Bunte Kaffeekapseln für Kaffeemaschinen

30.11.2018 | Von:
Olga Witt

Zero Waste. (K)ein Ding der Unmöglichkeit? - Essay

Einkaufen ohne Verpackungen

Verpackungsmüll ist die Sorte Müll, an die man immer zuerst denkt. Um ihn zu vermeiden, muss man häufig komplett umdenken und eventuell auch seinen Einkauf umorganisieren. Um unverpacktes Obst und Gemüse einzukaufen, besucht man am besten einen Wochenmarkt oder Bioladen. Anstatt auf die üblichen dünnen Plastik- oder Papiertüten zurückzugreifen, gehören zu einer Zero-Waste-Einkaufsausstattung eine Handvoll Stoffsäckchen. An sie zu denken und gut vorbereitet loszugehen, ist letztlich eine Frage der Gewohnheit, aber sicher kein Ding der Unmöglichkeit. Viele handelsübliche Stoffsäckchen haben das Gewicht auf dem Beutel vermerkt. Manche Kassen können es abziehen, andere arbeiten mit Standardgewichten. Mir ist es die Müllersparnis wert, möglicherweise ein paar Gramm mehr zu bezahlen.

Andere gute Alternativen zum regulären Einkauf sind Biokisten oder das Engagement in Solidarischen Landwirtschaften, bei denen sich landwirtschaftliche Betriebe mit Verbraucherinnen und Verbrauchern zusammenschließen. Hier wird nicht nur die Verpackung reduziert, sondern auch die vielerorts verbreitete Lebensmittelverschwendung. Mittlerweile lässt sich auch an immer mehr Käsetheken der Käse in mitgebrachten Dosen und ohne weitere Verpackung mit nach Hause nehmen. Eierkartons dürfen zwar im Laden nicht abgegeben werden, sie können aber mitgebracht und für den eigenen Einkauf immer wieder befüllt werden. Viele Milchprodukte gibt es in Bioläden in Mehrweggläsern, genauso wie Säfte, Wein und Apfelessig.

Trockene Ware lose zu bekommen, ist ungemein schwieriger. Selbst im klassischen Bioladen ist alles verpackt. Deshalb entstehen weltweit immer mehr spezielle Unverpackt-Läden, die genau diese Lebensmittel auch lose anbieten. Das funktioniert hygienisch einwandfrei, zum Beispiel über sogenannte Gravitationsspender. Der Reis wird von oben eingefüllt und rieselt mit einem Hebel dosierbar unten heraus in das mitgebrachte Gefäß. Auch hier ist ein Stoffsäckchen das ideale Transportmittel für Reis, Nudeln, Nüsse, Getreide, Müsli und Hülsenfrüchte. Zu Hause können die Lebensmittel in Drahtbügel- oder Schraubgläsern sicher aufbewahrt werden. Wer so einen Laden in der Nähe hat, kann seinen Verpackungsmüll schlagartig reduzieren. Bisher ist die Zahl in Deutschland mit rund hundert Geschäften noch überschaubar. Es eröffnen aber immer mehr, sodass auch der kürzlich gegründete Verband der Unverpackt-Läden (Unverpackt e.V.) stetig neue Mitglieder aufweist.

Auch wer keinen speziellen Laden in der Nähe hat, dem bleiben genügend Strategien zur Müllreduktion. Eine besteht in der Vermeidung von Wegwerfprodukten. Müllvermeider drehen quasi die Zeit zurück und schauen sich an, was früher verwendet wurde: Stofftaschentuch und Stoffserviette ziehen wieder ein. Der gute alte Lappen ersetzt die Küchenrolle, das Butterbrot kommt in eine Dose. Frischhaltefolie und Alufolie werden überflüssig, wenn man Schüsseln mit Tellern abdeckt oder Frischhaltedosen nutzt. Der Rasierhobel von Opa wird belebt und rasiert erstaunlich sicher, Männlein wie Weiblein, an jeder Körperstelle. Es gibt aber auch neue Produktideen, die dauerhaft halten. Eine Menstruationstasse wird statt Tampon verwendet und ist zudem auch gesünder. Hygienebrausen könnten zum Beispiel das Toilettenpapier vollständig ersetzen. Es gibt sie zum Anschluss an einen Kaltwasserzulauf im Bad, aber auch als mobile Variante mit nachfüllbarem Wasserbehälter. Und statt Geschenkpapier sind Furoshikitücher aus Stoff eine wunderschöne Möglichkeit, Geschenke zu verpacken.

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