Bunte Kaffeekapseln für Kaffeemaschinen

30.11.2018 | Von:
Stefan Gäth
Frances Eck

Zur falschen Zeit am falschen Ort. Müll als Ressource

Abfall als Zukunftsrohstoff

Soll ein nachhaltiger und effizienter Umgang mit heutigen und zukünftigen Ressourcen erreicht werden, ist der Versorgung mit Sekundärrohstoffen eine besondere Bedeutung zuzuschreiben. Das Recycling von ausrangierten Produkten wie Althandys und -laptops, Schrott und Klärschlamm kann die Reichweite der primären Ressourcen maßgeblich verlängern. Somit birgt der "Müll" von heute erhebliches Potenzial, die zukünftige Versorgung mit Rohstoffen zumindest teilweise zu gewährleisten.

In Deutschland stand lange Zeit die sichere und umweltfreundliche Entsorgung im Mittelpunkt der Abfallwirtschaft. Die stoffliche und thermische Verwertung hatte primär die Reduktion der Restabfallmengen zum Ziel. Mittlerweile haben sich jedoch die Verwertungskonzepte der Kreislaufwirtschaft erfolgreich durchgesetzt, und mit dem Altpapier-, Kunststoff- und Glasrecycling sowie der getrennten Bioabfallsammlung und -kompostierung wurden wichtige Schritte hin zu einer geschlossenen Rohstoffwirtschaft getan. Zu einer zukunftsfähigen Kreislaufwirtschaft gehört aber auch der Blick auf das sortenreine und vollständige Wiedergewinnen knapper Ressourcen. Die Aufbereitung von Elektro- und Elektronikgeräten, die verschiedenste knappe Rohstoffmetalle enthalten, ist noch ausbaufähig. Hindernde Faktoren sind bislang einerseits die Aufbereitungskosten und andererseits der Mangel an praxistauglichen Aufbereitungs- sowie effizienten Trenntechnologien.

Darüber hinaus gilt es, Rückholkonzepte zu entwickeln beziehungsweise zu optimieren, um die hochkonzentrierten "kleinen Rohstoffminen", die in unseren Schubladen schlummern, wieder ins System zurückzuführen. Zu einer nachhaltigen Rohstoffpolitik gehört demnach auch, dass Wirtschaftsmodelle erdacht werden, bei denen nicht der Besitz beziehungsweise Kauf eines Gerätes im Vordergrund steht, sondern die Nutzung beziehungsweise die Miete eines Gerätes. Erst dann wird der Produzent seiner Produktverantwortung vollumfänglich gerecht und kann das von ihm gefertigte Gerät als Rohstofflager für die nächsten Gerätegenerationen nutzen.

Zu guter Letzt sollte der Effekt des Rohstoffrecyclings für den Klima- und Umweltschutz nicht unbeachtet bleiben. Die Erdbewegungen durch den Abbau von Rohstoffen aus geologischen Lagerstätten sowie die nachfolgende Aufbereitung bringen erhebliche Umweltbelastungen mit sich, unter anderem Bodendegradierung, Wasserknappheit, Verlust der biologischen Vielfalt und Beeinträchtigungen der Ökosystemfunktionen. Hinzu kommt der Energieaufwand, der mit der Produktion von Primärrohstoffen verbunden ist. Im Vergleich zur Primärrohstoffgewinnung entfallen beim Recycling und der Sekundärrohstoffgewinnung diese erheblichen Umweltbelastungen. Beispielhaft sei das Kupferrecycling angeführt, das rund viermal weniger Energie benötigt als die Primärgewinnung.[35] Demnach hat das konsequente Wiedernutzbarmachen von Altrohstoffen mehrere Vorteile, die nicht zuletzt die natürlichen Rohstoffquellen schützen und sie damit für spätere Generationen bewahren.

Fußnoten

35.
Vgl. Abfallwirtschaftsbetrieb München, Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Abfall – eine Rohstoffquelle der Zukunft?, Pressehintergrundgespräch mit Gabriele Friderich und Helmut Schmidt, München, 7.2.2011.
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