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"Wir beteiligen uns." Weiterbildungsreihe des Dachverbandes der Evangelischen Akademien in Deutschland | Qualifiziert handeln! | bpb.de

Qualifiziert handeln! Dynamisierung, Ausdifferenzierung, Ausweitung – Zur Veränderung des Rechtsaußenspektrums in Deutschland im Zeitraum 2010-2020 "breit aufgestellt!" – Fortbildung zur Prävention von Ungleichwertigkeitsvorstellungen "Wir beteiligen uns." Weiterbildungsreihe des Dachverbandes der Evangelischen Akademien in Deutschland MQ:Rex – Multiplikatorenqualifizierung Rechtsextremismus – Prävention und Intervention (2014-2019) Zwischen Anschlussfähigkeit und Irritation: Wie Evaluation die Wirksamkeit politischer Bildung erhöht Lifehacks politischer Erwachsenenbildung DIAS - Demokratie in der Arbeitswelt stärken Redaktion

"Wir beteiligen uns." Weiterbildungsreihe des Dachverbandes der Evangelischen Akademien in Deutschland

Christine Dotterweich

/ 20 Minuten zu lesen

Wie können Ehrenamtliche für die Konfrontation mit Rechtsextremismus und abwertenden Haltungen sensibilisiert werden? Erfahrungen der Evangelischen Akademien im Fortbildungskonzept "Qualifiziert handeln!".

(© Tumisu/Pixabay)

Seit 2013 bietet die bpb gemeinsam mit dem DGB Bildungswerk Bund, dem Bundesarbeitskreis Arbeit und Leben und den Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. unter dem Titel "Qualifiziert handeln!" unterschiedliche Weiterbildungskonzepte zum Thema Rechtsextremismus und abwertende Haltungen an. Die Angebote der einzelnen Partner richteten sich jeweils an unterschiedliche Zielgruppen.

"Wir beteiligen uns.", die Weiterbildungsreihe der Evangelischen Akademien in Deutschland e. V. (EAD) richtete sich dabei an Menschen, die sich ehrenamtlich oder freiwillig engagieren oder mit ehrenamtlich oder freiwillig engagierten Menschen zusammen-arbeiten. An zwei Modulreihen konnten je 20 Personen teilnehmen, die sich an jeweils drei verlängerten Wochenenden zu verschiedenen Themen trafen. Der Ansatz, eine Weiterbildungsreihe für diese Personengruppe anzubieten, wird im Folgenden beschrieben.

Warum eine Reihe für freiwillig Engagierte?

Ausgangspunkt für die Weiterbildungsreihe war die Annahme, dass aufgrund des Bevölkerungsrückgangs in ländlichen Räumen Gemeinden, Landkreise und deren Verwaltungen zusammengelegt, Angebote des öffentlichen Nahverkehrs gestrichen und Schulen, Kindergärten, Jugendeinrichtungen, Krankenhäuser etc. geschlossen werden. Dadurch werden Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Teilhabe für diejenigen, die auf dem Land bleiben, eklatant eingeschränkt und reduziert. Oft fehlt es aufgrund der geringen Siedlungsdichte sogar an der "kritischen Masse" für zivilgesellschaftliche Vereinigungen, die Zusammenschlüsse entlang spezifischer Interessen ermöglichen könnten. Zudem erschwert sich die alltägliche Kommunikation innerhalb der vorhandenen Organisationen. Diese spezifischen Bedingungen können die Ausbreitung bzw. Verfestigung rechtsextremer Strukturen begünstigen. So nutzen beispielsweise rechtsextreme Parteien die Gelegenheit, sich als "Kümmerer" und "Lösungsbringer" zu präsentieren. Sie bieten mit einfachen Slogans vermeintlich schnelle Lösungen an. Darüber hinaus gelingt es rechtsextremen Personen in ausgedünnten Strukturen leichter, vorhandene Ehrenamtsstrukturen zu unterwandern. So werden beispielsweise von dieser Gruppe Hausaufgabenhilfen und Suppenküchen angeboten. Eine besondere Rolle nehmen hier die Frauen ein: Sofern sie selbst Mütter sind, bieten sie ihre Hilfe in Kindergärten oder bei Schulfesten an und bauen so Strukturen mit auf, die es anderen Eltern erschweren, sie als demokratiefeindlich zu identifizieren.

Solche Entwicklungen frühzeitig zu unterbinden bzw. als Zivilgesellschaft handlungsfähig zu bleiben, muss ein prioritäres Ziel politischer Bildung sein. Prävention darf nicht nur auf junge Menschen gerichtet sein. Vielmehr muss Prävention im Rahmen politischer Bildung gerade auch bei der mittleren und älteren Altersklasse ansetzen. Es sind vor allem Personen dieser Altersklassen, die häufig mit Jugendlichen zu tun haben, die im Dorf ein Ehrenamt oder andere Positionen innehaben, welche ihnen ein frühzeitiges Handeln bei extremistischen Erscheinungsformen ermöglichen. Um angemessen handeln zu können und auch im eigenen Engagement gestärkt zu werden, braucht es Unterstützung. Eine solche Unterstützung hat die Weiterbildungsreihe "Wir beteiligen uns." durch Qualifizierung, Netzwerkbildung und kollegialen Austausch angeboten.

