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26.7.2011 | Von:
Andreas Kötzing

Ein Hauch von Frühling

Fazit

Anhand von "Deutschland - Endstation Ost" lässt sich die kulturpolitische Situation in der DDR nach dem Mauerbau sehr gut nachvollziehen. Einerseits zeigt sich, dass es kurzzeitig ein Umfeld gab, in dem Kunstwerke entstehen konnten, die sich um einen alternativen, weniger dogmatischen Blick auf das Leben in der DDR bemühten, ohne dabei den Machtanspruch der SED grundsätzlich in Frage zu stellen. Frans Buyens plädierte mit seinem Film nachdrücklich für den Aufbau des Sozialismus in der DDR. Er ließ jedoch auch kritische Stimmen zu Wort kommen, die ein widersprüchliches Bild auf die tatsächliche Entwicklung der DDR-Gesellschaft warfen. Andererseits zeigt die Art und Weise, wie mit dem fertigen Film umgegangen wurde, dass die Handlungsspielräume der Künstler nach wie vor sehr begrenzt waren. Denn obwohl "Deutschland - Endstation Ost" zunächst politische Unterstützung fand, konnte er schlussendlich nie öffentlich in den Kinos der DDR gezeigt werden. Bezeichnend ist, dass Buyens keinen regimekritischen Film gedreht hatte, im Gegenteil: Er zeichnete ein positives Bild vom Leben in der DDR. Sein Plädoyer für den weiteren Aufbau des Sozialismus thematisierte lediglich unterschiedliche Meinungen - das reichte aus, um ihn ins Archiv zu verbannen.

Buyens' Film fiel einer kulturpolitischen Entwicklung zum Opfer, die Ansätze einer kritisch-künstlerischen Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen Entwicklung der DDR im Keim erstickte. Greift man den Vergleich zum Wetter auf, dann schien in der SED-Kulturpolitik nach dem 13. August 1961 zwar gelegentlich die Sonne, die dunklen Regenwolken verzogen sich jedoch nie. Künstler, die auf einen länger anhaltenden "Frühling" hofften, wurden bitter enttäuscht: Mit dem 11. Plenum ereignete sich in der DDR ein kulturpolitisches Gewitter, das einen frostigen Dauerregen nach sich zog, wie man ihn selbst in England nicht alle Tage erlebt.


Dossier

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