Um gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den USA zu demonstrieren, knien Spieler des Footballteams der Woodrow Wilson High School in Camden während der Nationalhymne

16.3.2018 | Von:
Ousmane Power-Greene

Der Geist von King Cotton. Afroamerikaner und das Vermächtnis der Sklaverei im Reich der Baumwolle - Essay

King Cotton in der Kultur

Angesichts dieser Wende in der Geschichtsschreibung überrascht es nicht, dass sich auch Theaterautoren sowie Künstlerinnen und Künstler von der Verbindung zwischen Sklaverei und Textilindustrie inspirieren lassen. Ein Beispiel dafür ist das Stück "King Cotton" von Jimmy McGovern, das vom Theater The Lowry und der Liverpool Culture Company in Auftrag gegeben und 2007 zur Erinnerung an die Abschaffung des transatlantischen Sklavenhandels im Jahr 1807 uraufgeführt wurde.

McGoverns Theaterstück beschäftigt sich mit der Situation afroamerikanischer Sklaven, die im Namen von King Cotton ausgebeutet wurden, und dem damit verknüpften Leben der weißen Textilarbeiter im englischen Lancashire. Als ein Sklave namens Sokoto seinen Herrn tötet und auf einem Schiff in die Nordstaaten flieht, trifft er auf Tom, einen weißen Arbeiter in einer Textilfabrik, der sich den Konföderierten angeschlossen hat, weil der Amerikanische Bürgerkrieg verheerende Auswirkungen auf die englischen Textilstädte hat, die auf die Baumwolle angewiesen sind. McGoverns Stück geht über die populäre romantische Darstellung der Südstaaten mit ihren Baumwollplantagen hinaus, wie man sie in Filmen wie "Vom Winde verweht" (1936) findet, und bringt ebenso die globale Dynamik der Baumwolle zum Ausdruck wie die Abhängigkeit der versklavten Afrikaner und der britischen Arbeiter, die King Cotton am jeweiligen Ende der Produktionskette dienten.[12]

Auch wenn das Stück versucht, eine komplexere Geschichte von der globalen Bedeutung der Sklaverei zu erzählen, konzentriert es sich überwiegend auf die Darstellung der Vergangenheit und weniger auf das Vermächtnis von King Cotton als Symbol, das Afroamerikaner noch heute heimsucht. Die Herrschaft der Baumwolle brachte Not und Entbehrung für Menschen auf beiden Seiten des Atlantiks, doch das Stück bietet keinen Ansatzpunkt, dieses Vermächtnis heute zu überdenken. Stattdessen bleibt die kulturelle Erinnerung an Sklaverei und Baumwolle auf die Vergangenheit beschränkt und nimmt kaum Bezug auf die Gegenwart, allenfalls gedenkt man dem schweren Los der weißen Arbeiterklasse, der im Laufe des Stücks bewusst wird, wie viel Schweiß und Blut in die Produktion der Baumwolle geflossen ist, die in England weiterverarbeitet wurde. So wird kaum etwas vom bleibenden Erbe King Cottons vermittelt, und nach der Vorstellung gehen die Besucherinnen und Besucher des Theaters womöglich in eine Bar und trinken ein Glas King Cotton Best Bitter der Manchester Brewing Company, ohne zu ahnen, welchen Widerwillen ein Bier mit einem solchen Namen bei Afroamerikanern auslösen kann.

Auch Werbeagenturen und Hotelbesitzer verwenden den Begriff und benennen Produkte und Lokale nach King Cotton ohne Gespür für dessen negative Assoziation mit der Sklaverei. In Memphis wurde das Hotel de Voy in den 1940er Jahren in King Cotton umbenannt. Es blieb ein Mittelpunkt des innerstädtischen Lebens, bis die überwiegend weiße Kundschaft nach der Ermordung von Martin Luther King Jr. 1968 und den anschließenden Spannungen in den 1970er Jahren ausblieb. 1984 wurde das Hotel abgerissen. Ebenfalls in Memphis stellt das Unternehmen Monogram Foods Hot Dogs unter dem Namen King Cotton her. Die Firma verwendet nicht nur den Namen, sondern rief ihre Kunden sogar vor kurzem dazu auf, King-Cotton-Erinnerungsstücke zum Kundendienstcenter in Memphis zu bringen, wo sie ausgestellt werden sollen, "um die reiche Geschichte der Marke zu feiern".[13]

Fußnoten

12.
Vgl. Dominic Cavendish, King Cotton: This Slavery Saga is Another Cracker from McGovern, 20.9.2007, http://www.telegraph.co.uk/culture/theatre/drama/3668023/King-Cotton-This-slavery-saga-is-another-cracker-from-McGovern.html«.
13.
Siehe http://www.monogramfoods.com/our-brands/king-cotton«.
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