Die Zielgruppe: Freiwillig Engagierte

Zielgruppe der Weiterbildungsreihe waren freiwillig Engagierte aus ländlichen und aus strukturschwachen Räumen. Das können freiwillig aktive Mitarbeiter:innen der Landfrauen, des Bundes Naturschutz, der Wasserwacht, der Kirchengemeinde, der Rettungsstaffel, der Feuerwehr, von Sportvereinen sein, aber auch ehrenamtlich Tätige bei Hausaufgabenhilfen, in einem Dorfverein, in Dorfläden, Büchereien, bei Dorffesten, im Karnevalsverein, ehrenamtlich tätige Bürgermeister:innen und viele mehr. Die Möglichkeiten für freiwilliges Engagement sind vielfältig – und damit auch die angestrebte Zielgruppe der Weiterbildung. Die Weiterbildung kann auch für Hauptamtliche interessant sein, insbesondere dann, wenn diese Personen mit Ehrenamtlichen arbeiten (z. B. Freiwilligenkoordinator:innen, Betreuer:innen von FSJ oder FÖJ). Auch bezüglich des Alters werden bei der Zielgruppe keine Einschränkungen gemacht, um Alt und Jung zusammenbringen zu können.

Es handelte sich bei den Teilnehmenden der Weiterbildungsreihe also um eine sehr heterogene Gruppe. Die Herausforderungen, die sich daraus ergeben, müssen von den Trainer:innen und der durchführenden Organisation EAD gleichermaßen angegangen werden: sowohl in der Vorbereitung (Erreichen der Zielgruppe, Ansprache) als auch in der Durchführung (alle abholen und einbeziehen, Bedürfnisse hören und darauf eingehen etc.) und Nachbereitung (ob alle dieselben technischen Möglichkeiten haben, ob Dokumente im Nachgang per Post verschickt werden müssen etc.).

Ziele der Weiterbildungsreihe

Politische Bildung im Rahmen der Weiterbildung

Das politische Bildungsanliegen der Weiterbildung zielte in einem grundsätzlichen Sinne auf die Entwicklung der politischen Beteiligungskompetenzen der Teilnehmenden als aktive Bürger:innen und damit auf die Entwicklung einer lebendigen Demokratie bzw. Zivilgesellschaft. Die Weiter-bildung leistete einen Beitrag der politischen Bildung zur Reflexion der sozialen, kulturellen und politischen Bedingungen für das ehrenamtliche Engagement der Teilnehmenden. Wichtige Aspekte waren unter anderem die Überprüfung des eigenen Demokratieverständnisses, die Reflexion von eigenen Werten und denjenigen anderer Menschen und des Umgangs damit. Eine besondere Herausforderung für engagierte Menschen ist dabei einerseits die Begegnung mit Menschen, die aufgrund ihrer Sozialisation in einem anderen Kulturkreis andere Vorstellungen über die Funktionsweise einer Gesellschaft haben, z. B. in einem Land ohne funktionierende rechtsstaatliche Demokratie.

Diese Herausforderung tritt häufig beim Engagement für geflüchtete Personen oder Migrant:innen auf. Andererseits sind Menschen, die sich in bestimmten Kontexten engagieren, verstärkt mit Haltungen aus dem Bereich des Rechts-populismus oder Rechtsextremismus konfrontiert, die antidemokratische, ausgrenzende oder explizit menschenfeindliche Positionen beinhalten: Viele Engagement-Projekte erleben Gegenwind oder Anfeindungen von "besorgten Bürgerinnen und Bürgern" oder Gruppierungen, die sich ebenfalls als engagiert bezeichnen. Die Weiterbildung hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, den Teilnehmenden der Reihe Werkzeuge für kompetentes Handeln in die Hand zu legen und sie als Repräsentanten einer demokratischen Zivilgesellschaft weiterzubilden.

Heterogenität der Zielgruppe der Weiterbildungsreihe

Die Heterogenität der Teilnehmendengruppe an der Weiterbildungsreihe ist im Kontext politischer Bildung bedeutsam. Intendiert ist, dass der Austausch der verschiedenen Lebens- und Engagementerfahrungen der Teilnehmenden zu einem Weiterbildungsmehrwert wird. Das bezieht die Frage nach einer Konzeption und Dramaturgie der Module mit ein, die diesen Mehrwert erzielen können. Hierzu gehört, dass die Teilnehmenden mit ihren Erfahrungen und Kenntnissen als Expert:innen ("kollegiales Lernen") in den einzelnen Modulen einbezogen werden. Es wird angenommen, dass die Heterogenität der Zielgruppe positiv für die Lern- und Austauschprozesse der Weiterbildung genutzt werden kann.

Vermittlung von Informationen und Fähigkeiten zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements

Die Qualität von Informationsvermittlung steht immer in einer Beziehung zu den Möglichkeiten der Informationsverarbeitung. Daher hat die Informationsvermittlung die Aufgabe, Reflexions- und Diskussionsprozesse anzuregen. Genau das war auch das Anliegen der Weiterbildungsreihe: Anregungen zu vermitteln, das eigene Handeln, das Handeln der Institution und den Umgang miteinander zu reflektieren und zu diskutieren. Denn gerade in einem informellen Tätigkeitsbereich wie dem ehrenamtlichen Engagement ist die Vermittlung von Kompetenzen und Fähigkeiten, die Teilnehmenden in ihrem zivilgesellschaftlichen Engagement stärken, eine wichtige Aufgabe. Es gilt, Fähigkeiten wie z. B. Kommunikation, Projektorganisation oder Freiwilligenmanagement zu vermitteln. Da die Zielgruppe der Weiterbildung heterogen war, war eine Herausforderung der Reihe, inwiefern es gelingt, den Teilnehmenden mit ihren jeweiligen Voraussetzungen Informationen und Fähigkeiten bedarfsgerecht zu vermitteln, beispielsweise im Hinblick auf Teilnehmende ohne akademischen Hintergrund oder mit Migrationshintergrund. Inwiefern das gelungen ist, kann im Grunde nur eine externe Evaluation zeigen.

