Von Gerhard Richter gestaltetes Kirchenfenster im Kölner Dom

Identitätspolitik

Seit einigen Jahren wird vermehrt über Identitätspolitik diskutiert – meist in Form von Kritik an Teilen der Linken und ihrer vermeintlichen Fixierung auf die Rechte von Minderheiten. Die Vorwürfe lauten unter anderem: Identitätspolitik fragmentiere die Gesellschaft, sie fördere einen Opferwettbewerb, und sie lenke vom Wesentlichen ab, nämlich vom Sozialen und Ökonomischen.

Unter der Chiffre "Identitätspolitik" lässt sich eine grundlegende Debatte darüber führen, was demokratische Gesellschaften spaltet: Sind es Fragen über Kultur und Zugehörigkeit oder verteilungspolitische Fragen? Protestieren Menschen auf den Straßen und an den Wahlurnen, weil sie sich von Fremdheit bedroht fühlen oder von Armut – oder von einer Kombination aus beidem?

Lorenz Abu Ayyash

Editorial

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Simon Strauß

Bürgerliche Bekenntniskultur statt Identitätspolitik - Essay

Identitätspolitik bedeutet eine Schwächung wirklicher Politik, also des Strebens nach dem größtmöglichen Gemeinwohl. Es ist deshalb nötig, an einer neuen Form von Bekenntniskultur zu arbeiten, die sich der politischen Auseinandersetzung über das gemeinsame Gut stellt.

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Jens Kastner, Lea Susemichel

Zur Geschichte linker Identitätspolitik

Identitätspolitik ist häufig eine Reaktion auf Diskriminierung. In ihrer emanzipatorischen Form hat sie sich in der Vergangenheit in verschiedenen sozialen Bewegungen gezeigt: etwa in der Arbeiterbewegung, den Befreiungsbewegungen von Schwarzen und im Feminismus.

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Jan-Werner Müller

"Das wahre Volk" gegen alle anderen. Rechtspopulismus als Identitätspolitik - Essay

Es gibt keinen Populismus, der ohne eine bestimmte Form von Identitätspolitik auskommt – nämlich eine, die primär dem Ausschluss anderer dient. Die Identität, die Rechtspopulisten heute vornehmlich ins Feld führen, ist national oder auch "ethnokulturell".

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Silke van Dyk

Identitätspolitik gegen ihre Kritik gelesen. Für einen rebellischen Universalismus

"Identitätspolitik" ist zu einer Chiffre für die Probleme der Linken und ihrer Verantwortung für den Erfolg der Neuen Rechten avanciert. Dabei verfälscht die Delegitimierung der Identitätspolitik ihren Gegenstand, sodass ein Lernen aus Erfolgen und Fehlern erschwert wird.

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Philip Manow

Politischer Populismus als Ausdruck von Identitätspolitik? Über einen ökonomischen Ursachenkomplex

Der Protest, der sich in den Wahlerfolgen von Populisten niederschlägt, wird häufig als Ausdruck eines Kulturkampfs interpretiert. Betrachtet man aber die verschiedenen Erscheinungsformen des Protests, zeigt sich, dass die identitätspolitischen Deutungen nur begrenzt hilfreich sind.

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Aladin El-Mafaalani

Alle an einem Tisch. Identitätspolitik und die paradoxen Verhältnisse zwischen Teilhabe und Diskriminierung - Essay

Immer mehr und immer unterschiedlichere Menschen sitzen mit am Tisch und wollen vom Kuchen essen. Wie kommt man eigentlich auf die Idee, dass es ausgerechnet jetzt harmonisch werden soll? Diese Vorstellung ist entweder naiv oder hegemonial. Die Realität ist eine andere.

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