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Um gegen die Diskriminierung von Schwarzen in den USA zu demonstrieren, knien Spieler des Footballteams der Woodrow Wilson High School in Camden während der Nationalhymne

16.3.2018 | Von:
Christian Werthschulte

Space is the Place. Kursorischer Trip durch den Afrofuturismus

Rückkehr nach Afrika

In Afrika selbst machen afrofuturistische Künstler seit einigen Jahren vermehrt klassische afrikanische Mythen zum Thema: "Der Afrofuturismus fragt heute, wie eine afrikanische Zukunft aussehen könnte", erklärt Kodwo Eshun. "Hier zeigt sich ein Verlangen, das indigene, theoretische und politische Wissen Afrikas neu zu erfinden." Die nigerianisch-amerikanische Autorin Nnedi Okorafor ist exemplarisch für diese Strömung. Nach dem Ausscheiden von Ta-Nehisi Coates ist sie die neue Autorin der Comicreihe "Black Panther". In ihrem Roman "Lagoon" (2014) bedient sie sich jedoch eines klassischen Hollywood-Themas: dem Erstkontakt mit einer außerirdischen Spezies – wobei sie die Handlung nach Nigeria verlegt. In ihrer Novelle "Binti" verwandelt sie eine Coming-of-Age-Story in eine afrofuturistische Parabel.

Während Okorafor also hybride Erzählformen benutzt, um ihre nigerianisch-amerikanische Sozialisation auszudrücken, wird in anderen aus Afrika stammenden, afrofuturistischen Kunstwerken satirische Kritik an der angloamerikanischen Dominanz im Afrofuturismus geübt. Der Film "Crumbs" (2015) des spanischen Regisseurs Miguel Llansó ist der erste afrofuturistische Film, der in Äthiopien gedreht wurde und in dem Amharisch gesprochen wird. Er spielt in einem postapokalyptischen Afrika, in dem Santa Claus eine Art Gott ist und Artefakte der US-Kulturindustrie magische Kräfte zugesprochen bekommen: eine Figur der Ninja Turtles oder eine Kopie von Michael Jacksons Album "Dangerous". Die Figuren des Films sammeln diese, um sie gegen Bargeld einzutauschen, aber der Tausch bleibt ungleich: Der Tand aus den USA ist in Afrika wertlos.

Seit der Bürgerrechtsbewegung diente der Afrofuturismus dazu, die Zukunft für schwarze Menschen neu zu verhandeln. Mittlerweile ist seine Formensprache zwar in den großen Kinofranchises angekommen, gleichzeitig inspiriert sie jedoch weiterhin Community-Aktivisten und Underground-Künstler in den USA. In der Gegenwart, in der sich chinesische, europäische und amerikanische Technologiekonzerne daran machen, die Zukunft des afrikanischen Kontinents zu vermessen, werden afrofuturistische Motive in Afrika selbst zu einem Vehikel, um Identitäts- und Zukunftsentwürfe zu verhandeln. So kehrt die Zukunft schließlich über die Diaspora nach Afrika zurück.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Christian Werthschulte für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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