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Graffiti an einer Hauswand in Sanaa/Jemen, 05.06.2014

2.1.2020 | Von:
Maali Jamil

Jemen – Hin und zurück - Essay

Der Jemen ist die Wiege eine der ältesten Zivilisationen der Welt. Seine reiche und vielfältige Geschichte ist in unser Essen, unsere Musik, unsere Kleidung und Traditionen eingeschrieben, die sich von Region zu Region und von Stadt zu Stadt unterscheiden können – von meinen geliebten Meeresfrüchten in roter Sauce in Aden bis zu den warmen, luftig gebackenen und mit Honig beträufelten Süßigkeiten von Sanaa; von den hellen Blau-, Grün- und Goldtönen der traditionellen Kleider von al-Hudaidah bis zu den kräftigen, erdigen Farben der Trachten von al-Mahra. Jemen ist ein Wandteppich mit einem nicht enden wollenden kulturellen Panorama, gewoben von der Zeit, der Migration und der Geschichte, mit Bildelementen aus Indien, der Türkei und Äthiopien, die in unserem Alltag immer und überall wiederzufinden sind.

Wenn ich den Menschen erzähle, dass ich Jemenitin bin, brauchen sie häufig erst einmal eine Minute, um mein Herkunftsland auf ihrer inneren Landkarte zu verorten oder sich zu erinnern, mit welcher herzzerreißenden Schlagzeile sie den Namen dieses Staates aufgeschnappt haben. Der Jemen, wie wir ihn aus den Nachrichten kennen, ist beherrscht von Bildern des Grauens: Krieg, Zerstörung, humanitäre Krisen, Gesundheitskrisen. Vor dem Krieg ging es in Nachrichten aus dem Jemen vor allem um Themen, die mit Terrorismus zu tun hatten, wie zum Beispiel Drohnenangriffe, bei denen unschuldige Zivilisten getötet wurden. Die meisten Menschen sehen den Jemen durch diese Brille und sind sich der Existenz dieses Landes überhaupt erst seit Kurzem bewusst.

Unbekannte Heimat

Ehe ich als 15-Jährige 2005 mit meinen Eltern wieder nach Sanaa zog, wusste auch ich nicht allzu viel über den Jemen, auch wenn ich mich einigermaßen in der südarabischen Umgangssprache meiner Mutter verständigen konnte und die traditionellen Gerichte meiner beiden Eltern aß. Ich spielte mit Kindern, die wie ich den Jemen vor allem aus den Erzählungen ihrer Eltern kannten, aus den Traditionen und Fotoalben mit Bildern von einem Land, das sie einst verlassen hatten und von dem sie dachten, dass sie es bei ihrer Rückkehr unverändert vorfinden würden. Wenn wir zusahen, wie unsere Mütter und Großmütter zu der traditionellen jemenitischen Musik tanzten, warteten wir geduldig, bis ein westliches Lied lief und es an ihnen war, sich hinzusetzen und uns beim Tanzen zuzuschauen. Ich wusste eigentlich gar nicht genau, was der Jemen überhaupt war oder was ich zu erwarten hatte, als ich zum ersten Mal in Sanaa landete.

Da war dieser altmodische Flughafen und dann die flauschigen Sitzbezüge in dem Auto, in dem mich ein Cousin abholte, den ich vorher noch nie getroffen hatte, und all die Bilder und Geräusche der noch fremden Stadt, in der ich die nächsten zehn Jahre leben sollte. Auf der Fahrt durch die verschlungenen Straßen der Hauptstadt hörte ich vom Rücksitz aus die Unterhaltung zwischen meinem Vater und seinem Neffen mit, die bei diesem Wiedersehen einen Dialekt sprachen, mit dem ich nicht sehr vertraut war, da mein Vater uns gegenüber bisher immer den Dialekt meiner Mutter verwendet hatte. Beim Blick aus dem Fenster bemerkte ich bereits ein Hauptelement des ortsüblichen Personenkults: Die ganze Stadt war mit dem Bild des Präsidenten gepflastert. Die Märkte liefen über vor Autos, Menschen und Verkäufern, die mit ihrem in Endlosschleife wiederholten Geschrei um Aufmerksamkeit für ihr Obst oder Gemüse der Saison warben. Die Männer trugen Kleidung, die ich von Festen und Bildern kannte, aber als Alltagskluft sehr merkwürdig fand. Die Frauen waren von Kopf bis Fuß bedeckt, und ich kam mir ohne Kopftuch irgendwie fehl am Platz vor.