Schaffung einer Anerkennungskultur

Die Gestaltung der Weiterbildung basierte auf der Erkenntnis, dass Motivation und Anerkennung entscheidende Faktoren für ein nachhaltiges Engagement der Teilnehmenden sind. Die Weiterbildung hat es sich daher zur Aufgabe gemacht, auch innerhalb der Reihe Anerkennung und Wertschätzung für ein nachhaltiges Engagement der Teilnehmenden gegen extremistische oder menschenfeinfeindliche Einstellungen und für eine aktive Zivilgesellschaft zu vermitteln. Das geschah beispielsweise durch die Gestaltung der Kommunikation vor, innerhalb und nach den Weiterbildungsveranstaltungen, durch empathisches Zuhören, auch in den Pausen, durch Aufgreifen von inhaltlichen Änderungswünsche und durch die Gestaltung von Rahmenbedingungen. So wurden auch die Durchführungsorte als gewinnbringend erlebt und die Ruhe der Umgebung sehr geschätzt. Ebenso wurde geschätzt, dass die Trainer:innen Expert:innen in ihren jeweiligen Themenfeldern waren und sowohl während als auch nach den Modulen sich für Fragen zur Verfügung stellten.

Inhalte der Weiterbildung – vom Ehrenamt zur Rechtsextremismusprävention

Um die genannte Zielgruppe für die Weiterbildung zu gewinnen, mussten die Themen entsprechend attraktiv gewählt werden. Da das Thema "Rechtsextremismus und Prävention" eine gewisse Sensibilität erfordert, war ein kluger Einstieg nötig, der die Zielgruppe in ihrem Wirkungsfeld abholt. Von da an wurde sich schrittweise den Themen Demokratie und Rechtsextremismus genähert. Es wurde überlegt, was freiwillig engagierte Menschen brauchen, um demokratiefeindlichen Phänomenen, die ihnen im Alltag begegnen (können), etwas entgegenzusetzen bzw. einen Umgang damit finden zu können. Aus dieser Grundannahme heraus wurde die Weiterbildungsreihe modular mit verschiedenen Themenschwerpunkten aufgebaut. Die anfangs drei Module wurden nach einem Jahr durch weitere Module (4-6) ergänzt und schließlich immer wieder modifiziert. Auf Änderungen im Laufe der Jahre wird an späterer Stelle genauer eingegangen.

Die Module hatten folgende Inhalte:

Modul 1: Projekte für gesellschaftliche Vielfalt entwickeln und umsetzen
Im ersten Modul stand das Thema Projektmanagement im gemeinnützigen Bereich im Vordergrund. Es stellte gleichzeitig eine Einleitung dar, in der u. a. noch einmal Informationen zur aktuellen Situation des bürgerschaftlichen Engagements vorgestellt wurden. Weiterhin ging es um die Entwicklung und Bewerbung von bürgerschaftlichen Projekten. Ein besonderer Fokus wurde auf die Gewinnung von Mitstreiter:innen und den Umgang mit Freiwilligen in Projektteams (z. B. Berücksichtigung von Engagementtypen, Führung von Erstgesprächen, Umgang mit schwierigen Situationen, Anerkennungskultur) gelegt. Um einen hohen Praxisbezug des Moduls zu gewährleisten, wurde mit Erfahrungen und Beispielen aus der Gruppe gearbeitet. Ziel des Moduls war es, Menschen der Zielgruppe zunächst anzusprechen und dort abzuholen, wo ihr Ausgangspunkt war.

Modul 2: Kreativ und demokratisch Entscheidungen treffen
Im zweiten Modul musste es gelingen, behutsam den Bogen zum Thema "Prävention" und "Demokratie" zu schlagen. Hier wurde eine Form gewählt, die zunächst einmal demokratische Entscheidungsfindungen im eigenen Handeln und persönlichen Alltag überprüft. Es ging um demokratische Grundprinzipien, die gerade im Bereich des freiwilligen Engagements von großer Bedeutung sind – einerseits weil das zivilgesellschaftliche Engagement Grundwerte der Demokratie verteidigt, andererseits weil die meisten engagierten Gruppen in ihrer Arbeitsweise ein (basis-)demokratisches Grundverständnis haben. Demokratische Entscheidungsprozesse bergen viele Herausforderungen, die die Teilnehmenden mittels interaktiver Übungen aus dem israelischen Programm "Betzavta" analysieren und erfahren sollten. So ging es in diesem Modul um Grundprinzipien der demokratischen Entscheidungsfindung, den Umgang mit Minderheiten, das eigene Verständnis von Demokratie, Entscheidungs- und Beteiligungsprozesse in engagierten Gruppen, das Verhältnis von individuellen Bedürfnissen und kollektiven Entscheidungen und die Vermittlung von demokratischen Werten.

