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20.4.2018 | Von:
Susanne Maurer

Hedwig Dohms "Die Antifeministen"

Was zeigt der Blick in die Geschichte?

Wenn es heute um eine Auseinandersetzung mit antifeministischen Positionen sowie mit deren Resonanzräumen und Wirksamkeiten bis hinein in die Mitte der Gesellschaft geht, kann das Bewusstsein von der Geschichtlichkeit der Kämpfe und Kontroversen in den und um die Geschlechterverhältnisse(n) beziehungsweise um die Öffnung und Transformation bestehender Geschlechterordnungen hilfreich sein.[40]

Aktuelle zeitgenössische Diagnosen weisen ähnliche Aufmerksamkeiten (und teilweise auch ähnliche Befunde) auf, wie die zeitgenössische Analyse Dohms oder die historische Rekonstruktion Planerts. So können – wie bei Hedwig Dohm – Kategorien oder Typen antifeministischer Positionen unterschieden werden, die möglicherweise auch auf unterschiedliche Interessen beziehungsweise auf eine jeweils unterschiedliche soziokulturelle und politische Einbettung zurückzuführen sind. Es können Widersprüche in den Argumentationen der Gegner_innen von Gleichstellung und Geschlechterdemokratie herausgearbeitet werden, und auch die komplexen Verschränkungen von Denkweisen, die zunächst als getrennt erscheinen, aber gerade über ihre Verschränkung machtvoll wirksam werden. Es kann nach den Verheißungen antifeministischen Sprechens gefragt werden – wer hat was zu gewinnen, wer erhofft sich was davon? Und nicht zuletzt: Wie ist es möglich, dass ein antifeministisches Ressentiment auch heute in manchen – selbst bürgerlich-liberalen und akademisch gebildeten – Kreisen wieder zum guten Ton gehören kann? Und was treibt welche feministischen Akteur_innen in die Defensive? Bei Dohm sind dafür interessante Hinweise zu finden, auch wenn die einschlägigen Analysen der vergangenen Jahre[41] uns die Notwendigkeit erneut vor Augen führen, den jeweils spezifischen gesellschaftlich-historischen Kontext für Antifeminismus nicht leichtfertig zu übergehen.

Fußnoten

40.
Vgl. dazu auch Susanne Maurer, "Gedächtnis der Konflikte" statt "Kanon"? Historiographiepolitik als Normativitätskritik in kritisch-feministischer Wissenschaft, in: Karolina Dreit et al. (Hrsg.), Ambivalenzen der Normativität in kritisch-feministischer Wissenschaft, Sulzbach/Ts. 2016, S. 135ff.
41.
Zuletzt Juliane Lang/Ulrich Peters (Hrsg.), Antifeminismus in Bewegung. Aktuelle Debatten um Geschlecht und sexuelle Vielfalt, Hamburg 2018.
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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Susanne Maurer für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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