrungen der Teilnehmenden, das Innenleben der Fortbildungsreihe und ihrer berufsbiografischen Wirksamkeit zu vermitteln, fügen wir an dieser Stelle ein Interview mit einer ehemaligen Teilnehmenden ein.
Die Interviewte, Anja Meitner, war zur Zeit ihrer Teilnahme an der MQ:Rex (2015) Referentin der Parlamentsdidaktik in der Verwaltung des Landtages Brandenburg.

Wo begegnen dir die Themen der MQ:Rex in deinem beruflichen Alltag?
Am häufigsten in Form alltagsrassistischer Bemerkungen, die insbesondere von Jugendlichen geäußert werden. Es fallen Sprüche wie "Ey du scheiß...". Auch wenn das in Klassen häufig als Scherz gemeint ist, passiert natürlich trotzdem etwas mit den Betroffenen. Daneben sind es andere Formen von Diskriminierung, die in latenter oder stärkerer Weise immer wieder auftreten. Das alles treibt mich schon länger um, die Fortbildung hat meinen Blick da noch mal geschärft, so dass ich heute denke: Es ist nicht möglich, Bildungsarbeit zu machen, ohne Rassismus und andere Diskriminierungsformen mitzudenken.

Was war der Grund, dich für die MQ:Rex anzumelden?
Ich hatte bereits in meiner vorherigen Tätigkeit immer mal wieder Fälle, die ich als klaren Rassismus bezeichnen würde. Das waren keine gestandenen Nazis, aber die Jugendlichen kokettierten mit rechten Sprüchen und Symbolen. Da habe ich gemerkt, wie ich an meine Grenzen stieß und mich oft hilflos fühlte. Zunächst suchte ich nach Grundlagenwissen über Rechtsextremismus und Rassismus. Ich hatte außerdem die Hoffnung, mit neuen Methoden und in einem geschützten Rahmen auszuprobieren, wie ich mit solchen Situationen umgehe. Auch für mein Handeln im Privaten: Diese Problematik, dass ich nicht weiß, wie ich mit Sprüchen umgehen soll, habe ich auch im Privatleben, und da ist es sogar noch schwerer, darauf zu reagieren.

Haben sich deine Erwartungen erfüllt?
Meine Erwartungen haben sich erfüllt, und sogar eine, die ich so vorher gar nicht hätte formulieren können: die MQ:Rex hat dazu angeregt, sich mit der eigenen Haltung auseinanderzusetzen. Man hat da gar nicht mehr den einen Moment, wo man denkt, oh, jetzt muss ich das anwenden, was ich gelernt hab, oder jetzt muss ich mir darüber Gedanken machen, wie ich reagiere. Das merke ich sowohl im Beruflichen wie auch im Privaten. Ich kann bestimmte Sprüche oder rassistische Äußerungen jetzt nicht mehr so leicht ignorieren. Die MQ:Rex hat mir den Mut gegeben, zum ersten Mal auch in meinem privaten Umfeld den Mund aufzumachen.

Wo fließen die Themen der MQ:Rex heute in deinen beruflichen Alltag ein?
Die MQ:Rex war für mich der Anstoß, mich zum ersten Mal mit geschlechtergerechter Sprache zu beschäftigen. Ich habe dann noch weiter recherchiert und festgestellt, dass Sprache etwas mit der Realität insbesondere von Jugendlichen macht. Das hat auch eine Relevanz in Bezug auf die Prävention von Rechtsextremismus, weil es ja um Ungleichwertigkeitsvorstellungen geht – und ich achte heute auch in meiner professionellen Tätigkeit mehr darauf. Mit meinen Teamenden komme ich zu regelmäßigen Workshops zusammen. Ich versuche dort, die Themen immer mitschwingen zu lassen. Das reicht aber nicht, eigentlich müssen die Teamenden sich selbst damit auseinandersetzen. Das kann man nun mal nicht für andere tun! Man kann anregen, aber mehr auch nicht.

Schlussfolgerungen

Abschließend wollen wir fünf Aspekte aus den Erfahrungen mit der MQ:Rex hervorheben, die sich unseres Erachtens bewährt haben und sich gegebenenfalls zur Übertragung in ähnliche Angebote und andere Zusammenhänge anbieten.

Genügend Zeit zum Lernen und Diskutieren

Vier dreieinhalbtägige inhaltliche Blöcke mit Vor- und Nachbereitung verlangten den Teilnehmenden der MQ:Rex-Jahrgänge viel ab. Doch erwies sich dieser umfangreiche Zeitrahmen als notwendig, um erstens das Phänomen Rechtsextremismus in seiner Breite erfassen zu können, um zweitens nicht Zeit beim praxisorientierten Diskutieren des Erlernten streichen zu müssen und um drittens und vor allem einen Gruppenbildungsprozess zu ermöglichen, der eine offene, lernbereite und fehlertolerante Zusammenarbeit zwischen den Teilnehmenden ermöglichte.