Modul 3: Ist Kommunikation wirklich alles?
Das dritte Modul musste Verschiedenes leisten: die Reihe thematisch vollenden und zugleich formal und organisatorisch gut abschließen. Gewählt wurde daher der Themenkomplex "Kommunikation". Wurde im zweiten Modul die Auseinandersetzung mit der persönlichen Wahrnehmung thematisiert, richtete das dritte Modul den Blick nach außen und schulte die Teilnehmenden in ihrer Kommunikation, auch im Umgang mit demokratiefeindlichen Äußerungen. Dem Modul lag die Annahme zugrunde, dass kommunikative Kompetenz sich nicht durch die Anhäufung theoretischen Wissens auszeichnet, sondern in der Praxis durch eine andauernde korrigierende Interaktion mit anderen eingeübt wird. Kommunikation kann neue Wege in Entscheidungssituationen und bei Konflikten öffnen. Kommunikation kann gleichzeitig ein klares "Stopp!" setzen, wenn eine Toleranzgrenze überschritten ist. Abgrenzung von extremen Sichtweisen und den eigenen Standpunkt zu vertreten sind wichtige Elemente, um Wertschätzung mit dem Bekenntnis für demokratische Grundwerte zu kombinieren. In diesem Modul lernten die Teilnehmenden daher Modelle der Kommunikation und des Umgangs mit Konflikten kennen. Diese Modelle wurden auf die Seminargruppe selbst angewendet, aber auch auf Beispiele des Engagements der Teilnehmenden. Gemeinsam wurde ausgelotet, wo Kommunikation ihre Grenzen erreicht und welche alternativen Wege für den Umgang mit extremen Standpunkten möglich sind.

Ab 2018: Modul 3: Extremismus im Netz
Dieses Modul wurde 2018 erstmalig angeboten. Populistische, extremistische oder menschen­feindliche Gruppierungen benutzen mittlerweile verstärkt das Internet und erreichen dort eine mediale Präsenz, die es in dieser Form noch nicht gab. Auch für die Organisationsformen und die Arbeitsweisen dieser Gruppen spielt das Netz mittlerweile eine zentrale Rolle. Ein Beispiel dafür ist die Alt-Right-Bewegung. Das Modul widmete sich daher zunächst den verschiedenen Erscheinungsformen von Extremismus und Menschenfeindlichkeit im Internet, stellte Strategien der Nutzung von Social Media vor und beschäftigte sich mit Phänomenen wie Hate Speech, Trollen, Memes, Agenda Setting und Shitstorms.

Ergänzung der Reihe um die Module 4-6 ab 2016
Nach einem ersten Durchlauf im Jahr 2015 wurde die Reihe um weitere Module (4-6) ergänzt:

Modul 4: Flucht und Geflüchtete – meine Werte, deine Werte?
2015 gründeten sich viele Initiativen, deren Ziel es war (und ist), Menschen mit Fluchthintergrund ehrenamtlich zu unterstützen und Hilfe anzubieten. Dabei stellte sich heraus, dass es nicht immer ohne Hürden geht. Wie gehe ich mit einem anderen kulturellen Hintergrund um? Kann ich alles verstehen? Wo sind meine Grenzen? Gleichzeitig zeigte sich, dass gesellschaftspolitische Diskurse in Deutschland zunehmend in der Gefahr stehen, in quasi absoluten Kategorien geführt zu werden. Besonders bei den Auseinandersetzungen um Flucht, Migration, Religion, Kultur und Terrorismus ist zu beobachten, dass demokratische Konfliktfähigkeit zugunsten von absoluten Wertvorstellungen aufgegeben wird. Vertreter jeweils anderer Positionen werden dabei scharf verurteilt, ihnen wird die Legitimation oftmals abgesprochen. Dies ist im zivilgesellschaftlichen Bereich beobachtbar, aktuell auch zunehmend im politischen Diskurs verschiedener Parteien sowie in den Medien, so die Grundannahme in diesem Modul. Die Teilnehmenden setzten sich mittels praktischer Übungen mit diesen Themen auseinander. Eingeleitet wurde das Modul von einer Einführung zum Thema "Asylrecht".

Modul 5: Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Was kann ich tun, wo sind meine Grenzen?
Das fünfte Modul widmete sich antidemokratischen Einstellungen und Strukturen und dabei besonders ihren Erscheinungsformen in ländlichen Räumen. Woran erkennt man rechtsextremistisches Gedankengut? Und wie verhält man sich als Ehrenamtliche:r? Themen waren unter anderem: Ideologie und Erscheinungsformen des Rechtsextremismus, Menschenfeindlichkeit und Ungleichheitsideologien, rechtsextreme Organisationsformen, Strategien und Symbole sowie die Entwicklung von Handlungsstrategien im Umgang mit extremen Phänomenen. Dabei wurde an praxisorientierten Fragestellungen aus der Gruppe gearbeitet, besonders im Hinblick auf Akteure, die mit geflüchteten Menschen arbeiten.

Modul 6: Einfach mal darüber reden. Positive Kommunikation in der Öffentlichkeitsarbeit
Im sechsten Modul der Reihe und damit im Abschlussmodul wurde mit den Teilnehmenden erprobt, wie auch sperrige Themen so kommuniziert werden können, dass sie eine positive Wirkung nach außen haben: Wie kommuniziere ich, für etwas zu sein? Wie kann ich Menschen motivieren und auf mein Projekt/mein Engagement aufmerksam machen? Die Teilnehmenden erlernten, wie mittels Storytelling Online und Offline (Flüchtlings-)Initiativen erzählend auf sich aufmerksam machen, erfuhren, wie mithilfe von Social Media auch mit einem kleinen Budget eine große Wirkung erzielt werden kann, und erprobten praktisch, Texte zu schreiben, die begeistern. Das alles fand mittels "positiver und gewaltfreier Kommunikation" statt, die das gesamte Modul kennzeichnete.

