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26.5.2002 | Von:
Eckhard Knappe
Sonja Optendrenk

Reform des Gesundheitswesens bleibt aktuell

Durch die heutige Organisation des Gesundheitswesens haben sich einige nachteilige Änderungen ergeben. So wird beispielsweise eine optimale Kostenminimierung und Ausrichtung der Leistungen an den Bedürfnissen der Patienten verfehlt.

I. Einleitung

Die Vielzahl der staatlichen Eingriffe in das deutsche Gesundheitswesen insbesondere in den letzten zwei Jahrzehnten und die Ankündigung weiterer Reformmaßnahmen zeigen, dass die aktuellen wie zukünftigen Probleme noch nicht gelöst sind. In der Regel sind die Reformvorhaben kurzfristig orientiert und nicht ursachenadäquat; sie führen zu einer vorübergehenden Ausgabendämpfung in der Gesetzlichen Krankenversicherung, ohne dass sich der alte Trend bei den Ausgaben nachhaltig ändert [1] .


Zusätzlich zu den schon seit langem bestehenden Finanzierungsproblemen im Rahmen des medizinischen Fortschritts und den versicherungsbedingten Ausgabenanstiegen [2] werden zukünftig zwei Entwicklungen die Gesundheitspolitik bestimmen: der demographische Wandel und die europäische Integration.


Der demographische Wandel einer Bevölkerung wird durch die Entwicklung der Geburtenrate und der Lebenserwartung sowie die Netto-Wanderungsströme bestimmt. Diese drei Determinanten bestimmen folglich auch den demographischen Wandel in Deutschland. Dieser ist gekennzeichnet durch eine Verringerung der Geburtenhäufigkeit. Die sinkende Geburtenrate führt sowohl zu einer Verschiebung in der Altersstruktur als auch langfristig zu einer Abnahme der Gesamtbevölkerung. Die steigende Lebenserwartung wirkt der Bevölkerungsabnahme teilweise entgegen, verstärkt allerdings die Alterung der Bevölkerung. Diese Entwicklung wird an der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland nicht ohne Folgen vorbeigehen. Sie wird sich bezüglich ihrer Einnahmenorganisation und ihres Leistungskataloges anpassen müssen.

Auch die zunehmende europäische Integration erfordert Anpassungen des Systems der Gesundheitssicherung. Grenzüberschreitender Handel mit Gesundheitsleistungen findet schon heute bei Arzneimitteln, Medizintechnik, aber auch bei ambulanten und stationären Leistungen statt. Grundlage für die Erstattung solcher Leistungen sind bisher Entscheidungen des Europäischen Gerichtshofes (EuGH) und deutscher Obergerichte. An die Stelle gerichtlicher Einzelfallentscheidungen müssen in Zukunft dauerhafte verbindliche Regelungen für die Leistungserbringer und die Krankenkassen treten (Qualitätsstandards, Finanzierung, Erstattung etc.).

Fußnoten

1.
Vgl. für einen kurzen Überblick Susanne Erbe, Kostenexplosion im Gesundheitswesen?, in: Wirtschaftsdienst, 80 (2000) 5, S. 308-311.
2.
Vgl. Eckhard Knappe/Alexander Rosar, Medizinisch-technischer Fortschritt unter den Rahmenbedingungen des Gesundheitssektors der Bundesrepublik Deutschland, in: Joachim Klaus/Paul Klemmer (Hrsg.), Wirtschaftliche Strukturprobleme und soziale Fragen, Berlin 1988, S. 389-411.