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26.11.2007 | Von:
Martin Düspohl

Das Museum als sozialer Faktor

Der soziale Faktor

Die beiden hier geschilderten Ausstellungsprojekte haben maßgeblich dazu beigetragen, dass das Kreuzberg-Museum heute eine lebendiges Stadtteilmuseum ist. Dafür sorgen nicht nur die Ausstellungsbesucher: Die eingegangenen Kooperationen führten zu einer engen Vernetzung mit weiteren Akteuren im Stadtteil. Synergieeffekte werden belegt durch zahlreiche gemeinsame Veranstaltungen, Diskussionen und Kurse, die das Museum als "Ressource" und "Ausgangsbasis" nutzen.[15] Zusätzlich ergaben sich internationale Kooperationen, z.B. mit den Partnerstädten des Bezirks in Polen und in der Türkei. Die Deutsch-Britische Stiftung ließ sich anregen zu dem Vergleich: "Lebt es sich leichter als Türke in Berlin oder als Pakistani in Bradford?"[16] Die drei fest angestellten Mitarbeiter des Museums gerieten unversehens und immer mehr in die Rolle, Prozesse, die sie selbst mit in die Wege geleitet hatten und die nun zunehmend ihre eigene Dynamik entfalteten, zu moderieren, zu koordinieren und zu steuern. Traditionelle Museumstätigkeiten wie historische Forschung, Erschließung der (inzwischen erheblich erweiterten) Sammlung und - nicht zuletzt - die Verwaltungsaufgaben kamen dabei phasenweise zu kurz. Die "Wahrnehmung des kulturellen Mandats" im Stadtteil durch das Museum benötigt mehr personelle Ressourcen als Stadteilmuseen in der Regel haben. Der soziale "Faktor" erweist sich als voraussetzungsvoll und verändert das "Produkt" Museum.

Fußnoten

15.
So z.B. das Projekt "X-berg-Tag", bei dem junge Kreuzberger mit Migrationshintergrund anderen Jugendlichen ihre Lebenswelt zeigen, dabei durch das Museum und in eine Moschee führen.
16.
Roger Boyes/Dörte Huneke: Lebt es sich leichter als Türke in Berlin oder als Pakistani in Bradford?, London 2004, online unter: www.agf.org.uk/pubs/pdfs/1433web_de.pdf. Die Studie wurde im Juni 2004 im Rahmen einer Tagung im Kreuzberg-Museum vorgestellt, an der neben Kreuzberger Akteuren auch Vertreter der pakistanischen Community aus dem Immigranten-Stadtteil Manningham von Bradford teilnahmen.