Ab 2017: Modul 6: Gewaltfreie Kommunikation in der Arbeit mit Ehrenamtlichen
Es zeigte sich, dass der Themenblock "Gewaltfreie Kommunikation" mehr Raum braucht und eine Verquickung mit dem Thema "Öffentlichkeitsarbeit" weder dem einen noch dem anderen Thema und auch nicht den Teilnehmenden gerecht wurde. Daher wurde ab 2017 ausschließlich das Thema "Gewaltfreie Kommunikation in der Arbeit mit Ehrenamtlichen" angeboten. Die Idee der "Gewalt-freien Kommunikation" ist es, empathisch (also mit Anteilnahme und Empfindsamkeit) miteinander umzugehen, zuzuhören und zu kommunizieren. Ein solches empathisches Miteinander kann helfen, Situationen, die wir als rassistisch, menschenverachtend oder gewaltvoll erleben, friedvoll zu lösen. Gewaltfreie Kommunikation soll helfen, sich ehrlich und klar auszudrücken und zuzuhören. Sie ist auf die Bedürfnisse und Gefühle gerichtet, die hinter Handlungen und Konflikten stehen. Die Seminar-gruppe beschäftigte sich mit Fragen wie "Höre ich zu oder interpretiere ich sofort?", "Kann ich wertfrei zuhören?", "Wie drücke ich mich aus, wenn mir das Verhalten meines Gegenübers nicht gefällt?", "Warum verhält sich mein Gegenüber so, wie er es tut?" und ähnlichem.

Umsetzung

Erreichung von Ehrenamtlichen: nichts leichter als das?

Ziel der Reihe war es, pro Jahr 20 Teilnehmende zu gewinnen und möglichst breit im Bundesgebiet aufgestellt zu sein. Kein leichtes Unterfangen. Um diese Gruppe von Menschen zu erreichen, wurden daher drei unterschiedliche Zugangswege gewählt:

Persönliche Ansprache
Diese Form der Teilnehmendenakquise hat sich als eine der nützlichsten erwiesen. 2015 wurden vor Beginn des ersten Moduls Fachgespräche an den jeweiligen Weiterbildungsorten durchgeführt. Zu diesen Fachgesprächen wurden Multiplikator:innen eingeladen, gemeinsam das Angebot der Weiterbildung zu diskutieren und sowohl jene Punkte herauszuarbeiten, die für Ehrenamtliche entweder nicht attraktiv erscheinen als auch solche, die zwar auf Interesse stoßen, aber eine Spezifizierung hinsichtlich der Besonderheiten der Region oder des Ehrenamtes benötigen. Zentral war dabei die Frage, ob sich die Multiplikator:innen vorstellen können, dass die Weiterbildung für Ehrenamtliche aus ihren Kreisen interessant und hilfreich ist.

Empfehlungen durch ehemalige Teilnehmende
Insbesondere von Empfehlungen der ehemaligen Teilnehmenden profitierte die Reihe. Ehemalige Teilnehmende baten darum, in Verteiler zur Reihe aufgenommen zu werden und animierten Menschen aus ihrem Umfeld, an der Reihe teilzunehmen, wenn eine neue Runde in Aussicht stand. Diese Akquiseform war die erfolgreichste und es ist eine große Freude zu sehen, dass die Weiterbildung so großen Anklang fand und eben weiterempfohlen wurde.

Die sogenannte "Kalt-Akquise" als dritter Weg
Flyer wurden verschickt an Institutionen, die im jeweiligen Bundesland mit Ehrenamtlichen arbeiten bzw. an Ehrenamtsnetzwerke (sofern diese vor Ort existieren) wie zum Beispiel Freiwilligenagenturen. Außerdem wurde in Newslettern (Newsletter "Diskurse" der Evangelischen Akademien in Deutschland, BBE-Newsletter, Newsletter der Stiftung Mitarbeit etc.), Internetportalen und in Zeitschriften (z. B. Chrismon) auf die Weiterbildung aufmerk-sam gemacht.

Insgesamt war die Teilnehmendenakquise äußerst erfolgreich. Pro Durchlauf mussten Wartelisten geführt werden, die Nachfrage nach "Wir beteiligen uns." war groß.

Durchführungsorte

Die Weiterbildung fand pro Jahr an zwei Standorten der Evangelischen Akademien in ganz Deutschland statt. Dabei wurden jeweils die Module 1-3 oder die Module 4-6 angeboten. Im Jahr 2020 wurde die Reihe aufgrund der Corona-Pandemie in den digitalen Raum verlegt und fand ab März 2020 ausschließlich online statt.

Team der Weiterbildungsreihe: Trainer:innen und pädagogische Begleitung vor Ort, Projektassistenz und Projektkoordination im Büro

Von Anfang an galt es, Anerkennungskultur zu fördern und den roten Faden über alle Module aufrecht zu erhalten. Um das zu gewährleisten waren bei den Modulen immer sowohl Trainer:innen als auch eine pädagogische Begleitung anwesend. Die pädagogische Begleitung war dabei bei allen Modulen dieselbe, Vertrauen konnte aufgebaut werden, Trainer:innen wurden über die vorausgegangenen Module gebrieft und der rote Faden wurde aufrechterhalten. Die Trainer:innen waren je nach Modulthema unterschiedlich: sei es die "Beratergruppe Ehrenamt" für Modul 1, das "Centrum für angewandte Politikforschung" für Modul 2 und 4, "tausendhochdrei" für Gewaltfreie Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit, "Peripheria" sowie ein Bibliothekar und Schriftsteller für das Modul "Kommunikation", das "Regionalzentrum für Demokratische Kultur" Rostock, "Aktion Zivilcourage" und "Kulturbüro Sachsen" für den Themenbereich Rechtsextremismus oder ein freier Journalist für das Thema "Hate Speech". So vielfältig wie die Teilnehmenden waren auch die Trainer:innen.

