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20.4.2018 | Von:
Rosalind Gill

Die Widersprüche verstehen. (Anti-)Feminismus, Postfeminismus, Neoliberalismus

Fazit

Postfeminismus ist einer der strukturierenden Kontexte für das Leben von Frauen im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts. Er besitzt eine kulturelle Kraft, aber auch ein affektives und psychisches Leben, das eine zunehmend individuelle und neoliberale Subjektivität prägt. Postfeminismus existiert als in wachsendem Maße hegemonialer Common Sense, koexistiert aber mit anderen in Bezug auf Gender kursierenden Ansätzen und reagiert in mancher Hinsicht auf sie. Ich habe versucht darzulegen, dass das zeitgenössische kulturelle Feld sich aus feministischen, postfeministischen und antifeministischen Ideen zusammensetzt und diese in einem Zusammenspiel von dynamischer Spannung zirkulieren und koexistieren. Statt Postfeminismus als theoretische Perspektive, historische Epoche oder (nur) als Gegenreaktion zu betrachten, halte ich es für zielführend, ihn als eine zeitgenössische Sensibilität zu betrachten, die mit anderen koexistiert.

Indem wir gegenüber dem Postfeminismus als Studienobjekt eine kritische Haltung einnehmen, begreifen wir, inwiefern er sich feministische und antifeministische Ideen sowohl aneignet als auch ablehnt. Es ist daher unerlässlich, dass wir den Aufstieg des populären Feminismus zusammen mit der sich rasch verschärfenden Frauenfeindlichkeit und der andauernden kulturellen Kraft des Neoliberalismus betrachten. Von entscheidender Bedeutung ist es zudem, dass wir Konzepte von Postfeminismus erarbeiten, die sowohl Kontinuität als auch Veränderung theoretisch untermauern können und Wandel nicht bloß in Hinsicht auf simple Verlagerung begreifen – als ob das Aufkommen einer Idee eine andere automatisch in den Hintergrund rücken würde.[52] Die zeitgenössische kulturelle Formation und die ihr innewohnenden Subjektivitäten werden von vielerlei Ideen und Werten geprägt. Eine Möglichkeit, ihr durch und durch gesellschaftliches und strukturiertes Wesen zu dokumentieren, stellt der Begriff einer "postfeministischen Sensibilität" dar.

Übersetzung aus dem Englischen: Peter Beyer, Bonn.

Fußnoten

52.
Vgl. Gill (Anm. 1).
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Rosalind Gill für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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