Wir erreichten das Haus meines kürzlich verstorbenen Onkels und wurden mit der Gastfreundschaft und Wärme empfangen, die ich von Jemeniten kannte und erwartete. Einige meiner Verwandten hatte ich vorher noch nie gesehen. Es gab sogar ein paar, von denen ich überhaupt nichts wusste, nicht einmal die Vornamen. Ein paar Cousinen, die ungefähr so alt waren wie ich, sprachen Englisch mit mir – was für eine Erleichterung! Ich konnte mich also ins Englische flüchten, wenn mein Arabisch mich im Stich ließ, was unvermeidbar war und in der ersten Zeit sehr häufig passieren sollte.

Zum Mittagessen setzten wir uns um verschiedene bunte Schüsseln und Teller herum. Die Frauen aßen gemeinsam im einen Raum, die Männer im anderen. Es gab im Haus männliche und weibliche Bereiche. Die Männer, die nicht zur unmittelbaren Verwandtschaft gehörten, gingen bei ihrer Ankunft direkt in den Gästetrakt des Hauses, während die Frauen in den anderen Teil geleitet wurden. Nach und nach lernte ich, zu welchen männlichen Verwandten ich je nach Alter und Verwandtschaftsgrad Kontakt haben konnte. Diese Familientreffen folgten einem eigenen Rhythmus, und alle wussten, wo sie sich aufhalten durften und wo nicht. Das Essen fand stets reibungslos seinen Weg von der Frauenseite hinüber zu den Männern. Ein Mann, der einen Grund hatte, den für Frauen reservierten Trakt des Hauses zu betreten, hüstelte höflich oder sagte etwas, um sein Eintreten anzukündigen. Die Frauen wiederum klopften an die Türen des Männertraktes, um zu signalisieren, dass sie eine Schüssel mit Essen davor abstellen würden. Es war nicht schwer für mich, das alles zu übernehmen, denn dieser Umgang mit Gästen war in den meisten Haushalten ganz ähnlich. Nach kurzer Zeit hatten meine Brüder und ich uns angepasst.

Starke Gemeinschaft

Wir lernten zu schätzen, wie gemeinschaftsorientiert der Jemen war, denn starke staatliche Institutionen oder funktionierende öffentliche Dienstleistungen gab es nicht. Daher taten die Leute sich automatisch im Kleinen zusammen, um ihre Probleme zu lösen. Im Jemen leben gut 30 Millionen Menschen. 70 Prozent von ihnen wohnen auf dem Land, in Gegenden ohne verlässliche Wasser- und Stromversorgung und mit schlechten Straßen. Die Ineffizienz der Regierung gleichen sie indessen mit eigenen, lokalen Lösungen aus – manchmal mit finanzieller Hilfe von Verwandten aus dem Ausland, manchmal aber auch auf eigene Faust. Wir fuhren einmal zu einem Ort nicht weit vom Dorf meines Vaters, wo wir tagelang ohne Stromanschluss lebten. Aber vor dem Sonnenuntergang starteten die Bewohner eines der wohlhabenderen Haushalte ihren Generator. Die Nachbarn durften dann gegen eine geringe Gebühr den Strom mitnutzen.

Solche Systeme gibt es auch in größerem Maßstab. Wer im Jemen Post verschicken möchte, gibt seine Sendung jemandem, der in den Überlandbus steigt und diese dann gegen etwas Geld zum Empfänger befördert. Der entrichtet einen zweiten Betrag, um schließlich seine Post zu erhalten. Es ist bestimmt auch schon einmal etwas verloren gegangen, aber nach unserer Erfahrung ist die Mitwirkung bei dieser Art der Postbeförderung eine Frage der Ehre: In unserem Fall hat dieses System immer funktioniert – und war zuverlässiger als der ohnehin kaum vorhandene formelle Postdienst.

