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10.9.2004 | Von:
Jan Delhey

Transnationales Vertrauen in der erweiterten EU

Unterschiede zwischen den Generationen

Ein zweites Ergebnis deutet auf ein zukünftig wachsendes Sozialkapital in der erweiterten EU hin: die unterschiedliche Bereitschaft von Jung und Alt, Menschen anderer Nationalität zu vertrauen. Unabhängig davon, ob es um die Vertrauenswürdigkeit der EU-15-Völker oder der Menschen aus Polen, Ungarn und Tschechien geht - stets schenken die jüngeren Altersgruppen mehr Vertrauen als die älteren. Sofern die kosmopolitische Haltung der Jüngeren tatsächlich auf einen Generationen- und nicht auf einen Lebenszykluseffekt zurückzuführen ist, werden sich die Völker Europas auch durch den Austausch der Generationen näher kommen. Stärker als jede andere Altersgruppe vor ihr wachsen die 15- bis 24-Jährigen in einer globalisierten MTV-Kultur auf, und auch die Ost-West-Konfrontation hatte auf sie nur eine geringe sozialisierende Wirkung.[17] Im Vergleich zu den Jüngeren ist das Vertrauen der über 55-Jährigen deutlich geringer und am geringsten bei den Altersgruppen, die den Zweiten Weltkrieg als Kinder (1997 die über 65-Jährigen) oder junge Erwachsene (die über 75-Jährigen) erlebt haben.

Doch ungeachtet dieses Generationeneffekts - das grundlegende soziometrische Muster, nach dem die Nordeuropäer als besonders vertrauenswürdig eingestuft werden, während die Ostmitteleuropäer auf reserviertes Vertrauen stoßen, finden wir auch bei den jungen Westeuropäern wieder.


Fußnoten

17.
Noch einmal sei daran erinnert, dass die zugrunde liegende Eurobarometer-Umfrage aus dem Jahr 1997 stammt.