Zugeschnitten auf die Wünsche der Teilnehmenden fanden ergänzende Vorträge durch externe Referent:innen statt.

Hinter den Kulissen sorgten die Projektassistenz und die Projektkoordination für einen reibungslosen Ablauf, kümmerten sich um die Teilnehmendenakquise, erstellten Materialien und Weiterbildungsunterlagen und erledigten die anfallenden administrativen Aufgaben. So wurde sichergestellt, dass die Teilnehmenden vor, während und auch nach Abschluss der Module stets feste Ansprechpartner:innen hatten, die ihnen mit Rat und Tat zur Seite standen.

Besonderheiten der Weiterbildungsreihe

  • Zielgruppe

Die Besonderheit der Reihe liegt bei der Zielgruppe: freiwillig engagierte Menschen in der gesamten Bandbreite zivilgesellschaftlichen Engagements. Von freiwillig Engagierten aus etablierten und festen Institutionen wie z. B. Feuerwehr über freiwillig Engagierte aus Initiativen und Vereinen bis hin zu freiwillig Engagierten aus Selbsthilfegruppen. Mit dem Wissen um die Heterogenität einer solchen Zielgruppe war die Idee der Vernetzung und des Lernens voneinander in einer breiten Vielfalt verbunden.

  • Betzavta

Betzavta als ein Modul der Reihe war insofern etwas Besonderes, als es sich von der Methode her deutlich von gängigen Trainingsmethoden unterscheidet. Beztavta ist eine Methode, die zur Selbstreflexion anregt, in Konflikte führt – und keine eindeutige Lösung parat hat. Kein leichtes Unterfangen. Hintergrund, ein solches Modul abzuhalten, ist, dass Betzavta als Beitrag zur Demokratiebildung ein großes Potenzial hat, Prozesse anzustoßen.

  • Durchführungsorte

Die Evangelischen Akademien als Orte der Durchführung waren insofern eine Besonderheit, als diese sich durch ihre Abgeschiedenheit auszeichnen. Die Möglichkeit, sich auf die Module zu konzentrieren sowie Orte, die aus dem Alltag herausführen und Ruhe mit sich bringen, können Vernetzung und Austausch unbedingt befördern.

  • Serviceangebot

Die Weiterbildungsreihe wurde überwiegend aus Fördermitteln gezahlt, die Teilnehmenden mussten lediglich einen Beitrag von 30 Euro pro Moduleinheit (also für die Module 1-3 oder die Module 4-6) entrichten. Diese Herangehensweise liegt in der Zielgruppe begründet: Freiwillig engagierte Menschen sollten nicht in das Dilemma gelangen, sich die Weiterbildung "leisten" zu können. Vielmehr sollte die Reihe allen freiwillig Engagierten potenziell offenstehen. Die Materialkosten wurden für Unterlagen zu den einzelnen Modulen eingesetzt, für Ordner und Stifte, die allen beim ersten Modul zur Verfügung gestellt wurden und behalten werden durften. Außerdem wurde für alle Teilnehmenden themenbezogene Literatur der bpb als Modulbeigabe zur Verfügung gestellt. Zum Abschluss jedes Moduls erhielten die Teilnehmenden eine Dokumentation.

Praxis: Wer kam und was hat sich im Laufe der Zeit verändert?

Heterogene Zielgruppe

Tatsächlich hat die Erreichung der Zielgruppe gut funktioniert. Offensichtlich ist der Bedarf nach Angeboten im Themenfeld Demokratiestärkung da. Die Teilnehmendengruppe der Weiterbildungsreihe war sehr vielfältig, die Bandbreite der Engagementbereiche und Institutionen, aus denen Menschen an der Weiterbildungsreihe teilgenommen haben, sehr hoch. Sie reichte von sozialem über sportliches bis hin zu kirchlichem Engagement. Aber auch Freiwilligenkoordinator:innen, also institutionalisiertes Engagement, nahmen an der Weiterbildungsreihe teil. Menschen mit Migrationshintergrund und/oder Fluchterfahrung waren ab 2015 zunehmend an der Weiterbildung interessiert. Neben der kulturellen Vielfalt gab es auch eine Vielfalt im Alter: von 21 Jahren bis 71 Jahren war die Bandbreite groß, der Durchschnitt lag bei ca. 53 Jahren.

Die Heterogenität war nicht immer einfach und stellte die Trainer:innen und die pädagogische Begleitung auch immer wieder vor Herausforderungen: verstehen alle, was ich sage? Muss die Sprache angepasst werden im Sinne von leichter Sprache und braucht es evtl. gar jemanden, der dolmetscht?

Die Teilnehmenden selbst empfanden die Heterogenität als bereichernd. Das haben sie in den Feedbackbögen, die jeweils am Ende eines Moduls von den Teilnehmenden ausgefüllt wurden, zum Ausdruck gebracht.