Das Leben in den Dörfern folgt naturgemäß einem anderen Rhythmus als jenes in den Städten. Das erste Dorf, das ich besuchte, war recht klein – es bestand aus vielleicht sieben oder acht Haushalten, in denen mehrere Generationen unter einem Dach lebten. Die Häuser waren jeweils durch ein Stück Land voneinander getrennt. Als ich einmal mit einer Verwandten vor dem Haus unserer Gastgeber stand, nannte sie mir die Namen der Familien, die in den benachbarten Häusern wohnten, und erzählte mir, wer auf der Hochzeit erwartet wurde, für die ich in den Ort gekommen war. Als sie mir die Namen nannte, sagte sie mir immer dazu, in welcher Beziehung die Personen zu Braut und Bräutigam standen, die ebenfalls entfernt verwandt waren. Es gab eine viel größere Nähe zwischen den Menschen, denn sie pflegten enge Beziehungen, zu denen es gehörte, dass die Menschen sehr stark am Leben ihrer Nachbarn und Verwandten Anteil nahmen. Gemeinsam lösten sie ihre Probleme, feierten, bewirtschafteten die Felder, trauerten. Als meine Verwandte auf die verschiedenen Häuser und Gehöfte zeigte, schmeichelte das satte Grün meinen Augen – was für ein herrlicher Kontrast zur trockenen Hauptstadt! Es hatte den Anschein, dass hinter den sanften Hügeln nichts mehr kam. Doch als wir auf einen dieser Hügel gestiegen waren, sahen wir auf einmal weitere Dörfer, zu denen sie mir dann ebenfalls einige Geschichten erzählte.

Ich hatte großen Respekt davor, wie die Menschen auf informellem Weg und ohne Hilfe der Regierung ihre gemeinschaftlichen Bedürfnisse befriedigten, denn es zeigte, wie widerstandsfähig und tüchtig sie waren. Doch das Fehlen starker staatlicher Institutionen hatte auch der Vetternwirtschaft Vorschub geleistet, die so tief verwurzelt war, dass sie Teil des Alltags geworden war. Gewisse Namen und familiäre Verbindungen hatten enormes Gewicht, und alles hing davon ab, wen man kannte. Die Reichen wurden immer reicher, weil ihre Kinder die am besten bezahlten Jobs und die besten Stipendien bekamen – allerdings nicht unbedingt wegen ihrer persönlichen Verdienste. Menschen ohne starkes Netzwerk mussten allzeit bereit sein, Entscheidern jeder Art Bestechungsgelder zu zahlen, und zwar vom kleinsten Beamten bis zum höchsten Amtsträger. Keine guten Beziehungen und kein Geld zum Bestechen zu haben, bedeutete für die verarmte Bevölkerung in der Regel, dass es keine Chance gab, Verwaltungsvorgänge – sei es nun in der Justiz, im Bildungswesen oder im Gesundheitsbereich – voranzubringen.

Während meiner Zeit im Jemen erlebte ich Augenblicke des Glücks, der Trauer, der Frustration und der Liebe. Was ich aber immer empfand, ist Bewunderung. 2008 fing ich an, Englisch als Fremdsprache zu unterrichten, und damals lernte ich erstmals Jemeniten jeder Couleur kennen. Zu jedem Semesterbeginn wuchs meine Schülerzahl und mit ihr meine Bewunderung für die Stärke dieser Menschen, die in ihre Bildung investierten. Wenn ich vormittags unterrichtete, kamen manchmal Mütter, die zuvor ihre Kinder zur Schule gebracht hatten, um dann selbst zum Unterricht zu gehen. Am späten Nachmittag kamen Hochschulstudenten in meinen Kurs, die bereits stundenlange Lehrveranstaltungen hinter sich hatten, oder Angestellte, die nach der Arbeit in den Englischunterricht kamen, statt nach Hause zu gehen. Der Zustand des Bildungssystems war und ist erschreckend, weshalb die Menschen sich privaten Instituten zugewendet haben, um dort die Sprache zu lernen, die es ihnen ermöglichen soll, national und international mitzuhalten, sich um Stipendien zu bewerben, ins Ausland zu reisen oder einen gutbezahlten Job zu finden. Vor mir saßen Sprachschüler aus unterschiedlichen sozialen Schichten, einige zahlten selbst, andere hatten ein staatliches Stipendium erhalten, und die unterschiedlichen Bezugsrahmen dieser Menschen gaben den Debatten im Unterricht eine gewisse Tiefe. Häufig nahmen sie unerwartet eine politische Wendung, wenn auch nur auf metaphorischer Ebene, denn die Menschen waren sehr vorsichtig, wenn es darum ging, Meinungen über den damaligen Präsidenten, den bis 2011 regierenden Ali Abdullah Salih, zu äußern.

