Bunte Kaffeekapseln für Kaffeemaschinen

30.11.2018 | Von:
Stefan Gäth
Frances Eck

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Müll als Ressource

Handyrohstoff Kobalt

Der Aufschwung der Hightechbranche in den vergangenen Jahrzehnten hat dazu geführt, dass ein Rohstoff aus unserem Umfeld nicht mehr wegzudenken ist: Kobalt. Das Metall ist ferromagnetisch und sehr hart. Es behält seine Stabilität sowie die magnetischen Eigenschaften auch bei hohen Temperaturen bei und ist ein guter Strom- und Wärmeleiter. Sein Hauptanwendungsgebiet ist der Batteriesektor, wo es in Lithium-Ionen-Akkus verbaut wird. Weiterhin ist Kobalt ein wichtiger Rohstoff für temperaturbeständige Superlegierungen, Hochleistungsschnellschnittstahl, Katalysatoren, Hartmetalle, Färbemittel und Magnete. Die weltweite Nachfrage nach Kobalt ist zuletzt stark gestiegen. 2010 lag der jährliche Bedarf bei 65.000 Tonnen, 2015 betrug er über 90.000 Tonnen. Schätzungen zufolge wird die Nachfrage bis 2025 auf etwa 155.000 Tonnen pro Jahr ansteigen.[21] Allein für den Einsatz in Batterien für Elektrofahrzeuge wird für das Jahr 2035 ein Bedarf an 122.000 Tonnen prognostiziert.[22]

2017 wurden weltweit etwa 118.500 Tonnen Kobalt abgebaut, 64 Prozent davon (76.000 Tonnen) allein in der Demokratischen Republik Kongo.[23] Weitere relevante Abbaugebiete sind in China, Kanada und Australien. Kobalt wird fast ausschließlich als Nebenprodukt der Nickel- und Kupferproduktion gewonnen, die Förderung aus Primärlagerstätten macht lediglich 2 Prozent aus.[24] Folglich ist der Kobaltabbau stark an den Abbau dieser Metalle gekoppelt, was dazu beiträgt, dass sowohl das Angebot als auch die Preise für Kobalt erheblichen Schwankungen unterliegen. Reserven sind in großem Maße vorhanden (weltweit rund sieben Millionen Tonnen), unter Berücksichtigung des derzeitigen Verbrauchs liegt ihre statische Reichweite bei 61 Jahren.[25] Trotzdem wird Kobalt in Rohstoffrisikobewertungen als sehr kritisch betrachtet: Da etwa 48 Prozent der Reserven in der DR Kongo liegen und dieses Land stark von Unsicherheit, Ausbeutung und Korruption geprägt ist, gilt das Metall als Konfliktmaterial.

In manchen Anwendungsbereichen, etwa für Legierungen, lässt sich Kobalt durch andere Stoffe ersetzen, jedoch macht dies nur einen geringen Teil aus und geht meist mit Einbußen der gewünschten Eigenschaften einher. Vor diesem Hintergrund und angesichts der zentralen Rolle, die Kobalt für die Hightechbranche spielt, ist es insbesondere in den Industrienationen angebracht, verstärkt über Recyclingmöglichkeiten nachzudenken. Einige Unternehmen haben bereits erfolgreiche Verfahren entwickelt, etwa die belgische Firma Umicore und die Firma Accurec aus Krefeld. Seit einigen Jahren wird Kobalt aus Katalysatoren, Hartmetall- und Superlegierungsschrott zurückgewonnen. Auch aus Lithium-Ionen-Batterien kann Kobalt in Form von Kobaltsulfat erfolgreich zurückgewonnen werden. Das Problem des Recyclings liegt indes weniger in den Verfahren als in der Sammlung und Vorbehandlung der Batterien. Weltweit werden rund 30.000 Tonnen Kobalt in kleinen Batterien verbaut, wie sie etwa in Smartphones und Laptops gebraucht werden. Nur ein kleiner Teil davon gelangt durch Recycling zurück in den Stoffkreislauf.[26]

Angesichts schwankender beziehungsweise steigender Preise versuchen Unternehmen auf der gesamten Welt, ihre Kobaltversorgung zu sichern. Aktuell plant beispielsweise der südkoreanische Bildschirm- und Batteriehersteller Samsung SDI, Kobalt aus gebrauchten Mobiltelefonen zu recyceln. Das Recycling von Althandys und Smartphones birgt durchaus großes Potenzial: Es wird geschätzt, dass sich schon bald jährlich mehrere Tausend Tonnen Kobalt aus alten Batterien gewinnen lassen.[27] Immer mehr Batteriehersteller sind an neuen Recyclingtechnologien interessiert und versuchen auf diese Weise, die Abhängigkeit von dem Hauptförderland DR Kongo zu verringern.

Althandys in deutschen Haushalten, in MillionenAlthandys in deutschen Haushalten, in Millionen. (© Bitkom Research, 2018 (Schätzung auf Grundlage einer Befragung von 1009 Personen ab 14 Jahren in Deutschland))
Allein 2018 wurden in Deutschland rund 22,7 Millionen Smartphones verkauft, und jährlich werden neue Absatzrekorde gemeldet.[28] Durchschnittlich wechseln die Besitzer alle zweieinhalb Jahre ihr Handy beziehungsweise Smartphone. Durch immer neue Innovationen wird diese Nutzungsdauer konstant bleiben oder sich noch verringern. Die Folge: Es werden auch mehr Geräte ausgemustert. Diese Altgeräte werden jedoch meist zu Hause in der Schublade gehortet, statt sie einer Verwertung zuzuführen. Mittlerweile werden in deutschen Haushalten über 120 Millionen Altgeräte unbenutzt aufbewahrt (Abbildung). Ähnlich verhält es sich mit Laptops und Tablets. Verschiedene Hersteller und Netzbetreiber bieten mittlerweile einfache Rücknahmemöglichkeiten an, um Altgeräte in den Rohstoffkreislauf zurückzuführen. Nach wie vor ist das Bewusstsein in der Bevölkerung, dass alte Elektronikgeräte nicht nur Abfall, sondern wertvolle Rohstoffquellen sein können, jedoch noch ausbaufähig.


Fußnoten

21.
Vgl. Siyamend Al Barazi et al., Kobalt aus der DR Kongo – Potenziale, Risiken und Bedeutung für den Kobaltmarkt, Commodity TopNews 53/2017.
22.
Vgl. Frank Marscheider-Weidemann et al., Rohstoffe für Zukunftstechnologien 2016, DERA Rohstoffinformationen 28/2016.
23.
Vgl. Siyamend Al Barazi, Vortrag auf dem DERA Industrieworkshop zur Verfügbarkeit von Kobalt für den Industriestandort Deutschland, Berlin, 2.7.2018.
24.
Vgl. Marscheider-Weidemann et al. (Anm. 22).
25.
Vgl. Al Barazi et al. (Anm. 21).
26.
Vgl. Al Barazi (Anm. 23).
27.
Vgl. Jan Harvey, Metal Recyclers Prepare for Electric Car Revolution, 17.11.2017, http://www.reuters.com/article/idUSKBN1DH1DS«.
28.
Vgl. Statista, Absatz von Smartphones in Deutschland in den Jahren 2009 bis 2018 (in Millionen Stück), August 2018, https://de.statista.com/statistik/daten/studie/77637«.
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