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10.9.2004 | Von:
Jan Delhey

Transnationales Vertrauen in der erweiterten EU

Die Erweiterungen 1973 - 1995

Damit haben wir auch erste Hinweise darauf, welchen Einfluss die verschiedenen Erweiterungen auf das verfügbare Sozialkapital der Staatengemeinschaft gehabt haben. Dazu simulieren wir (mit der Umfrage von 1997) eine Union mit 6, 9,12 und 15 Mitgliedsstaaten (vgl. zusätzlich Tabelle 1: PDF-Version).

- Die Nordwesterweiterung von 1973 um Dänemark, Großbritannien und Irland hat sich insgesamt neutral ausgewirkt. Während die Dänen als Geber wie als Empfänger grenzüberschreitenden Vertrauens überdurchschnittliche Werte aufweisen, haben die Briten jeweils leicht unterdurchschnittliche Werte; die Iren entsprechen dem Schnitt der EU-6. Das durchschnittliche Vertrauen in der Gemeinschaft hat sich praktisch nicht verändert.

- Die zweistufige Süderweiterung um Griechenland (1981) sowie um Portugal und Spanien (1986) hat das Sozialkapital der EU verringert. Deren Bevölkerungen haben unterdurchschnittliches Vertrauen in die Partnervölker und werden umgekehrt von diesen auch in unterdurchschnittlichem Maße als vertrauenswürdig betrachtet. Die Süderweiterung war folglich eine zentrifugale, desintegrative Erweiterung, zumindest unter dem Aspekt des gegenseitigen Vertrauens.

- Die Norderweiterung von 1995 um Finnland, Schweden und Österreich wirkte integrativ (im Falle Österreichs nur als Empfänger von Vertrauen, als Geber neutral).

Die Erfahrung zeigt, dass sich die Aufnahme ärmerer Länder mit geringer Institutionenqualität und geringerer Geltungskraft universalistischer Verhaltensstandards negativ auf das Vertrauensvermögen der EU auswirkt.