Sturm der Veränderung

2011 kam die Revolution. Sie war Ausdruck einer leidenschaftlichen Ablehnung des unglaublich niedrigen Lebensstandards, den politische und religiöse Eliten einem verarmten Volk aufgezwungen hatten. Es birgt eine gewisse Ironie, dass die Revolution nach wie vor Millionen Menschen mit Stolz erfüllt, obwohl auch sie am Ende zur Beute genau dieser Eliten wurde. Die Proteste waren nicht nur weitgehend friedlich in einem Land, in dem es fast so viele Waffen pro Kopf gibt wie in den USA, sondern sie führten auch zum Ende einer autokratischen Herrschaft, die ansonsten vom Vater an den Sohn weitergegeben worden wäre.

Im Sommer 2011, einige Monate nach Beginn der Revolution, hatte ich bereits seit dem Vorjahr eine dauerhafte Vereinbarung mit einem Taxifahrer, einem jungen Mann, der mich jeden Tag abholte und am Arbeitsplatz absetzte. Während der Revolution war das ein sehr unsicherer Ort, an dem es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen kam und Scharfschützen lauerten. Doch das Leben ging einfach weiter, und wir fuhren jeden Tag die 20 Minuten zu meinem Arbeitsplatz und wieder zurück. Ich hatte eine Freundin, die nur einige Häuserblocks entfernt lebte und eine Mitfahrgelegenheit brauchte. Sie wohnte zu weit entfernt zum Laufen, aber zu nah, als dass es sich für einen Fahrer gelohnt hätte, eine Tour in ihre Gegend zu riskieren. Also entschieden mein Taxifahrer und ich, sie jeden Tag abzuholen und mitzunehmen. Die Hauptstraßen waren blockiert, weshalb wir unbeleuchtete Nebenstrecken nehmen mussten, auf denen wir nur das sahen, worauf der Lichtkegel unserer Scheinwerfer fiel. Kurz vor der Straße, in der meine Freundin wohnte, blendete der Fahrer das Licht ab, öffnete sein Fenster und fuhr mit dem Auto langsam zu der Kreuzung, an der sie wohnte. Dort standen Regierungssoldaten, die jede Bewegung in der Straße überwachten. Zuvor hatte meine Freundin mir erzählt, dass sie beim Blick aus ihrem Fenster manchmal sehen konnte, wie eine Zigarettenkippe im Wind über die Dächer der umliegenden Häuser tänzelte. Von da an sah ich mich jedes Mal um, wenn wir sie absetzten, denn die herumwehenden Zigarettenkippen verrieten uns, dass irgendwo auf einem der Dächer ein Scharfschütze lag und uns beobachtete. Wochenlang hielten wir tagtäglich an diesem Punkt an. Die Soldaten sahen in das Auto, wiesen uns an, sie auf der anderen Straßenseite abzusetzen, zu wenden und auf demselben Weg zurück zu fahren. Bevor ich selbst anfing, zu fahren, war ich jahrelang von diesem Taxifahrer abhängig, wenn ich irgendwohin fahren wollte, und ich werde ihm ewig dankbar sein, dass er immer eine Möglichkeit gefunden hat, uns abzuholen.

