Bunte Kaffeekapseln für Kaffeemaschinen

30.11.2018 | Von:
Olga Witt

Zero Waste. (K)ein Ding der Unmöglichkeit? - Essay

Reduce, Reuse, Recycle

Aus dem Wissen um die Verschwendung unserer Ressourcen hat sich folgender Handlungsgrundsatz international etabliert: reduce, reuse, recycle. Dieser Dreiklang ist nicht mehr nur ein Insider für Zero-Waste-Anhänger, sondern findet sich in immer mehr Zusammenhängen rund um das Thema Nachhaltigkeit, weil er schlichtweg so simpel, sinnvoll und einleuchtend ist.

Reduce, also reduzieren, steht an oberster Stelle. Es geht um die Reduzierung von allem – unserer verbrauchten Güter, unserer Energie, unserer Ressourcen, in welcher Form auch immer. Seien es Konsumgüter, Lebensmittel oder Energie in Reinform: Selbst die Produktion von fair erzeugter Bio-Baumwolle, von Bio-Lebensmitteln und von Elektroautos benötigt Ressourcen, die nur in begrenztem Maße verfügbar sind. Auch ein Umstieg auf 100 Prozent erneuerbare Energien wird nur dann möglich sein, wenn wir unseren Energiebedarf insgesamt reduzieren. Für mich als Endverbraucherin bedeutet das, weniger zu konsumieren, nur das zu kaufen, was ich wirklich brauche, und auch nur die Dinge zu verschenken, die jemand anderes wirklich braucht. Und es bedeutet, lieber dauerhafte Dinge als Wegwerfprodukte zu nutzen.

Reuse, also wiederverwenden, ist vor allem ein Aufruf dazu, all das zu nutzen, was schon da ist, bevor man neue Sachen kauft. Dies bedeutet einerseits, die eigenen gebrauchten Dinge möglichst an andere weiterzugeben, und andererseits, auch selbst auf Secondhand- oder Flohmärkten, in speziellen Geschäften und im Internet gebraucht zu kaufen. Durch das gezielte Auswählen von gebrauchten Artikeln wird ihre Nutzungsdauer verlängert und ihre Nutzungsintensität erhöht – folglich muss weniger neu produziert werden. Reuse umfasst aber auch repair, also das Reparieren defekter Dinge, das Stopfen von Socken und das Flicken von Reifen, nicht aus Geiz, sondern aus Sinnhaftigkeit. Dabei behilflich sind immer mehr Repair-Cafés oder zahlreiche Bauanleitungen im Internet. Nähkurse können das beibringen, was wir von unseren Eltern schon oft nicht mehr gelernt haben. Dass Dinge heute viel schneller kaputt gehen – von manchen Herstellern offenbar bewusst in Kauf genommen oder gar eingeplant –, fällt jedem auf, der mittleren Alters ist und es noch anders kannte. Auch die Reparaturfähigkeit wird von vielen Produzenten oft bewusst verhindert, oder Akkus werden fest eingebaut, sodass sie nicht ausgetauscht werden können. Um Dinge wirklich reparieren zu können, ist es wichtig, schon beim Kauf daran zu denken. Das kostet anfangs zwar mehr, zahlt sich aber aus.

Recycle, also wiederverwerten, bedeutet, verwendete Stoffe einer Aufbereitung zuzuführen, sodass sie erneut genutzt werden können. Zwar sind die Reduzierung und die Weiternutzung ökologisch immer vorteilhafter und stehen deshalb auch in ihrer Wertigkeit klar an vorderer Stelle. Aber ist die Lebensdauer eines Gegenstandes erreicht und fällt Müll an, ist es umso wichtiger, durch die richtige Entsorgung einen Recyclingprozess zu ermöglichen, der einen Verlust der Rohstoffe vermeidet. Deshalb ergibt es durchaus Sinn, den Müll und vorab seine einzelnen Bestandteile zu trennen, zum Beispiel Alu-Deckel von Papp-Joghurtbechern zu lösen, bevor man sie wegwirft. Auch andere Stoffe und Dinge wie Kork, Batterien, Handys, Kronkorken und sogar Zigarettenstummel sind getrennt gesammelt wahre Wertstoffe. Auch die Kompostierung ist eine Form des Recyclings, die aus Abfall wertvolle Pflanzenerde macht. Mindestens eine Biotonne sollte also in jedem Haushalt verfügbar sein, der nicht selber kompostiert. Wer in seinem Mehrfamilienhaus auch auf mehrfaches Drängen erfolglos bleibt, kann zu Hause einen Teil selbst in einer Wurmkiste kompostieren.

Die Recyclingfähigkeit vieler Gegenstände hält sich heute allerdings in Grenzen. Bauteile sind häufig so miteinander verbunden oder verklebt, dass die einzelnen Stoffe nicht voneinander getrennt werden können oder ihre Trennung schlicht (noch) nicht wirtschaftlich ist. Eine wirkliche Kreislaufwirtschaft sollte den Anspruch haben, dass schon im Design der Produkte mitgedacht wird, wie man sie vollständig auseinandernehmen, trennen und zu neuen Produkten wiederverarbeiten oder eben einzelne Bausteine austauschen und reparieren kann. Da die Ressourcen unseres Planeten nicht mehr werden, ist es nur sinnvoll, sich eher früher als später von neuen Rohstoffen unabhängig zu machen und die Wirtschaft dahingehend zu lenken, dass die bestehenden so gut es geht im Kreislauf gehalten werden.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Olga Witt für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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