Bunte Kaffeekapseln für Kaffeemaschinen

30.11.2018 | Von:
Olga Witt

Zero Waste. (K)ein Ding der Unmöglichkeit? - Essay

Handeln

Der aufmerksame und politisch interessierte Leser mag bei diesen Zeilen vielleicht nervös werden. Ich verfolge mit meinem Engagement eher das Gegenteil von dem, was unsere Politik uns als Hausaufgabe aufgibt. Genau das, was ich mir wünsche, ist politisch nämlich nicht erwünscht: weniger Produktion. Wird weniger produziert, reduziert das auch das Wirtschaftswachstum. Der Konflikt liegt somit auf der Hand: Denn unsere gesellschaftlichen Zusammenhänge sind vollständig von Wachstum abhängig – unsere Arbeitsplätze, unser Finanzwesen, schlichtweg die gesamte industrialisierte Welt, wie wir sie uns geschaffen haben. Der Konflikt besteht aber so oder so, mit oder ohne Müllvermeider. Denn ein grenzenloses Wachstum ist auf unserem begrenzten Planeten schlichtweg nicht möglich. Es wird Zeit, diese Erkenntnis auch in politische Entscheidungen einfließen zu lassen und sich intensiv damit zu beschäftigen, wie eine Wirtschaft ohne Wachstum aussehen könnte. Je eher wir das akzeptieren, desto größer ist unser Handlungsspielraum, diese Zukunft mitzugestalten.

Zero Waste zu leben, ist für Otto-Normal-Verbraucher teilweise unvorstellbar. Die Einstiegshürde ist oft so hoch, dass Augen und Ohren lieber zugehalten werden. Deshalb möchte ich ein paar einfache Tipps teilen, mit denen jede und jeder einen leichten Einstieg in die Thematik schaffen kann. Wichtig ist, auf seine eigenen Bedürfnisse zu schauen und nicht damit anzufangen, was einem schwerfällt. Ganz im Gegenteil: Jeder wird bei genauem Hinsehen Bereiche finden, in denen es für ihn oder sie leicht ist, Müll zu vermeiden. Wer genau an solchen Stellen anfängt, erlebt schnell Erfolgserlebnisse, kann quasi dabei zugucken, wie der Hausmüll schrumpft. Das motiviert, um dran zu bleiben.

Eiscreme. In der Eisdiele ist die Entscheidung leicht. Hörnchen oder Becher? Mit dem Hörnchen fällt nicht nur der Pappbecher, sondern auch der Löffel weg.

Wasser. Leitungswasser kann in Deutschland vollkommen ohne Bedenken getrunken werden. Das spart nicht nur Plastikflaschen, sondern auch jede Menge Schlepperei und Geld. Mit einem Sprudelgerät für zu Hause ist auch Sprudelwasser aus dem Hahn möglich. Für Unterwegs ist eine Trinkflasche eine gute Begleiterin. Mit den bundesweit verbreiteten Refill-Aufklebern signalisieren immer mehr Läden, Restaurants, Cafés und Kioske, dass bei ihnen ein Auffüllen der Wasserflasche willkommen ist.

Fest statt Flüssig. Kosmetikprodukte in flüssiger Form müssen verpackt werden. Das Angebot von fester Kosmetik wird immer größer – Haarseifen, Shampoobits, Haarspülung, Bodylotion, Deosticks und Zahnpulver ermöglichen, auf Verpackung weitestgehend zu verzichten und reduzieren den Transportaufwand, weil kaum Wasser enthalten ist.

Stoffsäckchen. Das Einkaufssäckchen ist das wichtigste Accessoire eines Müllvermeiders. In einem Stoffsäckchen lassen sich nicht nur Obst und Gemüse transportieren. Wer eine Kaffeerösterei in der Umgebung hat, kann dort lose Kaffeebohnen holen und sie zu Hause frisch mahlen. Besonders nützlich ist das Säckchen auch beim morgendlichen Gang zum Bäcker. Brot und Brötchen können an jeder Bäckertheke lose in das Säckchen hineingelegt werden. Das spart zwar nur eine Papiertüte, aber die unnötigste Papiertüte der Welt.

To stay statt to go. Wer sein Essen vor Ort konsumiert, statt es einpacken zu lassen, spart jede Menge Verpackungsmüll ein. Da die Portionen oft größer sind als der Magen, habe ich gerne eine dicht schließende Frischhaltedose dabei, wenn wir auswärts essen gehen.

Frisch Kochen. Fertiggerichte und Halbfertiggerichte (zum Beispiel Pizzateig) füllen die Mülltonnen im Nu. Selbst zu kochen, ist für viele mittlerweile eine Herausforderung geworden. Tatsächlich ist es reine Übungssache. Und je mehr man kann, desto mehr Freude macht es und desto schneller steht das frische Essen auf dem Tisch. Auch Eingemachtes wie Senf, Marmelade und Apfelmus lässt sich leicht selbst machen. Wer schon mal frische Nudeln probiert hat, weiß: Die Arbeit ist es wert.

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Dieser Text ist unter der Creative Commons Lizenz "CC BY-NC-ND 3.0 DE - Namensnennung - Nicht-kommerziell - Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland" veröffentlicht. Autor/-in: Olga Witt für Aus Politik und Zeitgeschichte/bpb.de

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