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28.9.2006 | Von:
Ingrid Matthäi

Alleinstehende Migrantinnen: Integriert - isoliert - segregiert?

Typus "Familienfrauen"

Die familiale Gemeinschaft, bestehend aus Kindern und Enkeln, oftmals erweitert um räumlich nah lebende Verwandte, ist für diese alleinstehenden Migrantinnen der zentrale soziale Bezugspunkt und somit auch die wichtigste Netzwerkressource mit hohen wechselseitigen Unterstützungsleistungen.[5] Außerfamiliäre Sozialbeziehungen und Sozialkontakte haben keine hohe Relevanz und werden auch kaum gesucht. Diese Migrantinnen unternehmen kaum Anstrengungen, um außerfamiliäre soziale Kontakte aufzubauen oder zu pflegen. Selbst Nachbarschaftskontakte gehen selten über typische Formen der Nachbarschaftshilfe hinaus. Bekanntschaften bleiben oberflächlich und werden in der Regel nicht auf den privaten Bereich ausgedehnt. In diesem Interaktionsmuster sind fast ausschließlich verwitwete Frauen zu finden, die mehrheitlich ein eher traditionelles Geschlechter- und Rollenverständnis haben. Auch im Alter pflegen sie weiterhin ein soziales Muster, das bereits für ihr Eheleben konstitutiv war und in dem sich die sozialen Bezüge stark auf Ehepartner, Nachkommen und Verwandte konzentriert haben. Allerdings gibt es auch Migrantinnen, die sich erst nach dem Tod des Ehepartners sozial stärker in die Familie zurückziehen. Handlungsleitend ist dabei unter anderem die Orientierung an Normen und Vorstellungen zur traditionellen Witwenrolle. In diesem familienzentrierten Interaktionsmuster bleiben sowohl die inner- als auch interethnischen sozialen Beziehungen oberflächlich und sporadisch.

Fußnoten

5.
Vgl. Bernhard Nauck/Anette Kohlmann, Verwandtschaft als soziales Kapital, in: Michael Wagner u.a. (Hrsg.), Verwandtschaft, Stuttgart 1998.