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30.11.2018 | Von:
Stefan Gäth
Frances Eck

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Müll als Ressource

Erstes Gebrauchsmetall: Kupfer

Kupfer ist eines der ersten Metalle, das von Menschen verwendet wurde. Und auch heute – trotz immer komplexer werdender technischer und industrieller Prozesse – gehört dieses Metall zu den am weitesten verbreiteten Materialien in unserem alltäglichen Umfeld. Seine vielfältigen Eigenschaften machen es zu einem der nützlichsten Werkstoffe überhaupt, der durch das Legieren mit anderen Metallen noch optimiert werden kann. Denn Kupfer hat eine hervorragende Wärme- und elektrische Leitfähigkeit, ist sehr korrosionsbeständig und lässt sich gut verarbeiten und formen. Daraus ergeben sich vielfältige Anwendungsbereiche. Der wichtigste ist die Elektrotechnik, wo Kupfer beispielsweise als elektrischer Leiter für die Kabelindustrie zum Einsatz kommt. Das zweitwichtigste Anwendungsgebiet ist das Bauwesen, hier wird das Buntmetall unter anderem für Rohre im Sanitär- und Heizungsbereich benötigt.[29]

Gewonnen wird Kupfer aus Erzen, Kiesen und Sanden, je nach den geografischen Gegebenheiten im oberflächennahen Tagebau oder "unter Tage" in Bergwerken. Das geförderte Erz wird durch Flotation zu Kupferkonzentrat aufbereitet. Dieses hat einen durchschnittlichen Kupfergehalt von 25 bis 35 Prozent. Anschließend wird das Konzentrat verhüttet und raffiniert. 2017 wurden weltweit rund 19,7 Millionen Tonnen Kupfer abgebaut. Das größte Abbauland ist Chile mit 5,3 Millionen Tonnen, gefolgt von Peru mit rund 2,4 Millionen Tonnen und China mit 1,8 Millionen Tonnen. Chile verfügt über die größten bekannten Kupfervorkommen der Welt (etwa 40 Prozent) und gehört zu den führenden Produzenten dieses Metalls. Die Reserven Chiles beliefen sich 2017 auf insgesamt 170 Millionen Tonnen. Die Länderkonzentration der Produktion ist trotz des großen chilenischen Anteils gering. Insgesamt werden die geopolitischen Risiken für den Kupfermarkt als unkritisch bis mäßig kritisch bewertet. Deshalb, aber auch wegen der weltweiten Verteilung der Produktionsstandorte, ist nicht zu befürchten, dass es zu einer Firmenkonzentration oder Konzentration der Rohstoffproduktion auf Länderebene kommt. Für Deutschland wird die Importabhängigkeit im Kupferbereich insgesamt als unkritisch eingeschätzt.[30]

Die weltweiten Reserven werden auf 720 Millionen Tonnen und die statische Reichweite auf 39 Jahre geschätzt. Berücksichtigt man die vorhandenen Kupferressourcen (rund 2100 Millionen Tonnen), erhöht sich die geschätzte statische Ressourcenreichweite auf 112 Jahre.[31] Folglich ist unter geologischen Gesichtspunkten die Verfügbarkeit von Kupfer mittelfristig sichergestellt – sofern es gelingt, die Vorkommen durch neue Technologien zu erschließen. Bei dieser Berechnung ist allerdings nicht berücksichtigt, dass sich der Kupferbedarf in den kommenden Jahren, unter anderem im Zuge der eingeleiteten Energiewende in Deutschland, voraussichtlich deutlich steigern wird.

Um die Verfügbarkeit von Kupfer also auch für die nächsten Jahrzehnte zu sichern, gilt es, die Voraussetzungen sowohl für den Abbau als auch für das Recycling des Metalls zu verbessern. Denn Kupfer wird in der Regel nicht "verbraucht": Kupfer ist einer der wenigen Rohstoffe, der ohne jeden Leistungsverlust immer wieder recycelt werden kann. Folglich gibt es keine Qualitätsunterschiede zwischen Primär- und Sekundärkupfer.[32] Zwei Drittel des seit 1900 geförderten Kupfers werden noch immer produktiv genutzt. Dieser hohe Anteil ist vor allem durch Anwendungsbereiche mit langer Nutzungsdauer zu erklären: Rund 55 Prozent des Kupfers werden in Gebäuden mit einer Nutzungsdauer von bis zu 80 Jahren eingesetzt, 15 Prozent werden für Infrastruktur und 10 Prozent in der Industrie verwendet.

An und für sich ist Kupfer leicht zu recyceln, allerdings ergeben sich Schwierigkeiten bei der Sammlung. Aktuell werden jährlich etwa neun Millionen Tonnen Kupfer aus der Wiederverwertung von "altem" Schrott (Kupfer in Altprodukten) und "neuem" Schrott (der bei Produktions- und Fertigungsprozessen anfallende Schrott) gewonnen.[33] Die Recyclingrate, die sich aus der jährlich produzierten Menge aus Sekundärmaterial bezogen auf die Jahresproduktion ergibt, beträgt für Kupfer 45 Prozent. Das heißt, bereits 45 Prozent des gesamten Kupferbedarfs können durch Schrotte und Rücklaufmaterialien abgedeckt werden. Eine Versorgung ausschließlich durch Sekundärkupfer ist zwar kaum möglich, aber dennoch kann das Recyclingmaterial einen erheblichen Beitrag zur Deckung des Bedarfs leisten und somit zu einer nachhaltigen Wirtschaft beitragen. Speziell für Deutschland, das fast ausschließlich auf Kupferimporte angewiesen ist, ist das Recyclingmaterial also eine wichtige Ressource zur Deckung des Kupferbedarfes.[34]

Fußnoten

29.
Vgl. Ulrike Dorner et al., Rohstoffrisikobewertung – Kupfer, DERA Rohstoffinformationen 16/2013.
30.
Vgl. ebd.
31.
Vgl. Daniel M. Flanagan, Copper, in: U.S. Geological Survey, Mineral Commodity Summaries 2018, Washington, D.C. 2018, S. 52f.
32.
Vgl. Dorner et al. (Anm. 29).
33.
Vgl. Deutsches Kupferinstitut, Die langfristige Verfügbarkeit von Kupfer, 2018, http://www.copperalliance.de/uploads/2018/06/langfristige-verfuegbarkeit-von-kupfer.pdf«.
34.
Vgl. dass., Recycling von Kupfer und Kupferlegierungen, 2018, http://www.kupferinstitut.de/de/werkstoffe/system/recycling-kupfer.html«.
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