Bunte Kaffeekapseln für Kaffeemaschinen

30.11.2018 | Von:
Olga Witt

Zero Waste. (K)ein Ding der Unmöglichkeit? - Essay

Auf dem Einweg-Holzweg

Die zunehmende Vermüllung der Weltmeere ist auch auf der Agenda der EU-Kommission angekommen. So hat sie im Mai 2018 ein Verbot von bestimmten Einwegprodukten aus Kunststoff vorgeschlagen, die häufig als Müll an Strände gespült werden – etwa Wattestäbchen und Plastikbesteck. Die Nutzung von Einwegprodukten an sich wurde leider mit keinem Wort erwähnt. Auf Papiertüten umzusteigen und Einweggeschirr aus Pappe statt aus Kunststoff zu verwenden, hat aber nur dann einen Vorteil, wenn man vorhat, die Überreste in der Umwelt liegen zu lassen. Und das würde sicherlich niemand empfehlen. Was nämlich leicht übersehen wird, ist der Prozess, der notwendig ist, um diese Dinge herzustellen. Auch wenn sie nicht aus Kunststoff bestehen, sind für ihre Produktion Ressourcen, Energie, Wasser und Chemikalien notwendig, und ihr Vertrieb erfordert immer einen mehr oder weniger großen Transportaufwand. Je kürzer die Lebensdauer eines Produktes ist, desto kritischer ist dessen Existenz – egal, aus welchem Material es besteht.

Ein besonderer Dorn im Auge eines Müllvermeiders ist der Coffee-to-go-Becher. Dieser wird standardmäßig im Einwegbecher (aus Papier und Kunststoff) mit Plastikdeckel serviert. Nach einer geschätzten Lebensdauer von gerade einmal zehn Minuten ist der Kaffee getrunken, und der Becher landet – wie viele Tausend andere seiner Art – im Müll. Hier bekommt der englische Begriff Zero Waste seinen doppeldeutigen Charme, denn waste bedeutet nicht nur Müll, sondern auch Verschwendung. Ist es nicht schlichtweg Verschwendung, ein Produkt zu produzieren, um es nach zehn Minuten zu entsorgen?

Um auf die über 600 Kilogramm Müll zu kommen, die wir in Deutschland im Schnitt pro Kopf und Jahr hinterlassen, reichen Verpackungen und Einwegprodukte nicht aus. Der ganz große Müllberg fällt tatsächlich an anderen Stellen an. Denn zu Müll wird letztlich alles, was wir nutzen: Wir alle tragen Kleidung, brauchen Möbel und fahren Auto oder Fahrrad, und selbst das dauerhafteste Produkt geht irgendwann kaputt oder wird aussortiert. Und so landen sämtliche Dinge, die wir mal gekauft haben, schließlich im Mülleimer oder auf dem Schrottplatz. Hier wird klar: Keinen Müll kann es in unserer Gesellschaft nicht geben. Was es aber geben kann, ist deutlich weniger Müll. Und es macht einen Unterschied, ob wir etwas wegschmeißen, weil es kaputt ist, oder weil es out ist. Genauso wie es einen Unterschied macht, ob unsere Kleidung ein Jahr hält oder zehn. Denn je mehr wir kaufen, desto mehr landet meist auch auf dem Müll. Wir schaffen es vielleicht nicht auf null zu kommen, aber den Müllberg um 80 Prozent zu reduzieren, ist kein Problem.

An dieser Stelle wird deutlich: Müll zu produzieren, ist ein Luxus, den sich vor allem reiche Industrieländer leisten können. Deutschland steht im EU-Vergleich an zweiter Stelle der größten Müllproduzenten, Polen und Rumänien etwa kommen nur auf fast die Hälfte. Der Zusammenhang vom Bruttoinlandsprodukt zum Müllaufkommen ist proportional: Je mehr Geld ein Haushalt hat, desto mehr kauft er, desto mehr schmeißt er weg. Deshalb ist Zero Waste auch kein Luxusspaß für Besserverdiener. Klar ist es teuer, im Bioladen statt im Discounter einzukaufen, und auch ein Unverpackt-Laden ist in der Regel kostenintensiver. Ein Zero-Waste-Haushalt spart aber so viel Geld ein, weil andere Konsumartikel deutlich seltener und meist gebraucht gekauft werden, dass es keine finanzielle Frage mehr ist, gute Biolebensmittel einzukaufen.

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