Das Schönste an der Revolution war für mich die starke Beteiligung der Frauen. Führungspositionen waren bis dahin vor allem mit Männern besetzt gewesen, und obwohl bemerkenswerte Frauen es bereits geschafft hatten, zur Ministerin oder Botschafterin ernannt zu werden, mussten zahllose andere um Entscheidungsspielräume in ihren Familien, Gemeinden und in der Öffentlichkeit kämpfen. Die besondere Stärke, die jemenitische Frauen schon immer ausgezeichnet hat, ist für Menschen, denen dieses Land fremd ist, nur schwer erkennbar. Häufig werden wir als demütig, unterwürfig oder allzu gefällig wahrgenommen, und vielleicht ist das ja sogar die Wahrheit. Doch zu dieser Wahrheit gehört auch, dass es die Frauen sind, die unter all den Mängeln der Verwaltung und Gesellschaft am meisten zu leiden haben. Jemenitische Frauen mussten sich in einer äußerst patriarchalischen Gesellschaft ihren Weg durchs Leben bahnen, um jede Chance kämpfen, immer wieder aufs Neue ihren Wert unter Beweis stellen. Sie mussten die negativen Etiketten und Stigmata abwehren, die an jenen hängen bleiben, die gesellschaftliche Normen herausfordern. Sie mussten ihren Platz in einer Gesellschaft neu definieren, die ihren Beitrag außerhalb der eigenen vier Wände nicht immer schätzt, in einem Land, in dem Männer strukturell privilegiert sind. Der Konflikt hat inzwischen neue Entwicklungen angestoßen. Frauen haben die Gelegenheit genutzt, sich Rollen anzunähern, die noch vor wenigen Jahren für sie einen hohen sozialen Preis gehabt hätten. Es ist kaum vorstellbar, dass sie, sollte der Konflikt einmal ein Ende nehmen, diesen neu gewonnenen Raum wieder aufgeben, denn heute arbeiten mehr Frauen als je zuvor zum Beispiel als Mediatorinnen, Forscherinnen, Bloggerinnen, Gründerinnen von Graswurzelinitiativen, Betreiberinnen kleiner Unternehmen, Lehrerinnen, Händlerinnen, Bauingenieurinnen oder Webdesignerinnen. Trotz der häufigen Polarisierung durch die Politik scheint es im Land eine breite Bewunderung für die Erfolge zu geben, die Frauen trotz all der ideologischen und gesellschaftlichen Hindernisse und der Härten des Krieges errungen haben.

Heute

Heute lebe ich in Europa, in Sicherheit, aber auch gequält von den Schuldgefühlen einer Überlebenden, die ihren im Krieg verstorbenen Vater und ihre Familie zurückgelassen hat. Seit ich den Jemen 2015 mit meinem Mann und unserem kleinen Kind verlassen habe, denke ich ausnahmslos jeden Tag an die Sicherheit meiner Familie. Ich bin in Gedanken bei einer ganzen Generation von Kindern, die um ihre Bildung gebracht wurden, bei den Müttern und Vätern, die ihre Kinder beerdigen mussten und bei einem Land, dem schwere ökologische Krisen bevorstehen, auf die wir in keiner Weise vorbereitet sind. Ich denke an ein Volk, das durch Kriegsherren und Ideologien polarisiert ist. Doch ich habe auch Hoffnung für den Jemen angesichts der jungen Menschen, die nicht aufgeben. Sie schreiben, publizieren, filmen, forschen, gründen Firmen, finden technische Lösungen, führen friedliche Dialoge, vernetzen sich in der Diaspora. Wir wenden uns gegen diesen anhaltenden Zustand des Chaos und der Teilung, gegen die Abwärtsspirale, die den Jemen seit einigen Jahren erfasst hat. Ich hoffe, dass der Geist der Revolution wenigstens in den Künsten weiterlebt und dass ich einmal in einen Jemen zurückkehren kann, in dem die Revolution erfolgreich war.

Übersetzung aus dem Englischen: Jan Fredriksson, Herzberg am Harz.

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