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31.8.2004 | Von:
Hans-Jochen Luhmann
Manfred Fischedick

Renewables, adaptationspolitisch betrachtet

Mindestzunahme von Extremereignissen

Mit dem vorstehend Erläuterten ist geklärt, mit welchem Anstieg der Treibhausgaskonzentration und mit welcher Temperaturerhöhung wir im Durchschnitt mindestens zu rechnen haben. Für adaptationspolitische Zwecke aber, für eine Dimension des Handelns also, benötigen wir noch eine Art "Übersetzung": Was bedeutet dies für Temperatur-, Niederschlags- und Windereignisse, die wir in Zukunft deutlich häufiger und extremer zu erwarten haben? An welchem Maße haben wir uns zu orientieren?

Abbildung 2 (s. PDF-Version) zeigt in ihrer Stilisierung dieses Maß der Veränderung zwar nicht präzise, sie vermag das Entscheidende aber anzudeuten: die Nichtlinearität der Zunahme der zu erwartenden Extremereignisse. Sie zeigt ein Verschiebungsmuster wetterbedingter Extremereignisse am Beispiel Temperatur, welches aber, so der Anspruch, in gleicher Weise auch für Wind und Niederschlag gelten solle. Nahe liegend ist diese Gleichheit, weil es sich bei allen drei Parametern um solche mit Energiebezug handelt. Der Treibhauseffekt bedeutet, dass mehr Energie in der unteren Atmosphäre ist, und deren Umsetzung in eine erhöhte Lufttemperatur steigert deren Wasserhaltefähigkeit.

Der bekannte Satz, dass das Wettergeschehen im Einzelnen zufällig sei, wird in Abbildung 2 (s. PDF-Version) dadurch veranschaulicht, dass eine Wahrscheinlichkeitsverteilung für das Auftreten der zu charakterisierenden Ereignisse herangezogen wird, hier die Gauß'sche Normalverteilung. Der Klimawandel wird durch eine Verschiebung dieser Wahrscheinlichkeitsverteilung stilisiert. Dabei wird davon ausgegangen, dass deren Gestalt unverändert bleibt - begründet ist diese Unterstellung wiederum in der Maxime, dass nur das Minimum dessen, worauf wir uns einzurichten haben, herausgearbeitet werden soll. Unterstellte man, was eher zu erwarten ist, eine Vergrößerung der Varianz im Prozess des Klimawandels, dann käme man auf eine noch stärkere Nichtlinearität der Zunahme der Extremereignisse als hier im Ergebnis ausgewiesen.

Mit dem gewandelten Klima kommt es zu einer Verschiebung der Kurve nach rechts, relativ zu den konstant gehaltenen Grenzen der so genannten Extremereignisse. Ganz rechts kommt eine neue Grenze hinzu, die der "x-Jahrhundertereignisse" bzw. der katastrophalen Ereignisse. Ein "x-Jahrhundertereignis" ist das übliche Kriterium bei der Konzipierung der Auslegung des Schutzes gegen zufallsabhängig auftretende Wetterextreme. Zweierlei ist zu erkennen. Erstens: Bei einer Verschiebung der Normalverteilung des stochastisch auftretenden Ereignisses in Richtung "häufiger wärmer" wird die Verteilungskurve gleichsam über die Abgrenzungslinie verschoben, ab der definitorisch ein Extremereignis eingetreten ist; folglich nehmen diese an Häufigkeit zu, und zwar überproportional. Die Abbildung (s. PDF-Version) zeigt bei der bisherigen Kurve im linken Ast eine unterlegte Fläche - dieser Teil von Extremereignissen entfällt. Dafür wächst auf der rechten Seite dieselbe Fläche spiegelbildlich zu, nun aber in der Kategorie "katastrophale Ereignisse". Solche Ereignisse, deren Häufigkeit bislang nahe null war, steigen mit dem Klimawandel in ein Häufigkeitsband in Höhe der Hälfte der Extremereignisse im vorherigen Zustand. Zweitens: Die Extremereignisse selbst, also nach Abzug katastrophale Ereignisse, legen an Häufigkeit überproportional zu, ihr Zuwachs im neuen Zustand gegenüber dem bisherigen entspricht der markierten Fläche.