Interdisziplinäres Team

Das Referent_innen-Team aus Wissenschaftler_innen und poltischen Bildner_innen mit verschiedenen fachlichen Hintergründen und thematischen Schwerpunkten gewährleistete einen multiperspektivischen Blick auf die Gegenstände, der zudem immer am aktuellen Kenntnisstand der Forschung ausgerichtet war. Dass einige Referent_innen zudem Erfahrungen in der Beratung und Prävention mitbrachten, erleichterte den Transfer des Wissens in die professionellen Handlungsfelder der Teilnehmenden.

Moderation

Die Moderation, die keine Seminarinhalte selbst anleitete, aber bei allen Blöcken anwesend war, entwickelte sich zum Herzstück der MQ:Rex. Als Unterstützung der Referent_innen, als Ansprech- und Vertrauensperson für die Teilnehmenden und als Garantin für inhaltliche Kohärenz, war sie ein unverzichtbarer Bestandteil.

Anleitung zur Selbstreflektion der Teilnehmenden

In unserem didaktischen Dreischritt Wissen-Haltung-Handeln steht zwischen dem fachlichen Wissenserwerb und dem darauf aufbauenden Handeln als letztem Ziel der Bildungsmaßnahme, die auf Basis des erworbenen Wissens durch unterstützte Selbstreflektion entwickelte Haltung. Wer sich fachlich mit Rechtsextremismus, mit Rassismus und Diskriminierung auseinandersetzen will, sollte sich der eigenen Position und ihrer Bedeutung für die eigene Arbeit bewusst werden. Die MQ:Rex bot hierfür einen geschützten Raum.

Begleitete Praxiserfahrung: Qualifiziert Handeln

Durch die Praxisprojekte konnten die Teilnehmenden das zentrale Ziel der MQ:Rex, sie in ihrem Arbeitsumfeld in die Lage zu versetzen, als Multiplikator_innen der Rechtsextremismusprävention tätig zu werden, direkt auf die Probe stellen. Die unterstützte Anwendung des Erlernten in den jeweiligen Bereichen half, individuell auf die Teilnehmenden zugeschnittene Inhalte und Methoden aus der Fortbildung auszuwählen und zu vertiefen. Gerade dies war für viele Teilnehmende ein wichtiger Schritt, um selbst aktiv in ihrem Umfeld zu werden.

DGB Bildungswerk BundPraxisprojekte

Praxisprojekte, die von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Rahmen der Fortbildung selbst konzipiert werden, sind ein wesentlicher Bestandteil der Angebote des DGB Bildungswerks Bund. Damit Sie sich ein Bild von den Inhalten und möglichen Ergebnissen der Fortbildungen machen können, finden Sie hier beispielhaft einige Praxisprojekte aus den vergangenen Jahrgängen:

Interner Link: PDF Praxisprojekte DGB

Fussnoten

Fußnoten

  1. Für die Zertifizierung war die Teilnahme an allen Modulen sowie die Durchführung und schriftliche Reflexion eines Praxisprojekts erforderlich.

  2. Der Lernraum ist eine Online-Lernplattform des DGB-Bildungswerk BUND auf Basis von Moodle. Ab 2014 wurde er in der MQ:Rex als Kommunikationsplattform und für die Dokumentation sowie Bereitstellung von Seminarinhalten und Materialien genutzt.

  3. Mehr Informationen zu diesen und weiteren Praxisprojekten aus der MQ:Rex in dieser Übersicht bei der Bundeszentrale für politische Bildung: Praxisprojekte: Multiplikator/innenqualifizierung Rechtsextremismus – Prävention & Intervention, Externer Link: https://www.bpb.de/system/files/dokument_pdf/Praxisprojekte%20DGB.pdf (9.12.2021).

  4. Vgl. Björn Allmendinger/Kai Venohr, Rechtsextremismusprävention in der politischen Erwachsenenbildung, in: Hans-Peter Hufer/Dirk Lange (Hrsg.), Handbuch Politische Erwachsenenbildung, Schwalbach 2016, S. 141-152, hier S. 147.

Weitere Inhalte

Dr. Mark Haarfeldt ist Historiker und Bildungsreferent beim DGB Bildungswerk BUND. Seine Schwerpunkte sind neue Rechte, Neonazismus sowie extreme Rechte und Rassismus im Fußball. Er war zuerst Referent der MQ:Rex und war von 2018-2020 für die Organisation und Durchführung für das DGB Bildungswerk BUND zuständig.

Ulf Teichmann ist Historiker und arbeitet als Bildungsreferent beim DGB Bildungswerk BUND zur Rechten in der Arbeitswelt, zu Rassismus, Diskriminierung und in der politischen Erwachsenenbildung. 2017 hat er die Organisation und Durchführung der MQ:Rex für das DGB Bildungswerk BUND begleitet.

Kai Venohr ist Sozialwissenschaftler und arbeitet als Projektleiter und Bildungsreferent beim DGB Bildungswerk BUND. Schwerpunkte: Rechtsextremismusprävention, Rassismus, Diskriminierung und Erinnerungskultur. Er war Projektleiter der MQ:Rex.