Veränderungen im Laufe der Jahre (Module, Zielgruppen, Pandemie)

Änderung der Reihenfolge ab 2019
2018 wurde die Weiterbildungsreihe von ArtSet evaluiert. Als eine Handlungsempfehlung wurde vorgeschlagen, die Reihenfolge der Module anzupassen. Als Begründung wurde die weitere Optimierung der ablaufenden Gruppen- und Lernprozesse genannt. So wurde vorgeschlagen, das Modul "Betzavta" zu einem späteren Zeitpunkt zu verorten, da sich die Gruppe dann bereits besser kennt und mit der teils doch konfrontativen und sehr auf Selbstreflexion angelegten Methode besser umgehen kann. Des Weiteren wurde vorgeschlagen, das Modul "Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit" als grundlegenderes Thema vor dem Modul "Extremismus im Netz" stattfinden zu lassen. Daraus ergab sich folgender Ablauf, der ab 2019 auch so aufgenommen wurde:

  • Modul 1: Projekte für gesellschaftliche Vielfalt entwickeln – Mitstreiter gewinnen

  • Modul 2: Flucht und Geflüchtete – meine Werte, deine Werte?

  • Modul 3: Rechtsextremismus und gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit

  • Modul 4: Extremismus im Netz – Umgang mit Hatespeech

  • Modul 5: Kreativ und demokratisch Entscheidungen treffen (Betzavta)

  • Modul 6: Gewalt erzeugt Gegengewalt: Wie lässt sich das ändern? Gewaltfreie Kommunikation in der Arbeit mit Ehrenamtlichen und im Umgang mit extremen Positionen.

Zielgruppe: Veränderungen?
Die Zielgruppe der Reihe ist relativ konstant geblieben. Verändert hat sich der Anteil an Menschen mit Flucht- oder Migrationshintergrund. Hier konnten wir einen deutlichen Zuwachs wahrnehmen, ab 2017 waren nicht nur zunehmend Menschen aus Initiativen, die sich dem Thema Geflüchtete annahmen, Teilnehmende der Weiterbildung, vielmehr nahmen eben auch Menschen mit Migrationshintergrund teil. Sprachlich stellte das Trainer:innen sowie pädagogische Begleitung hin und wieder vor Herausforderungen. Gleichzeitig fanden sich immer wieder Personen aus dem Kreis der Teilnehmenden, die als Dolmetscher fungierten.

Pandemie 2020: Herausforderung digitales Angebot
Die Corona-Pandemie machte es 2020 erforderlich, die Module online anzubieten. Konnten Modul 4 und 5 zu Beginn des Jahres noch in Präsenz stattfinden, musste Modul 6, das für März 2020 geplant war, digital stattfinden. Der Übergang von der Präsenz zum Digitalen lief nicht ganz reibungslos: Die Teilnehmenden hatten z. T. große Hemmungen, teilweise fehlte es an der technischen Ausstattung. Um zumindest Ängste abzubauen, wurden die Teilnehmenden dort abgeholt, wo sie jeweils standen: Durch persönliche Telefonate wurden vermeintliche technische Hemmschwellen abgebaut, es wurde gemeinsam nach Lösungen gesucht und auch die Vorteile einer digitalen Durchführung wurden stark gemacht. Deutlich wurde: In der Zielgruppe 60+ waren deutliche Berührungsängste mit dem Digitalen zu spüren. Dem konnte vor allem durch direkte persönliche Unterstützung entgegengewirkt werden.

Um das Modul selbst möglichst reibungslos zu starten, fand eine Woche vor dem eigentlichen Modul ein Technikcheck statt. Die Teilnehmenden konnten sich mit der Videokonferenzplattform vertraut machen, Funktionen wurden erläutert und ausprobiert, gegebenenfalls auftretende technische Schwierigkeiten konnten behoben werden.

Diese Herangehensweise wurde für die weiteren digitalen Module 1-3 ebenfalls beibehalten. Aufgrund der frühzeitigen Entscheidung, ausschließlich digital zu arbeiten, wurde die Reihe entsprechend beworben. Die Anmeldezahlen waren mit über 40 Personen überraschend hoch. Um gut arbeiten zu können, wurden aber auch hier weiterhin nur 20 Personen zugelassen.
Online-Module bieten neben Herausforderungen auch eine Menge Möglichkeiten:

So wurde didaktisch völlig unterschiedlich gearbeitet: Im Modul 1 wurde mit einer Online-Lernplattform gearbeitet, die die Beratergruppe Ehrenamt selbst eingerichtet hatte. In anderen Modulen wurde viel mit Break-Out-Sessions und Tools wie "Padlet" gearbeitet. Auch Praktisches und Haptisches fehlte nicht: Da die Erfahrung zeigt, dass das ausschließliche Lernen vor dem Bildschirm ermüdend ist, wählten beispielsweise die Trainer des Moduls "Gewaltfreie Kommunikation" zusätzlich praktische Elemente, die die Teilnehmenden in Einzelarbeit bewerkstelligen konnten.
So blieb das Gehörte nicht nur abstrakt, sondern wurde in die eigene Erfahrungs- und Lebenswelt integriert.

Das Feedback zur digitalen Reihe war durchweg positiv. Da Reise- und Übernachtungskosten wegfielen, konnte für die Teilnehmenden der digitalen Module 1-3 das Modul "Gewaltfreie Kommunikation" zusätzlich als freiwilliges Modul angeboten werden. Die Teilnehmenden nutzen dieses Angebot.

Qualitätssicherung

Eine wichtige Säule in der Durchführung der Module war die Qualitätssicherung. Diese funktionierte auf unterschiedlichen Wegen:

  • Evaluationsbogen nach jedem Modul für die Teilnehmenden

  • Wissenschaftliche Evaluation durch ArtSet

  • Weiterentwicklung mit Partnern und Fachbeirat

Evaluationsbogen

Um die Module entsprechend der Qualität bewerten zu können, wurden die Teilnehmenden nach jedem Modul gebeten, einen zweiseitigen klassischen Evaluationsbogen auszufüllen, in dem der Gesamteindruck abgefragt wurde sowie die Materialien und die Rahmenbedingungen bewertet werden konnten. Zudem wurden über Freitextfelder Anregungen und Kritik der Teilnehmenden aufgenommen. Anhand dieser Auswertungen war es den Veranstaltern möglich, die Module auszuwerten und eventuell notwendige Anpassungen vorzunehmen.

Wissenschaftliche Evaluation durch ArtSet

Ein wichtiges Element in der Qualitätssicherung war die Evaluation der Reihe durch ArtSet. Die umfangreiche Begleitung durch das Institut ermöglichte "einen Blick von außen". Insbesondere sollte die Evaluation die Elemente politischer Bildung im Rahmen der Weiterbildung, die Heterogenität der Zielgruppe, die Vermittlung von Informationen und Fähigkeiten zur Stärkung des zivilgesellschaftlichen Engagements sowie die Schaffung einer Anerkennungskultur innerhalb der Weiterbildungsreihe beleuchten.

Aufgrund der Evaluation wurde die Reihenfolge der Module angepasst. Außerdem wurde der Punkt "Politische Bildung in der Weiterbildungsreihe" deutlicher hervorgehoben. Es stellte sich heraus, dass politische Bildung zwar implizit stattfand und dies den Veranstaltern klar war, jedoch nicht immer den Teilnehmenden. Daher wurde dieser Punkt in den Modulen durch die pädagogische Begleitung noch einmal deutlicher gemacht mittels einer kleinen Einführung. In Absprache mit den Trainer:innen wurde darüber hinaus in den einzelnen Modulen immer wieder der Bezug zur politischen Bildung hergestellt.

Neben Evaluationsinstrumenten war der Austausch mit den Projektpartnern ein wichtiges Element der Qualitätssicherung im Verlauf der Reihe.

Weiterentwicklung mit Partnern und Fachbeirat

Mit den am Programm "Qualifiziert handeln!" beteiligten Partnern bpb, DGB Bildungswerk Bund, Arbeit und Leben und dem wissenschaftlichen Beirat fand ein fachlicher Austausch sowie ein Austausch über Erfahrungswerte statt. Fragen wie "Wie erreichen wir unsere Zielgruppen?", "Was läuft gut, wo gibt es Herausforderungen?" wurden gemeinsam erörtert.

Der wissenschaftliche Beirat setzte dabei wichtige Impulse und stellte sicher, dass die umgesetzten Inhalte stets den neuesten Forschungsstand im Blick hatten. Er bestand aus Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus den Fachgebieten Politikwissenschaft, Soziale Arbeit, Soziologie und Didaktik der politischen Bildung.

Neue Modulkonzepte von "Wir beteiligen uns." wurden erst mit den Projektpartnern und dem Beirat vorgestellt und besprochen, bevor sie in die Umsetzung gingen. Das war ein wichtiges Element, konnten so doch an der ein oder anderen Stelle früh Konzeptanpassungen vorgenommen und Sorge dafür getragen werden, dass sich neue Module gut in die Reihe einfügen.

Schlussbemerkung

Die Reihe "Wir beteiligen uns." erfreute sich über die gesamte Laufzeit einer hohen Nachfrage. Die Umstellung auf eine digitale Reihe erhöhte die Nachfrage gar noch. Die Teilnehmenden bestätigen in den Feedback-Bögen den positiven Eindruck der pädagogischen Begleitung: Die Module wurden durchweg gut bewertet, die Vielfalt der Trainer gelobt und die heterogene Zusammensetzung der Seminargruppe als bereichernd empfunden. Die externe Evaluation der Reihe bestätigte die Wirkung im Handeln im Sinne der politischen Bildung, wie sich abschließend an diesem Auszug aus zwei Interviews mit Teilnehmenden zeigt:

"Was ich da mitgenommen habe in der Fortbildungsreihe, hat mich zu einem relativ verständnis-vollen Menschen gemacht, ich habe sogar zum Teil verstanden, warum Menschen so extrem rechts oder links sind." oder "Die Fortbildung hat bewirkt, dass ich anders an die Sache herangehe, nicht direkt reagiere, sondern erst einmal die Person zum Gespräch einladen würde. Sonst hätte ich direkt reagiert, vielleicht auch aggressiv reagiert, und gar nicht lösungsorientiert."

Weitere Inhalte

Christine Dotterweich ist Bereichsleiterin für Öffentlichkeitsarbeit und politische Bildung beim Dachverband Evangelische Akademien in Deutschland e. V. Als Diplom-Pädagogin und systemische Beraterin hat sie in verschiedenen Institutionen zu den Themen Zivilgesellschaft, Demografischer Wandel und Extremismusprävention gearbeitet. Für die Evangelischen Akademien in Deutschland konzipierte sie die Weiterbildungsreihe "Wir beteiligen uns." im Rahmen des bpb-Programms "Qualifiziert handeln".